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Wenn Märkte verrückt werden

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das merkte ich, als ich gestern die Schloßstraße hinauf ging, um mich bei den Wochenmarkthändlern meines Vertrauens mit dem täglichen Bedarf einzudecken. Doch dort traf ich nicht auf Markstände, sondern auf eine riesige Tanne und Holzhütten. Für einen Moment glaubte ich, im Wald zu stehen, obwohl ich wusste, dass  ich auf der Schloßstraße und damit mitten in der Stadt stand. Doch dann fiel der Groschen.

Ich war, der Macht meiner Gewohnheit folgend, blindlings an den jetzt auf der mittleren Schloßstraße platzierten Wochenmarktständen vorbei gehuscht und so im Weihnachtstreff gelandet, der noch auf seine Eröffnung wartet.

Die Markthändler, die buchstäblich im Regen standen, machten, ob ihrer Verschiebung, einen eher bedröppelten Eindruck. Klar. Auch Markthändler werden nicht gerne verrückt. Aber irgendwie passt der verrückte Markt ins Bild der Zeit. Denn anders als die Früchte des Mülheimer Wochenmarktes, können einem die Früchte des Zorns, die uns heutzutage auf den freien Märkten der politischen und wirtschaftlichen Handelsvertreter angebotenen Früchte schwer im Magen liegen und den Appetit auf mehr verderben.

Dieser Text erschien am 22. November 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

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