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Apropos Pressefreiheit


Warum sind am 1. Mai nur 750 Menschen auf dem Rathausmarkt und keine 7500? Geht es uns heute zu gut als das wir noch massenhaft für unsere Rechte auf die Straße gehen würden oder haben wir schon resigniert? Der Blick in den grauen Mai-Himmel war auch nicht so verlockend als das man am Tag der Arbeit einfach ins Grüne statt auf den Rathausmarkt hätte gehen müssen. „Viele Menschen interessieren sich nicht mehr für den anderen. Keiner will mehr zu einem organisierten Kollektiv gehören. Aber ohne Kollektiv funktioniert eine Gesellschaft eben nicht“, antwortet mir der 88 Jahre alte Sozialdemokrat Hans Meinolf auf meine am 1. Mai im Vorbeigehen gestellte Frage. Er selbst geht trotz seines Alters am Tag der Arbeit noch auf die Straße und setzt damit ein ermutigendes Zeichen gegen die Resignation des Schweigens und der Vereinsamung.
Dazu fällt mir nach dem Tag der Arbeit und am Tag der Pressefreiheit ein, wie gut es ist, dass wir als Zeitungsmenschen, die wir diese Zeitung machen und lesen Gott sei Dank noch ein Kollektiv bilden, dass miteinander kommuniziert und sich nicht nur für sich selbst interessiert. Denn eines bleibt wie es schon immer war. Am Anfang ist das Wort, dem die Tat folgen muss. Denn nur redenden Menschen, die ersatzweise auch schreiben, senden oder lesen, kann geholfen werden. Gönnen wir uns diese Freiheit, die Mut macht, nicht nur heute am Tag der Pressefreiheit. 

Dieser Text erschien am 3. Mai 2019 in der Neuen Ruhrzeitung

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