Donnerstag, 4. Februar 2016

Er schöpfte aus der Kraftquelle seines christlichen Glaubens: Der katholische Staatsmann Konrad Adenauer

Konrad Adenauer. Das war der Mann, der seiner Heimatstadt Köln als Oberbürgermeister eine neue Universität, international beachtete Messehallen und die Ansiedlung der Ford-Werke bescherte. Er war der Mann, der mit Hilfe seiner eigenen Stimme 1949 im Alter von 73 Jahren zum ersten Bundeskanzler gewählt wurde. Er war der Bundeskanzler, der in seinen 14 Amtsjahren die Bundesrepublik Deutschland in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und in die Nato führte, der zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten Charles De Gaulle aus einer alten Feindschaft eine Freundschaft machte. Er war der Kanzler, der die diplomatische Annäherung an Israel einleitete und er war vor allem der Kanzler, den die Wähler 1957 mit der absoluten Mehrheit belohnten, weil er 1955 die letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion heim holte.
So ist der vor 140 Jahren – am 5. Januar 1876 – geborene Konrad Adenauer in das kollektive Gedächtnis seiner Landsleute eingegangen. Was weniger in Erinnerung blieb, ist sein christlich-katholischer Glaube, aus dem Konrad Adenauer immer wieder Kraft schöpfte.
Der Besuch der Heiligen Messe war für ihn lebenslang mehr als ein Ritual. Es war ihm ein inneres Bedürfnis. Seine Biografen Dorothea und Wolfgang Koch zitieren ihn mit der Erkenntnis: „Ohne die richtige lebendige seelische Haltung wird alles andere nicht richtig. Nichts ist aber so sehr geeignet, auf die seelische Haltung einzuwirken, als die richtig verstandene Pflege des liturgischen Gedankens.“ Und sie zitieren ihn auch mit der Konsequenz, die er als christlicher Demokrat aus dieser Einsicht zog: „Die Lehre vom Wert und der Würde der menschlichen Person ist zuerst vom Christentum aufgestellt worden und rund 2000 Jahre hindurch von ihm bewahrt und siegreich verteidigt worden.“
Als Kölner Schüler besuchte Adenauer das katholische Apostelgymnasium und die Gottesdienste in St. Aposteln. Als Jurastudent in Freiburg, Bonn und München schloss er sich den katholischen Studentenvereinen des Kartellverbandes an. Als 30-jähriger Rechtsanwalt wurde Adenauer in der katholischen Zentrumspartei aktiv. Die machte ihn erst zum Beigeordneten und 1917 zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt. Obwohl er seine Antrittsrede als Oberbürgermeister noch mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm II. schloss, verteidigte Adenauer als Präsident des Katholikentages 1922 die Republik von Weimar gegen die Anwürfe der monarchistisch gesonnenen Katholiken. Damals stellte er fest: „Man­chen katholischen Kreisen fällt es schwer, das richtige Verhältnis zur heutigen Staatsform zu finden. Sie können sich nicht dazu entschließen, unter Beiseitelassung gefühlsmäßiger Erwägungen und Erinnerungen sich entschieden auf den Boden der Tatsachen zu stellen und auf diesem Boden positiv mitzuarbeiten. Es muss auf das ernsthafteste versucht werden, die politische Einigkeit der deutschen Katholiken wieder herzustellen. Dass die deutschen Katholi­ken politischen Einfluss nur dann ausüben können, wenn sie auf dem Boden der heutigen Verfassung mitarbeiten, nicht aber, wenn sie in eine fruchtlose Opposition treten, liegt auf der Hand.“
Es kam bekanntlich anders. 1933 wurde Adenauer von den Nazis als Oberbürgermeister zwangspensioniert und drangsaliert. Adenauer hatte sich als Oberbürgermeister geweigert, die öffentlichen Gebäude und Brücken der Stadt bei einem Besuch Hitlers mit Hakenkreuz-Fahnen zu beflaggen. Nach dem das Zentrum 1933 mit der Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz seinen eigenen politischen Untergang besiegelte, schrieb Adenauer lakonisch und bitter: „Ich weine dem Zentrum keine Träne nach. Es hat versagt und es versäumt, sich rechtzeitig mit neuem Geist zu erfüllen.“
Nach der Machtübernahme der NSDAP suchte und fand Adenauer zwischenzeitlich Zuflucht in der von seinem Mitschüler, Abt Ildefons Herwegen geleiteten Abtei Maria Laach. Dort besuchte ihn auch ein anderer Schulfreund, Adolf Amelunxen, der später erster Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden sollte. Als er auf Anfrage Adenauers erklärte, er vermute, dass die Nazis zehn oder zwölf Jahre an der Macht bleiben würden, stellte Adenauer resigniert fest: „Dann werde ich zu alt sein, um noch mal neu anzufangen.“
Auch Adenauer konnte sich irren. Er überlebte, auch mit Hilfe des Kölner Kardinals Josef Frings, seine Inhaftierung nach dem am 20. Juli 1944 gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler. Als der Krieg und die Diktatur am Ende waren, fing Adenauer erst richtig an. Während seine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister in Köln Episode blieb, sollte er an der Spitze der neuen deutschen Christdemokratie für fast zwei Jahrzehnte zur prägenden politischen Gestalt der Bundesrepublik werden. Dabei verstand er seine Absage an das neugegründete Zentrum und sein Eintreten für eine überkonfessionelle christliche Volkspartei und sein vehementes Eintreten für die Westbindung als Konsequenz aus der deutschen Geschichte und als eine Garantie für die Zukunft eines demokratischen Deutschlands. Das sollte aus seiner Sicht kein neutraler Spielball der kommunistischen Sowjetunion werden. Deshalb lehnte er auch Stalins Angebot einer deutschen Einheit 1952 ab.

1946 machte Adenauer bei einer CDU-Veranstaltung in Bonn deutlich: „Es ist doch so, die Geschichte der letzten Jahrhunderte hat es eindeutig gezeigt: nur die Befolgung christlicher Grundsätze vermag die Menschheit vor dem Rückfall in schlimmste Barbarei, ja vor der Selbstvernichtung zu retten.“ Auch wenn es 1948/49 bei der Verfassungsgebung im Parlamentarischen Rat Kontroversen um das Eltern- und Schulrecht gab, so konnte sich Adenauer später doch auf die grundsätzliche Unterstützung der katholischen Kirche und ihrer Bischöfe verlassen. Und als „der Alte“, wie er vom Volksmund liebevoll genannt wurde, im April 1967 gestorben war, stellte Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier in seiner Trauerrede zu recht fest: „Die kraftvolle Orientierung, die von Konrad Adenauer ausging, war ein Element seiner staatsmännischen Autorität. Ohne sein subtiles, niemals problemloses, in entscheidenden Momenten aber doch immer festes Verhältnis zum christlichen Glauben nicht denkbar.“

Dieser Text erschien am 5. Januar 2016 in der katholischen Tageszeitung DIE TAGESPOST

Mittwoch, 3. Februar 2016

Ein närrischer Hans Dampf in allen Gassen: Maik Frehmann

Maik Frehmann von der KG Düse
Als Junge war Maik Frehmann ein erfolgreicher Schwimmer. Doch dann machte ihn die Fanfare eines Nachbarsjungen neugierig. Von ihm ließ er sich zur Probe des Musikzuges der Roten Funken mitnehmen.

Das musikalische und menschliche Gemeinschafterlebnis, das er dort mitnahm, machte ihn zum Karnevalisten. „Ich bin kein Einzelkämpfer, sondern ein Gemeinschaftsmensch. Und deshalb bin ich im Karneval genau richtig“, sagt der heute 41-Jährige.

Nach 16 aktiven Jahren als Musiker, Geschäftsführer und Vizepräsident der Roten Funken gründete der gelernte Dachdecker 2001 mit einigen Karnevalsfreunden die Karnevalsgesellschaft Düse.

„Wir wollten einen modernen Karneval für jedermann feiern und weniger Rücksicht auf althergebrachtes Zeremoniell nehmen müssen“, erinnert sich der Vater eine vierjährigen Tochter an den Gründungsimpuls. Dass aus den 35 Gründungsmitgliedern inzwischen 120 Mitglieder geworden sind, zeigt, dass Frehmann und seine Vorstandskollegen nicht alles falsch gemacht haben können.

Besonders freut sich Frehmann darüber, „dass wir viele junge Mitglieder haben, von denen wir einige auch schon in die Vorstandsarbeit einbezogen haben“. Junge und jüngere Mitglieder sind für ihn ein Zeichen dafür, „dass wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln und immer für neue Ideen offen sind“.

Wenn die KG Düse am kommenden Donnerstag um 19 Uhr zur Weiberfastnacht und am Karnevalssamstag um 20 Uhr zur Prunksitzung in die Styrumer Union an der Neustadtstraße einlädt, wird man auch rockig-poppige Musikklänge und Comedy jenseits von Marschmusik und Büttenrede zu hören bekommen. Als Präsident und Vorsitzender, als Corpsführer des Musikzuges und als Mittänzer im Männerballett, ist Frehmann ein karnevalistischer Hans Dampf in allen Gassen. „Ich bin kein Präsident, der sich zurücklehnt und die Arbeit delegiert und dirigiert. Ich packe immer selbst mit an, wo ich gebraucht werde“, betont Frehmann. Und so macht er sich gleich nach dem Gespräch mit der Presse auf den Weg, um Dekorationen für die Karnevalsveranstaltungen im Unionssaal zu besorgen.

Auch wenn die Wagenbauer mal Hilfe brauchen, reicht ein Anruf. „Wenn man als Präsident mit anpackt, hebt das die Stimmung“, weiß Frehmann. Er schätzt, dass er 70 Prozent seiner Freizeit dem Karneval und dem Vereinsleben der KG Düse widmet. Aktuell plant der Ex-Prinz der Session 2004/2005 schon das Sommerfest der Düse.

Ganz nebenbei baut er nach einem Arbeitsunfall als Umschüler derzeit sein Examen als Bautechniker. „Durch den Karneval habe ich gelernt, dass man den Kopf nicht in den Sand stecken darf und das es im Leben immer weitergeht“, sagt der närrische Hans Dampf.

Dieser Text erschien am 2. Februar 2016 in der NRZ und in der WAZ

Dienstag, 2. Februar 2016

Damit der Nachwuchs gut aussieht: Birgit Ruthe

Birgit Ruthe von der Röhrengarde
Seit 18 Jahren ist Birgit Ruthe in der Röhrengarde Mülheims aktiv. Sie näht die Gardeuniformen und auch die Showtanz-Kostüme. Für sie ist Karneval eine gute Schule fürs Leben.
Birgit Ruthe näht und dekoriert gerne. Das sieht man sofort, wenn man ihre Wohnung betritt. Die Nähmaschine steht auf dem Küchentisch. Die Gardeuniformen der Röhrengarde Silber-Blau müssen auf Vordermann gebracht werden.

Ihre Karnevalskarriere begann vor 18 Jahren, als sie ihre Tochter Sabine zum ersten Tanztraining bei der Röhrengarde brachte. Nicht nur Tochter und Mutter fingen Feuer. Auch Vater Rüdiger und Sohn Patrick ließen sich vom Bazillus Carnevalensis anstecken.

„Unsere Gesellschaft ist für uns wie eine große Familie, in der wir viele Freunde gefunden haben. Mit denen kann man nicht nur gut feiern, sondern, wenn es darauf ankommt, auch schon mal über Probleme sprechen“, erzählt Birgit Ruthe. „Ich arbeite unserer Gardetrainerin Melanie Schott zu“, beschreibt die 52-Jährige ihre Aufgabe in ihrer Karnevalsgesellschaft. Als Gardebegleiterin sorgt sie dafür, dass die 16 jungen und ganz Jungen Damen der silber-blauen Tanzgarde gut behütet zu ihren Sessionsauftritten und wieder nach Hause kommen.

Doch Ruthe macht noch viel mehr. Die Nähmaschine auf ihrem Küchentisch zeigt es. Nicht nur die silber-blauen Gardeuniformen, sondern auch die Showtanz-Kostüme der Röhrengarde kommen aus ihrer häuslichen Nähwerkstatt auf die Bühne und lassen den Nachwuchs der Gesellschaft gut aussehen. Genau das macht der Frau, Mutter und Karnevalistin auch besonders viel Freude und lässt sie ihre ehrenamtlichen Arbeitsstunden nie zählen. „Gemeinschaft und Sport, das tut Kindern und Jugendlichen gut und sie landen nicht auf der Straße und kommen dort auf dumme Gedanken“, beschreibt sie ihre Motivation, den Karneval nicht nur mitzufeiern, sondern im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch mitzugestalten.

Im Gespräch mit der gelernten Wirtschaftsmeisterin und Hotelfachfrau, die heute in der Altenbetreuung arbeitet, wird schnell klar: Ohne Menschen wie Birgit Ruthe, die nicht nur Kostüme nähen, sondern auch Ideen für Tanzshows entwickeln, in Festsälen Sitzgarnituren aufbauen und dekorieren oder mit Pinsel und Säge den Männern beim Wagenbau helfen, ohne nach Zeit, Geld, Ämtern und Orden zu fragen, wäre Schluss mit Lustig im mölmschen Karneval.

Ihren Lohn sieht sie in geselligen Ausflügen, Festen und anderen Gemeinschaftsaktivitäten, mit denen die von Elli Schott geführte Röhrengarde den Zusammenhalt ihrer Mitglieder auch und gerade zwischen Aschermittwoch und dem 11.11. pflegt.

Und am Beispiel ihrer eigenen Kinder sieht Ruthe, dass der ­Karneval eine fröhliche und manchmal auch eine anstrengende Schule fürs Leben sein kann, in der man Selbstbewusstsein tanken kann.

Dieser Text erschien am 1. Februar 2016 in der NRZ und in der WAZ

Montag, 1. Februar 2016

Ein Sonnenschein: Sarah Zehnpfennig

Sarah Zehnpfennig von der Ruhrgarde
Es soll ja Frauen geben, die alles sein wollen, nur nicht so, wie ihre Mutter. Bei Sarah Zehnpfennig und ihrer Mutter ist das anders. Als die Mutter die zehnjährige Sarah zum Probetraining der Ruhrgarde brachte, war die Tochter gleich Feuer und Flamme. Es scheint so, dass die heute 25-jährige Arzthelferin die Leidenschaft für den ambitionierten Showtanz von ihrer Mutter geerbt hat. Denn die tanzte als junge Frau bei der KG Blau Weiß.

Doch das findet Sarah Zehnpfennig, die den Rhythmus offensichtlich im Blut hat, gerade so toll an der Ruhrgarde.

„Wir sind eben kein normaler Karnevalsverein, sondern eine Garde, die mit ihren Tanzshows Glanz und Glamour auf die Bühne bringt“, sagt Zehnpfennig, die als aktive Tänzerin inzwischen auch zum Trainerteam der Ruhrgarde gehört.

Als Arzthelferin mit einer Naturbegabung für Fröhlichkeit und Sonnenschein, macht Zehnpfennig in ihrem Beruf, was sie auch in ihrem Ehrenamt als Co-Trainerin macht. „Gerade, wenn Mädchen neu zu uns kommen, ist es wichtig ihnen die Angst vor den ersten Schritten und davor zu nehmen, etwas auf der Bühne falsch machen zu können.“

Wenn die Damen der Ruhrgarde in ihren wechselnden und immer figurbetonten Glitzerkostümen auf der Bühne Shows, wie „Bella Italia“, „On Broadway“ oder „It’s Showtime“ zaubern, schaut man und ganz besonders Mann gerne hin und hat den Eindruck, dass alles wie von selbst perfekt gelaufen ist. „Der normale Zuschauer sieht keine Schrittfehler und merkt auch nicht, dass es beim Umziehen hinter den Kulissen vielleicht nicht ganz reibungslos zugegangen ist. Fünf bis sechsmal pro Show wechseln die Damen ihre Kostüme. Dem Klettverschluss sei Dank. Da käme so manches Männerballett sicher schnell ins Schwitzen.

Apropos Männer. Die stehen bei der Ruhrgarde zwar nicht auf der Bühne, sind aber als Hilfsarbeiter im Hintergrund unentbehrlich und bei den Damen hoch geschätzt. Die Partner der Ruhrgardistinnen müssen sich schon darauf einstellen, bei den bis zu 20 Sessionsauftritten Kisten zu schleppen oder Scheinwerfer zu tragen. Das gilt natürlich auch für die Auftritte, die auch außerhalb der Session landesweit zu verschiedensten privaten und öffentlichen Anlässen über die Bühne gehen und jährlich rund 20?000 Zuschauer begeistern.

Das hat bei der Ruhrgarde Tradition. Denn schließlich waren es mit Silvia und Peter Heibel eine handfeste Frau und ein tatkräftiger Mann für alle Fälle, die vor 40 Jahren die Ruhrgarde aus der Taufe hoben, um mit ihr den Showtanz im Mülheimer Karneval aufzupeppen. Und die Heibels wissen schon aus ihrer Zeit vor der Ruhrgarde, was es heißt, als Tanzmariechen und Tanzmajor auf der Bühne zu stehen. „Silvia und Peter haben damals mit ihrer Vision des glamourösen Showtanzes eine echte Marktlücke geschlossen und sie sind bis heute die guten Seelen der Ruhrgarde“, sagt Sarah Zehnpfennig.

Warum investiert die junge Frau soviel Zeit und Energie in das Training und die Auftritte der Ruhrgarde? Sie erklärt es so: „Wir sind, wie eine kreative Familie voller Musik, Tanz und Fantasie, in der jeder seine Talente ausleben und jeder mit jedem über alles sprechen kann.“ Apropops Familie. Neben Sarah tanzen inzwischen auch ihre beiden jüngeren Schwestern Jasmin und Aileen in der 60 Mitglieder zählenden Ruhrgarde.

Besonders schön findet Sarah Zehnpfennig, dass der familiäre Zusammenhalt innerhalb der Ruhrgarde auch außerhalb der Session durch gemeinsame Freizeitaktivitäten gepflegt wird. Die reichen vom Skiurlaub und Städtetouren bis zum Zeltlager.

Nicht schlecht staunt man auch, wenn Zehnpfennig erzählt, dass die Damen der Ruhrgarde in ihren Trainingsquartieren an der Duisburger Straße nicht nur trainieren, sondern auch mal zur Nadel greifen, um ihren eleganten Kostümen den letzten Schliff zu verpassen. Ganz schön vielseitig diese Glamour-Girls. Und zu dieser Vielseitigkeit gehört auch die thematische Konzeption der Tanzshows, bei der sich Sarah Zehnpfennig und ihren Trainerkolleginnen Kiki Paffendorf und Gisela Claus auch von anderen Shows inspirieren lassen. 


Dieser Text erschien am 27. Januar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 31. Januar 2016

Halleluja und Helau oder Fromm trifft Fröhlich: Die Karnevalsfestmesse in Ankt Engelbert

Kinderprinzessin Chiara, Kinderprinz Luka und ihr Minister Nick verleihen am Ende der Karnevalsfestmesse in St. Engelbert Pastor Michael Clemens ihren Prinzenorden. In Mülheim gibt es etwa 1700 aktive Karnevalisten, davon rund 600 Kinder und Jugendliche.
Halleluja und Helau sind zwei Seiten der selben frohen Botschaft. Das konnten jetzt 150 Gottesdienstbesucher in St. Engelbert erleben. Pastor Michael Clemens und die 13 Gesellschaften des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval hatten dort zur achten Karnevalsfestmesse eingeladen. In einer brillanten Predigt mit Herz und Verstand schlug Clemens den Bogen von der wunderbaren Wein-Vermehrung bei der Hochzeit von Kana hin zu den alltäglichen Wundern der Mitmenschlichkeit, etwa wenn sich Bürger ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren und dabei über alle Parteigrenzen hinweg auch von den Kommunalpolitikern unterstützt werden.

Clemens Predigt-Motto lautete den auch: "Manches läuft einfach. Manches läuft runder. Schon wieder ein Wunder!" Nach seiner Predigt hatte sich der Pastor aus dem multikulturellen Stadtteil Eppinghofen den Applaus der Gottesdienstbesucher und die Orden des kleinen und des großen Stadtprinzenpaares redlich verdient. Das große Stadtprinzenpaar (Markus und Julia) wirkten denn auch an der Gabenbereitung mit. Und das Kinderprinzenpaar (Luka, Chiara und Minister Nick) trugen die Fürbitten vor. Die närrischen Nachwuchsregenten baten unter anderem um mehr Lebensfreude auf unserer Erde.

Lebensfreude brachten auch die Tanzmariechen der KG Knattsch Gek und der MüKaGe sowie die Musiker der KG Blau Weiß und der KG Düse mit in das 1907 eingeweihte Gotteshaus. Auch Organistin Birgit Höfer ließ sich von der Fünften Jahreszeit inspirieren und intonierte auf ihrer Königin der Instrumente unter anderem den Karnevalsschlager: "Wir kommen alle in den Himmel. Denn wir waren schon auf Erden die reinsten Engelein."

Dieser Text erschien am 23. Januar 2016 im Neuen Ruhrwort

Samstag, 30. Januar 2016

Eine Rolle, die niemanden kalt lässt: Ein Gespräch mit den Hauptdarstellern des Nikolaus-Groß-Musicals

Die Hauptdarsteller des Nikolaus-Groß-Musicals
vor dem Gedenkkreuz an der Dümptener
Barbarakirche am Schildberg
Tim Timmer und Dorothee Schäfer (vorne)
sowie Jürgen Wrobbel und Verena Rützel.
„Wenn man so einen starken Glauben hat, wie Nikolaus und Elisabeth Groß ihn hatten, dann braucht man eigentlich nichts anderes mehr. Dann hat man gewonnen“, sagt Tim Timmer. Der Rechtsanwalt aus der Gemeinde St. Barbara spielt seit 18 Jahren den katholischen Arbeiterführer, Widerstandskämpfer und Familienvater Nikolaus Groß.
„Wer diese Rolle spielt und sich mit der Persönlichkeit von Nikolaus Groß auseinandersetzt, der wird ein anderer, als er vorher war“, sagt der Unternehmensberater Jürgen Wrobbel. Er teilt sich die Rolle des 2001 selig gesprochenen Nikolaus Groß mit Timmer.

Auch für die Lehrerin Verena Rützel und die in der Offenen Ganztagsschule tätige Pädagogin Dorothee Schäfer, die sich die Rolle der Elisabeth Groß teilen, haben die Eheleute Groß „mit ihrer bewussten Entscheidung für den Widerstand gegen Hitler im Angesicht aller damit verbundenen Konsequenzen“ ein bis heute nachwirkendes Beispiel für Mut und Verantwortung gegeben.
Dabei sehen Rützel und Schäfer sehr wohl die „zwei Seiten einer Familiengeschichte.“ Sie können nachvollziehen, dass nicht alle der sieben Groß-Kinder Fans des Musicals sind. „Denn einige von ihnen sind der Ansicht, dass die Kirche nicht genug getan hat, um ihren am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordeten Vater zu retten und so ihrer Mutter das Schicksal einer Alleinerziehenden von sieben Kindern zu ersparen.“

Umso dankbarer sind die vier Hauptdarsteller für die Unterstützung des 1934 geborenen Groß-Sohnes Bernhard. Die Gespräche mit dem Diakon Bernhard Groß haben ihnen dabei geholfen, ihre schweren und textintensiven Rollen authentisch auszufüllen. Groß hat fast alle der bisher 68 Musical-Aufführungen besucht. Mit seinen persönlichen Erinnerungen konnte er in den Gesprächen mit den Nachgeborenen deutlich machen, was der Nazi-Terror für den Alltag der Menschen im damaligen Deutschland bedeutet hat.
„Ich möchte diese Entscheidung nicht getroffen haben müssen“, sagt Tim Timmer über den Weg der Eheleute Groß, der sie in den Widerstand gegen Hitler führte. Und sein Nikolaus-Groß-Kollege Jürgen Wrobbel gibt zu: „Wenn ich mich als Nikolaus Groß in der Haft von meinen Kindern verabschieden muss, muss ich schon manchmal schlucken.“

Verena Rützel und Dorothee Schäfer sind ganz besonders davon beindruckt, „dass Elisabeth Groß trotz ihrer Familienpflichten als alleinerziehende Mutter von sieben Kindern nach 1945 auch noch die Kraft gefunden hat, sich in der KAB, in der CDU und in den Entnazifizierungsausschüssen politisch zu engagieren.“
Was den Außenstehenden überrascht, ist die doppelte Besetzung der Hauptrollen und die Tatsache, dass alle Hauptdarsteller offensichtlich frei von Lampenfieber zu sein scheinen. „In der ersten Zeit haben wir ganze Nächte durchgeprobt, aber heute legt sich bei mir eine halbe Stunde vor der Aufführung der Schalter um und ich schlüpfe in die Rolle von Nikolaus Groß“, erzählt Tim Timmer. Und er fügt hinzu: „Kein Wunder, denn diese Rolle hat mich vom Abitur über das Studium bis ins Berufsleben begleitet.“

Außerdem kommt allen Hauptdarstellern zugute, dass sie bereits vor dem Nikolaus-Groß-Musical im Rahmen der kirchenmusikalischen Arbeit von St. Barbara und Heilig Geist Bühnenerfahrung sammeln konnten. „Durch dieses Musical ist unsere Gemeinde zusammengewachsen“, freut sich Jürgen Wrobbel. Er ist aber auch heilfroh darüber, dass sich je zwei Frauen und Männer die Hauptrollen von Nikolaus und Elisabeth Groß teilen. Denn keinem der ehrenamtlichen Schauspieler möchte man gleich zwei Aufführungen hintereinander zumuten. Verständlich: Denn die Hauptdarsteller müssen bei einer Aufführung rund 160 Minuten auf der Bühne stehen, sprechen und singen.

Dieser Text erschien am 16. Januar 2016 im Neuen Ruhrwort

Freitag, 29. Januar 2016

Den Rhytmus im Blut: Steffi Wolter

Steffi Wolter
„Wenn ich tanze, fühle ich mich frei. Dann kann ich alle meine Alltagssorgen vergessen“, sagt Steffi Wolter. Die Augen der 44-jährigen Mutter und Arzthelferin leuchten dabei so, dass man selbst als Tanzmuffel mit ihr eine Runde über das Parkett drehen möchte.

Schon als Teenager hat Wolter selbst in der Garde des Mülheimer Carenvalsclubs getanzt, trainiert von der legendären Margot Rudolph. „Von ihr habe ich viel gelernt“, sagt Wolter. Mit Blick auf ihre eigene Erfahrung als Tänzerin und Trainerin, ist sie davon überzeugt, „dass das gemeinsame Tanzen in der Garde ein gutes Training fürs Leben ist.“ Warum? „Die Auftritte stärken das Selbstbewusstsein. Und schon beim Training lernt man ganz selbstverständlich, dass man sich aufeinander verlassen können muss und nur gemeinsam etwas auf die Beine stellen kann.“

Als Wolter Ende der 90er Jahre mit dem aktiven Tanzen aufhörte und dann beim Training ihrer heute 20-jährigen Tochter Sandy zuschaute, kam schnell der Moment, in dem sie ihre alte Trainerin Margot Rudolph fragte: „Kann ich mal helfen?“ Sie konnte und wuchs in die Trainer-Nachfolge Rudolphs hinein. Wie sie, setzt Wolter heute auf eine ausgewogene Mischung aus „Zuckerbrot und Peitsche.“ Als Trainerin, so glaubt sie, braucht man Liebe und Konsequenz. Man muss für die Sorgen der jungen Damen offen sein, aber auch dafür sorgen, dass Regeln eingehalten werden, damit die Show auf die Bühne kommt.

In dieser Session trainieren Wolter und ihre Trainer-Kolleginnen Sandy Matuschak, Mona Bergendahl und Lucy Lantermann und Deborah Stegmann. Zusammen betreuen sie aktuell 35 Gardetänzerinnen vom Kleinkind- bis ins junge Erwachsenenalter. Montags und dienstags steht das Training auf dem Programm. Doch damit ist es für die Cheftrainerin, die ganz nebenbei auch noch stellvertretende Schatzmeisterin ihrer Gesellschaft ist, nicht getan. Kostüme müssen beschafft und aufgepeppt, Auftrittstermine geplant und der Soundtrack für die Tanzshow kreiert und am Computer zusammengeschnitten werden. „Wir wagen uns jetzt auch an Hebefiguren heran“, freut sich Wolter mit Blick auf die neue Tanzshow „Razzia“. Bisher ist die Tanzgarde des MCCs rein weiblich. Gerne würde Wolter auch den einen oder anderen jungen Mann in ihrer Tanzgarde sehen. „Doch die Jungs spielen leider lieber Fußball“, weiß die Mutter eines 13-jährigen Sohnes.

Obwohl sie die Arbeitsstunden, die sie in ihr karnevalistisches Engagement investiert, noch nie gezählt hat, vergleicht sie ihre ehrenamtliche Trainerarbeit mit einem Halbtags-Job. Doch auch wenn sie dafür nicht bezahlt wird, möchte sie die damit verbundene Kreativität, Fantasie, Gemeinschaft und Anerkennung um keinen Preis der Welt missen. Ihr Motto: „Lieber auf neuen Wegen stolpern, als auf alten Wegen auf der Stelle treten.“


Dieser Text erschien am 9. Januar 2016 in NRZ und WAZ

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...