Montag, 5. Mai 2014

So gesehen: Lieber Aussichten als Ansichten

Verstehe einer die Wähler. Kaum versuchen die Parteien sie mal niederschwellig und plakativ anzusprechen, ist es dem launischen Souverän auch schon wieder nicht recht. Wie in der Samstagsausgabe berichtet, werden die tiefer gehängten oder tiefer gerutschten Wahlplakate nicht nur im Saarner Dorfkern als Verkehrshindernis, um nicht zu sagen, als Stein des Anstoßes gesehen. Gerade Kinder, so las man, seien durch unsere tiefer gelegten Politiker, respektive ihre plakativen Statthalter, gefährdet.

Das fehlte noch, dass unsere Kommunalpolitiker im Wahlkampf zum Verkehrshindernis werden statt die Verkehrsführung in der Stadt zu verbessern und den Reformstau an so mancher Baustelle aufzulösen. Aber vielleicht haben es die Parteien ja auch nur gut gemeint und an die Forderung des Kinderschutzbundes gedacht, das Wahlalter abzusenken. Deshalb wollten sie ihre Wahlbotschaften vielleicht lieber etwas tiefer hängen, um auch mit dem Wähler von morgen auf Augenhöhe zu kommunizieren. Ob man politische Werbebotschaften am Ende lieber tiefer oder höher hängen sollte, bleibt Ansichtssache.

Unausweichlich ist für Wähler und Gewählte aber die Einsicht, dass eine Stadt und ihre Bürger nicht von plakativen Wahlkampfansichten, sondern von konkreten Aussichten in der Wirklichkeit ihres Alltages leben.


Dieser Text erschien am 28. April 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

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