Samstag, 12. September 2026

Schwarzes Gold

 Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen. Anlass für diese Ausstellung ist das Ende des Mülheimer Bergbaus, das am 29. Juli 1966 mit der Stilllegung der letzten Zeche Rosenblumendelle kam.

Es war die letzte von sieben Zechen, in denen um 1900 insgesamt rund 3000 Kumpel das schwarze Gold zutage förderten. Damals waren sie Teil des Mülheimer Bergwerksvereines, den die Industriellen August Thyssen und Hugo Stinnes und der Bankier Leo Hanau 1898 mit dem Ziel der Rationalisierung gegründet hatten.

Anders, als ihr Förderturm, haben einige Werksgebäude der Rosenblumendelle ihr Ende überstanden. Doch weit anschaulicher erinnert uns die ab 1899 an der heutigen Mausegattstraße errichtete Colonie Wiesche mit ihren mehr als 100 Bergmannshäusern an die Geschichte des Mülheimer Bergbaus. In den Häusern an der Mausegatt- und an der Kreftenscheerstraße leben heute nur noch wenige ehemalige Bergleute leben. Inzwischen sind dort deren Erben oder auch Menschen zuhause, die die Häuser von diesen erworben haben. Eine Siedlervereinigung, die unter anderem ein jährliches Sommerfest organisiert, pflegt den solidarischen Geist der Kumpel.

Auch In Straßennamen, wie Sellerbeckstraße, Wiescher Weg, Humboldtring und Humboldthain leben die Namen der alten Zechen in Mülheimer Straßenbild weiterleben. Seit 1973 steht am Humboldtring, auf dem ehemaligen Zechengelände des 1929 stillgelegten Bergwerks Humboldt das Rhein-Ruhr-Zentrum. Mit dem Einkaufszentrum, das bei seiner Eröffnung von der Illustrierten BUNTE als "Superding des Reviers" gelobt wurde, beschritt man 1973 den Weg des wirtschaftlichen Strukturwandels.

Bergmann Willi Bruckhoff, der als 13-Jähriger 1948 erstmals auf Rosenblumendelle eingefahren war und bis 1984 Kohle zu Tage gefördert hat, bestätigt im Gespräch: "Unter Tage galt immer: Einer für alle und alle für einen."

In diese Solidarität wurden seit Anfang der 1960er auch die türkischen Kumpel einbezogen, um deren Integration sich Bruckhoff damals persönlich bemüht hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt auch für Mülheim, was Herbert Grönemeyer über seine Heimatstadt Bochum gesungen hat: "Dein Grubengold hat uns wiedergeholt." In den ersten Nachkriegsjahren mussten die Kumpel auch sonntags einfahren. Belohnt wurde ihre harte und gefährliche Arbeit unter Tage mit Sonderrationen und Care-Paketen, die in den Hungerjahren des frühen Wiederaufbaus Gold Wert waren.

Die vom Bergbau-Kenner und den Mitarbeitenden des Mülheimer Stadtarchivs kreierte Ausstellung führt ihren Besucherinnen und Besuchern auch die weniger bekannte Geschichte des Selbecker Erzbergbaus, die aus dem landwirtschaftlich geprägten Selbeck in den Jahren 1844 bis 1907 zu einem Bergmannsdorf machte. Der Erzweg und die nach dem Bergwerksdirektor Karl Forst erinnern im Ortsbild an dieses Kapitel Selbecks, das seit 1929 ein Stadtteil Mülheims ist. 

Donnerstag, 10. September 2026

Leder, made in Mülheim

 Ende Juli wurde an der Lahnstraße Mülheims letzter Lederindustriebetrieb geschlossen. Damit ging eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu Ende, die 1639 mit der Gründung der Broicher Geber- und Schuhmacherzunft begonnen hatte und mit mehr als 50 Lederfabriken vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichte. Damals verdienten mehr als 2000 Menschen in der Mülheimer Lederindustrie, die mit Namen wie Lindgens, Abel, Rühl, Feldmann, Coupienne, Möhlenbeck und Hammann verbunden war, den Lebensunterhalt. 

In seiner Denkschrift zum 100. Geburtstag der Stadt Mülheim an der Ruhr stellte der Geschichtsverein 1908 selbstbewusst fest, dass die in Mülheim hergestellten Lederwaren schon seit einem halben Jahrhundert von so konkurrenzlos hoher Qualität seien, dass die Kunden der Mülheimer Lederindustrie jeden geforderten Preis "anstandslos" zu zahlen bereit seien. 

Leder, made in Mülheim, wurde überall gebraucht, ob im Bergbau, bei der Armee, in der Mode-Branche und in der Automobilinsdustrie.

1921 war Mülheim, neben Offenbach, die Lederhauptstadt Deutschlands und deshalb auch als Standort für das Kaiser-Wilhelm-Institut, für Lederforschung im Gespräch. Dass am Ende Dresden statt Mülheim den Zuschlag bekam, hatte damit zu tun, dass die Sachsen bereit waren, kräftig in ihre Staatskasse zu greifen, um das Institut in ihre Landeshauptstadt zu holen.

Weil die Mülheimer Lederindustrie, deren Geschichte seit 2003 in der ehemaligen Lederfabrik Abel an der Düsseldorfer Straße, im Rahmen eines Leder- und Gerbermuseums vor Augen geführt wird, viele ihrer Rohstoffe importieren und ihre Endprodukte exportieren musste, geriet sie seit den 1960er Jahren im internationalen Wettbewerb unter Druck.

1994 übernahm der US-Konkurrent die Lederfabrik deren Areal in Saarn jetzt zum Wohnquartier umgebaut wird. Und die 2008 stillgelegte Lederfabrik Hammann dient seit 2013 an der Hansastraße in Speldorf als Seniorenresidenz.  

Mittwoch, 9. September 2026

Jung und stark

Sie sind jung und stark. Sie sind echte Hoffnungsträgerinnen, die uns Mut machen und jedem Pisa-Schock trotzen. Die Rede ist von den Schülerinnen, die die Mülheimer Bürgerstiftung aus gutem Grund mit ihrem Förderpreis ausgezeichnet hat. Dank der finanziellen Unterstützung aus der Mülheimer Wirtschaft dürfen sich die Preisträgerinnen auch über ein Preisgeld von jeweils 3000 Euro freuen.

Die 15-jährige Karl-Ziegler-Schülerin Lea Marie Röhrig hat sich nicht nur im Unterricht mit dem Thema Armut beschäftigt. Sie hat als Ergebnis ihrer Recherchen für ein entsprechendes Referat zusammen mit dem Diakoniewerk Arbeit und Kultur an ihrer Schule ein sogenanntes Zieglerfrühstück organisiert, das Schülerinnen kostenlos Brötchen, Obst und Joghurt anbietet. Röhrig orientiert sich am Beispiel des Diakoniewerks: "Bedürftig ist, wer sich für bedürftig hält." Die ehemalige Schülersprecherin weiß: "Auch an unserer Schule gibt es Schülerinnen und Schülern, die ohne Frühstück zur Schule kommen, weil ihren arbeitslosen oder alleinerziehenden Eltern das Geld dafür fehlt." Mit ihrem Förderpreis für soziales Engagement zeichnete die Mülheimer Bürgerstiftung Lea Marie Röhrig auch deshalb aus, weil die 15-Jährige unter dem Eindruck eines Besuches im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz eine Ausstellung zum Thema Holocaust erstellt hat, die unter anderem an ihrer Schule und bei Instagram zu sehen war bzw. zu sehen ist. "Das Wissen darüber, was in Auschwitz und anderswo passiert ist, darf auch in den  kommenden Generationen nicht verloren gehen. Und wir dürfen als Gesellschaft nicht in Handlungsmuster von Ausgrenzung und Diskriminierung zurückfallen, aus denen wir uns als Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg herausgekämpft haben", sagt die ausgezeichnete Schülerin.
Ihr 16-jährige Preisträger-Kollegin Rania Ahmad vom Gymnasium Broich wurde in der Kategorie Geisteswissenschaften für ihre literarische Arbeit ausgezeichnet, die ihr auch schon den Europäischen Literaturpreis des Literaturhauses Graz eingebracht hat. Die junge Autorin liebt Fantasy-Literatur, schreibt aber auch Kurzgeschichten aus dem Alltag und philosophische Essays. Literatur und Sprache sieht die junge Autorin als ein gesellschaftlich relevantes Medium, „um in andere Welten und Leben einzutauchen und damit auch andere Menschen kennenzulernen und zu verstehen, ohne dass man ihre Weltsicht akzeptieren muss.“ Ein so in Gang gesetzter Dialog, davon ist Rania Ahmad überzeugt, „kann Gewalt verhindern und Kriege beenden“.

Chemie-Olympiaden, Mathematik-Wettbewerben und MINT-EC-Camps. Das ist die Welt der 18-jährigen Mila Talisa Drießen, die im MINT-Bereich ausgezeichnet worden ist. MINT steht für Mathemathik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Warum es ihr die Naturwissenschaften angetan haben, erklärt sie so: „Hier geht es um logisches und strukturiertes Denken, das zu klaren Ergebnissen führt und einem damit auch eindeutige Erfolgserlebnisse verschafft.“ Das MINT-Know-How zieht Drießen als Fundament unseres gesellschaftlichen Wohlstandes. Engagierte Fachlehrer, die ihre Schülerinnen und Schüler fördern und ihnen auch die berufspraktischen Perspektiven der Naturwissenschaften aufzeigen können, sind für Mila Drießen die Voraussetzung dafür, Jugendliche für die MINT-Fächer zu begeistern.

Mit den Otto-Pankok-Schülerinnen Valentina Krebs und Paula Schulz genannt Menningmann wurden in der Kategorie Zivilcourage gleich zwei Preisträgerinnen ausgezeichnet. Denn die beiden Schulsanitäterinnen, die sich auch ein medizinisches Berufsleben vorstellen können, standen einer Mitschülerin bei, die einen allergischen Schock erlitten hatte. Mit ihrer menschlichen Umsicht und ihrem gerade erst erworbenen Erste-Hilfe-Wissen taten sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort genau das, was zu tun war, um größeren Schaden von ihrer Mitschülerin abzuwenden. 

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“, sind sich die beiden ausgezeichneten Schülerinnen einig, die sich ihr Preisgeld geteilt haben. Und sie finden: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“!


Montag, 31. August 2026

Geschichte auf vier Rädern

Am letzten Augustwochenende verwandelte sich das Dorf Saarn zu einem automobilen Freiluftmuseum. 80 alte Autos mit dem Kennzeichen "H" für "historisch" waren beim 13. Oldtimer Cup der Werbegemeinschaft Saarn am Start. 

Warum fährt man heute in Zeiten von Hightech Automobilen mit Fahrzeugen aus Großvaters und Großmutters Zeiten, die weder einen Sicherheitsgurt, noch eine Servolenkung, geschweige denn einen Airbag oder einen Bordcomputer kennen, bis zu 15 Liter auf 100 Kilometern schlucken und am liebsten nicht schneller als 70 oder 80 Kilometer pro Stunde fahren? Wer mit den Oldtimerpiloten und Pilotinnen ins Gespräch kommt, hört sie immer wieder von der "Low Tech", die den Autofahrer oder Autofahrerin "nicht entmündigt" und von "der Seele" der alten Fahrzeuge schwärmen. Ob Scheinwerfer Kühlerhaubenfigur, Lenkrad oder Sitzpolster. Die Automobile von Annodazumal erscheinen auf den ersten Blick wie ein individueller Kontrapunkt zu den hochgezüchteten und windschnittigen Fahrzeugen heutiger Tage.


Eines der ältesten Fahrzeuge, das beim 13 seiner Oldtimer Cup mit von der Partie war, war der einem Mülleimer Unternehmer gehörende Adler Favorit aus dem Baujahr 1930. Mit einem vergleichbaren Fahrzeug, einem Adler Standard 6, war die Mülheimer Industriellentochter Clärenore Stinnes zwischen 1927 und 1929 um die Erde gefahren. Damals war das Autofahren noch der pure Luxus und ein Abenteuer.


Um 1930 gab es in Mülheim an der Ruhr gerade einmal rund 1750 Kraftfahrzeuge. Heute sind es rund 105.000. Das sagt alles über die Massenmotorisierung, die hierzulande mit dem westdeutschen Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren ins Rollen kam. Mülheim an der Ruhr gehört heute zu den Städten mit der größten Autodichte in Deutschland. Heute erscheint uns ein Leben ohne Automobilität unvorstellbar, obwohl das Inkrafttreten der ersten deutschen Straßenverkehrsordnung und die Einführung einer Führerscheinpflicht gerade einmal 120 Jahre zurückliegen. Genauso lange ist es auch her, dass sich die Industriellen Emil Kirdorf und Hugo Stinnes als erste Mülheimer ein Automobil anschafften, wie wir seit Marco Moliks jüngstem Vortrag über die Geschichte der Broich-Speldorfer Wald- und Gartenstadt wissen.

Zu diesem Zeitpunkt lag die erste Autofahrt der Weltgeschichte gerade mal 20 Jahre zurück. Damals, anno 1886, hatte Carl Benz, seinen Patent-Motorwagen, zur ersten offiziellen Probefahrt auf die Reise geschickt. Dass sich das Auto langfristig nicht gegen die Pferdroschke durchsetzen werde, war nur einer von vielen Irrtümern des letzte deutsche Kaiser Wilhelm II.

Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, dass sich auch schon unter den ersten Automobilen solche mit Elektromotoren befanden, die sich aber aufgrund ihres begrenzten Radius nicht gegen die Öl- und Benzinmotoren durchsetzen konnten.


Samstag, 6. Juni 2026

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174.000 Einwohnern, in der es rund 100.000 Kraftfahrzeuge gibt und die damit eine der deutschen Städte mit der höchsten Kraftfahrzeugdichte ist.

Immerhin strahlt noch das Café in dem 1899 errichteten Haus, dass viele alte Mülheimer noch als Rosenhof kennen, etwas majestätisches aus. Auch einige Häuser vis-a-vis an der Althofstraße können und wollen ihre architektonische Herkunft aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches nicht verleugnen. Alte Postkarten, die in der kaiserzeit das waren, was heute E-Mails und WhatsApp Nachrichten sind, zeigen den Kaiserplatz in der ganzen Stattlichkeit seines Namens, den er mit seiner Schaffung 1875 erhalten hat. Damals wurde dort der Teich der alten Altenhofmühle, um einen repräsentativen Platz mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. Von motorisierter Massenmobilität und der Notwendigkeit von Parkplätzen war damals noch keine Rede. Und Kaiser Wilhelm II. konnte sich der Illusion hingeben, dass sich das Auto langfristig nicht gegen das Pferd und die von ihm gezogene Kutsche durchsetzen werde.

Als es mit dem Kaiser und seinem Reich 1918 zu Ende ging, und aus dem Kaiserreich die Weimarer Republik wurde, wurde der Kaiserplatz zu einem zentralen Platz für politische Kundgebungen. Letztere arteten vor allem unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1929 bis 1932 immer öfter in Gewalt aus, wenn sich die Kampfverbände der Kommunisten und der Nationalsozialisten, der Rotfrontkämpferbund und die SA, ihre Weltanschauung um die Ohren hauten.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde aus dem Kaiserplatz 1937 der Platz der SA, der seinen alten Namen aber zurückerhielt, als das tausendjährige Reich der Nationalsozialisten nach 12 Jahren 1945 vorbei war und seine materiellen und moralischen Trümmer hinterlassen hatte.

Mit dem Wiederaufbau der stark kriegszerstörten und kriegsbeschädigten Innenstadt kam in den 1950er Jahren das westdeutsche Wirtschaftswunder, das die Autodichte in unserer Stadt massiv ansteigen und die Anlage von Parkplätzen notwendig erscheinen ließ. So kam der Kaiserplatz zu seiner heutigen profanen Funktion.

Sonntag, 31. Mai 2026

Otto Pankok kehrt zurück ins Kloster Saarn

Otto Pankok wurde 1893 im ehemaligen Äbtissinnenhaus des Klosters Saarn geboren. Im Kloster Saarn hat er später auch seine ersten Zeichnungen angefertigt. Sie zeigen ihn selbst, die dörfliche Landschaft Saarns, seine Schwester Hedwig und seine Mutter, die selbst auch malte, an einer Staffellage. Mit einer Ausstellung, die noch bis zum 12. Juli im oberen Kreuzgang des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters zu sehen ist, kehrt der vor 60 Jahren verstorbene Pankok jetzt mit seinem Jugendwerk an den Ort seiner Geburt und einer Kindheit zurück. 

Möglich gemacht hat diese Ausstellung, in der 50 Arbeiten des großen Meisters der Schwarz-Weiß-Zeichnungen, zu sehen sind das ehrenamtliche Team der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, unterstützt von der Leiterin des Pankok-Museums in Hünxe, Dr. Dagmar Schmengler, und Pankoks Großneffen, dem Künstler Moritz Pankok.

Moritz Pankok, Dr. Dagmar Schmengler und Pfarrer Christian Böckmann sind sich einig, "dass es keinen besseren Ort als diesen gibt", um vor allem Pankonks Frühwerk einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren, weil: "sich hier Kirche und Kultur mit den Werten verbinden", für die der Künstler und Mensch Otto Pankok, dessen vom christlichen Humanismus geprägten Arbeiten von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" diffamiert und mit einem Ausstellungverbot belegt wurden, zeitlebens eigestanden sei. Diese Grundhaltung Pankoks, die für seinen Großneffen Moritz, angesichts der heutigen "sozialen und politischen Härten, aktueller denn je sind", kommen zum Beispiel in seinem Passionszyklus aus den 1930er Jahren und seiner Zeichnung "Christus zerbricht das Gewehr" zum Ausdruck. Letztere wurde in den 1950er Jahren, als Pankok als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf lehrte, zu einer Ikone der internationalen Friedensbewegung, vergleichbar der Friedenstaube Picassos.

In der klösterlichen Pankok-Ausstellung begegnen wir auch den berührenden Portraits des Sinti-Mädchens Eher wieder, die als "Mädchen-mit-Ball-Skulptur" seit 1983 am Wegesrand der Düsseldorfer Straße, mitten im Saarner Dorf steht.

Die Otto-Pankok-Werkschau im Kloster Saarn ist in ein eintrittsfreies Rahmenprogramm mit Führungen, Exkursionen, Publikumsgesprächen und Lesungen eingebettet. Der Eintritt kostet sieben Euro und berechtigt zugleich zum Besuch des historischen Klostermuseums. Die Ausstellung ist donnerstags und freitags (16-20 Uhr) sowie samstags, sonntags und feiertags (10-18 Uhr) im Kloster Saarn zu sehen. Die für sieben Euro zu erwerbende  Eintrittskarte berechtigt auch zur Besichtigung des Historischen Klostermuseums der Saarner Klosterfreunde. Der Eintritt in die Pankok-Ausstellung, der auch zur Besichtigung des Historischen Klostermuseums berechtigt, kostet sieben Euro.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Mülheim im Jahr 1946

 Zahlen, Daten und Fakten aus den Bekanntmachungen der Stadtverwaltung der und seit dem Juni 1945 für Mülheim an der Ruhr zuständigen britischen Militärregierung werfen ein bezeichnendes Licht auf den Nachkriegsalltag in unserer Stadt.

Folgt man dieser im Stadtarchiv an der Von-Graefe-Straße einzusehenden Quelle, dann lebten vor 80 Jahren 132.000 Menschen in unserer Stadt, davon 3800 sogenannte Ostflüchtlinge aus Ost- und Mitteldeutschland.

Das Gesundheitsamt gab die Zahl der "schwer unterernährten" Personen mit 3800 an. Mit Blick auf das örtliche Schulwesen erfahren wir, dass damals 1/3 der Schulgebäude infolge des Krieges zerstört und 83 Lehrkräfte aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP aus dem Lehramt entlassen worden sind.

1946 besuchen 14.000 Kinder und Jugendliche eine von 24 Volksschulen. 1600 Jungen und 250 Mädchen besuchen ein Gymnasium, 780 Jungen und Mädchen lernen an den städtischen Mittelschulen und 3500 Jugendliche an den berufsbildenden Schulen der Stadt. 15.000 Schulkinder erhalten eine tägliche Schulspeisung durch das Schwedische Rote Kreuz. Dafür zahlen ihre Eltern eine Reichsmark pro Woche.

Die Stadtverwaltung meldet im Rahmen der Entnazifizierung 119 Beamte, 95 Angestellte und 62 Arbeiter, die ihre Stelle aufgrund ihrer NS-Vergangenheit verloren haben. Aus der freien Wirtschaft werden 2000 NS-bedingte Amtsenthebungen gemeldet.

Der Wiederaufbau des kriegszerstörten und beschädigten Wohnraums nimmt sich zwei Jahre vor der westdeutschen Währungsreform mit 445 neugebauten Wohnungen und rund 5400 winterfest gemachten Wohnungen noch sehr bescheiden aus.

Donnerstag, 30. April 2026

Ausflug in die Außenpolitik

„Wir stehen für politische Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betonte Kreisvorsitzende Astrid Timmermann-Fechter in ihrem Grußwort an die zahlreichen Gäste des Frühlingsempfangs, zu dem die  Mülheimer CDU in die Stadthalle eingeladen hatte. „Wir nehmen unsere politische Verantwortung als Volkspartei auch auf der kommunalen Ebene wahr, indem wir politische Befindlichkeiten zurückstellen und als Parteien der demokratischen Mitte zusammenarbeiten“, ergänzte die Vorsitzende der Ratsfraktion, Christina Küsters mit Blick auf den Kooperationsvertrag, den CDU und SPD für ihre Kooperation im Rat der Stadt ausgehandelt haben.

Inhaltlich lud die Mülheimer CDU ihre Gäste zum Ausflug in die Außenpolitik ein. „Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen wir aktuell konfrontiert werden, dürfen wir unser gemeinsames Ziel nicht aus den Augen verlieren, unsere Gesellschaft durch unsere Arbeit besser zu machen“, schlug der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen, als Gastredner  den Bogen von der hauptamtlichen Bundespolitik zur ehrenamtlichen Kommunalpolitik. Mit seiner Fraktionskollegin Astrid Timmermann-Fechter war sich Röttgen einig, „dass Veranstaltungen, wie der Frühlingsempfang der CDU, eine wichtige Basis des gesellschaftlichen Dialogs schaffen, der am Anfang aller demokratischen Politik steht“. In seinem außenpolitischen Referat machte Röttgen deutlich, dass eine Volkspartei, wie die Union in der Verantwortung stehe, lokal, regional, national und global Menschen zusammenzubringen und mitzunehmen. Röttgen sieht Deutschland innerhalb der Europäischen Union „in einer Führungsverantwortung, nachdem die im Kalten Krieg gewachsene Interessengemeinschaft zwischen den USA und der EU von der Trump-Administration einseitig aufgekündigt worden“ sei.

Der CDU-Außenpolitiker ließ keinen Zweifel daran, „dass die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nur gemeinsam weltpolitisch handlungsfähig sind“. Mit Blick auf die Unterstützung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg betonte er: „Die Ukraine verfügt heute über die größte und kampffähigste Armee in Europa. Sie verteidigt auch unsere Sicherheit. Und indem wir sie dabei unterstützen, sorgen wir zusammen mit unseren Partnern dafür, dass das Konzept Krieg in Europa scheitert." Für diese Aussage erhielt Röttgen den spontanen Applaus seines Publikums in der Stadthalle.

Dienstag, 28. April 2026

Mahnung zur Menschlichkeit

Die Lebensgeschichte der jüdischen Autorin und Schauspielerin Bela Winkens, die am 1. April in Düsseldorf verstorben ist, führt uns den ganzen Wahnsinn des Holocaust vor Augen und mahnt uns zur Menschlichkeit.

Ihr Leben, das 1941 in Berlin unter lebensgefährlichen Bedingungen begann, führte sie im Kriegsjahr 1943 und im Nachkriegsjahr 1945/46 auch nach Mülheim an der Ruhr. Hier fand das Kind Zuflucht bei der Halbschwester ihres Vaters Walter, Sophie Kukla, die mit ihrem nicht-jüdischen Ehemann in Saarn lebte.

Das hat Stadtarchivarin Annett Fercho bei ihren Recherchen herausgefunden, die in Bela Winkens, literarische Autobiografie "Brief an die Mutter" eingeflossen sind, die Bela Winkens 2025 im Berliner Verbrecherverlag veröffentlicht hat.

Anders, als ihre Eltern und Großeltern, die 1943 in Auschwitz ermordet wurden, überlebte Bela den Holocaust und die NS-Diktatur. Sie überlebte, obwohl ihre Identität und ihr Versteck verraten wurde und sie 1944/45 im Konzentrationslager Theresienstadt interniert war und erst nach einem Erholungsaufenthalt in Lüneburg zu ihrer Tante nach Mülheim zurückkehren konnte.

1951 wurde aus Bela Heymann Bela Winkens, nach dem sie von dem in Düsseldorf lebenden christlich-jüdischen Ehepaar, Elsa und Theodor Winkens, adoptiert worden war. Nach ihrem Abitur ließ sie sich in ihrer Heimatstadt Berlin zur Schauspielerin ausbilden und verkörperte später unter anderem Anne Frank.

Zur Tragik ihrer Lebensgeschichte gehört, dass sie immer wieder von Neo-Nazis angegriffen und angefeindet wurde, weil sie als Schauspielerin und Autorin ihr Schicksal, das ein Schicksal von Millionen war, thematisierte. 

Sonntag, 19. April 2026

Gelebte Nächstenliebe

Gelebte Nächstenliebe. Mit diesen Worten wurde das ehrenamtliche Engagement der aktuell 60 Grünen Damen und Herren im Evangelischen Krankenhaus mehr als einmal gewürdigt, als die Gruppe um Krankenhausseelsorgerin Lisa Schönrock mit einem Festgottesdienst in der Petrikirche und einem anschließenden Jubiläumsempfang in Petrikirchenhaus ihrem 50 Geburtstag feiern konnte.

1976 von der damaligen Klinikseelsorgerin Margarete Harbecke ins Leben gerufen, gehört die Evangelische Krankenhaushilfe im Evangelischen Krankenhaus Mülheim zu den ältesten und größten Gruppen der Evangelischen Krankenhaushilfe, die 1969 von Brigitte Schröder in Düsseldorf ins Leben gerufen wurde. Die Ehegatten des damaligen Bundesaußenminister Gerhard Schröder hatte bei einem Besuch in den USA die Pink Ladies kennengelernt, die in Kliniken ehrenamtlich für Patienten und Patientinnen sowie deren Angehörige im Einsatz waren. Weil sie die Farbe pink nicht mochte, die Idee der Pink Ladies aber unbedingt nachahmenswert fand, machte sie aus dem Pink Ladies die Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe.

Wer mit den Grünen Damen und Herren ins Gespräch kommt und sie nach ihrer Motivation fragt, hört immer wieder den Satz: "Wir bekommen mehr zurück als wir geben!" Von einem sinnvollen Ehrenamt, das menschlich bereichert, ist immer wieder die Rede. Die meisten der Menschen, die als Grüne Damen und Herren einen Vormittag oder einen Nachmittag pro Woche in ihr Ehrenamt investieren, haben bereits einen reifes Lebensalter erreicht. Doch im Kreis der Grünen Damen und Herren des Evangelischen Krankenhauses gibt es auch einige Grüne Damen, die ihr Ehrenamt ganz bewusst als eine persönliche Herausforderung ausbildungsbegleitend ausüben.

In Anspielung darauf, das Grün im Volksmund als Farbe der Hoffnung gilt, bezeichnete Superintendent Michael Manz die Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe "als eine grüne Kraft der Hoffnung, die Menschen durch ihre Zeit und ihre Zuwendung in existenziell schwierigen Lebenssituationen Mut Hoffnung und Trost" spendeten. Viele der Grünen Damen und Herren, die Patienten zuhören, sie im Rollstuhl durch die Klinik oder deren Park schieben, ihnen mit kleinen Handreichungen assistieren oder für sie Besorgungen machen, haben selbst als Patienten oder Angehörige den segensreichen Beistand der Grünen Damen und Herren erlebt und sich so zu ihrem Ehrenamt motivieren lassen.

Hartmut Mäurer und Juliane van de Kemp, die zu den dienstälteren Ehrenamtlern der Evangelischen Krankenhaushilfe gehören, sehen vor allem Zeit, Zuwendung, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit menschliches Leid aushalten zu können als die wichtigsten Voraussetzungen für ihr Ehrenamt von Mensch zu Mensch mitbringen Sie haben aus ihrer eigenen Erfahrung heraus auch hohen Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen, die sich entschließen, aus dem Dienst auszuschreiben, weil sie spüren, dass sie nicht mehr die Kraft haben, um ihr Ehrenamt sinnvoll ausüben zu können. Und so ist das Leben auch bei den Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe dem Evangelischen Krankenhaus ein ständiges Kommen und Gehen und ein permanenter Wandel sind, ist es erforderlich, dass sich immer wieder neue Männer und Frauen zum Ehrenamt in den Reihen der Evangelischen Krankenhaushilfe berufen fühlen. 

Wer sich einen solchen Dienst vorstellen kann, erreicht die Seelsorgerin des Evangelischen Krankenhauses Müllheim Lisa Schönrock per E-Mail an: lisa. schoenrock@evkmh.de sowie unter der Rufnummer soll 0208-3092640. 

Dienstag, 14. April 2026

Denk ich an Thyssen

Der vor 100 Jahren gestorben August Thyssen ist zurecht als Großindustrieller in die Geschichte eingegangen. In seinem Todesjahr arbeiteten rund 65.000 Menschen für sein Unternehmen, das er 55 Jahre zuvor mit einem Stahlwerk und 70 Arbeitern auf einem ehemaligen Bauernhof in Styrum gegründet hatte.

Aus gutem Grund hatte ihn der Stadtrat, dem er damals selbst angehörte, 1912, zum Mülheimer Ehrenbürger ernannt. Denn in diesem Jahr hatten August Thyssen und sein Bruder Josef mit ihrer Stiftung die Eröffnung des Stadtbades an der Ruhr ermöglicht.

Auch die 1894 eingeweihte Marienkirche in Styrum und das 1927 im Luisental eröffnete Franziskushauses gehen auf seine Stiftung zurück. Mit seiner Initiative verbunden sind auch die Gründungen des Rheinischen Westfalen Elektrizitätswerkes und des Rheinischen Westfälische Wasserwerkes (RWW) sowie der Bau der heutigen Mausegattsiedlung, in der früher Bergarbeiter und ihre Familien lebten sowie der Bau von 128 Werkswohnungen an der Moritzstraße und des Styrumer Wasserturms, den wir seit der Landesgartenschau Müga 1992 als Wassermuseum Aquarius kennen.

1922 dankte August Thyssen in einem Beitrag für die Jubiläumsausgabe der Mülheimer Zeitung vor allem seinem Arbeitern und seiner Familie für deren Unterstützung, die seinem Erfolg als Unternehmer erst möglich gemacht hätten.
Seine ehemalige Firmenzentrale an der Wiesenstraße kennen wir seit 2005 als Haus der Mülheimer Wirtschaft und seit 2008 als Mülheim Unternehmer Museum kennen, Auch eine Straße, die durch Mintard zu seinem letzten Wohnsitz Schloß Landsberg führt, wurde bereits zu seinem 80. Geburtstag nach ihm benannt.

Noch bevor er selbst 1903 auf Landsberg, das heute als Tagungsstätte genutzt wird, zu Schlossherrn wurde, hatte August Thyssen 1890 das Schloss Styrum als Wohnsitz für seine Generaldirektor erworben. Nachdem 1958 der letzte Thyssen General auf Schloss Styrum verstorben war, wurde aus dem Schloss in Styrum Mülheims erste Seniorentagestädter und ein Ausstellungsraum für die Kunstsammlung der Stadt. Diese Tradition wird heute mit den städtischen Künstlerateliers im Schloss Styrum fortgesetzt. Fortgesetzt wird bis heute auch das unternehmerische Lebenswerk des vor 100 Jahren verstorben August Thyssen, mit der Firma Thyssen Schachtbau, die mit ihrer Firmenzentrale an der Sandstraße residiert und heute 1700 Menschen in 51 Ländern beschäftigt.

Mittwoch, 8. April 2026

Kunst bildet

Die Mülheimer Künstlerin Ronja Nekes hat das ehemalige Naturfreundehaus nicht nur zu ihrem Lebens- und Arbeitsplatz, sondern auch zu einem Centrum für Freiraum umgebaut. Zuletzt war sie dort Gastgeberin eines Art-Xplore-Workshops den die Malerinnen Claudia Desgranges und Lara Kaiserfür sieben junge und kreative Künstlerinnen zwischen 14 und 17 Jahren gaben. Möglich gemacht hatten den Workshop der Ruhepreisträger Dirk Salz und seine Frau Inge mit ihrer Kulturstiftung. "Es geht uns nicht nur um Malen und Zeichnen, sondern um kulturelle Bildung und den Mut, auch mal einen anderen Blick auf die Welt zu werfen, der das Leben nicht nur nach Geld und Zahlen bewertet", erklärt der im Uhlenhorst wohnende und an der Aktienstraße arbeitende Maler Dirk Salz die Motivation seiner Stiftung. 

Deshalb soll der von Mal-Profis geleitete Workshop in Rona Nekes Centrum für Freiraum im Juli und Oktober 2026 mit Alexander und Maja Voß sowie mit Frauke Wilken und Marie Spellenberg eine Fortsetzung erfahren.

Nach ihrem persönlichen Mehrwert befragt, sprechen die Teilnehmerinnen von der inspirieren Arbeit mit professionellen Malerinnen und gleichgesinnten Gleichaltrigen, die Ihnen neue Perspektiven und den Mut zur künstlerischen Improvisation, Spontanität und Experimentierfreude vermittelt hätten. Keine Frage, dass am Ende des dreitägigen Workshops am Böllrodt in Raadt Rufnummern ausgetauscht und neue Netzwerke gebildet wurden.


Mittwoch, 1. April 2026

Die Stadthalle heute

 Die Mülheimer Stadthalle am Broicher Ruhrufer wird seit 2001 von der Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft MST gemanagt. Deren Geschäfte werden aktuell von Michael Birr geführt. Er muss damit auch die Millionen-Investitionen verantworten, die notwendig sind um das 100 Jahre alte Gebäude instand zuhalten, in dem Theateraufführungen, Konzerte, Kongresse, Empfänge und andere Veranstaltungen über die Bühne gehen. 

Im Gespräch, das ich für die Lokalredaktion führen konnte, verwies er auf steigende Personal- und Energiekosten, aber auch auf die finanzielle Förderung, die der Stadthallenbetrieb durch das Land Nordrhein-Westfalen und seinen Partner Westenergie erhält, aber auch auf einen 40-prozentigen Mietrabatt, den die MST gemeinnützigen Organisationen für Ihre Veranstaltungen in der Stadthalle gewährt.

Die Restaurierung der Stadthallenarkaden, eine neue Verglasung, eine neue Tonanlage und eine neue LED-Beleuchtung für den 1073 Gästen Platz bietenden Theatersaal, der über eine 14 Meter breite Bühne verfügt, den Anschluss an das Glasfasernetz und das mit verbundene digitale Contentmanagement der Stadthalle und eine moderne Klima- und Energietechnik sind die aktuellen Baustellen des Stadthallenmanagements. 

Auf der Haben-Seite der Stadthalle hält Michael Birr die Tatsache fest, "dass die Stadthalle mit ihrer Lage an der Ruhr als Veranstaltungsort einen besonderen Charme hat und dass wir die Folgen der Corona-Pandemie heute nicht mehr spüren, weil die Menschen Kultur wieder live erleben wollen!" 

Samstag, 21. März 2026

Denk(m)al Kirche

 Die Zeiten ändern sich. Als St. Theresia 1892 für die katholischen Bergleute in Selbeck und 1901 die Evangelische Kirche an der Wilhelminenstraße in Broich eingeweiht wurden, waren die christlichen Kirchen Volkskirchen. Vergangenheit. 

Heute wird der 125. Kirchengeburtstag an der Wilhelminenstraße in der zum Jahresbeginn neugegründeten Brückengemeinde gefeiert. Und in der Linksruhrpfarrei St. Mariä Himmelfahrt macht sich ein von Michael Gatz-Kippert geleitetes Team Theresia darüber Gedanken, wie die baufällige, aber denkmalgeschützte Kirche an der Karl-Forst-Straße auch ohne Kirchensteuermittel erhalten und auch außerhalb der sonntäglichen Gottesdienste für die Bürgerschaft nutzbar gemacht werden kann.

Im neugotischen Stil errichtet, wirkt die Kirche an der Wilhelminenstraße, wie eine Zeugin aus Kaisers Zeiten, als Kaiserin Auguste Viktoria deren Altarbibel stiftete und ihr kaiserlicher Gatte Wilhelm II. im Kriegsjahr 1917 die drei Kirchenglocken für seine Rüstung einschmelzen ließ.

Wie durch ein Wunder hat die Kirche an der Wilhelminenstraße, die bei ihrer Einweihung im März 1901 noch in einer Landbürgermeisterei Broich stand, zwei Weltkriege fast unbeschadet überstanden. Nur die Kirchenfenster gingen während des Luftkriegs zu Bruch, um dann in den Jahren 1948 bis 1953 wiederhergestellt zu werden. Auch die vor 125 Jahren vom preußischen Hoforgelbauer Wilhelm Sauer montierte Orgel erklingt bis heute im spätromantischen Musikstil ihrer Zeit. Und die vor 100 Jahren installierten Art-Deko-Lampen beleuchten immer noch, zeitlos schön, das gottesdienstliche und Gemeindeleben im altehrwürdigen Gotteshaus.

Man könnte meinen, die seit 1892 so benannte Wilhelminenstraße, an der die evangelische Kirche steht, sei dem Geist ihrer Zeit entsprechend, nach der Schwester Friedrich II., Wilhelmine, benannt. Doch weit gefehlt. Ihre Namensgeberin war die frühverstorbene Frau des Gemeindemitglieds Ferdinand Roßkothen, der im Andenken an seine Frau, seiner Gemeinde, die ursprünglich mit ihrer  Nachbargemeinde in Speldorf fusionieren sollte, im Drei-Kaiser-Jahr 1888 den Baugrund stiftete, auf dem später ein Pfarr- und ein Gemeindehaus sowie ein Teil der Kirche errichtet werden sollte. 


Dienstag, 17. März 2026

Legendäre Luise

Lange bevor von Diana Spencer die Rede war, war Luise hierzulande die Königin der Herzen und das weit über ihren frühen Tod hinaus.

Als preußische Madonna wurde sie von ihren Landesleuten verehrt und verklärt. Vor 250 Jahren wurde Luise am 10. März 1776 als Prinzessin von Mecklenburg Strelitz geboren. Elf Jahre später besuchte sie zusammen mit ihrer Schwester Friederike und mit ihrer Großmutter Marie-Luise-Albertine von Hessen-Darmstadt und Leiningen-Dagsburg das Schloss Broich. Dort, wo ihre Großmutter als regierende Landgräfin nach dem Rechten schaute, verbrachte sie nach 1787 auch noch einmal 1789 und 1791 ihre Sommerfrische. 

Damals soll sich die junge Prinzessin die Herzen des Broicher Volkes erobert haben, in dem sie Kindern vorlas, ihnen ihr Spielzeug schenkte und den Bürgersleuten mit kindlicher Neugier in die Kochtöpfe schaute.
Damals war noch nicht absehbar, dass sie 1793 den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm heiraten würde, mit dem sie 1797 den preußischen Thron besteigen sollte.

Luise war nicht nur Landesmutter, sondern auch siebenfache Mutter. Mit ihrem Ehemann und ihren Kindern lebte sie ein liebevolles Familienleben. Gemäßigt gebildet, war Luise als Mit-Regentin des aufgeklärten Absolutismus nur insofern politisch wirksam, als das sie die Reformen ihrer Minister vom Stein und von Hardenberg befürwortete und Napoleon 1807 bei einem Treffen in Tilsit vergeblich um einen milden Frieden für Preußen bat. Preußen verlor seine westelbischen Gebiete.

Der Kaiser der Franzosen verspottete sie erst, war aber nach der Begegnung von ihr beeindruckt. In ihre Regentschaft fallen der Beginn der Kommunalen Selbstverwaltung und das Ende der Leibeigenschaft auf dem Lande.

Ihre Regentschaft endete mit ihrem Tod am 19 Juli 1810 auf ihrem elterlichen Schloss in Mecklenburg. Wie wir heute wissen, starb sie an den Folgen eines Lungentumors, der auf ihren Herzmuskel übergegriffen hatte.

Postum entfaltete Luise als preußische Nationalheilige und als Ikone der deutschen Nationalbewegung ihre größte Wirkung. Die 1838 gegründete Freimaurerloge zur verkehrten Luise, die 1892 sogenannte Luisenschule, das Luisental und die 1914 sogenannte Prinzess-Luise-Straße erinnern uns bis heute an den Luisenkult, der auch in einer Büste zum Ausdruck kommt, die bis 1922 in den Ruhranlagen stand und heute im Schloss Broich steht, wo die kleine Luise einst herumgetollt ist. Selbst als nach 1918 die Monarchie in Deutschland untergegangen war, wurde die preußische Königin Luise von der antirepublikanischen deutschen nationalen Volkspartei (DNVP) als politisches Covergirl instrumentalisiert.

Sonntag, 15. März 2026

Bühnenreife Schule

Mit ihrer Musicalklasse hat die Gesamtschule Saarn ein echtes Alleinstellungsmerkmal. 110 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren haben jetzt ihre inzwischen 19. Musicalproduktion auf die Bühne gebracht und ihre neue Schulaula in einen kleinen Broadway verwandelt.

Nach der "School of Rock" haben die beiden Lehrer Stephanie von der Marwitz und Sebastian Klein mit ihren Nachwuchsstars "Anastasia" die Geschichte der jüngsten Zarentochter, auf die Bühne gebracht.

Wer die Generalprobe gesehen hat, staunt über die enorme Professionalität von Jugendlichen, die ihre Bühnenarbeit, inklusive des Textlernens und der Gesangsproben, neben ihrem Schulalltag bewältigen. Für die jungen Damen und Herren aus der Musicalklasse ist jeder Samstag ein Probetag. Und nach der Premiere ist vor der Premiere. Die Castings für die 20. Musicalproduktion laufen bereits.

Wer in einer Pause mit den jungen Darstellerinnen und Darstellern ins Gespräch kommt, spürt schnell ihren Enthusiasmus und ihre Energie, mit der sie alle Zeit und Arbeit vergessen lassen, die sie in das Projekt investieren. Einige der Schülerinnen und Schüler haben sich zuvor mit der Geschichte der letzten Zarenfamilie auseinandergesetzt, um ihre Rolle besser spielen zu können. Andere zeigen sich als kreative Schauspieltalente, die von einer zur nächsten Probe immer besser und intensiver in ihre Rolle hineinschlüpfen.

Einig sind sich die Schülerinnen und Schüler, dass ihre Gemeinschaftsarbeit an dem Projekt Musical, für Sie eine seelische Vitaminspritze par excellence ist, die ihrem Selbstwertgefühl und ihrem Selbstbewusstsein gut tun. Und sie lassen keinen Zweifel daran, dass sie sich anstrengen müssen und wollen, um das Eintrittsgeld ihres Publikums wert zu sein. Dieser gemeinsame Ehrgeiz lässt Lehrende und Lernende ihre Inszenierung immer wieder optimieren.

Dahinter steht aber nicht nur Ehrgeiz, sondern auch die materielle Notwendigkeit, die Produktionskosten von rund 30.000 Euro einspielen zu müssen, nicht nur durch den Verkauf von Eintrittskarten, sondern auch durch Catering und das Einwerben von Spenden und Sponsoring.

Denn bezahlt werden müssen die Aufführungsrechte und die via Internet gekauften Kostüme sowie  die Licht- Ton- und Bühnentechnik Allerdings kann das Musicalensemble der Gesamtschule Saarn bei ihren Requisiten auf die Marke Eigenbau zurückgreifen. Dem 3-D-Drucker von Sebastian Klein sei Dank. Klein, der als Musiklehrer auch den Schulchor leitet, ist unter anderem für das Gesangstraining des Ensembles sowie für die Ton- und Lichttechnik verantwortlich. Viel Geld wurde, dem Förderverein und den Sponsoren sei Dank, auch in eine moderne Videowand investiert. Mit ihrer Hilfe kann man die unterschiedlichsten Kulissenauf die Bühnenwand projizieren, was sich auf mehrere Produktionen hochgerechnet, schnell auszahlt und darüber hinaus ein sehr professionelles Theatererlebnis kreiert.

Am Ende bleibt bei dem begeisterten Zuschauer der Eindruck, dass man die eine oder andere Schülerin und den ein oder anderen Schüler später noch einmal auf der einen oder anderen Profibühne wiedersehen und wieder hören wird, dass aber auch die anderen Ensemblemitglieder, die nach ihrer Schulzeit einen anderen beruflichen Weg einschlagen werden, in der Musicalklasse ihrer Schule viel für die Rolle ihres Lebens gelernt haben. Denn hier werden ganz neben bei Sozialverhalten, Kreativität und Teamfähigkeit geschult. 

Mehr über die Gesamtschule Saarn erfährt man unter anderem hier. 

Sonntag, 8. März 2026

Warum sich der Sozialstaat auszahlt

Wer Helga Albrecht-Faßbender begegnet, trifft eine starke, ausgeglichene und lebensbejahende Frau.

Wenn sie es nicht selbst erzählen würde, käme man nicht darauf, dass sie eine familiäre und eine eigene Alkohol- und Drogengeschichte hinter sich hat.

Heute kann die 67-Jährige EDV-Dozentin von sich sagen: "Ich bin  seit 25 Jahren trocken und rauchfrei." Ihre Lebenserfahrung gibt sie heute als ehrenamtliche Vorsitzende des Mülheimer Kreuzbundes an Menschen weiter, die eine vergleichbare Suchtgschichte mit ihr teilen.

Aufgewachsen ist Helga Albrecht-Faßbender mit drei Geschwistern in einem Elternhaus, das von der Alkoholsucht ihres vom Zweiten Weltkrieg traumatisierten Vaters geprägt war. "Die Generation meiner Eltern hätte nach dem Krieg komplett auf die Couch gehört. Aber damals hat sich niemand um die seelische Gesundheit der Menschen gekümmert, die im Krieg traumatisiert worden waren", erinnert sich Albrecht-Faßbender an ihre Kindheit und Jugend.

Mit 16 hielt sie es zu Hause nicht mehr aus und kam mit Hilfe des Jugendamtes in einem Mädchenwohnheim unter. Von da an schien es, auch mit Hilfe engagierter Erzieherinnen und Erzieher, für Sie bergauf zu gehen. Sie besuchte die Berufsschule und machte das Fachabitur nach. Aber dann kam sie mit falschen Männern und mit falschen Menschen zusammen und lebte ein Leben zwischen Cannabis und Alkohol. "Ich wundere mich noch heute, dass mich die Erfahrung meiner Kindheit nicht so weit sensibilisiert hat, um nicht in die Sucht abzugleiten!" Das sagt Albrecht-Faßbender im Rückblick auf ihre nassen und durchrauchten Jahre.

Doch dann, vor etwa 27 Jahren, traf sie einen Schicksalsgenossen, mit dem Sie den Mut und die Kraft zum Neuanfang hatte. Rat und Hilfe fanden sie bei der Caritas, die zusammen mit der Diakonie in Mülheim seit Jahrzehnten eine professionelle Suchtberatung betreibt.

"Ich habe hier Menschen getroffen, die mich so genommen haben wie ich bin und mir keine Vorwürfe gemacht haben. Gemeinsam haben wir überlegt, wie unser Leben ohne Alkohol und Cannabis aussehen könnte. Eine Alternative, die wir gefunden haben war das Fahrradfahren."

Trocken und rauchfrei fand Albrecht-Faßbender auch die Kraft zum beruflichen Durchstarten. Sie machte ihr Abitur nach und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur technischen Redakteurin.

Ihre wichtigsten Lebenserfahrung lautet: "Ich hatte das Glück im Unglück, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der der Sozialstaat ausgebaut und nicht, wie heute, zusammengeschrumpft wurde. Ohne diesen Sozialstaat hätte ich nicht die professionelle Hilfe bekommen, die es mir erlaubt hat, aus meiner Lebenskrise gestärkt hervorzugehen und auch als berufstätige Frau wieder in die Sozialsysteme unserer Gesellschaft einzahlen zu können. Schicksalsgenossen rät sie, "sich den eigenen Hilfebedarf einzugestehen und sich die professionelle Hilfe zu holen, die es Gott sei Dank immer noch in unserem Land gibt. Ohne die professionelle Beratung durch die Caritas hätte mein Leben einen ganz anderen Verlauf genommen", ist sich Albrecht- Faßbender sicher.

Weitere Informationen über die Suchtberatung in Mülheim finden Sie hier und hier.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Ein Hauch von Venedig

 Als die Stadthalle vor 100 Jahren eröffnet wurde, ließen die "Bunten Blätter" auf ihrem Titel eine Gondel an dem neuen Bauwerk vorbeifahren. Der Altbau der Stadthalle erinnert an einen venezianischen Palazzo und brachte Mülheim 1926 den Ruf eines "Ruhrvenedigs" ein.

Den Plänen der Architekten Hans Grossmann und Artur Pfeifer sei Dank. Großmann und Pfeifer hatte auch das im Ersten Weltkrieg fertiggestellte Rathaus geplant. Doch der Erste Weltkrieg ließ keine Zeit und kein Geld mehr übrig für den schon lange geplanten Stadthallenbau am Broicher Ruhrufer.

Gebaut wurde dann von 1923 bis 1925 auf dem ehemaligen Grundstück der Mülheimer Papierfabrikanten Vorster, aus deren Familie auch Mülheims erster Bürgermeister Hermann Vorster hervorgegangen war.

Mitten in der Hyperinflation begann der Stadthallenbau als Notstandsmaßnahme, finanziert mit Notgeld, dass sich die damals vom Oberbürgermeister Paul Lembke geführte Stadt selbst gedruckt hatte.

Das erste Konzertpublikum, das im Dezember 1925 in der neuen Stadthalle Platz nahm, bestand nicht aus den Mülheimer Honoratioren, sondern aus den Arbeitern, die den Bau bewerkstelligt hatten. Die Lokalpresse sprach damals vom "demokratischsten Konzert der Stadtgeschichte."

Bei der Eröffnung der Stadthalle am 5. Januar 1926 nahmen dann aber doch die üblichen Honoratioren im Theatersaal der Stadthalle Platz. Die Duisburger Sinfoniker spielten zur Feier des Tages Werke von Brahms und Wagner.

Gustaf Gründgens, Sven Hedin, Max Planck, Wilhelm Furtwängler und die Berliner Philhamoniker waren nur einige Prominente, die auf der Stadthallenbühne gastierten, ehe "Mülheims gute Stube" 1943 ein Opfer des Luftkriegs wurde.

Der Wiederaufbau der Stadthalle, der unter anderem mit einer Lotterie finanziert wurde, sollte sich bis ins Jahr 1957 hinziehen und vom Hannoveraner Architekten Hermann Graubner geplant. Der moderne Westflügel der Stadthalle atmet den Zeitgeist der 1950er Jahre. Der Theodor-Heuss-Platz vor der Stadthalle erinnert daran, dass sie am 11. Oktober 1957 im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit Werken Beethovens und Goethes Egmont wiedereröffnet wurde. In der Hauptrolle war damals Klausjürgen Wussow zu sehen, der auch später mehrfach in der Stadthalle gastierte und als "Professor Brinkmann aus der Schwarzwalklinik" einem Millionenpublikum bekannt werden sollte.

Götz George, Horst Tappert, OW Fischer, Joachim Kuhlenkampf, Joachim Fuchsberger, Hedi Kabel, Willi Millowitsch, Dieter Hildebrand, Juliette Greco, Thomas Gottschalk, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder waren nur einige von vielen Prominenten, die nach 1957 als Schauspieler, Sängern, Kabarettisten und Politiker auf den Bühnen der Stadthalle ihr Publikum fanden.

Sei 2001 wird die Stadthalle von der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft MST als Veranstaltungsort vermarktet. Zur Geschichte der Stadthalle gehört auch, dass sich viele gemeinnützige Organisationen, trotz eines Saalmietenrabatts, aus finanziellen Gründen die Stadthalle heute meiden und auf andere Veranstaltungsorte ausweichen, die für sie bezahlbarer sind als die Stadthalle.

Mehr über die Mülheimer Stadthalle erfahren Sie unter anderem hier.

Samstag, 21. Februar 2026

Für Umsicht, Rücksicht und Vorsicht

Mit Vorsicht, Umsicht und Rücksicht kommen wir auch im Straßenverkehr gemeinsam besser ans Ziel. Für die Verbreitung dieser Einsicht arbeitet die Verkehrswacht in Mülheim an der Ruhr seit 100 Jahren. Seit ihrer Gründung am 12 Februar 1926 hat sich die Zahl der in Mülheim an der Ruhr registrierten Fahrzeuge von rund 500 auf mehr als 90.000 erhöht. Nach Solingen ist sie die an Rhein und Ruhr älteste Verkehrswacht Deutschlands.

Das feierten ihre derzeit 100 Mitglieder mit ihren Gästen jetzt im Casino an der Delle. Neben Oberbürgermeister Marc Buchholz gehörten auch Nordrhein-Westfalens Vrkehrsminister Oliver Krischer und die Bundespräsidentin der Verkehrswacht Kerstin Lühmann zu den Gratulanten, die der Vorsitzende der Ortsvereinigung Prof Dr Gunter Zimmermeyer zur Jubiläumsfeier willkommen heißen konnte.
Altersgerechte Verkehrserziehung in Kindertagesstätten und Grundschulen, Fahrtraining für Fahranfänger, Elektrofahrrad- und Rollator-Training für Senioren und leuchtende Rucksäcke und Westen, die auch bei Dunkelheit dafür sorgen, dass man als Verkehrsteilnehmer unübersehbar ist. Mit Blick auf all diese ehrenamtlichen Aktivitäten der Verkehrswacht sagte NRW-Verkehrsminister Krischer: "Ihre Arbeit hat viele Leben gerettet. Er betonte aber auch angesichts von bundesweit rund  2800  Verkehrstoten im Jahr 2025: "Wir sind noch weit von der Vision Zero entfernt". Und die Präsidentin der Verkehrswacht Deutschland machte mit Blick auf den Anstieg der Verkehrsunfälle auf dem Schulweg, zuletzt um rund 5%, deutlich, dass die Verkehrswacht und ihre ehrenamtliche Aktiven weiterhin gebraucht werden.

Schon vor dem Festakt hatte der Vorsitzende der Verkehrswacht Mülheim Professor Dr. Gunter Zimmermeyer im Gespräch mit der Mülheimer Lokalredaktion auf wesentliche Baustellen der Verkehrswacht hingewiesen. Mit Sorge betrachtet er die dramatisch zunehmenden Unfälle, in die E-Scooter verwickelt sind, die mit bis zu 25 km/h über Gehwege fahren dürfen. Ebenso kritisch betrachtet er das Phänomen der Elterntaxis. "Kinder müssen frühzeitig lernen, selbstständig ihren Schulweg zurückzulegen, um damit ihre Bewegungsfähigkeit zu trainieren und gleichzeitig auf dem Schulweg soziale Kontakte zu Altersgenossen knüpfen zu können."  Positiv bewertet Zimmermeyer, dass die Fahrzeugsicherheit sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verbessert habe. Zum Vergleich: Vor 50 Jahren kamen fast 15.000 Menschen allein in der damals westlichen Bundesrepublik Deutschland im Straßenverkehr ums Leben, obwohl damals nur ein Viertel der heutigen Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs war.

Zimmermeyer nutzte den Festakt im Casino auch dafür, darauf hinzuweisen dass die Verkehrswacht nicht nur auf Spenden, sondern auch auf ehrenamtlich Aktive angewiesen sei um ihre Arbeit effektiv fortsetzen zu können.

Weitere Informationen über die Arbeit der Mülheimer Verkehrswacht finden Sie unter anderem hier,

Freitag, 20. Februar 2026

Närrische Nachlese

 Auch in der jetzt abgelaufenen Session hat der aktuell in 11 Gesellschaften und im Hauptausschuss Groß-Mülheimer-Karneval organisierte Frohsinn unter dem Vorzeichen von Lebensfreude und Gemeinschaft Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen und Generationen miteinander vereint. 

Mit einem aus Uruguay stammenden Stadtprinzen (Lucas Leonard Lungo-Laporta) und einem aus der Türkei stammenden Hofmarschall (Hakan Zileli) spiegelte sich im Tollitätenteam der demografische Wandel einer zunehmend multikulturellen Stadtgesellschaft, in der heute Menschen aus 145 Nationen zusammenleben.

Das die Karnevalsjugend des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval in dieser Session mit einem neuen Social-Media-Auftritt, inklusive ihres Podcast "Kappes und Kokolores" an der Start gegangen ist, um mehr Menschen aus der Generation U30 für die Fünfte Jahreszeit zu gewinnen spiegelt die Digitalisierung unserer Gesellschaft ebenso wider, wie die Tatsache, dass die Mülheimer Lokalredaktion den diesmal leider arg verregneten Rosenmontagszug, via Livestream ins Internet übertragen hat und damit rund 1900 Online-Zuschauer gefunden hat. 

Sowohl zum Beginn, wie zum Ende der Session stieg der Ex-Stadtprinz Jürgen Wisniewski als Hoppeditz der KG Blau Weiß dankenswerterweise in die Bütt und zeigte damit, dass der Karneval seine politischen Spitzen noch nicht verloren hat und eben mehr ist als nur Party.

Sowohl bei der Mädchensitzung der Roten Funken als auch beim Kostümball des Mülheimer Carnevalsclubs und beim Gemeindekarneval, made by St. Mariae Rosenkranz und MüKaGe zeigten sich sonst auch schon mal kostümmuffeligen mölmschen Jecken kostümtechnisch von ihrer buntesten und besten Seite.

Alle drei Saalveranstaltungen gingen im Dümptener Autohaus der Ruhrdeichgruppe über die Bühne. Sie zeigten, ebenso, wie der zweite Karnevalsempfang mit den kleinen und großen mölmschen Tollitäten, dass auch im mölmschen Karneval ohne Moos, sprich Sponsoren, nichts los ist, auch wenn das ehrenamtliche Engagement der mehr als 1000 aktiven Karnevalisten und Karnevalistinnen, etwa in den Musikzügen und Tanzgarden oder beim Wagenbau für den Rosenmontagszug Geld und Gold wert und gar nicht zu überschätzen ist. 

Aus gutem Grund wurden in der Session 2025/26 mit dem Prinzenführer Detlef Michael Klapper ein seit Jahrzehnten ehrenamtlicher Karnevalist zum Ritter vom Schiefen Turm und die Sparkassenstiftung als Karnevalssponsor mit dem Mölmschen Narr ausgezeichnet.

Und weil der Karneval auch ohne Musik undenkbar wäre, wurde mit Horst Herrmann ein Ein-Mann-Orchester mit dem Ehrenzeichen des Bundes Deutscher Karneval ausgezeichnet, der den Mülheimer Saalkarneval seit 1974 begleitet.

Undenkbar wäre der organisierte Frohsinn in Mülheim natürlich auch ohne die Mutter aller Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die MüKaGe, die mit einem weiblichen Führungsquartett in seine 88. Session ging, während die ebenfalls von einer starken Frau (Gisela Claus) angeführte Ruhrgarde aus gutem Grund feiern durfte, dass sie seit inzwischen 50 Jahren, nicht nur auf Mülheims Bühnen, mit glamourösen Showtanz für Furore sorgt, der an den Broadway, das Moulin Rouge und das Crazy Horse erinnert. 

Mehr über den Mülheimer Karneval erfahren Sie unter anderem hier

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...