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Der Theologe Eugen Drewermann sprach in der Heißener Friedenskirche darüber, was wir heute aus dem Lukas-Evangelium lernen können





30. Mai 2011. Montagabend in der Friedenskirche am Humboldthain. Es ist keine Gottesdienstzeit. Trotzdem ist das evangelische Gotteshaus gut besucht, weil der Ex-Priester und Ex-Katholik Eugen Drewermann über das Lukas-Evangelium spricht.Seine Zuhörer kommen aus allen Konfessionen. Vielleicht sind auch einige Konfessionslose unter ihnen. Was sie eint, ist die Suche nach Orientierung und einem geistlichen Impuls, der sie fürs Leben stärkt. Der Titel, den Drewermann für seinen Vortrag gewählt hat, klingt verheißungsvoll: „Einmal richtig leben.“ Und die Antwort darauf soll im Lukas-Evangelium stehen? Drewermann zeigt es seinen Zuhörern mit einer Mischung aus Theologie, Psychologie und Politik.










Er spricht frei, leise und eindringlich, um zum guten Schluss einige Fragen und Stellungnahmen aus dem Publikum zu beantworten. Zwei Stunden vergehen wie im Flug.Befreiender GlaubeDer 70-Jährige beeindruckt immer wieder und immer noch, weil er mühelos den Bogen zwischen Alltag, Weltpolitik und Bibel schlägt, angereichert mit ein bisschen Weltliteratur hier und ein bisschen Neurobiologie dort. Und so holt Drewermann den Jesus aus dem Lukas-Evangelium in die Gegenwart.Er zeigt seinen Zuhörern zum Beispiel jenen Jesus, der sich dem Aussätzigen zuwendet und ihn durch seine Berührung heilt statt, dem mosaische n Gesetz folgend, sich abzuwenden.










“Im Vertrauen auf die Ewigkeit Gottes, der die Menschen entängstigt, geht Jesus durch die Angst durch bis nach Jerusalem“, sagt Drewermann. Ganz nebenbei lässt er einfließen, dass die Leprakrankheit, die in einigen Teilen der Welt immer noch lebensbedrohlich ist, mit einigen 100 000 Euro für die frühzeitige Behandlung der Betroffenen zu besiegen wäre. Außerdem berichtet er von einer Frau, die durch die Liebe eines Mannes die Symptome ihrer Neurodermitis überwinden konnte, eine alltägliche Heils- und Liebesgeschichte.Die Heilung des Gelähmten, dem Jesus ohne Nachfrage und Vorbedingung sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben“ erkennt Drewermann als biblischen Beweis dafür, dass Jeus kein dogmatischer Religionsstifter im Sinne gutbürgerlicher Moralvorstellungen von Gut und Böse war.










Stattdessen führt Drewermann seinen Zuhörern einen Jesus vor Augen, der Menschen von der Lähmung durch ihre Angst und Verzweiflung befreit, die sie erst dazu treibt im moralischen Sinne böse statt gut zu handeln.Drewermann begreift des Jeus des Lukas-Evangeliums als Therapeuten, der wie ein Arzt auf die kranken Menschen schaut und genau weiß, “dass man niemandem mit einem moralischen Zeigefinger helfen kann, wenn er inwändig zerrissen ist und deshalb auch nicht im Einklang mit sich selbst handeln kann.“ Er erinnert an das Gebot der Bergpredigt, nicht zu richten.Beim Thema Moral lässt Drewermann aber keinen Zweifel daran, dass er das militärische Engagement in Afghanistan für unmoralisch hält und die These zurückweist, „dass wir in Afghanistan unsere Sicherheit und unsere christlich-abendländischen Werte verteidigen würden.“




Dieser Text erschien am 2. Juni 2011 in NRZ und WAZ

Kommentare

  1. "Ihr habt gehört, dass gesagt ist: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei."

    Jesus von Nazareth

    Der Glaube ist die Hoffnung, ihn eines Tages durch Wissen ersetzen zu können. Entartet er zum Selbstzweck (Fundamentalismus), wird nicht mehr nach der Wahrheit gesucht und die Fundamentalisten wollen sie gar nicht mehr hören:

    "Der Herr sagte: Ihr habt alle Dinge verstanden, die ich euch gesagt habe, und ihr habt sie im Glauben angenommen. Wenn ihr sie erkannt habt, dann sind sie die Eurigen. Wenn nicht, dann sind sie nicht die Eurigen."

    (nicht in der Bibel zu finden)

    Wie wir alle wissen, sind selbstverständlicher, allgemeiner Wohlstand und der Weltfrieden (noch) nicht die Unsrigen, obwohl die Überwindung von Massenarmut und Krieg in dem ersten Zitat bereits erklärt wird. Die wahre Bedeutung wird offensichtlich, wenn wir es mit dem folgenden Zitat aus dem bis heute unwiderlegten (alle „Gegenargumente“ basieren auf Vorurteilen und Denkfehlern), makroökonomischen Grundlagenwerk „Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“ aus dem Jahr 1916 vergleichen:

    "Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut."

    Silvio Gesell

    Die Aussagen von wahren Genies bleiben für gewöhnliche Menschen (Fundamentalisten) unverständlich, und selbst den Gelehrten und ernsthaften Studenten können sie nur mit Mühe sinnhaftig werden.

    "The greatest tragedy in mankind's entire history may be the hijacking of morality by religion."

    Arthur C. Clarke

    Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:
    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

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