Freitag, 16. Mai 2014

So gesehen: Jeder bekommt sein Fett weg

Wenn man ist Kloster geht und dort kein Schweigegelübde ablegt, dann kann man was erzählen. Zum Beispiel davon, woher Redewendungen, wie „ins Fettnäpfchen treten“ kommen. So berichteten die Kunsthistorikerin Angelika Böttcher und Klosterfreund Wolfgang Geibert bei der Eröffnung der Sonderausstellung „Anno Tobak und alles in Butter“, die jetzt im Gewölbekeller des Saarner Klosters zu sehen ist, dass es im Mittelalter Sitte war, sich die Schuhe einzufetten, um sie angesichts der vielen unbefestigten Straßen und Wege vor Feuchtigkeit und Dreck zu schützen. Die Kunst bestand dabei darin, nicht ins Fettnäpfchen zu treten, um anschließend nicht das ganze Fett ins Haus zu tragen. Angesichts dieser Anekdote von Anno Tobak konnte sich der ehemalige Bezirksvertreter Geibert (SPD) mit Blick auf den ebenfalls anwesenden CDU-Ratsherrn Wolfgang Michels, die augenzwinkernde Bemerkung nicht verkneifen, „dass sich die Straßenverhältnisse in Mülheim immer mehr dem Mittelalter annähern.“ Doch Michels wurde mit dieser Anspielung nicht auf dem falschen Fuß erwischt, sondern fragte zurück: „Sind dafür nicht die Bezirksvertretungen zuständig?“ Allerdings wären Ratsmitglieder und Bezirksvertreter gleichermaßen auf dem Holzweg und würden bei der Kommunalwahl am 25. Mai in einer Sackgasse landen, wenn sie es beim Thema Straßenzustände bei der irreführenden Diskussion über Zuständigkeiten beließen. In dieses Fettnäpfchen sollten die Kommunalpolitiker lieber nicht treten, wenn sie am Ende nicht in die Wüste geschickt werden wollen. Denn die mittelalterlichen Regenten hatten zwar schlechte Straßen, brauchten aber auch keine schlechten Wahlergebnisse zu fürchten.

Dieser Text erschien am 12. Mai 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

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