Sonntag, 26. Juni 2011

In Dümpten will man sich nicht damit abfinden, dass die Grundschule an der Gathestraße geschlossen wird




Seit 140 Jahren lernen Kinder in der Schule an der Gathestraße. Eines von ihnen war die heutige NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Doch wenn es nach den Vorschlägen der Schulverwaltung geht, sollen die Schuljahre an der Gathestraße gezählt sein. Die Dümptener Grundschule steht im Rahmen der kommunalen Bildungsentwicklungsplanung zur Disposition. Das letzte Wort hat der Rat. Nach der Sommerpause soll entschieden werden.Am Samstag meldeten sich Eltern der Gathestraße zu Wort.






Beim Sommerfest der Werbegemeinschaft WIK und des Dümptener Bürgervereins, das in diesem Jahr auf dem Schulhof an der Gathestraße stattfand, sammelten sie Unterschriften für den Erhalt der Schule. Innerhalb einer Stunde kamen 300 davon zusammen."Es wäre sehr schade, wenn diese Schule geschlossen würde. Dann könnten die Kinder nicht mehr gemeinsam zur Schule gehen, sondern müssten morgens zu einer anderen Schule gefahren und nachmittags wieder abgeholt werden. Damit würde ihnen eine wichtige Erfahrung für ihre Entwicklung genommen", findet Antje Kocks. Sie unterschreibt den Appell zum Erhalt der Traditionsschule an diesem Nachmittag ebenso wie Claire Kleiner. Sie sagt: "Diese Schule war für uns immer ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Hier haben unsere Kinder nicht nur gemeinsam gelernt. Hier konnten sie auch nachmittags in einem geschützten Raum spielen, weil gleich neben der Schule auch ein Spielplatz ist.






Bei einer Schulschließung würde den Menschen im Stadtteil ein Stück Heimat genommen."Als Mütter, deren Kinder bereits die vierte Grundschulklasse besuchen, wären Kleiner und Kocks nicht mehr persönlich von einer Schließung betroffen.Anders ist das für Elternvertreterin, Nicole Kunze, deren Kind die erste Klasse besucht und vor allem für die 37 Eltern, die ihr Kind für das kommende Schuljahr an der Gathestraße angemeldet hatten. Sie könnten bei einer Schließung nicht mehr davon ausgehen, dass ihre Kinder die Grundschulzeit an der Gathestraße beenden können."Die Menschen sind sofort bereit, zu unterschreiben, weil sie sich auch fragen, was hier hin käme, wenn die Schule geschlossen würde", schildert Kunze die spontane Resonanz auf ihre Unterschriftensammlung. Sie weist darauf hin, dass das alte Schulgebäude an der Straße unter Denkmalschutz steht.






Auch mit Blick in die Zukunft wäre eine Schulschließung an der Gathestraße aus ihrer Sicht kontraproduktiv, weil im Rahmen des 100-Häuser-Programms an der Sellerbeckstraße 40 neue Häuser für Familien mit Kindern im Grundschulalter gebaut würden. "Die anderen Schulen könnten unsere Schüler gar nicht alle aufnehmen", glaubt auch der Schulpflegschaftsvorsitzende Frank Denkhaus und verweist auf weitere Neubaumaßnahmen im Bereich Auf dem Bruch. "Das ist ein wichtiger Mittelpunkt von Unterdümpten. Wir haben hier eine sehr familiäre Atmosphäre. Hier geht jeder gerne hin", beschreibt Denkhaus das Profil der Schule, die er sich mit ihrem barrierefreien Schulhof und ebenerdigen Klassenräumen im Erdgeschoss des Altbaus auch als geeigneten Standort für gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung vorstellen könnte.






Auch der Erhalt als Außenstelle einer anderen Grundschule wäre für die beiden Elternvertreter denkbar.Mit dieser Option könnte auch Rektor Hans Gerd Krimphove leben. Er könnte sich seine Schule, die in Dümpten als Kontaktschule für die Integration von Flüchtlingskindern zuständig ist, auch als Schwerpunktschule für die Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien vorstellen. Derzeit haben 35 Prozent der rund 170 Grundschüler an der Gathestraße einen Migrationshintergrund.Das mögliche Aus für seine Schule überrascht Krimphove außerdem deshalb, weil die Schule auch Kinder aus anderen Bezirken aufnimmt und ihr neuer Gebäudeteil erst im vergangenen Jahr mit neuen Fenstern und einer neuen Toilettenanlage ausgestattet worden ist.






Unterstützung bekommen Eltern, Lehrer und Kinder der Grundschule an der Gathestraße vom Dümptener Bürgerverein. Dessen Vorsitzender Bernd Lüllau hat sich in einem Brief an Schuldezernent Peter Vermeulen für einen zweizügigen Erhalt der traditionsreichen Schule ausgesprochen. Lüllau weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass im Rahmen der Bildungsentwicklungsplanung ein zweizügiger Schulneubau an der ebenfalls traditionsreichen Trooststraße erwogen wird. Diese Option muss aus Lüllaus Sicht auch für den Grundschulstandort in Dümpten in Betracht gezogen werden.Außerdem kann sich der Vorsitzende des Dümptener Bürgervereins vorstellen, dass die Grundschule an der Gathestraße künftig durch den Anschluss eines Familienzentrums und eines Vorschulkindergartens aufgewertet werden könnte.






Dieser Text erschien am 20. Juni 2011 in der NRZ

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