Nach dem turbulenten Jahr 2015, fragt man sich: Welche Knalleffekte erwarten uns
wohl im Jahr 2016? Der erste, aber wahrscheinlich nicht letzte Knalleffekt im
neuen Jahr erwartete mich schon gestern beim Gang über die Schloßstraße. Hier
hatten offensichtlich einige Knallköpfe mehr als nur den Rest vom Schützenfest
hinterlassen. Frei nach dem Motto: Nach mir die Müllabfuhr. Ob besagte
Knallköpfe in ihren eigenen vier Wänden auch so verfahren. Der oder die Dumme,
die nach mir kommt und meinen Dreck wegräumt, ist selber schuld? Aber nur kein
Stress im neuen Jahr. Der kommt schon früh genug. Sehen wir es mal so. Die
Arbeitsplätze bei der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft MEG scheinen auch 2016
gesichert.
Dieser Text erschien am 2. Januar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Montag, 4. Januar 2016
Samstag, 2. Januar 2016
Die von der Bundesregierung geplante Reform der Pflegeausbildung scheidet die Geister: Bei einer Fachdiskussion im Haus Ruhrgarten warnten Pflege-Praktiker vor negativen Folgen
Mehr als 100 Pflegepraktiker diskutieren auf Einladung der Dialogoffensive Pflege im Haus Ruhrgarten über die Reform der Pflegeausbildung. Diese will das Bundeskabinett am 13. Januar auf den Gesetzgebungsweg bringen. Im Saal sind sich alle einig: Diese Reform würde keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung bringen. „Die Probleme, die wir in der Pflege haben, sind nicht mit einem Einheitspfleger zu lösen, sondern nur durch die Zusammenarbeit multiprofessioneller Teams. Wenn man die 2100 Praxisstunden einer dreijährigen Altenpflegeausbildung jetzt auf drei verschiedene Pflegebereiche aufteilt, kann man es auch gleich sein lassen“, betont der Pflegedienstleiter des Ruhrgartens, Oskar Dierbach. Martin Behmenburg vom ambulanten Dienst Pflege Zuhause möchte sich nicht vorstellen, dass seine Auszubildenden künftig nur noch wenige Monate in seinem Betrieb mitarbeiten. „Dann würde die Zahl der Ausbildungsplätze in der Altenpflege drastisch zurückgehen“, glaubt er. „Die Ausbildung würde in die Breite aber weniger in die Tiefe gehen“, fürchtet die Leiterin des Pflegseminars der Arbeiterwohlfahrt, Gabriele Tenbrink. Kleinere Pflegeseminare und Pflegedienste könnten durch die Reform in ihrer Existenz gefährdet werden.
Mit Blick auf die Auswirkungen des demografischen Wandels und die Herausforderung der palliativen Versorgung hochbetagter und mehrfach erkrankter Pflegebedürftiger macht Thomas Kunczik von der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und Gerontopsychotherapie deutlich: „Wir brauchen in der Altenpflege Spezialisten und keine Generalisten.“ Er weist auf eine Umfrage seiner Gesellschaft hin, die zeige, dass sich 93 Prozent der angehenden Altenpfleger ganz bewusst für diesen und keinen anderen Pflegebereich entschieden hätten.
Eine Nachfrage bei anwesenden Altenpflegeschülern bestätigt diese Tendenz. „Unter den jetzt geplanten Rahmenbedingungen hätten wir uns sicher nicht für diese Ausbildung entschieden“, betonen Alisa Gessler (21) und Torsten Sommerfeld (28). Und ihre Kollegin Jasmin Mallmann (22) macht deutlich, dass sie sich nach einer generalistischen Pflegeausbildung ihren Aufgaben im Altenheim gar nicht gewachsen sähe.
Auch der für die Pflege zuständige Abteilungsleiter aus dem NRW-Gesundheitsministerium, Markus Leßmann, lässt keinen Zweifel daran, dass die Landesregierung die von der Bundesregierung geplante Reform in der Pflege kritisch sieht. Er könnte sich eine akademisierte und um ein generalistisches Modul erweitere Altenpflegeausbildung nur dann vorstellen, wenn eine solche Ausbildung dreieinhalb oder vier Jahre dauern würde.
Den kontraproduktiven Knackpunkt der Berliner Reformpläne sieht der Düsseldorfer Ministerialbeamte vor allem darin, dass Auszubildende künftig auf den Personalschlüssel angerechnet werden sollen. Dass hieße, dass ausbildende Pflegeheime und Pflegedienste künftig ein Drittel der Ausbildungskosten selber finanzieren müssen. Derzeit werden diese noch über eine Ausbildungsumlage aller Pflegeanbieter zu 100 Prozent bezahlt
Dieser Text erschien am 12. Dezember in der NRZ und in der WAZ
Zug-Vögel machen mobil: Ralf Bayerlein, Bettina Fronzek, Gudrun Kohler und Manfred Zabelberg wollen ab sofort Menschen auf die Reise schicken: Ihre Dienstleistung ist kostenlos
| Die "Zug-Vögel" vor ihrem ersten Start |
Geschult vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement CBE und organisatorisch unterstützt von der Diakonie wollen sie jetzt als „ZugVögel“ Menschen auf die Reise schicken, die gerne verreisen möchten, aber sich aufgrund ihres Alters oder körperlicher Einschränkungen das allein nicht mehr zutrauen. Selbst jüngere Menschen kennen das: Vereisen wäre ja schön. Doch vor dem Reisen kommt das Kofferpacken, das Bestellen oder der Kauf von Fahr- oder Flugtickets. Und woll soll es wann überhaupt hingehen? Eine Recherche im Internet oder eine Beratung im Reisebüro wäre angebracht. Flug- oder Fahrpläne müssen studiert werden.
„Gerade viele ältere Menschen, die eigentlich immer reiselustig waren, scheuen auf ihre alten Tage diesen Aufwand und bleiben lieber zu Hause“, weiß Manfred Zabelberg. „Das ist doch eigentlich schade. Denn das Reisen ist doch ein Stück Lebensqualität“, findet Gudrun Kohler.
Bayerlein, Kohler, Fronzek und Zabelberg wissen wovon sie reden. Alle waren als Einkäufer, Vertriebler, Ingenieure oder Versicherungsmanager beruflich viel unterwegs und reisen auch im Ruhestand gerne und oft. Kohler und Bayerlein lieben das vielseitige Deutschland und seine pulsierende Hauptstadt Berlin. Fronzek und Zabelberg sind als echte Globetrotter eigentlich schon fast überall auf dieser Welt gewesen.
Bayerlein stellt klar: „Wir wollen mit unserem kostenlosen Service nicht in Konkurrenz zu Taxiunternehmen treten. Deshalb werden wir gerne ein Taxibestellen, das Gepäck am Bahnhof aufgeben und unsere Klienten dort empfangen und in den Zug setzen, aber keinen Fahrdienst zum Flughafen oder zum Bahnhof anbieten. Das Taxt müssen die Reisenden dann schon selbst bezahlen.“
Sein Zug-Vogel-Kollege Zabelberg freut sich darüber, „dass uns die am Hingberg ansässige IT-Firma Schrake kostenlos die für unsere kostenfrei Dienstleistung notwendige Software zur Verfügung gestellt hat und das wir außerdem auf die organisatorische Hilfe der Diakonie und ihrer Telefonzentrale zurückgreifen können.
Diese Zusammenarbeit hat sich auch schon bei den Heinzelwerkern bewährt, die ebenfalls über die Diakonie zu bestellen sind und seit 2009 vor allem für finanzschwache Mitbürger kostenfrei kleinere Reparaturen im Haushalt durchführen.
Dieser Text erschien am 5. Dezember 2015 in der NRZ und in der WAZ
Freitag, 1. Januar 2016
Ein Wegbereiter der christlich-sozialen Demokratie: Vor 70 Jahren starb Adam Stegerwald
3. Dezember
1945. In Würzburg stirbt der Regierungspräsident Adam Stegerwald. Erst wenige
Wochen vor seinem Tod hat er mit seinen politischen Freunden die Christlich-Soziale
Union aus der Taufe gehoben. In dieser neuen christlichen Volkspartei vereinen
sich katholische und evangelische Christen. Sie wollen, wie es Adam Stegerwald
im August 1945 in einer Rede im Würzburger Stadthaus formuliert hat, „auf der
sittlichen und geistigen Grundlage des Christentums eine neue demokratische
Staats- und Gesellschaftsordnung aufbauen.“
Dass sich das
Grundgesetz der westdeutschen Bundesrepublik in seiner Präambel 1949 zur
„Verantwortung vor Gott und den Menschen“ bekennt, entspringt auch dem Geist
und dem politischen Vermächtnis Adam Stegerwalds.
Schon 25
Jahre zuvor hatte der christliche Gewerkschafter und langjährige preußische
Sozialminister beim Essener Kongress seiner Gewerkschaften für die Bildung
einer konfessionsübergreifenden christlichen Volkspartei plädiert. Diese
christlich-nationale Volkspartei, die Stegerwald in seiner Essener Rede vom 21.
November 1920 skizzierte, sollte in seinem Sinne deutsch, christlich, sozial
und demokratisch, aber keinesfalls sozialistisch sein. Dem Gewerkschaftsführer
und Zentrumspolitiker schwebte eine mit
der christlichen Arbeiterbewegung verbundene Volkspartei vor, für die das „Wort christlich nicht nur ein äußeres
Merkmal, sondern Wirklichkeit und Tat“ sein sollte. Dass sich der
Reichstagsabgeordnete Stegerwald damals nicht durchsetzen konnte, hatte Gründe.
Auch in der frühen Weimarer Republik, als das 1870 gegründete Zentrum
reichsweit etwa ein Fünftel aller Stimmen auf sich vereinigen und damit nach
der SPD zur zweitstärksten Partei geworden war, wirkten die Erfahrungen des
preußisch-protestantischen Kulturkampfes der 1870er Jahre nach. Das Zentrum war
nach seiner Gründung 1870 auch deshalb zur katholischen Volkspartei geworden,
weil Bismarck und seine liberalen Bündnispartner so gezielt wie am Ende wirkungslos
versucht hatten das katholische Milieu, die katholische Kirche und den
politischen Katholizismus zu zerstören.
Als
Bauernsohn aus Greußenheim bei Würzburg wurde Stegerwald am 14. Dezember 1874
in diesen Kulturkampf hineingeboren, in dem Bismarck die Katholiken als „Reichsfeinde“
diffamierte. Der Kampf gegen die Katholiken kam Bismarck damals gerade recht,
da das junge Kaiserreich nach einem Gründungsboom seine erste Wirtschaftskrise
durchlebte. Entsprechend erinnerte sich Stegerwald 1924 an seine Kindheit und
Jugend, wenn er schrieb: „Meine Eltern waren kleine Bauersleute. Meine Jugend
fiel in eine Zeit, in der es der deutschen Landwirtschaft und besonders den
kleinen Landwirten sehr schlecht ging. Im elterlichen Haus war daher nicht
selten Schmalhans der Küchenmeister.“ Der Bauernsohn aus einfachen und
kinderreichen Verhältnissen kannte die Not. Aber sie motivierte ihn auch zum
sozialen Aufstieg und zum Einsatz für die Arbeiterrechte. Nach seiner
Schreinerlehre studierte er als Gasthörer an der Universität München
Nationalökonomie und Staatswissenschaften. Das Zentrum und der Kolpingverein
wurden zur politischen und sozialen Heimat. Seine dort gewonnenen Einsichten
ließen ihn zu der Erkenntnis gelangen, dass das Heil der Arbeiterschaft nicht
im revolutionären Klassenkampf, sondern in einem auf soziale Reformen
angelegten Ausgleich zwischen Unternehmern und Arbeitern zu suchen war. Damit
bewegte er sich auf der Basis der katholischen Soziallehre, wie sie Papst Leo
XIII. 1891 in seiner Enzyklika Rerum Novarum verkündet hatte. Für den
katholischen Arbeiterführer war Politik, „kein Reich der politischen Ideen,
sondern ein Feld des auf Erkenntnissen beruhenden politischen Handelns.“
Deshalb lehnte
Stegerwald schon als Vorsitzender des christlichen Holzarbeiterverbandes und
später als Generalsekretär und Vorsitzender der christlichen Gewerkschaften
eine Zusammenarbeit mit den sozialistischen Gewerkschaften ab. Er forderte
aber, wie die Sozialdemokratie, die Abschaffung des preußischen
Dreiklassenwahlrechtes. Denn dieses Wahlrecht machte das Stimmengewicht der Wahlbürger bis
1918 von ihrem Steueraufkommen abhängig. Als erster Arbeiter wurde Stegerwald
1917 ins preußische Herrenhaus berufen. Nach dem Ende der Monarchie und des Ersten
Weltkrieges, war er als Mitglied der Zentralen Arbeitsgemeinschaft, der
Weimarer Nationalversammlung und der Preußischen Landesversammlung ein Architekt
der neuen demokratischen Verfassung Deutschlands. Frauen erhielten das
Wahlrecht. Das Dreiklassenwahlrecht wurde abgeschafft, die Gewerkschaften
wurden als gleichberechtigte Tarifpartner anerkannt. Der Achtstundentag wurde
eingeführt. Als Reichstagsabgeordneter und als preußischer Sozialminister, der
zwischenzeitlich auch das Amt des preußischen Ministerpräsidenten ausübte und
ab 1930 in den Regierungen seines früheren Referenten Heinrich Brüning als
Arbeits- und Verkehrsminister diente, erlebte und erlitt er alle Höhen und
Tiefen der ersten deutschen Demokratie. Dass das Zentrum 1933 dem
Ermächtigungsgesetz zustimmte und damit seinen eigenen Untergang besiegelte, hatte
auch damit zu tun, dass nicht nur Stegerwald hoffte, Hitler politisch einbinden und besänftigen zu können.
Der bis 1945 zur politischen Tatenlosigkeit verdammte Stegerwald sah seinen
Irrtum bald ein. Umso stärker arbeitete er mit seinen politischen
Gesinnungsfreunden die Gründe für das eigene Scheitern auf und entwarf Pläne
für eine christliche Volkspartei, die nach Hitlers Sturz, den Geist der NSDAP
überwinden könne.
Weil die
Männer des 20. Juli 1944 erwogen hatten, Stegerwald, nach einem Sturz Hitlers
zum Reichsverkehrsminister zu ernennen, wurde dieser nach dem gescheiterten
Attentat auf Hitler von der Gestapo verhaftet und inhaftiert, überlebte aber
das Kriegsende.
Als
Stegerwald dann am 11. Mai 1945 von der amerikanischen Militärregierung zum
Regierungspräsidenten von Unterfranken ernannt wurde, blieb ihm noch gerade so
viel Zeit, um die politischen Weichen in seinem Sinne zu stellen.
Dieser Text erschien am 3. Dezember 2015 in der TAGESPOST
Donnerstag, 31. Dezember 2015
12 Uhr in: Grün und zentral - Ein Rundgang durch das Luisental
| Die Wohnhäuser im Luisental wurden 1928 im Bauhausstil errichtet, |
"Wir leben hier schon sehr privilegiert", sagt Eberhard Scharmüller. Um spazieren zu gehen oder eine Radtour zu machen, braucht er nur vor die Tür zu treten. Schwieriger ist es schon mit dem Einkauf. "Dass der Tengelmann-Markt an der Leineweberstraße 2012 dicht gemacht hat, war für die Einwohner des Luisentals ein herber Einschnitt. Jetzt finden wir den nächsten Supermarkt erst im Forum", berichtet er. Der 73-Jährige freut sich darüber, dass es neben vielen alten Nachbarn jetzt auch wieder mehr junge Nachbarn mit Kindern gibt, so dass der schöne Spielplatz zwischen den Wohnhäusern und dem Franziskushaus nicht verwaist.
"Die Wohnungen sind geräumig und die Decken sind hoch, aber wir haben keine Aufzüge in den Häusern", beschreibt Scharmüller die Vor- und Nachteil des Wohnens im Altbau. Auch wer im Alter nicht mehr alleine wohnen kann und Betreuung braucht, findet im Luisental eine gute Adresse. Das Franziskushaus wurde 1926 von Pastor Konrad Jakobs als Waisenhaus errichtet. Seit 1965 wird des als Altenheim genutzt und gehört heute zur Contilia-Gruppe. Vor zehn Jahren wurde die Senioreneinrichtung an der Ruhr um und ausgebaut, um der ab 2018 verpflichtenden gesetzlichen Vorschrift zu genügen, mindestens 80 Prozent aller Zimmer als Einzel-Apartments mit ebenerdigem Badezimmer anbieten zu können. Heute kümmern sich im Franziskushaus, zu dem auch ein öffentliches Café gehört, rund 80 Mitarbeiter um das Wohl von rund 120 Bewohnern.
Schon August Thyssen Bruder Josef und seine Frau Jula wussten die Vorteile des Wohnens im Luisental zu schätzen. Ende des 19. Jahrhunderts errichteten sie auf dem ehemaligen Gelände der Troostschen Weberei eine Villa, die bis heute geschäftlich genutzt wird und für gut zwei Jahrzehnte Sitz des NRW-Zentrums für Innovation und Technik (ZENIT) war. Gleich hinter dem Franziskushaus findet man noch heute ein seit Jahren leerstehendes und zusehends verfallendes Gebäude der Troostschen Weberei. 1791 von Johann Caspar Troost errichtet, war sie einst Mülheims erster Industriebetrieb. "Da wird wohl nicht mehr viel zu machen sein, wenn man so ein altes Haus über Jahre ungenutzt leerstehen lässt", befürchtet Scharmüller.
Wo die einen sich im Grünen erholen und ihre Freizeit mit Blick auf die Ruhr genießen, wird auch gearbeitet. Zum Beispiel im Café Plati auf dem Dudel. Dieses Haus, das gleich neben dem alten Schifferhaus von 1784 liegt, dass die Familie Kamieth in den späten 1980er Jahren restauriert hat und seitdem auch bewohnt, war schon im 18. Jahrhundert ein Wirtschafts- und Gasthaus. 1972 wurde es von der italienischen Familie Plati erworben und in ein seitdem sehr beliebtes Eiscafé umgewandelt. Seit 2009 wird das Café, in dem man jetzt auch im Herbst und Winter Eis, Kaffee, Kuchen, Waffeln und mehr genießen kann, von Enzo Tunc und seinen Mitarbeitern betrieben.
Auch die 235 Mitarbeiter des nahe (an der Wilhelmstraße) gelegenen Finanzamtes wissen das Café Plati in ihrer Mittagspause zu schätzen, obwohl das Finanzamt auch selbst eine öffentliche Kantine betreibt. Was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass das Finanzamt auch ein wichtiger Ausbildungsbetrieb ist. Derzeit absolvieren dort und an einer externen akademischen Internatsschule 24 angehende Finanzbeamte des höheren Dienstes ihre Ausbildung zum Diplom-Finanzwirt. Das heutige Finanzamt wurde Mitte der 1960er Jahre auf dem Grundstück der ehemaligen Stinnes-Unternehmenszentrale errichtet. "In unserem Keller haben wir noch einen alten Tresor der ehemaligen Stinnes-Bank", erzählt der stellvertretende Vorsteher des Finanzamtes, Gerald Gruse. Doch im Gebäude des Finanzamtes werden nicht nur "große Kröten" versteuert, sondern auch die "Kleinen Kröten" in der gleichnamigen Kindertagesstätte des Vereins für Kinder und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten des Ruhrgebietes betreut. Auch wenn das Luisental alles andere, als ein sozialer Brennpunkt ist, hat der Trägerverein VKJ 2014 gerne vormals von der zur Kreuzstraße umgezogenen Kindertagesstätte Puzelbaum übernommen, um hier mit vier Erziehern 50 Kinder zu betreuen und zu fördern.
Ebenfalls an der Wilhelmstraße ansässig sind der 1981 gegründete Verlag an der Ruhr, der aktuell rund 1000 pädagogische Titel in seinem Programm hat und der Verein Haus und Grund, der die Interessen von rund 4000 privaten Haus- und Grundbesitzern vertritt.
Haus und Grund residiert in einer alten Villa, die der Mülheimer Architekt und Bauunternehmer Franz Hagen 1904 für den Fabrikanten Carl von Roesch und seine Familie errichtet hat. Nach der Familie Roesch war in der Villa zwischenzeitlich auch eine Ballettschule ansässig, bevor dort der Eigentümverband Haus und Grund einzog, der seine repräsentativen Räume aus als Ausstellungsfläche für Künstler zur Verfügung stellt.
Wer im Luisentahl die Ruhseite wechselt und an der 1846 errichteten Ruhrschleuse vorbei geht, kommt dort zum Wasserbahnhof und zu dem dahinter gelegenen Haus Ruhrnatur. Der Wasserbahnhof, an dem seit 1927 die Ausflugsschiffe der Weißen Flotte ablegen, ist heute ein beliebtes Restaurant, in dem nicht nur gut gegessen und getrunken, sondern auch getagt und gefeiert wird. Aus der selben Zeit, wie der Wasserbahnhof, stammt auch das 1926 als Bootshaus errichtete Haus Ruhrnatur. Mit der Landesgartenschau Müga wurde das Haus Ruhrnatur, in dem auch ein kleines Café ansässig ist, zu einem interaktiven Naturkundemuseum. Hier kann man heute nicht nur die Flora und Fauna an und in der Ruhr studieren, sondern seit dem Umbau im Jahr 2010 auch anschaulich etwas über erneuerbare Energieträger und die Auswirkungen lernen. Schüler und Studenten schätzen das Haus Ruhrnatur nicht nur als Lern,- sondern auch als Arbeitsort, um dort ihre Fach- und Seminararbeiten zu schreiben.
Dieser Text erschien am 23. Dezember 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung
Mittwoch, 30. Dezember 2015
Der närrische Blattmacher: Hans Klingels
| Hans Klingels |
Ob der Prinzenball oder der Rosenmontagszug organisiert werden müssen, ob der Narrenkurier mit Geld einbringenden Anzeigen und lesenswerten Texten rund um das karnevalistische Treiben gefüllt werden muss: Klingels legt los.
„Alleine wäre da nichts zu machen. Das Tolle am Karneval ist, dass seine Aktiven wie eine Familie sind“, sagt Klingels. Natürlich gebe es da auch mal Streit, „weil man sich nicht immer nur beliebt machen kann.“ Aber am Ende zögen doch alle an einem Strang, um Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und sie den Alltag für ein paar Stunden vergessen zu lassen.
„Ich bin eigentlich ein ernster und kein extrovertierter Typ“, betont Klingels. Trotzdem sieht man ihn seit einigen Jahren auch immer öfter als Moderator und Sitzungspräsidenten, mal bei Veranstaltungen des Hauptausschusses oder auch bei der KG Stadtwache, die das Organisationstalent vor einigen Jahren als Vorsitzenden anheuerte.
„Der Karneval hat mir viel gegeben. Ich habe viele Freunde gewonnen und meinen persönlichen Horizont erweitert“, resümiert er im Gespräch mit dieser Zeitung.
Klingels schätzt, dass er jährlich etwa 1000 Stunden in seine ehrenamtliche Arbeit investiert. Die steckt er nicht nur in seinen Dienst am Frohsinn, sondern auch in sein Ehrenamt als Vorsitzender des Fördervereins für Turnier- und Reitsport.
Zu diesem Verein kam er ebenfalls durch familiäre Bande, als seine Tochter Denise 1986 durch eine Freundin ihre Freude am Reiten entdeckte. Davor hatte er sein Organisationstalent bereits im sogenannten „Vergnügungsausschuss“ des Tennis-Clubs Heißen eingebracht. Der Mann geht offensichtlich an keinem Ehrenamt vorbei. Klingels formuliert es so: „Ich habe eine Schwäche. Ich mache immer den Mund auf, wenn mir etwas nicht gefällt. Und dann bekomme ich zu hören: Mach es doch besser!“ Und dann macht er es einfach, wie es in seinen Augen besser ist. Und, das gibt er freimütig zu: „Ich erkläre anderen gerne, wie etwas besser funktionieren kann, wenn sie etwas so machen, wie ich es mir vorstelle.“ Mit so einer Vorliebe ist man wohl der geborene Geschäftsführer.
Auch wenn es im Karneval nicht ohne Geld geht und der kommunikative Kaufmann gefragt ist, um einträgliche Kontakte für den Frohsinn zu knüpfen, sieht er das Hauptanliegen des organisierten Karnevals vor allem als ein soziales. „Wir gehen in alle Altheime und bringen den Senioren ein Stück Lebensfreude mit. Und wir sorgen mit unseren Tanzgarden, Musikzügen und anderen Gruppen dafür, dass Kinder und Jugendliche mit einer vernünftigen Freizeitgestaltung und wertvollen sozialen Kontakten von der Straße geholt werden.“
Dieser Text erschien am 28. Dezember 2015 in der NRZ und in der WAZ
Dienstag, 29. Dezember 2015
Wenn Geschichte sichtbar wird:Im Kloster Saarn wurde die Wappen-Galerie der Äbtissinnen vervollständigt
| Hans-Theo Horn (links), Heinz Weirauch (Mitte) und Gregor Knaak schauen sich im Kreuzgang von Kloster Saarn einige der "neu" entdeckten Wappen an. |
Dass die Äbtissinnen eines Klosters damals auch einen Bischofsstab hatten, weil sie diesem geistlich gleichgestellt waren, wusste er nicht. "Die Anekdote zeigte, wie man über solche Kleinigkeiten über die Geschichte des Klosters ins Gespräch kommen kann", findet Horn. Bisher konnte die mit den Klosterfreunden verbundene Malerfirma van Heekern aber nur 15 von 36 Äbtissinnen-Wappen auftragen. Doch jetzt konnte sie auf Initiative der Klosterfreunde und mit finanzieller Unterstützung der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt 15 weitere Wappen aufmahlen. Möglich wurde das durch die Nachforschungen des Saarners Heinz Weirauch, der im Stadt- und Landesarchiv Wappen- und Urkundenbücher gewälzt hat. "Es bleiben noch einige unbekannte Wappen, weil wir von einigen Äbtissinnen nur den Vor-, aber nicht den Familiennamen kennen", erklärt Weirauch, warum immer noch sechs Äbtissinnen nur mit ihrem Namen und ihrer Amtszeit, aber nicht mit ihrem Wappen an den Wänden des unteren Kreuzgangs verwigt sind.
Dennoch freuen sich Klosterfreund Horn und Kirchenvorstand Gregor Knaak, dass die schon im Vorbeigehen aufgenfälligen Zeugnisse der Klostergeschichte, wie Steine eines Mosaiks, vervollständigt werden konnten. "Damit wird ein weiteres Stück unserer historischen Wurzeln sichtbar", erklärt Kirchenvorstand Knaak, warum die aus dem ehemaligen Kloster hervorgegangene Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt die entsprechenden Malerarbeiten im unteren Kreuzgang bezahlt hat. Heute leben in dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster übrigens drei Patres der Oblaten des heiligen Franz von Sales, die als Seelsorger in der Pfarrgemeinde arbeiten.
Dieser Text erschien am 12. Dezember 2015 im Neuen Ruhrwort
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