Kannst du dir nicht auch mal einen Job für jährlich 250.000 Euro besorgen? Das
fragte mich meine Mutter gestern beim Frühstück. Da hatte sie schon den Bericht
über die offensichtlich nicht nur gut gelaunten, sondern auch gut verdienenden
Vorständen unserer neuen kommunalen Nahverkehrsgesellschaft
gelesen.
Nachdem ich ihn gelesen hatte, musste ich ihr kleinlaut zugeben,
dass ich mich mit meinem Einkommen in einer anderen Galaxie als die Chefs der
neuen Nahverkehrsgesellschaft bewege. Sie stehen immerhin am Steuer eines großen
Verkehrsunternehmens, während ich mit meinen Artikeln bestenfalls ein wenig die
öffentliche Meinung steuern könnte, wobei ich mir im digitalen
Smartphone-Zeitalter keinen Illusionen über die Reichweite des noch so gut
formulierte und gedruckten Wortes mache.
Und was soll erst die
Bundeskanzlerin sagen! Sie steuert ein ganzes Land und verdient trotzdem einen
Tick weniger als unsere neuen Steuermänner.
Liebe Frau Merkel! Wenn Sie
mal keine Lust mehr auf den Dienstverkehr mit Trump & Co.. Kommen Sie doch
einfach mal nach Mülheim und setzen sie unseren Nahverkehr auf die richtige
Schiene. Und wenn Sie nicht wissen, was Sie mit ihrem Gehaltszuschlag machen
sollen, spenden Sie ihn einfach ihrem neuen Arbeitgeber und senken damit die
Fahrpreise und verdichten die Taktzeiten. Dann werden Sie hier, wie Gott in
Frankreich oder besser, wie Merkel in Mülheim leben und von den dankbaren
Fahrgästen auf Händen getragen. Und wer soll dann Bundeskanzler werden? Wir da
zwei Steuermänner, die auch mal etwas weniger verdienen dürften.
Dieser Text erschien am 14. Januar 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dienstag, 17. Januar 2017
Montag, 16. Januar 2017
Eckhard Schwarz: Der Handwerker Gottes
„Eigentlich bräuchten wir heute mal wieder eine Reformation“, sagt der Eckhard
Schwarz, Küster der Speldorfer Lutherkirche. Luthers Kampf gegen den
Ablasshandel der katholischen Kirche anno 1517 ist für den Vater von zwei
erwachsenen Töchtern auch heute noch aktuell. „Denn Luther hat damals klar
gemacht, dass der Wert eines Menschen nicht von seinem Geldbeutel abhängig
ist.“
Doch ganz ohne Geld geht es in diesem irdischen Leben eben auch nicht. So musste vor einigen Jahren der gelernte Elektroinstallateur nach einem neuen Arbeitsplatz suchen, nachdem er feststellen musste, dass er den Wechselschichtdienst in einem Werk, in dem er an der Herstellung von Elektroplatinen beteiligt war, gesundheitlich nicht mehr verkraftete. Einer Zeitungsanzeige sei Dank, fand er eine neue Stelle als Küster der Lutherkirche. Das war 2004. „Ich war Mitglied der evangelischen Kirche und habe mit meinen Töchtern alle christlichen Feste gefeiert. Aber ich war kein besonders frommer Kirchgänger“, erzählt Schwarz.
Doch durch seinen neuen Arbeitsplatz ist er schon von berufs wegen zum Kirchgänger geworden. Was mache ich Heiligabend und Silvester? Und wo gehe ich sonntags hin? Für Schwarz ist das keine Frage, natürlich in die Lutherkirche.
„Wenn man am Wochenende nicht bis in die Puppen feiern kann, kostet das auch schon mal die eine oder andere Freundschaft“, erzählt der Küster. Doch Schwarz hat durch seinen ganz handfesten und bodenständigen Job im Dienste des Herrn auch neue Freunde gewonnen. Zu seinen Aufgaben zählen Kirchenbänke, Tische und Stühle leimen, Kerzen besorgen und austauschen, defekte Heizungsventile reparieren, Bierzelt-Garnituren fürs Gemeindefest aufstellen, das Gemeindehaus aufschließen, fürs Kirchencafé und den Frühstückstreff einkaufen und eindecken oder dafür sorgen, dass die Mikrofonanlage und der Videobeamer bei der nächsten Veranstaltung im Gemeindehaus funktionieren.
Gerne stellt er zum Beispiel vor Weihnachten mit einigen Presbytern den sieben Meter hohen Christbaum in der Lutherkirche auf. „Das ist immer auch eine gesellige Angelegenheit, bei der wir auch das eine oder andere Glas Glühwein trinken“, erzählt Eckhard Schwarz.
„Mein heutiger Beruf hat mich offener und sensibeler gemacht“, sagt der 54-Jährige. Wenn er in der offenen Kirche an der Duisburger Straße zu tun hat, neue Kerzen aufstellt, die Licht- und Tontechnik wartet, Gesangbücher auslegt oder den Altar- und Kanzel-Schmuck erneuert, kommen auch schon mal Menschen in das 135 Jahre alte Gotteshaus, um mit ihm über ihr Leben zu sprechen und das, was sie beschwert. Natürlich verweist er dann auch immer an die Pfarrer der Gemeinde. „Ach, Sie sind doch der Küster“, hört er dann und hört erstmal zu. Das gilt natürlich auch für Menschen, die in die Kirche kommen, weil sie dort heiraten oder einen Trauergottesdienst abhalten möchten.
In Gesprächen mit Menschen außerhalb der Kirche merkt er immer wieder: „Für viele Leute ist die Religion heute bestenfalls zur Nebensache geworden.“ Wenn etwa in Kneipengesprächen schon mal die Sprache auf seinen Beruf kommt, hört er auch Sätze, wie: „Was? Du arbeitest für die Himmelskomiker?“
Er selbst hat die Kirche durch seinen Beruf anders und eben von innen kennen gelernt. Als er seinen Dienst antrat, setzte er sich auch intensiv mit der Bibel und der kirchlichen Liturgie auseinander. „Manchmal weiß ich auch nicht, was unsere Pfarrer noch tun sollen. Sie sind schon sehr modern, kümmern sich auch persönlich um Menschen und gehen zum Beispiel auch in unterschiedlichen Themengottesdienste auf ihre Anliegen und Lebenslagen ein“, sagt Schwarz.
Ob Seniorenmittagstisch, Adventsfeier, Spielenachmittag oder Kinoabend - wenn Schwarz mit Menschen ins Gespräch kommt, die ins Gemeindehaus an der Duisburger Straße kommen, das er vom Keller bis zum Dach in Schuss halten muss, merkt er immer wieder, dass Kirche für sie eine Oase der Gemeinschaft und der Sinnerfahrung ist.
Wenn der Küster nicht gerade in der Kirche oder im Gemeindehaus zu tun hat, gibt es für ihn vielleicht etwas im Gemeindekindergarten oder im Jugendhaus der Gemeinde zu reparieren oder er holt beim Kirchenamt im Altenhof die Gemeindepost ab und vergisst nicht die letzte Sonntagskollekte ordnungsgemäß bei der Bank einzuzahlen.
„Meine Arbeit ist sehr vielseitig. Ich kann relativ selbstständig arbeiten. Und ich komme mit vielen Menschen zusammen“, sagt der Küster während er die Grünflächen an der Lutherkirche auf Vordermann - und anschließen einen losen Pflasterstein auf dem Vorplatz der Kirche in Reih und Glied bringt. Und wenn man den Küster mal länger nicht im Umfeld der Lutherkirche sieht, dann ist er vielleicht mit seiner Partnerin in Urlaub, etwa auf Lanzarote oder zuletzt in St. Petersburg.
Dieser Text erschien am 14. Januar 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung
Doch ganz ohne Geld geht es in diesem irdischen Leben eben auch nicht. So musste vor einigen Jahren der gelernte Elektroinstallateur nach einem neuen Arbeitsplatz suchen, nachdem er feststellen musste, dass er den Wechselschichtdienst in einem Werk, in dem er an der Herstellung von Elektroplatinen beteiligt war, gesundheitlich nicht mehr verkraftete. Einer Zeitungsanzeige sei Dank, fand er eine neue Stelle als Küster der Lutherkirche. Das war 2004. „Ich war Mitglied der evangelischen Kirche und habe mit meinen Töchtern alle christlichen Feste gefeiert. Aber ich war kein besonders frommer Kirchgänger“, erzählt Schwarz.
Doch durch seinen neuen Arbeitsplatz ist er schon von berufs wegen zum Kirchgänger geworden. Was mache ich Heiligabend und Silvester? Und wo gehe ich sonntags hin? Für Schwarz ist das keine Frage, natürlich in die Lutherkirche.
„Wenn man am Wochenende nicht bis in die Puppen feiern kann, kostet das auch schon mal die eine oder andere Freundschaft“, erzählt der Küster. Doch Schwarz hat durch seinen ganz handfesten und bodenständigen Job im Dienste des Herrn auch neue Freunde gewonnen. Zu seinen Aufgaben zählen Kirchenbänke, Tische und Stühle leimen, Kerzen besorgen und austauschen, defekte Heizungsventile reparieren, Bierzelt-Garnituren fürs Gemeindefest aufstellen, das Gemeindehaus aufschließen, fürs Kirchencafé und den Frühstückstreff einkaufen und eindecken oder dafür sorgen, dass die Mikrofonanlage und der Videobeamer bei der nächsten Veranstaltung im Gemeindehaus funktionieren.
Gerne stellt er zum Beispiel vor Weihnachten mit einigen Presbytern den sieben Meter hohen Christbaum in der Lutherkirche auf. „Das ist immer auch eine gesellige Angelegenheit, bei der wir auch das eine oder andere Glas Glühwein trinken“, erzählt Eckhard Schwarz.
„Mein heutiger Beruf hat mich offener und sensibeler gemacht“, sagt der 54-Jährige. Wenn er in der offenen Kirche an der Duisburger Straße zu tun hat, neue Kerzen aufstellt, die Licht- und Tontechnik wartet, Gesangbücher auslegt oder den Altar- und Kanzel-Schmuck erneuert, kommen auch schon mal Menschen in das 135 Jahre alte Gotteshaus, um mit ihm über ihr Leben zu sprechen und das, was sie beschwert. Natürlich verweist er dann auch immer an die Pfarrer der Gemeinde. „Ach, Sie sind doch der Küster“, hört er dann und hört erstmal zu. Das gilt natürlich auch für Menschen, die in die Kirche kommen, weil sie dort heiraten oder einen Trauergottesdienst abhalten möchten.
In Gesprächen mit Menschen außerhalb der Kirche merkt er immer wieder: „Für viele Leute ist die Religion heute bestenfalls zur Nebensache geworden.“ Wenn etwa in Kneipengesprächen schon mal die Sprache auf seinen Beruf kommt, hört er auch Sätze, wie: „Was? Du arbeitest für die Himmelskomiker?“
Er selbst hat die Kirche durch seinen Beruf anders und eben von innen kennen gelernt. Als er seinen Dienst antrat, setzte er sich auch intensiv mit der Bibel und der kirchlichen Liturgie auseinander. „Manchmal weiß ich auch nicht, was unsere Pfarrer noch tun sollen. Sie sind schon sehr modern, kümmern sich auch persönlich um Menschen und gehen zum Beispiel auch in unterschiedlichen Themengottesdienste auf ihre Anliegen und Lebenslagen ein“, sagt Schwarz.
Ob Seniorenmittagstisch, Adventsfeier, Spielenachmittag oder Kinoabend - wenn Schwarz mit Menschen ins Gespräch kommt, die ins Gemeindehaus an der Duisburger Straße kommen, das er vom Keller bis zum Dach in Schuss halten muss, merkt er immer wieder, dass Kirche für sie eine Oase der Gemeinschaft und der Sinnerfahrung ist.
Wenn der Küster nicht gerade in der Kirche oder im Gemeindehaus zu tun hat, gibt es für ihn vielleicht etwas im Gemeindekindergarten oder im Jugendhaus der Gemeinde zu reparieren oder er holt beim Kirchenamt im Altenhof die Gemeindepost ab und vergisst nicht die letzte Sonntagskollekte ordnungsgemäß bei der Bank einzuzahlen.
„Meine Arbeit ist sehr vielseitig. Ich kann relativ selbstständig arbeiten. Und ich komme mit vielen Menschen zusammen“, sagt der Küster während er die Grünflächen an der Lutherkirche auf Vordermann - und anschließen einen losen Pflasterstein auf dem Vorplatz der Kirche in Reih und Glied bringt. Und wenn man den Küster mal länger nicht im Umfeld der Lutherkirche sieht, dann ist er vielleicht mit seiner Partnerin in Urlaub, etwa auf Lanzarote oder zuletzt in St. Petersburg.
Dieser Text erschien am 14. Januar 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung
Sonntag, 15. Januar 2017
Die Katholische Stadtkirche zeichnet Hans-Theo Horn mit der Nikolaus-Groß-Medaille aus
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| Rolf Völker (von links) Bernhard Groß, Franz Grave, Ulrich Scholten Hans-Theo Horn und Michael Janßen |
Die katholische Stadtkirche hat den ehemaligen
Kulturdezernenten der Stadt, Hans-Theo Horn, mit der Nikolaus-Groß-Medaille
ausgezeichnet. Damit würdigt die 51.000 Mitglieder starke und in drei
Pfarrgemeinden organisierte Stadtkirche das kirchliche Engagement des
75-Jährigen.
Der dreifache Familienvater war 19 Jahre lang Pfarrgemeinderat von St.
Mariae Himmelfahrt und gehört bis heute dem Vorstand der Caritas an. Im
Kulturhauptstadtjahr 2010 war Horn Mitglied in der Lenkungsgruppe für das
Kulturprogramm des Bistums. Er hat eine Stiftung zur Unterstützung des
katholischen Sozialverbandes und zum Erhalt des Klosters Saarn ins Leben
gerufen. Sein Name verbindet sich mit der Restaurierung der Saarner
Klosteranlage, die heute unter anderem als Bürgerbegegnungsstätte genutzt wird.
Auch die über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Konzertreihe "Musik im
Kloster Saarn" wurde von Horn, Mitte der 80er Jahre, ebenso mit initiiert,
wie das 2008 eröffnete Klostermuseum.
Mülheims Alt-Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld bescheinigte Horn in ihrer
Laudatio, sein von der heiligen Katharina von Siena stammendes Lebensmotto:
"Nicht das Beginnen, sondern das Durchhalten wird belohnt" beherzigt
und in die Tat umgesetzt zu haben.
Der Geehrte stellte fest: "Ich habe vor allem meiner Frau Christa und
meiner Familie zu danken, die mein Engagement mitgetragen und mir den Rücken
gestärkt haben. Ohne sie und viele andere Wegbegleiter, die mir vertraut und an
mich geglaubt haben, hätte ich nicht leisten können, was ich geleistet
habe."
Besonders viel Beifall bekam der emeritierte Weihbischof Franz Grave von
den 140 Gästen des Neujahrsempfanges für eine starke und frei gehaltene Rede.
"Wir müssen als Christen welttüchtig und nicht weltflüchtig sein",
appellierte Grave und warnte die Christen an der Ruhr angesichts schwieriger
Rahmenbedingungen von Rückzug in Lethargie und Depression. Am Beginn des
Reformationsjahres forderte der als Seelsorger in St. Mariae Geburt engagierte
Grave mutige Fortschritte in der Ökumene. "Es darf nicht beim gemeinsamen
Feiern eines Jubiläums bleiben", betonte er.
Mit Blick auf das Jahr der Landtags- und der Bundestagswahl forderte Grave
die christlichen Kirchen auf, "ihr politisches Gewicht gemeinsam in die
Waagschale zu werfen." Gleichzeitig forderte er die Bürger dazu auf, ihr
Wahlrecht verantwortungsvoll wahrzunehmen. Mit Blick auf die AFD stellte der
Weihbischof fest: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Christ, der das
Evangelium ernst nimmt, diese Partei wählen und die Flüchtlinge links liegen
lassen kann."
Der Vorsitzende des Katholikenrates, Rolf Völker, nutzte den
Neujahrsempfang im Altenhof, um auf die existenziellen Sorgen der katholischen
Ladenkirche am Kohlenkamp hinzuweisen. Das Mitarbeiterteam der Ladenkirche, so
Völker, sei dringend auf neue ehrenamtliche Helfer angewiesen. Außerdem sei die
Miete nur noch bis zum September 2017 gesichert. Jetzt will man Fördermittel
aus dem Innovationsfonds des Bistums beantragen.
Dieser Text erschien am 7. Januar 2017 im Neuen Ruhrwort
Freitag, 13. Januar 2017
Ein Zeitsprung am Löhberg
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| Der Löhberg 2017 und 1855: Das historische Foto stammt aus dem Meduenzentrum der Stadt Mülheim. |
Heute führt uns ein Foto aus dem Medienzentrum der Stadt in den Löhberg des Jahres 1955. Wir sehen Abrissarbeiten und schauen auf ein großes Gebäude, das auf der Fahrbahn der heutigen Leineweberstraße steht. Außerdem erkennt man den Turm der 1929 eingeweihten Kirche St. Mariae Geburt.
„Das große Gebäude auf der Leineweberstraße war das Lebensmittelgeschäft Künzel. Und weiter vorne auf der rechten Seite sieht man die Gaststätte Pils Lumma“, erinnert sich der Mülheimer Walter Neuhoff. Er war damals 19 Jahre jung und erlebte den stürmischen Wiederaufbau der vom Krieg gezeichneten Stadt.
Wie man auf dem Foto erkennt, war der untere Löhberg schon damals eine Straße voller kleiner Geschäfte. Auch heute findet man hier unter anderem drei Gaststätten, eine Buchhandlung, einen Augenoptiker und einen Juwelier sowie einen Massagesalon und ein Geschäft für Computerspiele und Handys. Mitte der 50er-Jahre war der Löhberg noch keine Fußgängerzone, zu der sie erst am Ende der 70er werden sollte. Mitte der 50er-Jahre erhielt die Leineweberstraße einen ganz neuen Verlauf und wurde, auch mit Blick auf den zunehmenden Autoverkehr, zur Ost-West-Achse ausgebaut.
Auch zehn Jahre nach Kriegsende musste die Innenstadt noch um- und wieder aufgebaut werden. Denn der große Luftangriff der Royal Air Force vom 22. und 23. Juni 1943 hatte 77 Prozent der innerstädtischen Gebäude entweder zerstört oder zumindest beschädigt. 44 Prozent aller innerstädtischen Wohnungen waren bei Kriegsende am 11. April 1945 zerstört.
Dieser Text erschien am 9. Januar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Donnerstag, 12. Januar 2017
So gesehen: Dünner Takt und dicker Hals
Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige. Gut, dass ich keiner bin. Den gestern kam ich unpünktlich zu einem wichtigen beruflichen Termin.
Denn auch meine Straßenbahn mit der ich rechtzeitig ans Ziel kommen wollte, war nicht nur nicht pünktlich. Sie kam einfach nicht.
Keine Anzeige, keine Durchsage. Selbst der Service-Mann vor Ort wusste von nichts und konnte nur auf die nächste Bahn verweisen, die dann immerhin pünktlich kam, so dass sich meine Verspätung noch in erträglichen Grenzen hielt. Dafür wurde ich dann auch gleich von zwei freundlichen Herrn kontrolliert und nach meinem Fahrausweis gefragt.
Da fragte ich mich als Fahrgast und König Kunde, wer eigentlich die Pünktlichkeit und das Preis-Leistungs-Verhältnis der Mülheimer Busse und Bahnen kontrolliert, deren Fahreise regelmäßig nach oben und deren Takt regelmäßig nach unten angepasst wird. Doch darauf konnten mir die freundlichen Kontrolleure der Mülheimer Verkehrsgesellschaft auch keine Antwort geben. In dem der Takt von Bussen und Bahnen ausgedünnt wird, wird der Hals der Fahrgäste dicker. Wer kann, steigt um, aufs Auto. Doch damit wird auch die Luft in unserer Stadt wieder dicker, einschließlich der Hälse der Autofahrer, die im Stau stehen. Operation gelungen. Patient tot.
Dieser Text erschien am 12. Januar 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung
Denn auch meine Straßenbahn mit der ich rechtzeitig ans Ziel kommen wollte, war nicht nur nicht pünktlich. Sie kam einfach nicht.
Keine Anzeige, keine Durchsage. Selbst der Service-Mann vor Ort wusste von nichts und konnte nur auf die nächste Bahn verweisen, die dann immerhin pünktlich kam, so dass sich meine Verspätung noch in erträglichen Grenzen hielt. Dafür wurde ich dann auch gleich von zwei freundlichen Herrn kontrolliert und nach meinem Fahrausweis gefragt.
Da fragte ich mich als Fahrgast und König Kunde, wer eigentlich die Pünktlichkeit und das Preis-Leistungs-Verhältnis der Mülheimer Busse und Bahnen kontrolliert, deren Fahreise regelmäßig nach oben und deren Takt regelmäßig nach unten angepasst wird. Doch darauf konnten mir die freundlichen Kontrolleure der Mülheimer Verkehrsgesellschaft auch keine Antwort geben. In dem der Takt von Bussen und Bahnen ausgedünnt wird, wird der Hals der Fahrgäste dicker. Wer kann, steigt um, aufs Auto. Doch damit wird auch die Luft in unserer Stadt wieder dicker, einschließlich der Hälse der Autofahrer, die im Stau stehen. Operation gelungen. Patient tot.
Dieser Text erschien am 12. Januar 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung
Mittwoch, 11. Januar 2017
Wolfgang Hausmann. Der Botschafter des guten Buches
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| Wolfgang Hausmann |
Wer seine Lesungen miterlebt, begreift sofort wie aktuell die modernen Klassiker aus seinem Bücherschrank sind, zu denen er auch Wilhelm Busch zählt, der eben weit mehr zu zeichnen und zu erzählen wusste, als Max und Moritz.
Die hohe Kunst des guten und musikalisch begleiteten Vorlesens, das im Kopf des Zuhörers ein Kino in gang setzt, hat Hausmann bereits in den 70er Jahren beim Altmeister Lutz Görner und später bei dessen "Zauberlehrling" Oliver Steller kennen, schätzen und beherrschen gelernt. Dem Engagement Wolfgang Hausmanns, etwa als dem langjährigen Spiritus Rector des Freundeskreises der Kultur und Musik in der Heimaterde, haben die Mülheimer Literaturfreunde viele anregende Abende mit Görner und Steller zu verdanken.
Jetzt startete Hausmann seine eigenen Literaturabende 2017 mit dem Münchener Lokaljournalisten und Schriftsteller Eugen Roth ("Ein Mensch"), der von 1895 bis 1976 gelebt und geschrieben hat.
Aha- und Wiederkennungseffekte sind auch für heutige und Zuhörer unvermeidlich. Zu Risiken, Nebenwirkungen und geistigem Mehrwert fragen sie Wolfgang Hausmann oder schauen Sie auf seine Internetseite www.wolfgang.hausmann-ruhr.de
Dienstag, 10. Januar 2017
Jüngster im Rat mischt politisch mit: Viel Arbeit, wenig Freizeit und einige neue Erfahrungen: So bilanziert Jan Vogelsang (20) sein erstes Jahr im Mülheimer Stadtrat
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| Jan Vogelsang |
Als junger Sozialdemokrat rückte er im September 2015 für seinen Parteifreund und damals neu gewählten Oberbürgermeister Ulrich Scholten ins Stadtparlament nach. Wie hat sich sein Leben im ersten Ratsjahr 2016 verändert? „Ich habe wenig Freizeit und versuche mit maximal sieben Stunden Schlaf auszukommen“, sagt Vogelsang. Sein Leben zwischen Universität, Stadtrat, Parteigremien und einem der Studienfinanzierung geschuldeten Gelderwerb im Getränkemarkt, fordern ihren Zehn- bis Zwölf-Stunden-Tag.
Dennoch macht Vogelsang keinen gestressten, sondern einen in sich ruhenden Eindruck. „Ich bereue meinen Einzug in den Rat nicht, auch wenn er mich viel Zeit und Arbeit kostet, weil ich durch meine kommunalpolitische Mitarbeit sehr viele interessante Menschen und Institutionen meiner Stadt kennen lerne“, betont er.
Fraktionssitzungen, Ausschusssitzungen, Teilnahme an parteiinternen Themenforen, Präsenz an öffentlichen Infoständen sowie Teilnahme an Ortsvereins- und Unterbezirkssitzungen und nicht zu vergessen die regelmäßige Rückkopplung mit dem SPD-Nachwuchs der Jusos, bei denen Vogelsang schon vor seinem Einzug in den Rat aktiv war, zeigen dem parlamentarischen Novizen, „dass Kommunalpolitik viel Zeit und Ausdauer braucht“.
Doch das oft schwerfällige und langwierige Prozedere der Demokratie nervt den angehenden Juristen nicht so sehr, „wie die Tatsache, dass sich, wie zuletzt bei der Verabschiedung des Haushaltes, bestimmte Fraktionen, sich wider besseren Wissens nicht an die Absprachen halten, auf die man sich vorher nach langen Beratungen und auf einer gemeinsam festgestellten Faktenlage geeinigt hat.“
Doch Vogelsang schaut auch auf Erfolgserlebnisse in seinem ersten Ratsjahr zurück. Als solche sieht er, „dass ich mit entsprechender Überzeugungsarbeit daran mitarbeiten konnte, dass der Jugendstadtrat nun in allen Ratausschüssen beratend mit dabei ist und dass die Stadt die für das in seiner Existenz bedrohte und aus allen Nähten platzende Frauenhaus notwendigen Geldmittel bereitgestellt hat. Um dessen Arbeit zu unterstützen, trat er in den Förderverein ein.
Weil sich der Student schon als Schüler für Politik, Wirtschaft und Finanzen interessierte, lag es nahe, sich für eine Mitarbeit in den Ausschüssen für Finanzen, Wirtschaft, Bildung und Sport zu entscheiden.
Eine wichtige Erfahrung sei es, „von der Lebenserfahrung älterer Kollegen profitieren zu können und gleichzeitig als junger Kopf mit frischen Ideen ernst genommen und wertgeschätzt zu werden.“
Als derzeit wichtigste politische Aufgabe, sieht es Vogelsang „die finanzpolitische Fähigkeit der Stadt auch mit Hilfe des NRW-Stärkungspaktes zu sichern und langfristig durch konsequente Haushaltskonsolidierung wieder auszubauen.“ Daran müssten vor allem die jungen Mülheimer mehr interessiert sein als etwa am Nachtleben, „weil sie noch etliche Jahrzehnte in dieser Stadt leben und arbeiten müssen.
Wenn sich der Holthausener SPD-Stadtverordnete etwas für das neue Jahr wünschen dürfte, dann vor allem „eine bessere Verkehrsführung an der Oppspring-Kreuzung, dass die Stadt ihr wirtschaftliches Potenzial für neue Arbeitsplätze ausschöpft und „dass wir als Ratsmitglieder den Bürgern die Kommunalpolitik besser erklären können“.
Dieser Text erschien am 9. Januar 2017 in NRZ/WAZ
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Dr. Peter Ramme 6.45 Uhr. Der Arbeitstag von Dr. Peter Ramme beginnt nicht in seiner Praxis, sondern im Haus Kuhlendahl, wo der Hausa...




