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Erfolgsrezept Europa

Es gibt doch nichts schöneres als einen Familienausflug ins Grüne. Im vertrauten Kreis mal was anderes sehen und erleben. Das weckt die Lebensgeister. „Lass uns nicht immer zum Italiener gehen“, schlägt die gastgebende Schwester ihren beiden anderen Geschwistern vor. Die lassen sich von ihr gerne zu einer Wanderung ins Grüne überreden. Es geht bergauf und bergab. Der Appetit wächst mit der Aussicht auf die Einkehr in ein Landgasthaus mit gutbürgerlicher deutscher Küche. Mal schauen, was wir uns leckeres gönnen. Auf jeden Fall haben wir uns ein gutes Mittagessen verdient, wenn wir denn unser ersehntes Ziel im Grünen erreichen, das wir noch aus Kindertagen in guter Erinnerung haben. Und siehe da: Die Waldwege, die dort hinführen, sind immer noch so grün und schattig wie früher. Und endlich kommen auch die Hinweisschilder des Restaurants in Sicht, dessen Küche uns stets das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Doch nicht in Sicht kommen leider die netten Gastwirtsleute und ihre plakativ ausgehängten Speisekarten mit Schnitzel, Braten, Spätzle und Co. Die drei hungrigen Wanderer aus der Stadt sehen buchstäblich schwarz. Kein Leben mehr im alten Gasthaus. Alles leer und schwarz, wenn man durch die Fenster ins Innere schaut. Hier ist der Ofen offensichtlich schon länger aus, den alten Hinweisschildern an der Straße zum Trotz. Nach einer kurzen Verschnaufpause auf der Bank vor dem geschlossenen Gasthaus müssen die jetzt nicht nur hungrigen, sondern auch geschafften und frustrierten Wandersleute den Rückweg in die Stadt antreten. Müde, ausgehungert und reumütig kehren sie bei ihrem verschmähten Italiener ein und werden von ihm wie immer freundlich und fürstlich mit Pizza, Pasta, Kaffee und Eis bewirtet. Wie schön kann doch Europa sein, wenn man dort Freunde findet, die einen nicht im Regen stehen und am langen Arm verhungern lassen. Hoffentlich gilt das auch für die politischen Köche im jetzt gewählten Europaparlament, damit uns der Appetit auf Europa nicht vergeht und wir auch in der Zukunft nicht hungrig in die Röhre schauen müssen, weil zu viele politische Köche den Brei verdorben  und dafür gesorgt haben, dass der Ofen für uns aus ist.

Dieser Text erschien am 27. Mai 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

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