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Wenn man(n) sich was traut

Vater werden ist nicht schwer. Vater sein dagegen sehr. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie, so weit  noch möglich, am besten Ihre eigenen Eltern.

Wenn der in die Jahre kommende Junggeselle durch die Stadt geht und dabei beobachtet, wie entnervte Eltern, etwa beim Einkaufsbummel, mit letzter Kraft versuchen, ihre unverschämt energiegeladenen und widerspenstigen Sprösslinge zur Räson zu bringen, weil die nach Stütchen, Teilchen, Brötchen, Eis und Limo immer noch nicht den Hals voll bekommen oder mal eben unbedingt und ohne Rücksicht auf jede Ampel auf die stark befahrene Straße laufen wollen, denkt er bei sich: „Lieber Gott! Davor hast du mich bewahrt.“

Auch die alkoholisierten Väter, die mit Bollerwagen und CD-Radio am Vatertag der Stadt zeigen, was für Mannsbilder sie sind, wecken beim Junggesellen nicht unbedingt den Wunsch, zu ihnen gehören zu wollen.

Doch das kleine Mädchen, dass mit seiner Kindergartengruppe über den Wochenmarkt läuft und ganz plötzlich  fröhlich winkend und lachend ruft: „Papa, ich habe dich lieb“, als es ihren Vater an einem der Marktstände erkennt, rührt auch das Herz des Junggesellen, und lässt ihn dankbar sein für die Frau und den Mann, die sich einst getraut haben, seine Eltern zu werden.  Und er begreift: Nur wer wagt, der gewinnt...am Ende vielleicht auch das Glück, wenn auch, wie bei den Lottozahlen, alles im Leben nur ohne Gewähr ist.

Dieser Text erschien am 29. Mai 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung 

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