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Pflege, die wieder fit macht

Karl-Josef Laumann
Foto; MAGS NRW
NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann ließ sich jetzt bei einem Fachgespräch im Haus Ruhrgarten über den dort praktizierten Ansatz der therapeutischen und reaktivierenden Pflege informieren, die auf eine gezielte physiotherapeutische und neurologische Betreuung der Betroffenen setzt.
Neben, Peter Steinbach und Oskar Dierbach, den beiden Geschäftsführern  der Evangelischen Altenhilfe Mülheim, die das 1974 eingerichtete Pflegeheim an der Mendener Straße trägt, saßen auch Vertreter des Sozialamtes, der Heimaufsicht, der Pflege- und Krankenkassen, des evangelischen Kirchenkreises an der Ruhr  und des Diakonischen Werkes sowie Pflegekräfte und Pflegebedürftige mit am Tisch.
"Was ich hier gesehen und gehört, beeindruckt und berührt mich", sagte Minister Laumann nach dem Gespräch. Vor allem nimmt er die Erkenntnis mit, "dass die therapeutische Pflege im Haus Ruhrgarten nicht nur die Bewohner wieder auf die Beine bringt und ihnen die Möglichkeit verschafft, in ihre eigenen vier Wände zurückzukehren, sondern auch einen enormen Motivationsschub für die Pflegekräfte mit sich bringt."
Jetzt will der Sozialminister, der sich zuvor bereits als Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium um das Thema Pflege gekümmert hat, "das Geld für eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung der im Haus Ruhrgarten geleisteten rehabilitativen Pflege organisieren, um herauszufinden, ob dieser Ansatz auch auf andere der insgesamt 2000 Pflegeheime im Land NRW angewendet werden könnte."
Bereits als Pflegebeauftragter der Bundesregierung hatte Laumann ein Gutachten über den faktischen Personalbedarf in der stationären Pflege in Deutschland in Auftrag gegeben. Dessen Ergebnisse, die für den weiteren politischen Entscheidungsprozess von zentraler Bedeutung sein werden, erwartet Laumann im August 2019. 
Doch Laumann übte sich bei allem Lob für die personal- und kostenintensive Physiotherapie der Evangelischen Altenhilfe, die dazu führt, dass 15 bis 20 Prozent der stationär Gepflegten zeitweise oder dauerhaft wieder in ihr selbstständiges häusliches Leben zurückkehren können, in deutlicher Zurückhaltung.
"Die Frage wie wir eine solche reaktivierende Pflege finanzieren, macht mir weniger Sorgen als die Frage, wie und wo wir künftig Pflegefachkräfte für eine zunehmende Zahl von alten und pflegebedürftigen Menschen gewinnen können",
betonte der aus der christdemokratischen und katholischen Arbeitnehmerschaft kommende Sozialpolitiker.
Auch wenn derzeit 10.000 junge Menschen und lebensältere Quereinsteiger eine Pflegeausbildung absolvieren, sieht Laumann dennoch für die Zukunft einen angespannten Arbeitsmarkt in der Altenpflege voraus. Denn von den Statistikern seines Ministeriums weiß er, dass die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft in den kommenden 30 Jahren pro Jahr um 2 bis 3 Prozent ansteigen wird.
Vor diesem Hintergrund macht sich Laumann keine Illusionen darüber, "dass NRW zu einem Musterland in Sachen Berufsausbildung und Willkommenskultur werden muss, um mit in- und ausländischen Pflegekräften den wachsenden Pflegebedarf decken zu können."
Der Arbeits- und Sozialminister geht davon aus, dass die Beiträge zur Pflegeversicherung weiter ansteigen werden.

Der für den Pflegedienst im Haus Ruhrgarten und im Haus Ruhrblick verantwortliche Geschäftsführer Oskar Dierbach ist davon überzeugt, "dass sich der erhöhte Personaleinsatz für eine aktivierende und rehabilitative Pflege unter dem Strich rechnet, weil sie die in jedem Fall teurere stationäre Pflege vermindert."

Zurzeit leistet sich die Evangelische Altenhilfe einen zusätzlichen personellen Aufwand von 7,5 Stellen, um die reaktivierende Pflege gewährleisten zu können. Finanziert wird dieser Mehraufwand durch höhere Pflegesätze und durch Zuschüsse des hauseignen Fördervereins, der zurzeit von Dr. Hermann Liekfeld geleitet wird.
Anders als Laumann kann sich Dierbach auch vorstellen, dem Beispiel Dänemarks zu folgen, und das Lebensrisiko der Pflege durch eine steuerfinanzierte Pflege zu vergesellschaften und damit auf mehr Schultern zu verteilen. Denn die 1995 in Deutschland eingeführte Pflegeversicherung deckt nur einen Teil des finanziellen Pflegerisikos ab und sorgt dafür, dass Pflegebedürftige mit einem hohen stationären Pflegebedarf selbst bei einer guten Rente über kurz oder lang zum Sozialfall werden. Minister Laumann hält es aber für angemessen, bei Bedarf die Beitragssätze der Pflegeversicherung ansteigen zu lassen und alle Kinder oder Ehepartner zur Finanzierung der Pflegekosten ihrer Angehörigen heranzuziehen, wenn sie pro Jahr mehr als 100.000 Euro verdienen.

Dieser Text erschien am 28. März 2019 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

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