Samstag, 4. Juni 2011

50 Jahre Unternehmen Fünf: Wie ein kleiner Verein in Afrika und Latreinamerika große Hilfe leistet



Wer Nachrichten liest, sieht und hört, könnte angesichts des weltweiten Elends manchmal verzweifeln. Was kann man dagegen tun? Für die NRZ sprach darüber mit dem 69-jährigen Ingenieur Manfred Oelsner, der vor 50 Jahren mit Schulfreunden den Verein Unternehmen Fünf (U5) ins Leben rief, der heute Entwicklungshilfe in Afrika und Lateinamerika leistet.






Wie entstand Ihr Verein und wie kam er zu seinem Namen?



Der Verein wurde am 10. Juni 1961 von vier Schülern gegründet, die damals ihren Schulabschluss feierten. Neben Günther Gellrich, Günter Fuß und Lothar Baron gehörte auch ich zu diesem Kreis. Wir waren sehr idealistisch eingestellt und wollten an der Lösung der Weltprobleme mitwirken. Unser Verein brauchte einen Namen und Geld. Da wir als angehende Lehrlinge und Studenten wenig verdienten, haben wir damit angefangen, monatlich fünf Mark in einen gemeinsamen Projekttopf einzuzahlen. Deshalb nannten wir unseren Verein Unternehmen Fünf (U5).






Wie kamen Sie zu Ihren ersten Hilfsprojekten?



Eines unserer Mitglieder konnte damals den CDU-Stadtverordneten und CVJM-Vorstand Paul Siebert nach Ghana begleiten. Dort lernte er einen begabten Jungen aus einer armen und kinderreichen Familie kennen, dem das Schulgeld fehlte. Diesen Jungen, der uns später auch in Mülheim besuchte, haben wir den Schulbesuch ermöglicht.






Welche Projekte folgten und was sind Ihre aktuellen Projekte?



Durch Günther Gellrich haben wir dann auch Kontakte in Tansania geknüpft, wo wir unter anderem die deutsche Urwaldärztin Margarete Bund schuh unterstützt haben, die sich als eine der Ersten dort um die Behandlung Aids-Kranker gekümmert hat. Später haben wir hier zum Beispiel auch alte Nähmaschinen gesammelt und repariert, mit denen wir Mädchen in Tansania eine Berufsausbildung ermöglichen konnten. Wenig später finanzierten wir dann in Ghana die Anlage von Trinkwasserbrunnen und Dorftoiletten. Derzeit unterstützen wir eine von katholischen Ordensfrauen geleitete Berufsschule für Mädchen in Adeemmrra/Ghana und das Nikolaushaus am Viktoriasee in Kemondo/Tansania, das von der aus dem Ruhrgebiet kommenden Sozialarbeiterin Stefanie Köster aufgebaut wird, um dort behinderte und zum Teil Aids-kranke Waisenkinder zu betreuen. Spendengelder fließen auch in den Betrieb von Kindertagesstätten in Diamante Entre Rios/Argentinien und Encarnacion/Paraguay sowie in Patenschaft für bedürftige Kinder in Indien, die von der Kindernothilfe betreut werden.






Wie kontrollieren Sie die Mittelverwendung für Ihre Projekte?



Um der Überprüfbarkeit willen zahlen wir nicht in große anonyme Töpfe ein. Wir machen kleine Dinge, suchen uns vor Ort unsere Partner, die uns ihre Projekte schildern und die wir dann auch später vor Ort kontrollieren. Natürlich fordern wir von unseren Projektpartnern detaillierte Abrechnungen ein. Wir hoffen natürlich, dass das später einmal von unseren jüngeren Mitgliedern übernommen werden kann, wenn sie selbst erfahren, wie das da unten ist. Sollte sich aber unser Verein, der derzeit 60 Mitglieder hat, einmal auflösen, würden wir unser Vereinsvermögen der Kindernothilfe zukommen lassen, die vom Vater eines U5-Mitglied es mitgegründet worden ist.






Was haben Sie durch Ihr Engagement gelernt?



Das ich im Leben eigentlich mit sehr wenig auskomme und viele Dinge gar nicht brauche.






Weitere Informationen im Internet unter: www.kirche-muelheim.de/u5






Dieser Beitrag erschien am 30. Mai 2011 in der NRZ

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