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Die Zielstrebige: Glauben und Naturwissenschaften: Das passt für die islamische Biologiestudentin Mendufa Baran nicht nur im Fastenmonat Ramadan gut zusammen: Beruflich zieht es die junge Frau in die medizinische Forschung

Mendufa Baran
Mendufa Baran ist ohne Kopftuch unterwegs. Für eine junge Muslima, wie sie ist das keine Selbstverständlichkeit. Doch für die 20-jährige Biologiestudentin ist es eben genau das. Selbstverständlich. „Ich bin nicht bereit dazu“, sagt sie mit Blick auf das Kopftuch.

Doch die gläubige Muslima respektiert ihre Glaubens- und Geschlechtsgenossinnen, die sich für das Kopftuch entschieden haben. Und die respektieren ihre Entscheidung. Man merkt es beim Fastenbrechen in der Fatih-Moschee an der Sandstraße. Baran und ihre Glaubensschwestern lassen sich nach Sonnenuntergang das Festmahl schmecken, das Gemeindemitglieder für etwa 200 Gäste zubereitet haben. Man scherzt und spricht miteinander. Die Atmosphäre ist entspannt. Man begegnet sich auf Augenhöhe. Was auffällt ist die Tatsache, dass Männer und Frauen getrennt voneinander essen und trinken.

„Ich komme im Fastenmonat Ramadan nicht jeden Abend zum Fastenbrechen in die Moschee. Denn das gemeinsame Essen, Trinken und miteinander sprechen im Kreis der Familie oder bei Freunden liegt mir mehr“, gibt Mendufa Baran zu. Dennoch findet sie es gut, dass die Gemeinde das Angebot des gemeinsamen Fastenbrechens macht und sich dabei auch für Gäste öffnet. „Sich Zeit füreinander zu nehmen und sich auf das Wesentliche konzentrieren!“ Darin lassen sich der islamische Fastenmonat Ramadan in Barans Augen mit christlichen Hochfesten, wie Ostern und Weihnachten vergleichen.

„Wie kannst du das nur machen?“ fragen sie oft nicht-muslimische Freunde, wenn die Sprache auf den islamischen Fastenmonat kommt. Baran, die während des derzeit andauernden Fastenmonats zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang weder isst noch trinkt, empfindet das Fasten nicht als Opfer. Während des Ramadans klingelt ihr Wecker bereits um 3 Uhr, damit sie noch vor Sonnenaufgang ihr Frühstück für den Tag einnehmen kann. Haferbrei mit Bananen und Honig! „Ich besiege meinen inneren Schweinehund. Und ich werde ruhiger“, beschreibt die junge Frau in T-Shirt, Jeanes und Lederjacke den Mehrwert des Fastens. Auch das Beten tut ihr gut. „Normalerweise bete ich fünfmal pro Tag. Im Ramadan nehme ich mir auch noch Zeit für ein sechstes Gebet“, erzählt Baran. „Das tut mir gut, weil es mich ruhig macht und für mich, wie eine Meditation ist“, versichert sie.

Nicht nur zuhause, bei ihren Eltern in Dümpten, oder in der Moschee an der Sandstraße, sondern auch in einem Gebetsraum an der Ruhruniversität in Bochum nimmt sich die Biologiestudentin Zeit für das Zwiegespräch mit Gott. Kann man als Naturwissenschaftlerin an Gott glauben? „Ja, natürlich“, sagt Baran. „Ich glaube auch an den Urknall und die Evolution. Aber dahinter sehe ich das, was wir als Menschen nicht wirklich begreifen können, die schöpferische Kraft Gottes, den wir Muslime Allah nennen. Gerade, wenn sie, wie jetzt im Uni-Labor unter dem Mikroskop die Physiologie und Anatomie von Tieren und Pflanzen studiert, wird ihr die unglaubliche Logik und Systematik der Natur bewusst, die sie als einen Hinweis auf einen Schöpfer versteht.

„Seit ich Biologie studiere, gehe ich mit ganz anderen Augen durch die Stadt, achte und bewundere auch kleine Pflanzen am Straßenrand, die ich früher nicht gesehen habe“, erklärt die Nachwuchswissenschaftlerin.

Ihre berufliche Zukunft sieht sie in der medizinischen Forschung. Dazu inspiriert hat sie „der spannende Unterricht meines Biologielehrers Rolf Eilken“, erinnert sich die Studentin an ihre Schulzeit am Gymnasium Broich. Motiviert hat sie aber auch die Bekanntschaft mit chronisch kranken Menschen, die bis heute auf ein heilendes Medikament warten müssen. „Ihnen will ich helfen“, sagt Baran. Sie sagt es so entschlossen, dass man ihr eine Karriere in der medizischen Forschung wünscht.

Doch Baran weiß. Der Weg zu ihrem Ziel ist weit und voller Zumutungen. Dazu gehören nicht nur lange Uni-Tage voller Übungen, Vorlesungen und Tests, sondern auch die Nachmittags- und Abendstunden, die sie in einem Supermarkt mit Kassieren und Einräumen verbringt, um ihr Studium zu finanzieren. All das braucht Kondition. Die holt sie sich im Fitnessstudio oder eben beim geselligen Fastenbrechen im Kreise von Freunden und Familie. “Liebe geht durch den Magen“, sagt Baran und lacht. Gar nicht lachen können Baran und ihre islamischen Glaubensgeschwister aus der Fatih-Moschee über die Gewalt islamistischer Fanatiker, die ihren Terrorismus religiös begründen und damit den Islam und die Muslime in Misskredit bringen. „Islamistischer Terror hat nichts mit dem Islam zu tun“, betont Mendufa Baran und zitiert den Koran: „Wer einen unschuldigen Menschen tötet, der tötet die ganze Welt“

Allen beunruhigenden Nachrichten zum Trotz, sieht die gläubige Naturwissenschaftlerin die Zukunft im immer multikultureller werdenden Deutschland optimistisch: „Wir können nur gewinnen, wenn wir voneinander lernen“, ist Baran überzeugt. 


Dieser Text erschien am 10. Juni 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

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