Ich horchte auf, als ich gestern an der offenen Haustür unserer kurdischen und islamischen Nachbarn vorbeikam. Aus dem einen Zimmer klang arabische Rockmusik, aus dem anderem das alt vertraute Lied: „Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, Sein Ross, das trug ihn fort geschwind. Sankt Martin ritt mit leichtem Mut. Sein Mantel deckt ihn warm und gut.“ Die akustischen Schnittmenge beider Melodien hielt sich in Grenzen, hatte in meinen Ohren aber irgendwie einen guten Klang.
Denn allen, in der Öffentlichkeit unüberhörbaren Misstönen über die vermeintliche Integrationsunfähigkeit unserer zugewanderten Nachbarn zum Trotz, ließ die unverhoffte multikulturelle Klangmischung im Vorbeigehen, in mir die Zukunftsmusik einer bunter, aber deshalb nicht weniger friedlich werdenden Gesellschaft anklingen, in der der Grundton der der Toleranz in vereinter Vielfalt sein könnte und in der jeder Mensch guten Willens in unserem gemeinsamen Interessen, seine besten Seiten, zum Klingen bringt, und unsere Gesellschaft so zu einer Ode an die Freude werden lässt. „Alle Menschen werden Brüder,wo dein sanfter Flügel weilt.“ Eine schöne Zukunftsmusik.
Dieser Text erschien am 28. Oktober 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung
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