Mittwoch, 7. Mai 2014

Wenn Schüler von Schülern lernen: Sechstklässler der Otto-Pankok-Schule unterrichteten Grundschüler aus dem Dichterviertel und ließen sie dabei mit allen Sinnen lernen

Aluminium. Das hört sich nicht gerade nach einem spannenden Unterrichtsstoff für Dritt- und Viertklässler an. Ist es aber, wenn, wie an diesem Vormittag elf Sechstklässler der Otto-Pamkok-Schule in die Rolle von Lehrern schlüpfen und ihre jüngeren Mitschüler von der Grundschule am Dichterviertel mit allen Sinnen lernen lassen.

„Während einer Projektwoche haben wir den Film Akte Aluminium gesehen. Der zeigt, wie schädlich sich die Herstellung von Aluminium auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen auswirken kann. Das wollten wir auch anderen Kindern erklären“, schildert Otto-Pankok-Schülerin Alexandra Hufnagel, wie es zur Unterrichtsstunde von Schülern für Schüler kam. Und ihr Klassenkamerad Lasse Lautenschläger macht deren Lernziel deutlich: „Man muss ja nicht gleich bei Flugzeugen und Autos auf Aluminium verzichten. Es gibt aber keinen Grund, warum man sein Pausenbrot in Aluminiumfolie statt in einen Butterbrotsdose einpacken muss.“

Es ist schon erstaunlich, wie die Nachwuchspädagogen die Dritt- und Viertklässler mit ihrer Öko-Bilanz in Sachen Aluminium in Bann schlagen und 45 Minuten wie im Flug vergehen.

Los geht es mit einer Fantasiereise und Entspannungsmusik. Ganz nebenbei wird die Frage gestellt: „Ist dir schon mal aufgefallen, wie oft uns das Metall Aluminium in unserem Alltag begegnet?“ Weiter geht es mit einem Rollenspiel, in dem Otto-Pankok-Schüler Kevin Ignatijuk seinen Alltag nachspielt und die Grundschüler immer dann Aluminium rufen, wenn er einen aluminiumhaltigen Gegenstand in die Hand nimmt. Bei der silberglänzenden Coladose ist der Chor der Aluminium-Rufer eindeutig stärker als bei so unverdächtigen Dingen, wie einem Deoroller oder einer Zahnpastatube, die aber auch das umweltschädliche Metall in sich haben. Zum Schluss kommt der Aluminiummüll zur Wiederverwertung in eine gelbe Tonne. „Die schaffen wir jetzt für jede Klasse an“, verspricht Grundschulrektorin Nicola Küppers.

Danach heißt es „Richtig oder Falsch?“ Die Grundschüler müssen Fragen rund ums Aluminium beantworten und sich jeweils hinter dem Otto-Pankok-Schüler mit gehobenem oder gesenktem Daumen versammeln. Meistens liegen die Dritt- und Viertklässler instinktiv richtig. „Aluminium ist leicht und rostet nicht? Richtig!...Aluminium ist leicht zu produzieren und für den Menschen und die Natur harmlos? Falsch!“

Noch besser kommen die alugelockten Otto-Pankok-Schüler mit ihrem Anti-Aluminium-Rap „Nimm Aluminium nicht in den Mund. Dann bleibst du auch gesund“ und mit ihrer bildreichen Geschichte der Außerirdischen Mec und Tec an. Die wundern sich bei ihrem Ausflug auf die Erde über die aluminiumsüchtigen Menschen, die ihre Umwelt zerstören, um an den Stoff ihrer Träume zu kommen. Auch Alu-Boy und Alu-Girl, alias Baris Akin und Lena Kuschniok, haben die Lacher und die Aufmerksamkeit der Grundschüler auf ihrer Seite, als sie sich im Streitgespräch mit der Anti-Alu-Anwältin Hanna Rebhun erst mal dumm stellen: „Das ist doch ein Supermetall!“ und sich erst nach unzähligen Argumenten gegen die energieintensive und umweltbelastende Gewinnung von Aluminium doch nachdenklich zeigen: „Vielleicht sollte man doch nicht so viel Aluminium benutzen, sondern lieber etwas anderes nehmen.“

Nicht nur für die Grundschüler Carol, Amalia, Niklas, Angelina und Doua ist nach der etwas anderen Unterrichtsstunde, die unter dem Motto: „Weg mit dem Alu“ mit einem Aluminium-Ballspiel zu Ende geht, klar: „Wir werden in Zukunft weniger Aluminium benutzen und den Aluminiummüll in die Gelbe Tonne werfen, damit er wieder verwendet werden kann.“ Während ihr Klassenkamerad Justin vor allem toll findet, „dass wir keine Hausaufgaben aufbekommen haben“, hat ihnen der Unterricht von Schülern für Schüler vor allem deshalb besonders gut gefallen, „weil er lockerer war und wir bei den Spielen nicht nur zuhören, sondern auch aufstehen und mitmachen durften.“ Und für die Otto-Pankok-Schüler-Lehrer Alexandra Hufnagel und Kevin Ignatijuk bleibt die Erfahrung, „dass wir durch das Projekt gelernt haben, auch vor fremden Schülern frei zu sprechen und deshalb selbstbewusster geworden sind.“

Was sagen die Pädagogen?


Grundschulrektorin Nicola Küppers: „So viel hätte ich den Schülern in einer Stunde gar nicht beibringen können, weil die Kinder hier auf einer ganz anderen Ebene und sehr motiviert mit- und voneinander gelernt haben.“

Ulrich Bender, stellvertretender Leiter der Otto-Pankok-Schule: „Schüler können sich gemeinsam voranbringen, wenn sie mit allen Sinnen lernen und dabei ihr eigenes Lernen reflektieren und steuern.“

Renate Garbe-Müller, für das Projekt verantwortliche Biologielehrerin an der Otto-Pankok-Schule: „In dem Schüler anderen Schülern etwas vermitteln, wiederholen und vertiefen sie das selbst gelernte, ohne dass sie das als langweilige Wiederholung erleben.“

Monika Wietz, Mitarbeiterin der offenen Ganztagsgrundschule im Dichterviertel: „Ich kenne hier einige Kracher, die sich heute ganz ruhig verhalten und toll mitgemacht haben.“

Grundschulen und Kindertagesstätten, die am aktivierenden und nachhaltigen Lernen von Kindern für Kinder, interessiert sind, können sich unter der Rufnummer 0208/4553960 bei der Otto-Pankok-Schule informieren.
 
Dieser Text erschien am 5. Mai 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung 

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