Freitag, 6. Mai 2016

Verstärkung für das städtische Kinstmuseum Alte Post

Beate Reese (links)
und Barbara Thönnes
Die Leiterin des Kunstmuseums Alte Post, Beate Reese, freut sich über fachkundige Verstärkung. Denn als Museumspädagogin übernimmt die 32-jährige Kunsthistorikerin Barbara Thönnes den Aufgabenbereich des 2014 in Pension gegangenen Gerhrad Ribbrock.
Thönnes, die im Kunstmuseum der Stadt unter anderem die Ausbildung der Young Art Experts oder das Kinder- und Jugendprojekt "Wir machen Museum" betreut hat, ist zwar nicht neu im Team der Alten Post, war seit 2012 aber nur als Projekt-Mitarbeiterin im Kunstmuseum beschäftigt.
Um damit auch finanziell über die Runden zu kommen, musste sie neben ihrer Mitarbeit im Mülheimer Kunstmuseum auch Projektaufträge im Märkischen Museum Witten und im Bottroper Quadrat annehmen. Jetzt konnte Reese sie mit einem Zwei-Jahres-Vertrag fester an ihr Haus binden. Und die Museumsdirektorin lässt keinen Zweifel daran, dass sie darauf hofft, das aus der befristeten eine unbefristete Stelle werden kann.

Junge Kunst-Experten

Was Barbara Thönnes geleistet hat, zeigten am Mittwochnachmittag von ihr ausgebildete Schüler, die als junge Kunstexperten Besucher der Museumsreihe "Kunst & Kaffee" am kommenden Mittwochnachmittag durch die (noch bis zum 8. Mai in der Alten Post zu sehende) German-Popart-Ausstellung "I like Fortschritt" führten und bei dieser Gelegenheit auch selbst geschaffene Pop-Art-Kunstwerke präsentierten.
Bemerkenswert sind auch die unter ihrer Projektleitung und mit finanzieller Hilfe des Bundesbildungsministeriums und des Deutschen Museumsbundes von Kindern und Jugendlichen geschaffenen Video-Portraits der Museen Alte Post und Camera Obscura. Sie kann man sich auf der städtischen Internetseite www.muelheim-ruhr.de anschauen.
Dass unter den 23.000 Museumsbesuchern 2015 rund 5000 Kinder und Jugendliche waren, die sich an pädagogischen Angeboten der Alten Post beteiligten, sieht Reese maßgeblich auch als Verdienst ihrer Museumspädagogin an. Obwohl Thönnes aktuell an einem spielerischen Kunstworkshop für Unter-Drei-Jährige arbeitet, der den Eltern einen ruhigen Museums erlauben soll, bietet das Kunstmuseum der Stadt auch Workschops für Erwachsene an.
Das dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnete und mittwochs ab 14 Uhr eintrittsfreie Kunsmuseum Alte Post ist telefonisch unter 455-4138 erreichbar.

Dieser Text erschien im Mai 2016 in der Mülheimer Woche und im Mülheimer Lokalkompass

Donnerstag, 5. Mai 2016

So gesehen: Heute ist Man(n) unterwegs

Heute ist Christi Himmelfahrt. Biblisch betrachtet feiern wir also die Heimkehr Jesu zum himmlischen Vater. Ganz irdisch betrachtet ist heute Vatertag.

Wie die Väter der heutigen Väter schon sangen, schickt Gott denjenigen in die weite Welt, dem er "Gunst erweisen will." Allerdings weiß jeder, der schon mal eine Vatertagstour erlebt hat, dass sie meistens nicht allzu weit führt, auch wenn der Biergenuss schon mal zu weit geht.

Und wenn der aufgetankte Vater mit Bollerwagen und leerem Bierfass zu seinen Lieben heimkehrt, weiß jede Mutter und Frau, warum sie von sich selbst sagt: "Ich habe Mann und Kinder!"

Dieser Text erschien am 5. Mai 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 4. Mai 2016

Ist die Jugend unpolitisch? Darüber diskutierten junge und alte Sozialdemokraten jetzt im Bürgergarten: Ihre Ergebnisse dürften auch für andere Parteien interessant sein

Auf dem Podium Jugendstadtrat Filip Fischer, Wilfried Kamps und MdB Arno Klare
Das hat man selten. Jugendliche und Senioren unterhalten sich zwei Stunden lang über Politik und das sehr ernsthaft. Die Veranstaltung, zu der Jungsozialisten und SPD-Senioren in den Bürgergarten eingeladen hatten, hätte zweifellos mehr als 80 Teilnehmer verdient

Ausgerechnet der junge Sozialdemokrat Filip Fischer (19) und der alte Sozialdemokrat Wilfried Kamps (75) waren sich in der Bewertung der vom Landesjugendamtsmitarbeiter Dieter Göbel vorgetragenen Shell-Jugendstudie (siehe Kasten) einig. „Als Mitte-Links-Partei müssen wir mehr für die Jugendlichen tun, die nicht optimistisch in ihre Zukunft blicken und so unseren politischen Markenkern der sozialen Gerechtigkeit stärken.“ Ist die Jugend heute politikverdrossen? Der junge Politikwissenschaftler Toralf Stark von der Universität Duisburg-Essen sagt: „Es gibt keine jugendliche Politikverdrossenheit, sondern nur eine Politiker- und Parteienverdrossenheit.“ Zeitungsredakteur Frank Messing sieht Politik und Medien angesichts der individuellen Informationskultur der Jugendlichen vor vergleichbaren Herausforderungen: „Wir erreichen Jugendliche, die sich im Internet und bei Facebook tummeln heute kaum noch über traditionelle Kanäle. Denn jugendliche lesen morgens nicht mehr automatisch die Tagezeitung und schauen abends die Tagesschau“, stellt er mit Blick auf die politische Kommunikation fest.

„Im Internet sind wir schon ganz gut aufgestellt, aber beim Thema Facebook muss sich noch einiges tun“, kommentiert Juso und Jugendstadtrat Fischer das digitale Informationsangebot seiner Partei.
„Wir müssen uns alle im Alltag als Botschafter der Sozialdemokratie verstehen und unsere Partei zu einer Dialogplattform für interessierte Bürger machen“, fordert der SPD-Bundestagsabgeordnete Arno Klare. Er weist auf die positiven Erfahrungen hin, die die SPD mit ihren Bürgerforen zur Aufstellung des sozialdemokratischen Mülheim-Plans gemacht habe.

„Wir haben heute eine hervorragend qualifizierte und lebenstüchtige Jugend, aber die politische Bildung kommt im breiten Fächerangebot der Schule zu kurz“, beschreibt die aus der mittleren Generation kommende Sozialdemokratin Maria Andronikidou einen Zustand, der ihrer Ansicht nach, das politisch aktive Potenzial der Jugendlichen nicht voll zur Geltung kommen lässt.

„Jugendliche wollen sich heute nicht mehr langfristig binden. Sie sind aber sehr wohl bereit, sich zeitlich begrenzt für konkrete Projekte, wie etwa in der Flüchtlingshilfe oder bei einer Online-Petition politisch zu engagieren“, beschreibt Politikwissenschaftler Stark den grundsätzlichen Trend im politischen Engagement der jungen Generation. Dabei macht er deutlich, dass es vor allem die Jugendlichen aus wohlhabenden Elternhäusern sind, „die die zeitlichen und finanziellen Ressoucen für politisches Engagement mitbringen.“

Zahlen, Daten und Fakten


In der Oberschicht schauen, laut der Shell-Jugend-Studie 2015 74 % der Jugendlichen optimistisch in die Zukunft, in der Unterschicht nur 33 %.
46 % der Jugendlichen sind grundsätzlich politisch interessiert, aber nur 6 Prozent bezeichnen sich als politisch „stark interessiert.“ Aber nur 2 Prozent sind parteipolitisch aktiv.
60 Prozent sehen politisches Engagement eher negativ. 30 Prozent sehen es eher positiv.
37 Prozent der Jugendlichen informieren sich aktiv über Politik, vor allem aus dem Internet, das sie durchschnittlich 18 Stunden pro Woche nutzen.
72 Prozent der Jugendlichen halten die Wahlbeteiligung für eine Bürgerpflicht.
77 Prozent sind grundsätzlich mit dem politischen System der parlamentarischen Demokratie in Deutschland  zufrieden.

Dieser Text erschien am 4. Mai 2016 in der NRZ und in der WAZ

Dienstag, 3. Mai 2016

Zeitsprung an der Mellinghofer Straße

Heute gehen wir zur Ecke Mellinghofer Straße/Gathestraße bzw. Mellinghoferstraße/Heifeskamp. Mit einer aktuellen Aufnahme und einer Postkarte aus den Beständen des Stadtarchivs springen wir vom Jahr 2016 zurück in die Zeit um 1900.

Wo wir heute mit hochmodernen Niederflurbahnen von Oberdümpten über die Mellinghofer Straße in die Innenstadt bis in den Uhlenhorst fahren, konnte man auch schon am Anfang des 20. Jahrhundert mit dem damals noch sehr jungen Verkehrsmittel elektrische Straßenbahn von der Lipper Heide in Oberhausen über die Mellinghofer Straße in Dümpten bis zum heutigen Hauptbahnhof fahren. Erst im Juli 1897 war die erste Mülheimer Straßenbahn am Rathausmarkt zu ihrer Jungfernfahrt gestartet. Der heutige Hauptbahnhof firmierte damals noch unter dem Namen Bahnhof Eppinghofen. Für 10 Pfennig ließ der Schaffner seine Fahrgäste an der Mellinhofer Straße einsteigen und bis zur Eppinghofer Straße mitfahren.

Auf der historischen Postkarte kann man links die Gaststätte August Volkenborn erkennen, in der damals die Chorbrüder des Männergesangsvereins Sangeslust probten und sich anschließend zuprosteten. Später traf man sich hier nicht nur als Dart-Freund im Lokal Posthörnchen. Doch diese Gaststätte wurde im Oktober 2015 abgerissen.
An ihrer Stelle errichtet die Gesellschaft Exklusiv-Wohnungsbau West jetzt ein Stadthaus mit elf Eigentumswohnungen. Im September 2015 wurde die Bauzeit des neuen Komplexes mit einem Jahr veranschlagt.

Dieser Text erschien am 18. April 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Montag, 2. Mai 2016

Lernen am Fluß: Stefanie Krohn vom Haus Ruhrnatur bringt bei Führungen den Teilnehmern das Ökosystem Ruhr nahe. Dieses Mal ist sie mit einem Biologie-Grundkurs der Karl-Ziegler-Schule unterwegs

14 Karl-Ziegler-Schüler aus dem 11er Grundkurs Biologie sind alles andere als begeistert. Sie haben sich mit ihrem Lehrer Christoph Levenig um 10 Uhr im Haus Ruhrnatur versammelt und draußen regnet es in Strömen. Auf dem Stundenplan steht das Thema Gewässerökologie. Doch die Schüler sollen nicht aus Büchern, sondern aus der Natur lernen, angeführt von Stefanie Krohn. Sie müssen also raus vor die Tür, an und in die Ruhr.

Die freundlich-resolute Mitarbeiterin des Hauses Ruhrnatur lässt sich von der anfangs spürbaren Reserve der Schüler nicht beirren. Bevor sie Gummistiefel verteilt, fragte sie die Jugendlichen scheinbar unverfänglich: „Würden Sie das Umfeld der Ruhr als Natur bezeichnen?“ Die meisten ihrer Zuhörer und angehenden Mitläufer beantworten die Frage mit Ja. Sie finden. „Das sieht doch hier sehr schön und natürlich aus“, findet ein Schüler. Und seine Kurskollegin erinnert sich daran, „dass ich gehört habe, die Wasserqualität in der Ruhr soll  ganz gut sein.“ Letzteres bestätigt Krohn und lässt die Schüler dennoch unverblümt wissen: „Das, was Sie heute hier sehen, ist keine Natur im herkömmlichen Sinne, sondern eine Flusslandschaft, die der Mensch in den letzten 150 Jahren an seine Bedürfnisse angepasst hat.“ Und dann zeigt sie den Jugendlichen, die zum Teil an der Ruhr leben und manchmal sogar in der Ruhr schwimmen, an einem Bild-Beispiel vom Kocks Loch, wie eine halbwegs natürliche Flusslandschaft mit fließenden Übergängen zwischen Fluss und einer lockeren Uferbepflanzung aussehen könnte. Welch ein Unterschied zum ufernah bebauten Leinpfad. „So etwas würde man heute gar nicht mehr machen“, erzählt sie den Schülern mit Blick auf eine auch in deutsches Recht übertragene Wasserrahmenrichtlinie, die zumindest eine teilweise Renaturierung der europäischen Flusslandschaften vorsieht, um das Ökosystem wieder zu stabilisieren und auch der Hochwassergefahr vorzubeugen. Noch bevor die Exkursion in die Saarner Ruhrauen aufbricht, sorgt Krohn dafür, dass jeder Teilnehmer eine tragende Rolle bekommt. Eimer, Schalen,   Einmach-Gläser, Pinsel und Casher müssen mitgenommen werden, um die Kleinsttiere einzufangen, die da in der Ruhr schwimmen, und sie später im Haus Ruhrnatur unter dem Mikroskop zu analysieren und damit Rückschlüsse auf die Wasserqualität ziehen zu können.

Krohn zeichnet eine unaufdringliche Bestimmtheit aus. Mit der gelingt es ihr, beim Zwischenstopp am Klär- und Wasserkraftwerk Kahlenberg oder beim Kleinstier-Cashen an und in der Ruhr die Schüler in kleine Gespräche zu verwickeln. So schafft sie es,  ökologisches Wissen in der Diskussion statt im Vortrag zu vermitteln. Man merkt gleich, die natur- und sozialwissenschaftlich gebildete Frau führt nicht die erste Gruppe ins Ökosystem Ruhr.
„Es macht mir Freude, mich inhaltlich und sprachlich immer wieder auf neue Gruppen einstellen zu müssen“, erklärt Krohn den besonderen Reiz und die besondere Herausforderung ihrer Aufgabe. Kindergartenkinder, Grund- und Oberstufenschüler gehören ebenso zu ihrem Publikum wie Studenten. „Wir bieten fast jeden Tag zwei Exkursionen an und müssen trotzdem viele Anfragen ablehnen oder verschieben“, berichtet Krohn. Sie schätzt, dass mehr als die Hälfte der rund 30 000 Menschen, die das Haus Ruhrnatur jährlich besuchen, an Exkursionen und anderen Bildungsangeboten teilnehmen.
Nachdem die Karl-Ziegler-Schüler vom Halt am Kraftwerk Kahlenberg die Erkenntnis mitnehmen, wie man dort Wasser klärt und aus Wasser Strom macht, geht es am Saarner Ruhr-Auen-Ufer ans Eingemachte.

Hier scheiden sich die rückwärtigen Ufergänger von den mutig in die Ruhr steigenden Naturforscher und Entdecker, die in ihren Gummistiefeln nur wenige Meter von den irritiert vorbei schwimmenden Schwänen kleine Laven, Egel, Flusskrebse oder Muscheln einsammeln.
Biologielehrer Christoph Lewenig geht seinen Schülern mit gutem Beispiel voran und findet: „Das praktische Lernen in der Natur steigert die Motivation der Schüler, die sich hier als Teil einer ökologischen Artenvielfalt erleben und so ein ganz neues Bewusstsein  für ihre Umwelt bekommen, auf dem ich im Unterricht aufbauen kann.“

Und später beim Bestimmen und Analysieren der kleinen Ruhrbewohner, die nur unter dem Mikroskop mit einer bis zu 65fachen Vergrößerung zu sehen sind, erkennen die Jugendlichen wie von selbst, dass die Artenvielfalt in dem Fluss, der sich durch ihre Stadt schlängelt ein wichtiger Indikator für die Qualität des Wassers ist, aus dem auch ihr tägliches Trinkwasser gewonnen wird.
„Flusskrebse und Flussegel gab es vor 50 Jahren in der Ruhr gar nicht mehr. Dass sie nun zurückgekehrt sind, zeigt: Wir haben eine ganz gute Wasserqualität für den Fluss erreicht. Sie ist aber noch weiter ausbaufähig. Denn wir dürfen nicht vergessen, die Ruhr hat im Zuge ihrer wirtschaftlichen Nutzbarmachung 80 Prozent ihrer ursprünglichen Artenvielfalt verloren ,“ gibt Stefanie Krohn der Schülergruppe  an diesem Tag  zum Abschluss mit auf den Heimweg.

Dieser Text erschien am 30. April 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung.

Sonntag, 1. Mai 2016

Ein Rückblick auf den 1. Mai 1946: Auch damals forderten die Gewerkschaften "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit"

1. Mai 1946 Die Mülheimer hungern in einer vom Krieg gezeichneten Stadt. Die Gewerkschaften, die unter Hitler gleichgeschaltet waren, haben sich erst vor sieben Monaten unter dem Namen Freier Deutscher Gewerkschaftsbund im Speldorfer Tengelmann-Saal neu gegründet. Anders, als in der Weimarer Republik gibt es jetzt eine überparteiliche und überkonfessionelle Einheitsgewerkschaft.

Der erste DGB-Vorsitzende Heinrich Melzer und seine Kollegen fordern bei der ersten Maikundgebung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Verbesserung der Versorgung und „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“, offensichtlich ein Dauerbrenner, der bis heute aktuell geblieben ist. Weitere Ziele, die die Gewerkschaften ein Jahr nach Kriegsende verfolgen, sind die Sozialisierung der Schlüsselindustrien, die betriebliche Mitbestimmung der Arbeitnehmer und die Entnazifizieruntg der Verwaltung und des öffentlichen Dienstes. Der 1. Mai 1946 wird nicht auf dem Rathausmarkt, sondern auf einem Sportplatz an der Südstraße begangen. Obwohl oder vielleicht auch gerade, weil es den Menschen damals schlechter als heute geht, finden vor 70 Jahren rund 10 000 Mülheimer am Tag der Arbeit den Weg zur Maikundgebung.

Dieser Text erschien am 30. April 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

So gesehen: Stille Helden der Arbeit

Am 1. Mai ist der Tag der Arbeit, obwohl die Meisten doch ausgerechnet morgen nicht arbeiten werden. Es sei denn der Besuch der Maikundgebung und das Anhören sozialpolitischer Reden und ihr Vergleich mit der sozialpolitischen Realität ginge als Arbeit durch. Denn dieser Vergleich kann einem schon die Schweißperlen auf die Stirn treiben. Würden alle die Menschen, die mehr verdienen, als sie verdienen, weil sie das soziale Fundament unserer Gesellschaft stabilisieren, nicht nur am 1. Mai auf die Straße gehen, dann würde das Wort Massenkundgebung Wirklichkeit. Doch diese Menschen von der unentgeltlichen Familienarbeiterin bis zum Mini-Jobber werden (leider) nicht oder nur vereinzelt zur Maikundgebung kommen, um ihr Recht auf soziale Gerechtigkeit im Land der unverdienten Millionen-Boni für viel zu gut verdienende und kontraproduktive Manager lautstark einzufordern. Denn für diese Menschen, für die niemand streikt und mit Trillerpfeifen auf die Straße geht, dürfte auch der 1. Mai ein Tag der Arbeit werden, der sich an ihrer ganz eigenen Lebensbaustelle und damit jenseits der Festtagsreden von der sozialen Gerechtigkeit abspielen wird.

Dieser Beitrag erschien am 30. April 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...