Sonntag, 7. Februar 2016

So gesehen: Bange machen gilt nicht

Der Kartoffelhändler meines Vertrauens weiß fast alles von mir. Schließlich gehe ich öfter zu ihm, als zum Friseur.

Und deshalb weiß er natürlich auch, dass ich in diesen Tagen als Karnevalsreporter unterwegs bin. Gestern standen mir beim Kartoffelkauf allerdings die Haare zu Berge, als er mir riet: „Passen Sie nur auf, dass sie am Rosenmontag keinen Sonnenbrand bekommen.“

Ist der Mann närrisch? Wahrscheinlich. Und das im besten Sinne. Denn Narren beherrschen die Kunst der Ironie, frei nach dem Motto: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Denn die Markthändler bekommen angesichts von Sturm- und Regenprognosen genauso Hitzewallungen, wie die Karnevalisten, die sich über Monate auf den Rosenmontagszug vorbereitet haben und jetzt, nicht, wie schon anno 1990 vom Winde verweht werden wollen. Da hilft wohl nur beten. Und dabei haben die Jecken gute Karten. Denn mit dem Beten werden sich auch Stadtdechant Michael Janßen und Pfarrer Michael Manz reinhängen. Denn sie wollen ja am Rosenmontag auch mit dem Zug der närrischen Zeit durch die Innenstadt fahren.


Dieser Text erschien am 6. Februar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Samstag, 6. Februar 2016

Die Narren sind zurück im Rathaus: Eindrücke vom Mülheimer Möhnensturm

Stadtprinzessin Julia I. (Steck)
11.11. Uhr. Weiberfastnacht und es regnet. Wie schön das der Rathaussturm, der in den letzten Jahren auf dem Synagogenplatz gefeiert wurde, an seinen angestammten Platz zurückgekehrt ist. Ein erstes Signal des neuen Oberbürgermeister Ulrich Scholten, dass bei den Närrinnen und Narren gut ankommt.

Draußen schießt die Karnevalsgesellschaft Wagaschei mit ihrer Konfettikanone, während das närrische Weibsvolk und seine männliche Begleitung, das Rathausfoyer stürmen. Während die Stadtprinzessinnen Julia und Chiara mit musikalischer Verstärkung durch die KG Düse ins Amtszimmer des Oberbürgermeisters stürmen, schunkeln und singen sich im Foyer des Standesamtes gut 100 Jecken warm. Stimmungskanone Thomas Straßmann gibt den Ton an: „So ein Tag, so wunderschön wie heute!“ Prinz Markus (mit Zöpfen) und Hofmarschall Hermann-Josef Hüßelbeck (mit wilder Perücke) haben nicht viel zu sagen. Sie dienen als Staffage für die Damen. „Ihr könnt euren Männern sagen, dass sie schon mal zuhause putzen sollen. Wir kommen heute später“, macht Kinderprinzessin Chiara eine klare Ansage.

Und schon wird Oberbürgermeister Ulrich Scholten, mit Krawatte und Narrenkappe dezent verkleidet, von Stadtprinzessin Julia vorgeführt. „Wir wollen euch mal den neuen OB vorstellen. Das ist ja jetzt nicht mehr die Frau Mühlenfeld“ unterstreichen die Ex-Prinzessinnen Maren Lucas, Lisa Arnold und Elke Fischer, die mit Charme und Zylinder durch das Programm führen, das Offensichtliche. Offensichtlich ist, dass Scholten, anders, als seine Vorgängerin, die auch schon mal als Piratin zum Möhnensturm antrat, sich lieber defensiv verkleidet.

Dafür hat er einen unschlagbaren Vorteil, eine Krawatte. Denn in den zwölf Amtsjahren der Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld, musste stets ihr Bürgermeister-Kollege Markus Püll als Alibi-Krawatten-Mann. Jetzt lässt der Chef sich nicht selbst auf den Schlips treten, ihn aber aberschneiden. Seine Krawatte hat nur eine sehr kurze Lebenserwartung und auch die Stadtschlüssel ist er bald los, nachdem er in einem sehr einseitigen Wettangeln mit Stadtprinz Markus das Nachsehen hat.

Sein Kommentar zum Regierungswechsel im Rathaus: „Das ist nicht fair. Gerade erst vor 100 Tagen hab’ ich das Oberbürgermeister-Amt bekommen, da werden mir die Stadtschlüssel schon wieder abgenommen. Prinz Ulrich I. wollt’ ich sein. Doch es ist anders gekommen. Ihr habt den Machtkampf gewonnen. Und solltet ihr mal Hilfe brauchen, weil euch beim Regieren die Köpfe rauchen, fragt euren Hofmarschall Hermann- Josef Hüßelbeck. Der weiß als Bezirksbürgermeister hier gut Bescheid.“

Doch die von Elli Schott und Stadtprinzessin Julia angeführten Möhnen sorgten gleich dafür, dass der OB auch an den Tollen Tagen nicht arbeitslos wird und beförderten ihn zum Zugleiter eines rathausinternen Narrenzuges. Der soll die Mitarbeiter der Stadtverwaltung bis Veilchen-Dienstag in Bewegung setzen und so die Energiekosten im Rathaus senken. So vergnüglich kann es sein, wenn der öffentliche Dienst auf Trapp kommt.

So gesehen: Das schöne und starke Geschlecht


Welcher Politiker lässt sich schon gerne sein Amt abnehmen. Aber Oberbürgermeister Ulrich Scholten, seines Zeichens auch Ehrensenator der KG Röhrengarde, nahm seinen Amtsverlust gestern offensichtlich mit Humor. Kein Wunder. Denn die beiden Stadtprinzessinnen bedankten sich bei ihm für den Verlust seiner Krawatte und der Stadtschlüssel mit einem Stereo-Bützchen. Oberbürgermeister müsste man sein. Das ist eben die Stärke der Frauen, dass sie als Menschen der Tat uns Männer so um den Finger wickeln können, dass die Erfüllung ihrer Wünsche uns als die Erfüllung unserer eigenen Wünsche erscheint und das nicht nur an Weiberfastnacht. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Dieser Text erschien am 5. Februar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 5. Februar 2016

Der Karneval kann den Menschen Gemeinschaft vorleben

Stadtprinzessin Julia (I.) Steck
Wenn wir schon keine Oberbürgermeisterin mehr haben, so doch eine Stadtprinzessin. Und heute will die närrische Regentin mit der Rückendeckung ihrer Tollitäten und Möhnen um 11.11 Uhr das Rathaus stürmen und im Foyer am Rathausmarkt Oberbürgermeister Ulrich Scholten die Stadtschlüssel abnehmen. Ob er wirklich die Macht im Rathaus verlieren wird, ist eher fraglich. Doch fest steht. Seine Krawatte muss daran glauben.

Es sei denn, er wäre ein Spielverderber und würde heute im Rollkragenpullover erscheinen. Keine Frage: Auch wenn sie nicht gewählt ist, repräsentiert Julia Steck als Stadtprinzessin die karnevalistische und die demografische Mehrheit in Mülheim. Denn 51,4 Prozent der rund 170?000 Mülheimer und rund 60 Prozent der 1500 aktiven Karnevalisten sind weiblich.

„Wenn Frauen und Männer gemeinsam Karneval feiern, können sie vor allem lernen, dass Leben nicht zu ernst zu nehmen. Sie können aber auch lernen, dass es einfach gut tut, miteinander zu reden und einander zuzuhören.“ Den Karneval sieht die Regentin in einer gesellschaftlichen Vorbildfunktion. „Die Karnevalisten können vorleben, dass uns ein starkes und fröhliches Gemeinschaftsleben weiter bringt, als der reine Egoismus.“

Hätte sie als Stadtprinzessin nicht nur die närrische, sondern auch die politische Macht, dann würde sie erst mal alle Mülheimer einem Humortest unterziehen und sie dazu verpflichten, „mindestens einmal pro Tag zu lachen und anderen Menschen etwas Gutes zu tun.“

Was Prinzessin Julia mag, sind Menschen, die auch über sich selbst lachen können. Solch ein positives Humor-Beispiel erlebte sie zuletzt bei ihrem Hofmarschall Hermann-Josef Hüßelbeck. „Er hat herzlich mitgelacht, als wir bei einer Karnevalsveranstaltung in einem Altenheim, dem Publikum spaßeshalber mitteilten, dass wir uns die Mülheimer Altenheime auch deshalb anschauen, weil unser Hofmarschall ja nicht mehr der Jüngste ist.“

Dieser Text erschien am 4. Februar 2016 in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung


Drei Fragen an die Stadtprinzessin: Beispielhafte Gemeinschaft

Frage: Heute führen Sie mit rund 30 Möhnen den Rathaussturm an. Ab 11 Uhr wird im Rathausfoyer am Rathausmarkt gefeiert. Was können Männer und Frauen beim Feiern voneinander lernen?

Antwort: Sie können lernen, das Leben nicht immer so ernst zu nehmen. Sie können aber auch lernen, dass es gut tut, miteinander zu sprechen und einander zuzuhören.

Frage: Sie wollen dem Oberbürgermeister die Stadtschlüssel abnehmen. Was würden Sie gerne durchsetzen, wenn Sie als Stadtprinzessin wirklich die Macht hätten?

Antwort: Zunächst mal würde ich alle Bürger einem Humortest unterziehen und sie dazu verpflichten, mindestens einmal pro Tag zu lachen und anderen eine Freude zu machen. Dann sähe das Leben in unserer Stadt gleich viel besser aus.

Frage: Worüber können Sie lachen und wo verstehen Sie gar keinen Spaß?

Antwort: Was mich freut, sind Menschen, die Humor haben und in der Lage sind, sich selbst auf die Schüppe zu nehmen. Unser Hofmarschall Hermann-Josef Hüßelbeck ist so ein Mensch. Er hat herzlich mitgelacht, als wir beim Seniorenkarneval in den Mülheimer Altheimen spaßeshalber dem Publikum mitteilten, dass wir uns die Mülheimer Altenheime in dieser Session mal ganz genau anschauen wollen, weil unser Hofmarschall ja auch nicht mehr der Jüngste ist und man nie genau wissen kann, wann man einen Altenheimplatz für ihn braucht. Gar nicht lachen kann ich über den offensichtlichen Werteverfall in unserer Gesellschaft. Immer mehr Menschen denken nur noch an sich und übertreten Regeln, die das Gemeinschaftsleben erst möglich machen. Das fängt schon im Straßenverkehr an, wenn Autofahrer drängeln, bei Rot über die Ampel fahren oder ihren Wagen mal eben im Parkverbot abstellen. Ich glaube, dass der Karneval hier im positiven Sinne Gemeinschaft vorleben kann.

Dieser Text erschien am 4. Februar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 4. Februar 2016

Er schöpfte aus der Kraftquelle seines christlichen Glaubens: Der katholische Staatsmann Konrad Adenauer

Konrad Adenauer. Das war der Mann, der seiner Heimatstadt Köln als Oberbürgermeister eine neue Universität, international beachtete Messehallen und die Ansiedlung der Ford-Werke bescherte. Er war der Mann, der mit Hilfe seiner eigenen Stimme 1949 im Alter von 73 Jahren zum ersten Bundeskanzler gewählt wurde. Er war der Bundeskanzler, der in seinen 14 Amtsjahren die Bundesrepublik Deutschland in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und in die Nato führte, der zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten Charles De Gaulle aus einer alten Feindschaft eine Freundschaft machte. Er war der Kanzler, der die diplomatische Annäherung an Israel einleitete und er war vor allem der Kanzler, den die Wähler 1957 mit der absoluten Mehrheit belohnten, weil er 1955 die letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion heim holte.
So ist der vor 140 Jahren – am 5. Januar 1876 – geborene Konrad Adenauer in das kollektive Gedächtnis seiner Landsleute eingegangen. Was weniger in Erinnerung blieb, ist sein christlich-katholischer Glaube, aus dem Konrad Adenauer immer wieder Kraft schöpfte.
Der Besuch der Heiligen Messe war für ihn lebenslang mehr als ein Ritual. Es war ihm ein inneres Bedürfnis. Seine Biografen Dorothea und Wolfgang Koch zitieren ihn mit der Erkenntnis: „Ohne die richtige lebendige seelische Haltung wird alles andere nicht richtig. Nichts ist aber so sehr geeignet, auf die seelische Haltung einzuwirken, als die richtig verstandene Pflege des liturgischen Gedankens.“ Und sie zitieren ihn auch mit der Konsequenz, die er als christlicher Demokrat aus dieser Einsicht zog: „Die Lehre vom Wert und der Würde der menschlichen Person ist zuerst vom Christentum aufgestellt worden und rund 2000 Jahre hindurch von ihm bewahrt und siegreich verteidigt worden.“
Als Kölner Schüler besuchte Adenauer das katholische Apostelgymnasium und die Gottesdienste in St. Aposteln. Als Jurastudent in Freiburg, Bonn und München schloss er sich den katholischen Studentenvereinen des Kartellverbandes an. Als 30-jähriger Rechtsanwalt wurde Adenauer in der katholischen Zentrumspartei aktiv. Die machte ihn erst zum Beigeordneten und 1917 zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt. Obwohl er seine Antrittsrede als Oberbürgermeister noch mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm II. schloss, verteidigte Adenauer als Präsident des Katholikentages 1922 die Republik von Weimar gegen die Anwürfe der monarchistisch gesonnenen Katholiken. Damals stellte er fest: „Man­chen katholischen Kreisen fällt es schwer, das richtige Verhältnis zur heutigen Staatsform zu finden. Sie können sich nicht dazu entschließen, unter Beiseitelassung gefühlsmäßiger Erwägungen und Erinnerungen sich entschieden auf den Boden der Tatsachen zu stellen und auf diesem Boden positiv mitzuarbeiten. Es muss auf das ernsthafteste versucht werden, die politische Einigkeit der deutschen Katholiken wieder herzustellen. Dass die deutschen Katholi­ken politischen Einfluss nur dann ausüben können, wenn sie auf dem Boden der heutigen Verfassung mitarbeiten, nicht aber, wenn sie in eine fruchtlose Opposition treten, liegt auf der Hand.“
Es kam bekanntlich anders. 1933 wurde Adenauer von den Nazis als Oberbürgermeister zwangspensioniert und drangsaliert. Adenauer hatte sich als Oberbürgermeister geweigert, die öffentlichen Gebäude und Brücken der Stadt bei einem Besuch Hitlers mit Hakenkreuz-Fahnen zu beflaggen. Nach dem das Zentrum 1933 mit der Zustimmung zum Ermächtigungsgesetz seinen eigenen politischen Untergang besiegelte, schrieb Adenauer lakonisch und bitter: „Ich weine dem Zentrum keine Träne nach. Es hat versagt und es versäumt, sich rechtzeitig mit neuem Geist zu erfüllen.“
Nach der Machtübernahme der NSDAP suchte und fand Adenauer zwischenzeitlich Zuflucht in der von seinem Mitschüler, Abt Ildefons Herwegen geleiteten Abtei Maria Laach. Dort besuchte ihn auch ein anderer Schulfreund, Adolf Amelunxen, der später erster Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen werden sollte. Als er auf Anfrage Adenauers erklärte, er vermute, dass die Nazis zehn oder zwölf Jahre an der Macht bleiben würden, stellte Adenauer resigniert fest: „Dann werde ich zu alt sein, um noch mal neu anzufangen.“
Auch Adenauer konnte sich irren. Er überlebte, auch mit Hilfe des Kölner Kardinals Josef Frings, seine Inhaftierung nach dem am 20. Juli 1944 gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler. Als der Krieg und die Diktatur am Ende waren, fing Adenauer erst richtig an. Während seine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister in Köln Episode blieb, sollte er an der Spitze der neuen deutschen Christdemokratie für fast zwei Jahrzehnte zur prägenden politischen Gestalt der Bundesrepublik werden. Dabei verstand er seine Absage an das neugegründete Zentrum und sein Eintreten für eine überkonfessionelle christliche Volkspartei und sein vehementes Eintreten für die Westbindung als Konsequenz aus der deutschen Geschichte und als eine Garantie für die Zukunft eines demokratischen Deutschlands. Das sollte aus seiner Sicht kein neutraler Spielball der kommunistischen Sowjetunion werden. Deshalb lehnte er auch Stalins Angebot einer deutschen Einheit 1952 ab.

1946 machte Adenauer bei einer CDU-Veranstaltung in Bonn deutlich: „Es ist doch so, die Geschichte der letzten Jahrhunderte hat es eindeutig gezeigt: nur die Befolgung christlicher Grundsätze vermag die Menschheit vor dem Rückfall in schlimmste Barbarei, ja vor der Selbstvernichtung zu retten.“ Auch wenn es 1948/49 bei der Verfassungsgebung im Parlamentarischen Rat Kontroversen um das Eltern- und Schulrecht gab, so konnte sich Adenauer später doch auf die grundsätzliche Unterstützung der katholischen Kirche und ihrer Bischöfe verlassen. Und als „der Alte“, wie er vom Volksmund liebevoll genannt wurde, im April 1967 gestorben war, stellte Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier in seiner Trauerrede zu recht fest: „Die kraftvolle Orientierung, die von Konrad Adenauer ausging, war ein Element seiner staatsmännischen Autorität. Ohne sein subtiles, niemals problemloses, in entscheidenden Momenten aber doch immer festes Verhältnis zum christlichen Glauben nicht denkbar.“

Dieser Text erschien am 5. Januar 2016 in der katholischen Tageszeitung DIE TAGESPOST

Mittwoch, 3. Februar 2016

Ein närrischer Hans Dampf in allen Gassen: Maik Frehmann

Maik Frehmann von der KG Düse
Als Junge war Maik Frehmann ein erfolgreicher Schwimmer. Doch dann machte ihn die Fanfare eines Nachbarsjungen neugierig. Von ihm ließ er sich zur Probe des Musikzuges der Roten Funken mitnehmen.

Das musikalische und menschliche Gemeinschafterlebnis, das er dort mitnahm, machte ihn zum Karnevalisten. „Ich bin kein Einzelkämpfer, sondern ein Gemeinschaftsmensch. Und deshalb bin ich im Karneval genau richtig“, sagt der heute 41-Jährige.

Nach 16 aktiven Jahren als Musiker, Geschäftsführer und Vizepräsident der Roten Funken gründete der gelernte Dachdecker 2001 mit einigen Karnevalsfreunden die Karnevalsgesellschaft Düse.

„Wir wollten einen modernen Karneval für jedermann feiern und weniger Rücksicht auf althergebrachtes Zeremoniell nehmen müssen“, erinnert sich der Vater eine vierjährigen Tochter an den Gründungsimpuls. Dass aus den 35 Gründungsmitgliedern inzwischen 120 Mitglieder geworden sind, zeigt, dass Frehmann und seine Vorstandskollegen nicht alles falsch gemacht haben können.

Besonders freut sich Frehmann darüber, „dass wir viele junge Mitglieder haben, von denen wir einige auch schon in die Vorstandsarbeit einbezogen haben“. Junge und jüngere Mitglieder sind für ihn ein Zeichen dafür, „dass wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln und immer für neue Ideen offen sind“.

Wenn die KG Düse am kommenden Donnerstag um 19 Uhr zur Weiberfastnacht und am Karnevalssamstag um 20 Uhr zur Prunksitzung in die Styrumer Union an der Neustadtstraße einlädt, wird man auch rockig-poppige Musikklänge und Comedy jenseits von Marschmusik und Büttenrede zu hören bekommen. Als Präsident und Vorsitzender, als Corpsführer des Musikzuges und als Mittänzer im Männerballett, ist Frehmann ein karnevalistischer Hans Dampf in allen Gassen. „Ich bin kein Präsident, der sich zurücklehnt und die Arbeit delegiert und dirigiert. Ich packe immer selbst mit an, wo ich gebraucht werde“, betont Frehmann. Und so macht er sich gleich nach dem Gespräch mit der Presse auf den Weg, um Dekorationen für die Karnevalsveranstaltungen im Unionssaal zu besorgen.

Auch wenn die Wagenbauer mal Hilfe brauchen, reicht ein Anruf. „Wenn man als Präsident mit anpackt, hebt das die Stimmung“, weiß Frehmann. Er schätzt, dass er 70 Prozent seiner Freizeit dem Karneval und dem Vereinsleben der KG Düse widmet. Aktuell plant der Ex-Prinz der Session 2004/2005 schon das Sommerfest der Düse.

Ganz nebenbei baut er nach einem Arbeitsunfall als Umschüler derzeit sein Examen als Bautechniker. „Durch den Karneval habe ich gelernt, dass man den Kopf nicht in den Sand stecken darf und das es im Leben immer weitergeht“, sagt der närrische Hans Dampf.

Dieser Text erschien am 2. Februar 2016 in der NRZ und in der WAZ

Dienstag, 2. Februar 2016

Damit der Nachwuchs gut aussieht: Birgit Ruthe

Birgit Ruthe von der Röhrengarde
Seit 18 Jahren ist Birgit Ruthe in der Röhrengarde Mülheims aktiv. Sie näht die Gardeuniformen und auch die Showtanz-Kostüme. Für sie ist Karneval eine gute Schule fürs Leben.
Birgit Ruthe näht und dekoriert gerne. Das sieht man sofort, wenn man ihre Wohnung betritt. Die Nähmaschine steht auf dem Küchentisch. Die Gardeuniformen der Röhrengarde Silber-Blau müssen auf Vordermann gebracht werden.

Ihre Karnevalskarriere begann vor 18 Jahren, als sie ihre Tochter Sabine zum ersten Tanztraining bei der Röhrengarde brachte. Nicht nur Tochter und Mutter fingen Feuer. Auch Vater Rüdiger und Sohn Patrick ließen sich vom Bazillus Carnevalensis anstecken.

„Unsere Gesellschaft ist für uns wie eine große Familie, in der wir viele Freunde gefunden haben. Mit denen kann man nicht nur gut feiern, sondern, wenn es darauf ankommt, auch schon mal über Probleme sprechen“, erzählt Birgit Ruthe. „Ich arbeite unserer Gardetrainerin Melanie Schott zu“, beschreibt die 52-Jährige ihre Aufgabe in ihrer Karnevalsgesellschaft. Als Gardebegleiterin sorgt sie dafür, dass die 16 jungen und ganz Jungen Damen der silber-blauen Tanzgarde gut behütet zu ihren Sessionsauftritten und wieder nach Hause kommen.

Doch Ruthe macht noch viel mehr. Die Nähmaschine auf ihrem Küchentisch zeigt es. Nicht nur die silber-blauen Gardeuniformen, sondern auch die Showtanz-Kostüme der Röhrengarde kommen aus ihrer häuslichen Nähwerkstatt auf die Bühne und lassen den Nachwuchs der Gesellschaft gut aussehen. Genau das macht der Frau, Mutter und Karnevalistin auch besonders viel Freude und lässt sie ihre ehrenamtlichen Arbeitsstunden nie zählen. „Gemeinschaft und Sport, das tut Kindern und Jugendlichen gut und sie landen nicht auf der Straße und kommen dort auf dumme Gedanken“, beschreibt sie ihre Motivation, den Karneval nicht nur mitzufeiern, sondern im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch mitzugestalten.

Im Gespräch mit der gelernten Wirtschaftsmeisterin und Hotelfachfrau, die heute in der Altenbetreuung arbeitet, wird schnell klar: Ohne Menschen wie Birgit Ruthe, die nicht nur Kostüme nähen, sondern auch Ideen für Tanzshows entwickeln, in Festsälen Sitzgarnituren aufbauen und dekorieren oder mit Pinsel und Säge den Männern beim Wagenbau helfen, ohne nach Zeit, Geld, Ämtern und Orden zu fragen, wäre Schluss mit Lustig im mölmschen Karneval.

Ihren Lohn sieht sie in geselligen Ausflügen, Festen und anderen Gemeinschaftsaktivitäten, mit denen die von Elli Schott geführte Röhrengarde den Zusammenhalt ihrer Mitglieder auch und gerade zwischen Aschermittwoch und dem 11.11. pflegt.

Und am Beispiel ihrer eigenen Kinder sieht Ruthe, dass der ­Karneval eine fröhliche und manchmal auch eine anstrengende Schule fürs Leben sein kann, in der man Selbstbewusstsein tanken kann.

Dieser Text erschien am 1. Februar 2016 in der NRZ und in der WAZ

Montag, 1. Februar 2016

Ein Sonnenschein: Sarah Zehnpfennig

Sarah Zehnpfennig von der Ruhrgarde
Es soll ja Frauen geben, die alles sein wollen, nur nicht so, wie ihre Mutter. Bei Sarah Zehnpfennig und ihrer Mutter ist das anders. Als die Mutter die zehnjährige Sarah zum Probetraining der Ruhrgarde brachte, war die Tochter gleich Feuer und Flamme. Es scheint so, dass die heute 25-jährige Arzthelferin die Leidenschaft für den ambitionierten Showtanz von ihrer Mutter geerbt hat. Denn die tanzte als junge Frau bei der KG Blau Weiß.

Doch das findet Sarah Zehnpfennig, die den Rhythmus offensichtlich im Blut hat, gerade so toll an der Ruhrgarde.

„Wir sind eben kein normaler Karnevalsverein, sondern eine Garde, die mit ihren Tanzshows Glanz und Glamour auf die Bühne bringt“, sagt Zehnpfennig, die als aktive Tänzerin inzwischen auch zum Trainerteam der Ruhrgarde gehört.

Als Arzthelferin mit einer Naturbegabung für Fröhlichkeit und Sonnenschein, macht Zehnpfennig in ihrem Beruf, was sie auch in ihrem Ehrenamt als Co-Trainerin macht. „Gerade, wenn Mädchen neu zu uns kommen, ist es wichtig ihnen die Angst vor den ersten Schritten und davor zu nehmen, etwas auf der Bühne falsch machen zu können.“

Wenn die Damen der Ruhrgarde in ihren wechselnden und immer figurbetonten Glitzerkostümen auf der Bühne Shows, wie „Bella Italia“, „On Broadway“ oder „It’s Showtime“ zaubern, schaut man und ganz besonders Mann gerne hin und hat den Eindruck, dass alles wie von selbst perfekt gelaufen ist. „Der normale Zuschauer sieht keine Schrittfehler und merkt auch nicht, dass es beim Umziehen hinter den Kulissen vielleicht nicht ganz reibungslos zugegangen ist. Fünf bis sechsmal pro Show wechseln die Damen ihre Kostüme. Dem Klettverschluss sei Dank. Da käme so manches Männerballett sicher schnell ins Schwitzen.

Apropos Männer. Die stehen bei der Ruhrgarde zwar nicht auf der Bühne, sind aber als Hilfsarbeiter im Hintergrund unentbehrlich und bei den Damen hoch geschätzt. Die Partner der Ruhrgardistinnen müssen sich schon darauf einstellen, bei den bis zu 20 Sessionsauftritten Kisten zu schleppen oder Scheinwerfer zu tragen. Das gilt natürlich auch für die Auftritte, die auch außerhalb der Session landesweit zu verschiedensten privaten und öffentlichen Anlässen über die Bühne gehen und jährlich rund 20?000 Zuschauer begeistern.

Das hat bei der Ruhrgarde Tradition. Denn schließlich waren es mit Silvia und Peter Heibel eine handfeste Frau und ein tatkräftiger Mann für alle Fälle, die vor 40 Jahren die Ruhrgarde aus der Taufe hoben, um mit ihr den Showtanz im Mülheimer Karneval aufzupeppen. Und die Heibels wissen schon aus ihrer Zeit vor der Ruhrgarde, was es heißt, als Tanzmariechen und Tanzmajor auf der Bühne zu stehen. „Silvia und Peter haben damals mit ihrer Vision des glamourösen Showtanzes eine echte Marktlücke geschlossen und sie sind bis heute die guten Seelen der Ruhrgarde“, sagt Sarah Zehnpfennig.

Warum investiert die junge Frau soviel Zeit und Energie in das Training und die Auftritte der Ruhrgarde? Sie erklärt es so: „Wir sind, wie eine kreative Familie voller Musik, Tanz und Fantasie, in der jeder seine Talente ausleben und jeder mit jedem über alles sprechen kann.“ Apropops Familie. Neben Sarah tanzen inzwischen auch ihre beiden jüngeren Schwestern Jasmin und Aileen in der 60 Mitglieder zählenden Ruhrgarde.

Besonders schön findet Sarah Zehnpfennig, dass der familiäre Zusammenhalt innerhalb der Ruhrgarde auch außerhalb der Session durch gemeinsame Freizeitaktivitäten gepflegt wird. Die reichen vom Skiurlaub und Städtetouren bis zum Zeltlager.

Nicht schlecht staunt man auch, wenn Zehnpfennig erzählt, dass die Damen der Ruhrgarde in ihren Trainingsquartieren an der Duisburger Straße nicht nur trainieren, sondern auch mal zur Nadel greifen, um ihren eleganten Kostümen den letzten Schliff zu verpassen. Ganz schön vielseitig diese Glamour-Girls. Und zu dieser Vielseitigkeit gehört auch die thematische Konzeption der Tanzshows, bei der sich Sarah Zehnpfennig und ihren Trainerkolleginnen Kiki Paffendorf und Gisela Claus auch von anderen Shows inspirieren lassen. 


Dieser Text erschien am 27. Januar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...