Zu früh gefreut

Was für eine Überraschung. Die Deutsche Fernsehlotterrie schreibt mir. Mein Puls nimmt Fahrt auf. Habe ich gewonnen? Winken mir Millionen? Was könnte ich mit dem Geld alles tun. Weltreise? Eigentumswohnung? Sofortrente? Nie mehr auf Sonderangebote achten? Ich weiß gar nicht, an was ich als erstes denken soll. Doch dann nehme ich mir ein Herz und öffne den Briefumschlag mit dem verheißungsvollen Absender. Was wird wohl Mutter dazu sagen? Und dann erkenne ich: Sie wird über meine voreiligen Sekundenvisionen lachen, so wie ich.

Denn aus dem Umschlag kommt ein Brief hervor, der zwar an mich persönlich, aber wohl nicht nur an mich geschrieben worden ist. In diesem Brief, der auch noch mit einem unverschämt grinsenden Portrait versehen ist, weist mich ein Mann, dessen Name mich nicht im geringsten interessiert darauf hin, dass ein Mega-Los der Deutschen Fernsehlotterie eine Riesen-Chance und ein Schönes Geschenk sei. Geschenkt! Ich muss mich erst mal von meiner Enttäuschung erholen. Und gleich morgen besorge ich mir einen Briefkastenaufkleber: "Werbeeinwurf verboten!" Ich weiß nicht, ob ich damit dafür sorgen kann, dass den unverschämt grinsenden Damen- und Herrn in meiner Werbepost das Grinsen vergeht. Aber ich muss es dann wenigstens nicht mehr mit ansehen!

Dieser Text erschien am 5. März 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

Kolpinggeschwister wollten wissen, was uns Bürger nach der Bundestagswahl erwartet

Aufbruchstimmung in schwierigen Zeiten: Die Pfarreien St. Mariae Geburt und St. Mariä Himmelfahrt luden zu einer Zukunftswerkstatt