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Migration als Chance für das Ruhrgebiet?! Die Katholische Akademie und der Initiativkreis Ruhr gaben einen positiven Impuls für die Integrationsdebatte



Auf dem Podium in der Wolfsburg: Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck
und Bärbel Berghoff vom Vorstand der RAG-Stiftung (oben),
Man braucht nur durch die Stadt zu gehen, um zu sehen, das Mülheim bunter wird. Wird das unsere alternde Stadtgesellschaft stärken oder überfordern? Die Katholische Akademie und  der Initiativkreis Ruhr zeigten jetzt mit einer Diskussionsveranstaltung in der Wolfsburg auf, wie Zuwanderung zur Chance für das Ruhrgebiet werden könnte.

Unter den Zuhörern waren auch Oberstufenschüler des Gymnasiums Broich, die sich im Rahmen ihres Erdkundeunterrichtes mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet beschäftigen.

Sie hörten zum Beispiel Ruhrbischof Overbeck, der von der Politik in Bund und Land „einen langen Atem“ bei der Integration und mutige Investitionen in die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur forderte: „Wir brauchen hier neue Straßen und neue Wohnungen und eine Stärkung des Mittelstands, der mit neuen Jobs die Integrationsmaschine Arbeit anwirft“, sagte Overbeck.
Bärbel Berghoff, Vorstand der RAG-Stiftung, sprang ihm bei, in dem sie feststellte: „Wir sehen die Not und wir arbeiten daran. Aber unsere Hilfe, etwa durch Schülerstipendien, kann nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Wichtig ist, dass das politische Wollen  da ist. Denn alleine werden wir es nicht schaffen.“

Für Jadrinka Thiel, die im NRW-Familienministerium für die integrationspolitische Infrastruktur zuständig ist, gibt es trotz aller Schwierigkeiten beim Thema Integration und Zuwanderung kein Grund zum Schwarzmalen. „Mit  einer großartige Unterstützung durch ehrenamtlich aktive Bürger haben wir nach dem 

Flüchtlingszustrom ab 2015 als Staat alles getan, was man tun kann. Aber wir können heute viele Lehrerstellen nicht besetzen und das dauert mindestens so lange, wie ein Lehramtsstudium, bis sich die Situation der Seiteneinsteiger entspannen kann“, unterstrich Thiel.

Viel wäre aus ihrer Sicht gewonnen, „wenn wir die Potenziale der zum Teil mehrsprachigen, flexiblen und gut ausgebildeten Zuwanderer anerkennen würden. Diese Menschen haben es geschafft, sich in verschiedenen Kulturen zu bewegen und große Probleme zu bewältigen. Von ihrer Flexibilität und Energie können wir profitieren“, findet die Ministerialbeamtin mit kroatischen Wurzeln.

Ähnlich sieht es der in Ost-Anatolien geborene

Sozialwissenschaftler und Hochschulbeamte Suat Yilmaz vom NRW-Zentrum für Talentförderung. „Wir dürfen nicht nur auf die Troublemaker schauen. Wir müssen uns auch um die Toptalente kümmern. Und wir müssen aufhören, alles und jeden in Deutschland kategorisieren zu wollen“, sagt der Mann von der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. Gesagt. Getan. Als ihm eine 2012 aus dem Iran geflohene Fachabiturientin von ihren Schwierigkeiten berichtet, eine kaufmännische Lehrstelle zu bekommen, meint Yilmaz nur: „Wir machen gleich einen Termin. Da lässt sich bestimmt was machen.“

Overbeck und Yilmaz sind sich an diesem ertragreichen Abend in der Katholischen Akademie einig, dass es heute in unserem Land nicht um den Gegensatz von Christen und Muslimen oder von Deutschen und Zuwanderern, sondern um „Hoffnung und Lebensperspektiven“ geht, die verhindern, „dass immer mehr Menschen unglücklich werden, in Paralellgesellschaften abtauchen und so Probleme bereiten.“

Für den 17-jährigen Broicher Gymnasiasten Leonard Weier bleibt am Ende des Abends die Erkenntnis: „Wenn wir die Entstehung von Paralellgesellschaften verhindern wollen, müssen wir allen Menschen in unserem Land die gleichen Chancen geben.“ Seine Mitschülerin Jule Hellwig (17) bilanziert den Abend so: „Ich war positiv überrascht, wie viele Menschen an wie vielen Stellen am Thema Integration arbeiten.“ Und ihre Lehrerin Angelika Husemann freut sich, „dass dieser Abend die Botschaft rüber gebracht hat, dass Bildung der Schlüssel für eine gelungene Integration ist, die dazu führt, dass wir friedlich zusammen leben und zusammen arbeiten können.“


Zahlen zur Zuwanderung


Laut Stadtforschung leben in Mülheim aus 140 Nationen zusammen.
15 Prozent der derzeit 173 000 Mülheimer haben keinen deutschen Pass.
8,2 Prozent der Mülheimer haben einen deutschen und einen weiteren Pass.
22,8 Prozent der Mülheimer stammen aus einer Zuwandererfamilie.
Die meisten Mülheimer mit einem Migrationshintergrund stammen aus einer Familie mit türkischen Wurzeln (17,3 Prozent), gefolgt von den polnisch-stämmigen Mülheimern mit 13,9 Prozent und Mülheimern mit familiären Wurzeln in den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens (8,3 Prozent) Auf Platz 4 folgen bereits mit 5,2 Prozent Zuwanderer aus Syrien.
30 Prozent aller neugeborenen Mülheimer haben einen Migrationshintergrund.
Die meisten Mülheimer mit Migrationshintergrund leben in Styrum (35,4 Prozent), Styrum (35,1 Prozen) und  in der Stadtmitte (28,8  Prozent)
14,6 Prozent aller Schüler in Mülheim haben keinen deutschen Pass.

Von den 5 Millionen Einwohnern des Ruhrgebietes haben, laut IT NRW, 24,8 Prozent einen Migrationshintergrund.

Dieser Text erschien am 21. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

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