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Von wegen Wonne

Haben Sie schon was gemerkt. Wir sind im Wonnemonat. Für mich begann der Wonnemonat schon gestern mit einem besonderen Tanz in den Mai. Zur besten Mittagszeit in einer von halbstarken Schülern überfüllten Straßenbahn unterwegs sein zu müssen. Ich war nur drei Stationen lang an Bord. Doch das reichte mir schon, um mich so wonnig wie eine Ölsardine in der Dose zu fühlen und mit allen Verbal-Injurien dieser Welt in einer Lautstärke beschallt zu werden, gegen die eine Kirmes das reinste Gesäusel ist. Um ein Haar wäre ich aus der überfüllten Straßenbahn gar nicht mehr herausgekommen, wenn ich nicht meine ganze körperliche Präsenz gegen den wie aufgedreht wirkenden ignoranten Nachwuchs eingesetzt hätte, um mir den Weg ins Freie zu bahnen. Doch es gibt Hoffnung auf ein bisschen Wonne im Monat Mai wie ich kurz darauf aus der Lektüre eines Programmheftes, der am 6. Mai beginnenden Werkstattwoche in Eppinghofen erfuhr. Denn zum Start der Werkstattwoche wollen Schüler in der Innenstadt Müll einsammeln und Komplimente verteilen. Wirklich eine tolle Idee in einer Zeit, in der sich so viele Menschen nicht nur den Hintern hinterhertragen lassen und weder einen Blick noch ein freundliches Wort für ihren Mitmenschen übrighaben. Da dürfen wir uns über jeden Wonneproppen freuen, der dem Mai alle Ehre und uns etwas Freude und damit Hoffnung für die Zukunft macht. 

Dieser Text erschien am 1. Mai 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

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