Direkt zum Hauptbereich

So gesehen: Wie das harte Brot der frühen Jahre die Phantasie anregte und die Dankbarkeit für unser tägliches Brot gefördert hat

Wenn Erwin Hollman heute seinen 70. Geburtstag feiert, wird er das natürlich mit einigen Leckerbissen tun. Als jemand, der im Zweiten Weltkrieg geboren wurde, kennt der pensionierte Druckermeister, den viele noch als Stadtprinz aus der Session 1999/2000 oder als CDU-Kommunalpolitiker und Mitgründer der Interessengemeinschaft Styrumer Geschäftsleute kennen, auch noch Zeiten, als hierzulande Schmalhans Küchenmeister war.

„Ich möchte ein Butterbrot haben. Es darf auch ein trockenes sein“, bat er als Knirps in den Nachkriegsjahren seine Mutter und erinnert sich daran, dass sein Vater Karl zum Hamstern nach Westfalen fuhr. Dass das tägliche Brot keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt ihm auch ein kleines Kochbuch mit rund 150 Rezepten von Königsberger Klopsen über Bohneneintopf mit Hering bis zur Mailänder Torte. Das besondere an dem Kochbuch, das Karl Hollmann während der Kriegsgefangenschaft 1945/46 mit Kopierstift fein säuberlich auf Toilettenpapier schrieb, ist die Tatsache, dass es entstand, als man Lebensmittel nicht mal eben in Supermarkt einkaufen konnte. Es sind eben immer die unerfüllten Wünsche, die unsere Phantasie am meisten beflügeln.

Wenn es heute um die Wurst und arme Würstchen geht, dann ist meist vom Geld die Rede, das nicht nur in der Stadtkasse fehlt. Deshalb würde es mich gar nicht wundern, wenn herauskäme, dass unser Stadtkämmerer in seiner Freizeit seine liebsten Euro-Banknoten-Motive zeichnet, natürlich nicht auf Toilettenpapier, sondern auf die Rückseiten ausrangierter Einsparvorschläge.

Dieser Beitrag erschien am 22. Oktober 2012 in der NEUEN RUHR ZEITUNG 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…