Sonntag, 12. Juni 2011

Wie ein großes Familientreffen: Ein Besuch beim Musik- und Sommerfest am Krug zur Heimaterde



Manchmal hat man das Gefühl, dass die Welt doch noch in Ordnung ist, zum Beispiel beim Musik- und Sommerfest am Krug zur Heimaterde- Am Sonntagnachmittag lacht dort nicht nur die Sonne. Unter schattigen Bäumen wird fröhlich geplaudert, gegessen und getrunken. Die Musik kommt nicht vom Band, sondern wird live und zünftig von 14 Fanfarenzügen aus der Region gespielt. Mal hört man Schlager. Mal hört man Swing. Für jeden Geschmack ist was dabei. Die Atmosphäre erinnert an ein großes Familientreffen.






Am Tombolastand, wo ein prall gefüllter Frühstückskorb als Hauptgewinn winkt, kauft Wilhelm Wirtz fleißig Lose. Sie helfen das Fest zu finanzieren. „Das ist ein Fest, das von vielen getragen wird und allen zugute kommt. Warum sollte man sich da nicht auch mit einem Loskauf beteiligen?“, fragt Wilhelm Wirtz, der seit 54 Jahren in der Heimaterde lebt. Die Antwort gibt er sich selbst: „Das ist ein Fest, bei dem man jeden Zweiten kennt und darüber hinaus alte Bekanntschaften auffrischt. Man merkt hier, dass die Heimaterde wirklich eine Heimat ist, in der wir uns zu Hause fühlen.“ Dass er nicht nur alte, sondern auch junge Gesichter bei diesem Fest sieht, bestärkt ihn in der Hoffnung, „dass man diese schöne Tradition bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag fortführen wird.“






Wie die ehemalige Krupp-Siedlung der Heimaterde zu dem geworden ist, was sie heute ist, kann man an den historischen Fotos sehen, die sich der Vorsitzende der Siedlervereinigung, Egon Janz, zusammen mit Ulrich Matern anschaut. Für den 81-Jährigen, der am Finkenkamp geboren wurde und in der Heimaterde aufwuchs, ist es ein Wiedersehen nach vielen Jahren. 1952 ist Matern nach Kanada ausgewandert, „weil damals für unsere Generation hier wenig zu holen war.“ In der Heimaterde arbeitete Matern als junger Mann in einer Baumschule. In seiner Freizeit spielte er beim TSV Fußball. „Hier war alles inner sehr sauber und gut geregelt, alle Hecken gerade geschnitten“, erinnert sich Matern, der später als Rosenzüchter in Britisch Kolumbien sein Glück fand. Auch wenn es ihn immer mal wieder in die alte Heimat zieht, möchte Matern die unvergleichliche Natur, die er in der Wildnis seiner neuen Heimat gefunden hat, nicht mehr missen. Freundlich, aber doch auch ein bisschen fremd wirkt die Heimaterde heute auf den Besucher aus einer anderen Zeit. „Es wird wohl das letzte Mal gewesen sein, dass ich mit meinen müden Knochen hier hin gekommen bin“, glaubt Matern.






„Auch wenn es einem nach der Love-Parade-Katastrophe mit neuen Sicherheitsauflagen nicht gerade leicht gemacht wird, so ein Fest zu organisieren, macht es uns doch immer wieder Spaß, den Menschen so ein Fest zu bieten und die tolle Resonanz des Publikums zu erleben“, sagt die Vorsitzende des federführenden Musikkorps der Mölmschen Houltköpp, Kerstin Schatke. Damit das von den Heimaterder Vereinen und der Siedlervereinigung mitgetragene Fest ordnungsgemäß über die Bühne gehen konnte, haben sich Schatke und ihre Mitstreiter im Organisationsteam eine Woche frei genommen.






Dieser Text erschien am 9. Juni 2011 in NRZ und WAZ

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