Man bekomme ja gar nichts mehr in er Innenstadt, klagt die Dame mit den vollen Einkaufstaschen dem Gemüse- und Obsthändler ihr Leid.
Der gute Mann lächelt und fragt zurück: „Darf es noch ein bisschen mehr sein?“, während er der Dame die Aprikosen, den Salat, die Möhren und die Bananen einpackt, die sie so eben bei ihm gekauft hat. Die Dame nimmt gleich noch zwei Pfund Kartoffeln mit und freut sich, dass ihr der freundliche Händler auch die Tür öffnet. Auf der Straße sieht er sie dann noch beim spontanen Treff mit einer Bekannten.
Die beiden Frauen entschließen sich spontan in das gegenüber gelegene Café einzukehren. Worüber sie sich wohl austauschen? Wahrscheinlich darüber, dass man in der Innenstadt ja eigentlich gar nichts mehr bekommt, abgesehen von den diversen Waren ihrer offensichtlich prall gefüllten Einkaufstaschen oder Kaffee und Kuchen. Aber bitte mi Sahne! Alles ist eben eine Frage der Perspektive.
Dieser Text erschien am 4. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Freitag, 8. Juli 2016
Donnerstag, 7. Juli 2016
So gesehen: Es war einmal eine Fußgängerzone
Ich wohne in einer Fußgängerzone. Angeblich. Denn wenn ich aus dem Haus auf die Schloßstraße trete, habe ich zu bestimmten Tageszeiten schon mal das Gefühl, auf einer Rennstrecke zu sein.
Wenn morgens oder nachmittags der Lieferverkehr für die Geschäfte und Gastronomen kommt, muss man als Fußgänger ebenso auf der Hut sein, wie abends ab 20 Uhr, wenn aufgeweckte Kinder oder jugendliche und nicht erwachsen gewordene Halbstarke die Fußgänger unmissverständlich wissen lassen. Hier wird Fußball gespielt und gerast, was das Zeug hält. Wer zu Fuß oder gar am Stock und mit dem Rollator unterwegs ist, ist für diese Herrschaften, die sich mit Respekt und Rücksicht nicht aufhalten, selbst Schuld, wenn Er oder Sie sich der Gefahr aussetzen, zum Torpfosten oder zur Slalomstange zu werden. Während man Ordnungshüter in den sportiven und automobilen Hochzeiten auf der Schloßstraße, viel zu selten sieht, darf man dankbar sein, dass umso mehr unsichtbare Schutzengel auf der Schloßstraße unterwegs sind. Nur so ist das Wunder zu erklären, dass noch kein Fußgänger auf der Schloßstraße, zu Schaden gekommen ist und auch kein Schaufenster zu Bruch ging. Gott sei Dank. Also passen Sie gut auf sich auf, wenn sie das nächste mal auf die Rennstrecke gehen. Betreten auf eigene Gefahr!
Dieser Text erschien am 5. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Wenn morgens oder nachmittags der Lieferverkehr für die Geschäfte und Gastronomen kommt, muss man als Fußgänger ebenso auf der Hut sein, wie abends ab 20 Uhr, wenn aufgeweckte Kinder oder jugendliche und nicht erwachsen gewordene Halbstarke die Fußgänger unmissverständlich wissen lassen. Hier wird Fußball gespielt und gerast, was das Zeug hält. Wer zu Fuß oder gar am Stock und mit dem Rollator unterwegs ist, ist für diese Herrschaften, die sich mit Respekt und Rücksicht nicht aufhalten, selbst Schuld, wenn Er oder Sie sich der Gefahr aussetzen, zum Torpfosten oder zur Slalomstange zu werden. Während man Ordnungshüter in den sportiven und automobilen Hochzeiten auf der Schloßstraße, viel zu selten sieht, darf man dankbar sein, dass umso mehr unsichtbare Schutzengel auf der Schloßstraße unterwegs sind. Nur so ist das Wunder zu erklären, dass noch kein Fußgänger auf der Schloßstraße, zu Schaden gekommen ist und auch kein Schaufenster zu Bruch ging. Gott sei Dank. Also passen Sie gut auf sich auf, wenn sie das nächste mal auf die Rennstrecke gehen. Betreten auf eigene Gefahr!
Dieser Text erschien am 5. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Mittwoch, 6. Juli 2016
So gsehen: Trauen wir uns mal was zu
Sollen wir unsere Politiker jetzt an der Schippe zeigen oder nicht? Das fragten sich jetzt die Kollegen aus der Redaktion, nachdem Oberbürgermeister Ulrich Scholten, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Verkehrsminister Michael Groschek und RVR-Chefin Karola Geiß-Netthöfel beim Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt des Radschnellweges zur Schippe griffen.
Das stimmt nachdenklich. Traut man Politikern heute nicht mehr zu, dass sie zur Schippe greifen können, obwohl man sich manchmal von ihnen wünscht, dass sie eine Schippe drauf legen würden.
Welches Politik-er-innen-Bild steckt dahinter? Kann man sich unsere Volksvertreter nur noch als digitale und ipad-abhängige Aktenfresser vorstellen? Politik als reine Schreibtisch-Tat ohne frische Luft und menschlichen Kontakt? Na, dann gute Nacht Deutschland.
Vielleicht sollten Politiker ja mal öfter Fotos verbreiten, die sie zum Beispiel mit Schippe beim Umgraben ihres Gartens oder mit Hammer und Nagel an ihrer Wohnungswand zeigen, damit das skeptische Wahlvolk ihnen mal wieder etwas Konkretes zutraut.
Aber vielleicht ist das am Ende doch etwas zu behämmert und es würde schon reichen, wenn sich Wähler und Gewählte wieder öfter ganz analog in der Wirklichkeit begegneten und sich ohne Smartphone und I-Pad darüber austauschten, was sie gemeinsam bewerkstelligen könnten, damit es an der Baustelle Deutschland wieder ein Stück weiter geht, egal, ob mit oder ohne Schippe.
Dieser Text erschien am 15. Juni 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Das stimmt nachdenklich. Traut man Politikern heute nicht mehr zu, dass sie zur Schippe greifen können, obwohl man sich manchmal von ihnen wünscht, dass sie eine Schippe drauf legen würden.
Welches Politik-er-innen-Bild steckt dahinter? Kann man sich unsere Volksvertreter nur noch als digitale und ipad-abhängige Aktenfresser vorstellen? Politik als reine Schreibtisch-Tat ohne frische Luft und menschlichen Kontakt? Na, dann gute Nacht Deutschland.
Vielleicht sollten Politiker ja mal öfter Fotos verbreiten, die sie zum Beispiel mit Schippe beim Umgraben ihres Gartens oder mit Hammer und Nagel an ihrer Wohnungswand zeigen, damit das skeptische Wahlvolk ihnen mal wieder etwas Konkretes zutraut.
Aber vielleicht ist das am Ende doch etwas zu behämmert und es würde schon reichen, wenn sich Wähler und Gewählte wieder öfter ganz analog in der Wirklichkeit begegneten und sich ohne Smartphone und I-Pad darüber austauschten, was sie gemeinsam bewerkstelligen könnten, damit es an der Baustelle Deutschland wieder ein Stück weiter geht, egal, ob mit oder ohne Schippe.
Dieser Text erschien am 15. Juni 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dienstag, 5. Juli 2016
Unterwegs mit Kay Fischer vom städtischen Bauhof: Frische Luft gibt es inklusive
| Kay Fischer mit einm jungen Kollegen im Schilderlager des städtischen Baubetriebshofes am Heifeskamp |
Was dem gelernten Schlosser-Meister an seinem Arbeitstag besonders gut gefällt, ist der ständige Wechsel zwischen Schreibtischarbeit und Außendiensten vor Ort. Kurz nach 8 Uhr beginnt es mit der Einteilung der zwei Bauhof-Kolonnen. Wo müssen welche Straßen- und Gehwegschäden beseitigt werden? Wo sind Straßenschilder aufzustellen, weil die alten das Zeitliche gesegnet oder von Vandalen und Schmierern unbrauchbar gemacht worden sind. „Leider erwischt man die Graffiti-Schmierer so gut, wie nie. Die müssten einfach mal ein Schild selbst reinigen oder ein neues herstellen, um mal zu erleben, wie viel Arbeit, Zeit und Geld da drin stecken“, sagt Fischer. Je nach Beschaffenheit kostet ein Verkehrsschild zwischen acht und 120 Euro. Den Personal- und Zeitaufwand für seine Reparatur oder seinen Austausch beziffert Fischer auf 200 bis 300 Euro.
Der Laie schluckt und staunt angesichts der Schildervielfalt, die der städtische Bauhof am Heifeskamp auf Lager hat. Fischer schätzt den aktuellen Bestand auf 2500 Schilder und zeigt einige Straßennamensschilder, die demnächst an ihrem Standort angebracht werden. Man ließt vertraute Namen, wie Kettwiger Straße, Waldbleeke oder Nachbarsweg. Auch hier steckt der Arbeitsaufwand im Detail. Die Schilder werden mit Hilfe eines Spezialdruckers beschriftet, der die Straßennamen, mit einem kleinen Messer in einem Folie ritzt.
An diesem Tag muss Fischer unter anderem mit dem Rechtsamt telefonieren. Es geht um einen Baum, der am Leinpfad umgestürzt ist. Da der Baum sowohl auf einem privaten, wie auf einem öffentlichen Grundstück liegt, muss jetzt erst mal geklärt werden, wer für die notwendige Räumung zuständig ist und damit auch die dafür anfallenden Kosten übernehmen muss. „Das ist Bürgern, die über das städtische Kommunikationscenter oder die Bürgeragentur bei uns anfragen, warum der Baum noch nicht weggeräumt worden ist, natürlich schwer zu erklären“, weiß der 49-jährige Vize-Chef des Bauhofes.
Bevor eine Ortsbegehung am Mintarder Ruhrdeich auf seinem Programm steht, sichtet Fischer noch die Lagerbestände von Kaltasphalt, Kunststoff-Mörtel, Harz, Lösungs,- und Bindemitteln. Muss etwas nachbestellt werden? Das Auftausalz kann warten. So verrückt ist der Klimawandel zum Glück noch nicht. Am Ruhrdeich stellt sich heraus, dass die dortige Rasenoberfläche an einigen Stellen mit Kunststoffgittern unterfüttert und stabilisiert werden muss. „Leider gibt es immer wieder Fußgänger, die von den Gehwegen keinen Gebrauch machen und den Deich statt dessen über seine Rasenfläche besteigen“, bedauert der Mann vom Bauhof.
Auch am Torbogen in der Altstadt schaut Kay Fischer noch mal vorbei. Sitzen die Pflastersteine wieder fest, die ein Starkregen kürzlich weggeschwemmt hatte. „Wir mussten diesen Bereich jetzt zeitweise sperren, um die Unterspülung des dortigen Erdreiches wieder zu beheben. Aber leider trifft man immer wieder auf Bürger, die für solche offensichtlich notwendigen Sperrungen kein Verständnis aufbringen und einem dann sagen: Ich muss hier aber trotzdem durch“, berichtet Fischer.
Ähnliches haben seine insgesamt 15 Bauhof-Kollegen und er zum Beispiel auch beim Pfingststurm „Ela“ 2014 erlebt, als sie die durch zig umgestürzte Baumriesen blockierte Obere Saarlandstraße für den Verkehr sperren mussten.
Mit Mann und Gerät müssen Fischer und seine Mitarbeiter auch an der Riemelsbeck zu Werke gehen. Dort muss nach dem jüngsten Starkregen ein Straßengraben entschlammt werden.
Bombenentschärfungen mit „Open End“
An „normalen Tagen“, wie diesem, darf sich Kay Fischer gegen 18.30 Uhr in den Feierabend verabschieden und sich daheim um seinen geliebten Garten kümmern. „Zum Glück haben wir heute keine Bombenentschärfung hereinbekommen. Denn dann, das haben wir auch schon oft erlebt, geht es hier mit den sofort erforderlichen Absperr- und Umleitungsmaßnahmen Open End weiter“, sagt Fischer.
Dieser Text erschien am 2. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Montag, 4. Juli 2016
Eine Erfolgsgeschichte Schon nach neun Monaten ist der iranische Flüchtling Mohammed Reza Jami auf dem ersten Arbeitsmarkt angekommen: Jetzt muss er nur noch Asyl bekommen
| Drei zufriedene Menschen, die ihr Ziel erreicht haben: Ralf Muss, Macus Prünte und Mohammed Reza Jami. |
Der 21-jährige Iraner lebt seit gut einem halben Jahr im Saarner Flüchtlingsdorf an der Mintarder Straße.
Jetzt hat der Christ, der seine Heimat aus religiösen Gründen verlassen und ein Modegeschäft in der iranischen Hauptstadt Teheran aufgeben musste, einen Arbeitsvertrag bei Marcus Prünte unterschrieben. „Er ist freundlich und hoch motiviert“, sagt der Inhaber von vier Mülheimer McDonalds-Restaurants über seinen neuen Mitarbeiter. Das merkt er schon daran, dass der junge Mann, der jetzt in Prüntes Schnellrestaurant an der Kölner Straße arbeitet, täglich eine halbe Stunde vor Dienstbeginn an seinem Arbeitsplatz erscheint, um sich mit seinen deutschen Kollegen zu unterhalten und jeden Tag ein oder zwei neue Vokabeln aufzuschnappen. Eine dieser neuen Vokabeln, die sich ihm während eines vierwöchigen Praktikums eingeprägt haben, ist das Wort „dauert.“
An den Stress, der damit verbunden ist, dass es die meisten Gäste im Schnell-Restaurant eilig haben, und es ihnen oft „zu lange dauert“, ehe Burger und Co auf ihrem Tablett landen, musste sich Jami erst gewöhnen. Noch arbeitet Jami nicht im kommunikationsintensiven Kassenbereich, sondern vor allem in der Küche und als Helfer in der Lobby des Schnellrestaurants.
Doch Jami arbeitet hart daran, bald so gut deutsch zu sprechen, dass er in allen Bereichen seines neuen Arbeitsplatzes eingesetzt werden kann. Deshalb besucht er, wie sein Kollege und Landsmann Mohammed Mousavi, mit dem er zusammen bei Prünte eine zunächst auf ein Jahr befristete Stelle gefunden hat, neben seinen Acht-Stunden-Schichten auch noch täglich einen vierstündigen Sprachkurs. Dort hatte ihn sein späterer Arbeitgeber auch kennen gelernt. Denn Prünte ließ sich von der Agentur für Arbeit als Sponsor eines interaktiven Computerlernprogramms gewinnen.
„Ich möchte arbeiten und Geld verdienen. Ich will kein Geld vom deutschen Staat nehmen“, sagt Jami. Solche Sätze sorgen bei seinem Chef „für eine Gänsehaut“, auch wenn Prünte weiß, dass Jami mit einem Stundenlohn von 8,60 Euro pro Stunden noch weit davon entfernt ist, ohne jede staatliche Unterstützung selbstständig leben zu können. „Aller Anfang ist schwer“, sagt Jami und beweist damit, dass er die eine oder andere deutsche Lebensweisheit schon verinnerlicht hat. Jetzt hofft er, dass sein Asylantrag auch bald vom zuständigen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bewilligt wird, damit er seine Zukunft in Deutschland langfristig planen kann.
„Bisher konnten wir nur ein gutes Dutzend von Flüchtlingen, wie Herrn Jami, in einen festen Arbeitsplatz vermitteln.
Aber sein Beispiel zeigt, dass dies möglich ist und für alle Beteiligten ein Gewinn sein kann“, betont Bereichsleiter Ralf Mus von der Agentur für Arbeit. Entscheidend ist für Muss, „dass wir als Agentur die Chance bekommen, eine Begegnung zwischen Arbeitssuchenden und Arbeitgebern zu ermöglichen. Deshalb sollten sich alle interessierten Arbeitgeber ein Herz nehmen und über die kostenlose Rufnummer 08 00 455 55 20 Kontakt zu unserem Arbeitgeberservice aufnehmen.“
Dieser Text erschien am 1. Juli 2016 in NRZ/WAZ
Sonntag, 3. Juli 2016
So gesehen: Stadtrundfahrt a la card
Wenn meine beiden Schwestern und ich früher schon mal eine Imbissstätte (was für ein Wort) aufsuchen durften, um uns mit Pommes Frittes und Würstchen zu laben, war das für uns ein Feiertag. Damals galt das ungeschriebene Gesetz: Gegessen wird entweder direkt im Imbisslokal oder zuhause. Letzteres bedeutete: Man ließ sich seinen Imbiss einpacken und machte, dass man heimwärts kam, um möglichst schnell wieder auspacken und losschlemmen zu können. Beide Varianten waren für uns Kinder ein echtes Abenteuer.
Heute erlebe ich ganz andere kulinarische Abenteuer, wenn ich zu Fuß oder mit Bus und Bahn unterwegs bin. Dann sehe und rieche ich überall Menschen, die im Laufen, Gehen, Fahren und Sitzen essen und trinken, was das Zeug hält.
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich komme aus dem Haus und muss gleich einem Eisesser ausweichen, der seine Eiskugeln kaum in den Griff bekommt. Ich warte an der Haltestelle neben einem jungen Mann, der mal eben seine Mega-Pizza-Pappe öffnet und neben Pizza-Stücken auch noch schnell eine Limonade verinnerlicht.
Und dann geht die Stadtrundfahrt a la Card mit einer jungen Dame weiter, die im Bus mir gegenübersitzt und gut beschallt ein stark gewürztes asiatisches Nudelgericht verdrückt, während ein junger Mann, zwei Sitze weiter, einen mit Fleisch und Salat überfüllten Döner Kebab aus seinem Aluminiumpapier heraus pellt.
„Na, dann; Guten Appetit!“ denke ich und bin froh, als ich später wieder in meinem stillen Kämmerlein bin. Hier genieße ich in aller Ruhe Mineralwasser und Kaffee. Denn nach meiner Stadtrundfahrt a la card ist mir der Appetit auf mehr vorerst vergangen.
Dieser Text erschien am 2. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Heute erlebe ich ganz andere kulinarische Abenteuer, wenn ich zu Fuß oder mit Bus und Bahn unterwegs bin. Dann sehe und rieche ich überall Menschen, die im Laufen, Gehen, Fahren und Sitzen essen und trinken, was das Zeug hält.
Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich komme aus dem Haus und muss gleich einem Eisesser ausweichen, der seine Eiskugeln kaum in den Griff bekommt. Ich warte an der Haltestelle neben einem jungen Mann, der mal eben seine Mega-Pizza-Pappe öffnet und neben Pizza-Stücken auch noch schnell eine Limonade verinnerlicht.
Und dann geht die Stadtrundfahrt a la Card mit einer jungen Dame weiter, die im Bus mir gegenübersitzt und gut beschallt ein stark gewürztes asiatisches Nudelgericht verdrückt, während ein junger Mann, zwei Sitze weiter, einen mit Fleisch und Salat überfüllten Döner Kebab aus seinem Aluminiumpapier heraus pellt.
„Na, dann; Guten Appetit!“ denke ich und bin froh, als ich später wieder in meinem stillen Kämmerlein bin. Hier genieße ich in aller Ruhe Mineralwasser und Kaffee. Denn nach meiner Stadtrundfahrt a la card ist mir der Appetit auf mehr vorerst vergangen.
Dieser Text erschien am 2. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Freitag, 1. Juli 2016
So gesehen: Mein lieber Schimanski
Es gibt Nachrichten, die möchte man nicht glauben, auch wenn man sie schwarz auf
weiß in der Zeitung liest: Zum Beispiel diese: „Schimanski ist tot!“ Tot? Tot!
Auch wenn Götz George als Tatort-Kommissar Schimanski nicht in Mülheim, sondern
in der Nachbarstadt Duisburg ermittelte, wurde er zu einer Ruhrgebiets-Ikone,
obwohl er gar nicht im Ruhrpott lebte. Zugegeben, die Handlung war schon
manchmal haarsträubend und übertrieben. Aber niemand konnte, den Zuschauern so
aus dem Herzen sprechen wie er. Und das für Journalisten verpönte Wort mit
Sch... ging ihm schon vor Jahren ganz locker über die Lippen. Und so ganz
nebenbei gab dieser Schimanski uns eine Lebensweisheit mit auf den Weg: Klartext
hilft manchmal weiter und schützt die seelische Gesundheit. Ganz schön
sch...ade, dass du jetzt schon gegangen bist. Warst du wirklich schon 77?
Angesichts der bewegten Film- und Theater-Bilder, die dich unsterblich gemacht
haben und wie einen guten Bekannten erscheinen lassen, kann man es ebenso wenig
glauben, wie die Nachricht von deinem Tod. Doch es ist wohl so. Danke, adieu und
man sieht sich bestimmt wieder, so oder so!
Dieser Text erschien am 28. Juni 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dieser Text erschien am 28. Juni 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung
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