Dienstag, 6. Oktober 2015

So gesehen: Lachen wir uns doch mal gesund

Ich lache mich krank. So sagt man, wenn man sich vor Lachen kaum halten kann. Wenn dem so wäre, im Evangelischen Krankenhaus wäre man an der richtigen Adresse. Sollte sich das Krankenhaus vielleicht deshalb seit 25 Jahren etwa ein Theater halten, das die Leute regelmäßig zum Lachen bringt? Frei nach dem Motto: Wer zuviel lacht, wird gleich auf die Station gebracht. Doch manche Redensarten sind bei genauerem Hinsehen einfach lachhaft, so auch diese. Denn medizinische und psychologische Studien zeigen: Lachen ist gesund, weil es entspannt, Stress abbaut, den Blutdruck senkt, Glückshormone freisetzt und die Wahrnehmung von Schmerzen vermindert. Also wird umgekehrt ein Schuh draus. Wenn es sie nicht schon seit 25 Jahren gäbe, müssten das Backsteintheater und die Musischen Werkstätten dem Evangelischen Krankenhaus auf Rezept verschrieben werden. Zu nicht vorhandenen Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker. Oder bringen Sie diese am besten gleich zur nächsten Vorstellung mit. Denn wer gesund bleiben und morgen noch etwas zu lachen haben will, muss heute damit anfangen. 

Dieser Text erschien am 7. September 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Montag, 5. Oktober 2015

Unverzichtbare Energiequelle 400 Gäste erlebten im Altenhof ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm, das 25 Jahre Kulturarbeit im Evangelischen Krankenhaus Revue passieren ließ


Was hat Ihnen eigentlich am besten gefallen?“ Diese am Samstagabend häufig gestellte Frage war gar nicht so leicht zu beantworten. Chorgesang, Theater, Kleinkunst und Talkrunden mit Zeitzeugen. So ließen etwa 100 haupt- und ehrenamtlich Kreative aus dem Kulturbetrieb des Evangelischen Krankenhauses das erste Vierteljahrhundert der Kulturarbeit im Krankenhaus Revue passieren.
25 Jahre in zweieinhalb Stunden. Dass war für 400 Zuschauer im Altenhof anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich. Die schnellen Wechsel zwischen den verschiedenen Genres machten den Abend kurzweilig.

Beeindruckend führten 50 Chorgeschwister aus den Musischen Werkstätten mit Ausschnitten aus Carl Orffs „Carmina Burana“ die archaische Kraft der Musik vor. Die Leichtigkeit des Seins brachten Petra Stahringer, Ulrike Dommer und Bärbel Bucke als Backstein-Trio mit Abba-Memories, wie „Mamma Mia“ oder „Thank You for the Music“ auf die Bühne. „Gemeinsam zu singen und zu musizieren ist eine der wichtigsten menschlichen Energiequellen“, brachte Stahringer ihre wichtigste Erfahrung als Leiterin der Musischen Werkstätten auf den Punkt.

Lebens- und Spielfreude pur waren auch zu spüren, als Schauspieler der großen Backstein-Theaterbühne Ausschnitte aus ihren Komödien „Ewig jung“ und: „Der nackte Wahnsinn“ zeigten. Da erlebten die Zuschauer am eigenen Leibe, was Simone Adelhütte meinte, wenn sie als einer der dienstältesten Schauspielerinen feststellte: „Unser wichtigstes Ziel war und bleibt es, Menschen ein Lachen ins Gesicht zu zaubern.“ Dass das Krankenhaus die Infrastruktur für diese Theater und Kulturarbeit bereitstelle, so Adelhütte, „und wir nur noch spielen brauchen“, sei nicht selbstverständlich.

Wie man Menschen ein Lachen ins Gesicht zaubert, führte auch Gustav an Huef von der Kleinen Bühne mit seinem gelungenen Vortrag des Georg-Kreisler Chansons: „Mein Weib will mich verlassen. Gott sei Dank. Ich kann es gar nicht fassen. Ist Sie krank?“ vor. Kollegin Annegret Hartmann stellte sich als Blondine vom Dienst herrlich dumm: „Ich suche in meiner Ketchupflasche immer noch den Heinz!“

Was die 1990 vom damaligen Stiftungsdirektor Volkmar Spira initiierte Kulturarbeit im Evangelischen Krankenhaus geleistet hat, brachte der ärztliche Direktor Heinz Jochen Gassel sehr treffend auf den Punkt. Er sagte: „Diese Kulturarbeit hat dem Krankenhaus ein Herz und eine Seele gegeben.“

Hat die Kultur im Krankenhaus Zukunft? Man darf es hoffen, wenn man die 15-jährigen Anna Lena Höhne von ihren ersten Schritten auf der Großen Backstein-Bühne schwärmen hört: „Das ist total cool, live dabei zu sein, wenn man als Gruppe ein Jahr lang ein Stück erarbeitet und es gemeinsam auf die Bühne bringt.“


Dieser Text erschien am 7. September 2015 in NRZ und WAZ

Sonntag, 4. Oktober 2015

So ein Tag: Managerinnen ohne Nadelstreifen

Erzieherin müsste man sein oder Erzieher? Dann könnte man den ganzen Tag mit den lieben Kleinen spielen und bekäme am Ende des Monats auch noch Geld dafür? Und jetzt bekäme man sogar noch mehr fürs Kneten und Co? Dabei weiß der Stadtkämmerer schon heute nicht mehr, woher er die Knete herholen soll, um die Personalkosten zu decken.

Finanzpolitik ist eben kein Kinderspiel, aber das Erziehen von Kindern auch nicht. Wer heute mal in eine multikulturelle Ganztagskita hineinschaut, in der auch nachmittags noch der Bär steppt, begreift, warum die gute alte Kindergartentante von gestern ist.

Hier muss in großen und höchst differenzierten Gruppen Erziehung, Sozial,- und Gesundheitsberatung, Sprachförderung und Elternarbeit gemanagt werden. Eine Aufgabe für Manager. Doch die gehen lieber in die freie Wirtschaft, statt sich um den Aufbau unseres wichtigsten Zukunftskapitals zu kümmern. Kein Wunder. Denn ein Erzieherinnen-Gehalt, das erst nach sieben Jahren die 2000-Euro-Grenze erreicht, halten die Herrn im Nadelstreifen wohl für eine Kinderei und nicht für die ernst zu nehmende Entlohnung einer Managementarbeit. Jetzt wissen wir, welche Goldschätze unsere Mütter sind, die unentgeltlich als Familienmanagerin gearbeitet haben, als die Kindergartentante schon mittags Feierabend machte.

Dieser Text erschien am 2. Oktober 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Samstag, 3. Oktober 2015

"Verantwortung muss sich auszahlen" Drei Fragen an die langjährige und leitende Erzieherin Beate Staudinger

Beate Staudinger

Wie bewertet Beate Staudinger, die die städtische Kita Fidelbär am Hans-Böckler-Platz leitet und Verantwortung für 98 Kinder aus 20 Ländern und 17 Erzieherinnen trägt, den jüngsten Tarifabschluss, der Erzieherinnen monatlich bis zu 138 Euro mehr Lohn beschert und für die Stadt Mehrkosten von 900.000 Euro mit sich bringt?

Frage: Sind Sie mit dem Tarifabschluss zufrieden?

Antwort: Ich kann mich nicht beklagen. Gut finde ich, dass die kommunalen Arbeitgeber nach der Ablehnung des Schlichterspruches nachgebessert haben. Jetzt bekommen auch Sozialarbeiter und Sozialpädagogen mehr Lohn. Und die Spreizung zwischen den jüngeren und den dienstälteren Erzieherinnen ist nicht mehr so breit, wodurch die Entlohnung sozial gerechter geworden ist. Sie lag erst bei einem Monats-Plus zwischen 33 und 171 Euro. Jetzt gibt es, je nach Berufserfahrung, monatlich zwischen 93 und 138 Euro mehr.

Frage: Hat Ihre Gewerkschaft gut gearbeitet?

Antwort: Wir sind von Verdi hervorragend unterstützt worden. Die Gewerkschaft hat uns organisatorisch geholfen, weil wir keine Erfahrung mit längeren Streiks hatten. Auch mit guten Informationen, entsprechendem Material und Argumentationshilfen hat uns Verdi den Rücken frei gehalten. Ich fand es gut, dass wir als Verdi-Mitglieder den Schlichterspruch ablehnen konnten und unseren Lohn nicht fremd bestimmen lassen mussten.

Frage: Wurde Ihr Beruf wirklich aufgewertet?

Antwort: Das war ein erster guter Schritt in die richtige Richtung, dem aber weitere folgen müssen, damit sich unsere gestiegene Verantwortung im Rahmen der Erziehungs,- Organisations- und Beratungsarbeit eines Familienzentrums auch finanziell niederschlägt. Es kann nicht sein, dass Erzieherinnen in ihrer vierjährigen Ausbildung nichts verdienen und dann mit monatlich 1550 Euro netto einsteigen müssen.

Dieser Text erschien am 2. Oktober 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 2. Oktober 2015

So gesehen: Armes Würstchen oder alles Käse

Wenn man schon mehr als dreimal-drei Jahre auf dieser Welt verbringt, weiß man, dass es irgendwie immer wieder um die Wurst geht. Mal hat man Glück im Leben und bekommt das dicke Ende von der Wurst und mal hat man Pech und kommt sich vor, wie ein armes Würstchen. Denn der Metzger meines bisherigen Vertrauens hatte mir eine Mettwurst verkauft, die derart versalzen und überwürzt schmeckte, dass sie mir im Halse stecken blieb.

„So ein Käse“, dachte ich mir und werde demnächst des Metzgers ungenießbare Mettwurst lieber ungenossen links liegen lassen, um mich am milden Gouda zu laben, zumindest so lange, bis mir der nächste Hans Wurst eine ranzige Scheibe Käse verkauft. Denn alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei und ich steige dann vielleicht doch lieber auf Marmelade oder Leberwurst um, solange sie mir nicht zu süß oder zu fettig sind.

Da fällt mir ein: Vielleicht war ja auch nicht ich, sondern der Metzger das arme Würstchen, weil er vielleicht Liebeskummer hatte und die Mettwurst deshalb so grausam versalzen und überwürzt hat. Grimmig genug schaute er auf jeden Fall drein, als ich ihm das Objekt meiner Reklamation auf seine Theke legte.


Dieser Text erschien am 17. September 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Lernen bis zum Schluss: An der Max-Kölges-Schule ist die Integration von Seiteneinsteigern kein neues Thema

Norbert Schultheis und Barbara Kromer

Die neue Rektorin der Max-Kölges-Straße, Barbara Kromer, macht einen fröhlichen Eindruck. Das erstaunt. Denn ihre Schule wird zu den Sommerferien 2016 dicht gemacht.

„Wir wissen das und bereiten uns darauf vor. Schon jetzt denken wir darüber nach, wie wir uns würdevoll verabschieden können“, sagt Kromer. Bis dahin managt sie den Schulbetrieb. Die auslaufende Schule hat in den letzten beiden Jahren 12 Lehrer verloren. 16 sind noch da und, laut Kromer, „keineswegs demotiviert, weil die Schüler und nicht die Schulpolitik unser Schwerpunkt sind.“ Viele Kollegen werden im Spätsommer 2016 mit ihren Klassen wohl zur letzten Mülheimer Hauptschule am Hexbachtal wechseln.

Bis zur Schulschließung geht es an der Bruchstraße weiter. Unterricht, Schülergespräche, Praktika, Projekte, Kollegengespräche, Statistiken, Lehrerkonferenzen, Schulpflegschaftssitzungen, Organisation des Schulalltags und Personalentwicklung – Business as usual an der Bruchstraße? Nicht ganz. Kromer und ihr Stellvertreter, Norbert Schultheis, räumen auf und aus. Das alte Schulgebäude der 1846 gegründeten Evangelischen Volksschule an der Bruchstraße, das dem 1965 errichteten Hauptgebäude vorgelagert an der Bruchstraße steht, haben sie für die benachbarte Grundschule des Dichterviertels geräumt. Schülerclub und Computerraum wurden ins Hauptgebäude verlagert. „Die Stadt hat uns bei der Neueinrichtung und Ausstattung des Computerraums tatkräftig unterstützt“, freut sich Kromer. Im Hauptgebäude der Max-Kölges-Schule, die als Schule des Handwerks in ihrem berufs- und praxisorientierten Schulalltag mit zahlreichen örtlichen Betrieben kooperiert, lernen noch 140 Acht,- Neunt- und Zehntklässler. Unter ihnen 26 Kinder und Jugendliche aus acht Nationen, die als Flüchtlinge nach Mülheim gekommen sind. „In dieser Klasse lernen die 14- bis 18 Jährigen jede Woche 16 Stunden Deutsch. Das klappt sehr gut, weil die Fortgeschrittenen den Neunankömmlingen helfen“, berichtet Schultheis.

Apropos Flüchtlinge: Beim Aufräumen hat der studierte Pädagoge und Historiker Schultheis ein altes Protokollbuch gefunden, dessen Notizen bis ins Jahr 1873 zurückreichen.

Die Lektüre zeigte ihm, dass man schon 1948 an der Bruchstraße Flüchtlingskinder in den Unterricht integrieren musste. Damals kamen sie aber nicht aus Syrien, Irak oder Afghanistan, sondern aus den kriegsbedingt an Polen verlorenen deutschen Ostgebieten. Erst in den frühen 90er Jahren musste man an der Bruchstraße erstmals eine Fördergruppe für 20 Flüchtlingskinder aus aller Welt einrichten, in der sie die deutsche Sprache erlernen konnten.

Nach 1945 hatten nicht nur die Flüchtlingskinder hungern müssen. Sie waren auf eine Schulspeisung durch das Schwedische Rote Kreuz angewiesen. Den Schülern fehlte es damals an allem, nicht nur an Nahrung, sondern auch an Kleidung. Ab 1946 unterrichteten sechs Lehrer 600 Schüler. Weil es nicht genug Schulräume gab, musste in Vormittags- und Nachmittagsschichten gelernt werden. „Was mich überrascht hat, war die Tatsache, dass damals jährlich 10 bis 15 Prozent der Schüler per Beschluss des Lehrerkollegiums auf die Hilfsschule an der Kettwiger Straße überwiesen wurden, weil sie dem Unterricht offensichtlich nicht in ausreichender Weise folgen konnten“, berichtet Schultheis.

Als bittere Ironie der Geschichte empfindet es der heutige Konrektor, dass die ehemalige Volks- und Hauptschule, in der vor 50 Jahren noch über 700 Schüler fürs Leben lernten, ausgerechnet in ihrem 150. Jahr geschlossen wird.


Dieser Text erschien am 18. September 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 30. September 2015

An dem Early-Excellence Prinzip, nach dem in den 39 städtischen Kitas die Kinder ihren Tag selbst gestalten können, wird Kritik von Eltern und Erziehern laut

Kinderärztin Bärbel Kröner-Beglau ist überzeugt: „Kinder brauchen feste Strukturen, Regeln und emotionale Sicherheit, um sich gut entwickeln zu können“, sagt sie. In den städtischen Kitas gehen die Erzieher einen anderen Weg. Die Kinder gestalten ihren Kita-Alltag relativ selbstbestimmt, so wie es das Konzept von Early-Excellence vorsieht. 2007 wurde es in den ersten Mülheimer Kitas eingeführt, heute in allen 39 angewandt. Jetzt wird Kritik an dem System laut.

Bärbel Kröner-Beglau äußert sie öffentlich. Weitere Eltern, Erzieherinnen und Kinderärzte wollen namentlich nicht erwähnt werden. Ihre Meinung ist drastisch: „Early Excellence kann man nicht reformieren, sondern nur abschaffen, weil es an Körperverletzung grenzt.“ Die Eltern berichten von überdrehten, schlaflosen, unkonzentrierten und aggressiven Kindern, die Probleme haben, Regeln einzuhalten, Kontakte zu knüpfen und sich in Gruppen zu integrieren. „In der Kita darf ich auch machen, was ich will, hören wir“, erzählen sie. Die Kinder würden sich auch im Vorschulalter schwer tun, Stifte richtig zu benutzen und zu malen. Auch von Kinderärzten oder Grundschullehrern würden sie die Rückmeldung bekommen, ihre Kinder hätten soziale und motorische Entwicklungsdefizite.

„Wir haben unser Kind aus der städtischen Kita genommen und in einer konfessionellen Kita angemeldet, wo die Probleme schon nach wenigen Wochen kein Thema mehr waren. Aber das ist ja keine Option für alle Eltern“, sagt ein Vater. Verärgert sind Eltern und Erzieherinnen darüber, dass ihre Kritik von Kita-Leitungen und Jugendamt abgeblockt worden sei. „Das müssen wir jetzt so machen. Das liegt an ihrem Kind. Das sind Einzelfälle und Anlaufschwierigkeiten“, hörten sie immer wieder.

Bildungsdezernent Ulrich Ernst will „nicht ausschließen, dass es an der einen oder anderen Stelle schon mal haken kann, aber die globale Kritik an dem Konzept, in das wir bisher rund 4 Millionen Euro investiert haben, muss ich zurückweisen“, sagt er. Die bei der Stadt für Early Excellence zuständige Koordinatorin Karin Bode-Brock weist auf eine dreijährige Versuchsphase hin, die der flächendeckenden Einführung von Early Excellence vorausgegangen sei. Erst aufgrund der positiven Resonanz bei Erzieherinnen, Kindern und Eltern habe man 2011 stadtweit mit der Umstellung begonnen und auch danach überwiegend positive Reaktionen bekommen.

Auch wenn Ernst und Bode-Brock einräumen, dass sich einzelne Erzieherinnen mit Early Excellence schwertun, bleiben sie dabei „Early Excellence hat bisher segensreich gewirkt.“ Bode-Brock, die früher selbst eine städtische Kita geleitet hat, lädt die Early-Excellence-Kritiker zum Dialog ein und weist auf Beratungs- und Weiterbildungsangebote hin.

Die Kritik ist auch in der Politik angekommen. Johannes Terkatz (SPD), Heiko Hendricks (CDU) und Franziska Krummwiede (Grüne) bekennen sich zur Early-Excellence-Pädagogik, fordern aber die Verwaltung auf, die Rahmenbedingungen zu überprüfen und die Eltern mit einzubeziehen. Meike Ostermann (FDP) wird deutlich: „Ich höre die Kritik am Early Excellence Konzept von befreundeten Eltern immer wieder. Ich halte es für falsch, wenn das Jugendamt die Kritik abblockt. Damit schafft man kein Vertrauen. Oberste Priorität muss haben, alle Kinder gemäß ihren Begabungen optimal zu fördern. Das gelingt mit diesem Konzept offensichtlich nicht.“ SPD und Grüne wollen über Early Excellence in der nächsten Jugendhilfeausschuss-Sitzung sprechen.

Was bedeutet Early Excellence?


Das Konzept von Early Excellence (frühe Vortrefflichkeit) kommt aus England. 2007/2008 in drei städtischen Kindertagesstätten erprobt, arbeiten heute alle 39 städtische Kitas nach diesem Prinzip, das auf die Stärken der Kinder setzt. Durch Bezugserzieherinnen und mit Hilfe verschiedener Lern- und Themenräume werden Kinder dazu motiviert, ihre Stärken zu entdecken und auszubauen.

Statt der herkömmlichen Kindergartengruppen gibt es täglich 1-2 Gemeinschaftszeiten und regelmäßige gemeinsame Aktionen. Early Excellence setzt aber darauf, dass Kinder selbstbestimmt und selbstständig ihren Kita-Tag planen und nach ihren Vorlieben experimentieren, basteln, sich bewegen, Theaterspielen oder malen. Sie entscheiden, wann sie in welchen Lern- und Themenraum
gehen oder frühstücken und zu Mittag essen wollen. Im Dialog mit den Elten sollen Erzieherinnen die Entwicklungsschritte der Kinder dokumentieren und diskutieren.

Dieser Text erschien am 25. September 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...