Sonntag, 7. Oktober 2012

So gesehen: Wie ein leeres Schaufenster zum Hingucker werden kann oder: Ein Denkanstoß am Wegesrand

Not macht erfinderisch. Dehalb haben die Mülheimer Wirtschaftsförderung und die Webegemeinschaft der Innenstadt einen Schaufensterwettbewerb gestartet, um mit kunstvoll gestalteten Schaufenstern die Blicke der Passanten auf sich zu ziehen, die ansonsten in unserer Innenstadt ja viel Tristess zu sehen bekommen.

Doch ausgerechnet bei einem Sonntagsbummel durch die City stieß ich jetzt an der Wallstraße auf ein leeres Schaufenster, dass außer Konkurrenz mit einem plaktiv ausgestellten Aphorismus meiner Ansicht nach den ersten Preis des Schaufensterwettbewerbs verdient hätte.

In kunstvoll geschwungener Schrift stand dort zu lesen:

Logik
Multipliziere deinen Mut
Subtrahiere deine Angst
Teile, was du hast
Addiere das Leben
und resultiere,
was du bist
Liebe.

Sage noch einer, in unserer Innenstadt gäbe es nichts mehr zu sehen und zu erfahren. Die besten Denkanstöße kommen oft unverhofft am Wegesrand vorbei, wo man sie gar nicht vermutet.

Wervoller wurde die Leere eines Ladenschaufensters wohl noch nie gefüllt. Not macht eben erfinderisch und manchmal sogar weise.

Ein Beitrag zu diesem Thema erschien am 25. September 2012 in der NRZ

Samstag, 6. Oktober 2012

Eine sozialpolitisch relevante Schulumfrage zum Tag des Butterbrotes

"Hast uns Stulln jeschnitten un Kaffe jekocht, alles mit deine Hände", hat Kurt Tucholsky 1929 in seinem Loblied über „Mutterns Hände“ gedichtet. Das tägliche Butterbrot, das Mütter und Väter schmierten, ist das Sinnbild für die elterliche Sorge um das leibliche Wohl ihrer lieben Kleinen. Nicht nur am heutigen Tag des Butterbrotes erinnert sich Bäckermeister Peter Hemmerle (50), der von Berufs wegen Brot backt und verkauft, an die liebevoll geschmierten und in Fettpapier eingepackten Butterbrote, die ihm seine Eltern mit auf den Schulweg gaben, der ihn zur katholischen Volksschule an der Eduard-Straße (heute Martin-von Tours-Schule) führte.

Doch wie sieht es heute mit der Wegzehrung für den Schultag aus? Hat das gute alte Butterbrot im Fast-Food-Zeitalter noch die Nase kulinarisch vorn? Hemmerle hat den Eindruck, dass der Brotverzehr eher rückläufig ist und vor allem junge Leute eher zu Brötchen, Stütchen und Croissants greifen.

„Unsere Kinder schätzen das Butterbrot“, weiß Gabriele Ripholz , Rektorin der Barbaraschule in Dümpten. Ihre Grundschüler machen in der 3. Klasse einen „Ernährungsführerschein“. Ergebnis: „Die Kinder bestimmen dann den Einkaufszettel. Die wollen dann, das etwas Gesundes gekauft wird.“ Das hat Folgen für den Brotbelag: Besonders beliebt seien Apfelschnitten. Grundsätzlich sei es bei ihren Kindern noch Standard, dass sie Butterbrote von zu Hause mitbringen. „Es gibt natürlich auch mal eine Ausnahme, aber da reagieren wir dann schnell.“ Die Tatsache, dass an manchen Schulen, etwa über die Schultafel das Frühstück unabhängig von den Eltern organisiert wird, findet Ripholz problematisch: „Ich finde, dass Eltern in der Verantwortung stehen. An sozialen Brennpunkten ist so ein Angebot sicher sehr gut.“

Anders sieht bei der Grundschule an der Zunftmeisterstraße aus. Sie gehört zu den Schulen, die auch von der Diakonie beliefert werden. Jeden Tag wird gemeinsam in der Klasse gefrühstückt. „Das hat den Vorteil, dass wir sicherstellen können, dass wirklich jedes Kind etwas isst“, berichtet Rektorin Ulrike Lueg . Neben den Brötchen von der Diakonie gibt es auch Obst und Gemüse, das je nach Jahreszeit variiert. „Natürlich gibt es auch noch Eltern, die ihren Kindern ein Butterbrot mitgeben, auch mal mit Tomaten garniert. Das ist auch weiterhin erwünscht.“ Aber es gebe eben auch viele Eltern, die damit überfordert seien.

Warum muss die 2001 vom Diakoniewerk gegründete Schülertafel täglich 400 bis 500 Schüler mit einem aus Spenden finanzierten Frühstück versorgen? „Das hat nichts mit finanzieller Armut zu tun. Das ist Ausdruck einer sozialen Versorgungsarmut“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin des Diakoniewerkes, Anke Werner . Doch sie will sich mit der Suche nach Schuldigen nicht lange aufhalten, „weil es unsere Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass Kinder in der Schule nicht hungrig lernen müssen und deshalb abgehängt werden.“

Auch an der Hauptschule Bruchstraße weiß man Brötchen, Gebäck und Obst von der Schultafel zu schätzen. Ihr Konrektor Norbert Schultheis vermutet, dass nur 20 Prozent seiner Schüler von den Eltern ein Butterbrot mit auf den Schulweg bekommen. „Wenn Schülern früher schlecht wurde, hat man gefragt: Hast du was falsches gegessen? Heute fragt man: Hast du was gegessen?“ Aus Gesprächen weiß Schultheis, „dass viele Eltern nur wenig Zeit haben, weil sie arbeiten und ihren Kindern lieber Geld hinlegen, damit sie sich etwas kaufen können.“

An der Bruchstraße hat man, wie an den zehn anderen Mülheimer Schulen, die von der Schultafel beliefert werden, aus der Not eine Tugend gemacht. Ab 7.30 Uhr wird im Schülerclub der Eppinghofer Hauptschule gemeinsam gefrühstückt. „Das Angebot wird von den Schülern gut angenommen“, weiß Schultheis und schätzt, dass die Küchenfee der Schule täglich 50 bis 60 mit Wurst oder Käse belegte Brötchen für je 30 Cent an die hungrigen Mädchen und Jungen bringt.

Ein Besuch in der Cafeteria der Otto-Pankok-Schule zeigt ein ganz anderes Bild. Joline Quendt und Silija Korell aus der 12. Klasse haben zwar noch gute Erinnerungen an die Butterbrote, die ihnen ihre Eltern früher mit in die Schule gaben, investieren ihr Taschengeld heute aber lieber in Käsebrötchen oder ein Teilchen, die sie sich in der Cafeteria der Schule kaufen.

Ganz anders ihre Mitschüler aus der 6b, die es sich dort mit ihren Butterbrotsdosen gemütlich gemacht haben. Bei ihnen gibt noch der Klassiker Butterbrot mit Obst und Gemüsebeilage den Ton an. „Ein Butterbrot schmeckt einfach lecker und sättigt gut“, sind sich Johanna Christensen und Katharina Franz einig. Der Brotbelag der 6b reicht von der Salami bis zum Frischkäse und bei den Beilagen von Apfelstücken bis zur Möhre. Daniel Bauer kennt das Pausenbrot seit der ersten Klasse und schätzt die Kombination aus Weißbrot und Salami oder Käse, während sich sein Klassenkollege Hermann Schäfer bei seiner Oma den kulinarischen Leckerbissen Räucherlachs und Remoulade kennen und schätzen gelernt hat. Den gibt es natürlich nicht jeden Tag aufs Butterbrot. Heute steht Frischkäse auf dem Speiseplan. „Ich mag besonders Sonnenblumenkernbrot mit Käse oder Salami. Das ist lecker und nicht so fettig wie Pizza“, erzählt Ravi Yaman . Er hat sogar zwei Butterbrotsdosen im Schulrucksack, eine für das Butterbrot und eine für das Obst. Sein Klassenkamerad Philipp Sanders hat sich dagegen „seit der dritten Klasse das Butterbrot abgewöhnt, weil es so trocken schmeckt.“ Stattdessen stärkt er sich in seiner Unterrichtspause lieber mit belegten Brötchen, Käsestangen oder Teilchen.

Otto-Pankok-Lehrerin Birthe Hoffmann , die in den Klassen 5, 6 und 7 Deutsch und Biologie unterrichtet, schätzt, dass „über 50 Prozent der Kinder“ mit Butterbrot, Obst und Gemüse zur Schule kommen. In der Klasse 6 bespricht sie denn auch im Biologieunterricht mit den Schülern das Thema Nährstoffe. „Ich glaube, dass die meisten Schüler sehr behütet aufwachsen und die Eltern einen genauen Blick darauf haben, was ihre Kinder in der Schule essen“, sagt der stellvertretende Otto-Pankok-Schulleiter Ulrich Bender .

Dieser Beitrag, den ich zusammen mit meinem Kollegen Sebastian Sasse recherchiert habe, erschien am 28. September 2012 in der NRZ

Freitag, 5. Oktober 2012

So gesehen: Warum das Theater Mülheimer Spätlese jetzt Theater in eigener Sache machte

Das Theater Mülheimer Spätlese hat Theater und machte deshalb Theater in eigener Sache und zwar am vergangenen Samstag im Forum.


Theaterdonner und viel Lärm um Nichts? Mitnichten. Man ahnt es: Es geht um das alte Lied: Wer soll das bezahlen? Denn das Seniorentheater muss befürchten, alt auszusehen, wenn ihm demnächst die Fördermittel der Leonhard-Stinnes-Stiftung wegbrechen. Da droht der letzte Vorhang ohne Happy End. Ehe es so weit kommt und das Spätlese-Publikum in die Röhre statt auf die Bühne guckt, macht das reife Ensemble um Eckhard Friedl das Forum zur Bühne für seine Sache, um die geneigte Mülheimer Laufkundschaft über seine finanzielle Lage und sein kulturelles und soziales Anliegen zu informieren und um Spenden zu werben. Denn ohne Moos ist auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten und unterhalten, nichts los. Man stelle sich vor: Jeder der 168.000 Mülheimer würde den Spätlesern für ihre reife Kulturarbeit nur 50 Cent spendieren, dann hätten wir für mehr als eine ganze Spielzeit was zu lachen, demnächst im Theater Spätlese und wir müssten uns später nicht über kulturelle Verarmung in unserer Stadt beklagen.

Da sollte der Groschen fallen. Es darf auch etwas mehr sein: Denn Zugaben sind nicht nur auf der Theaterbühne gern gesehen.   Dieser Text erschien in seiner Urspringsfassung am 28. September 2012 in der NRZ

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Bühne frei im Forum: Warum das Theater Spätlese im Einkaufszentrum auftrat

Theater im Forum. Edith Brügenhorst, Helgard Schenk, Hannelore Peters und Angela Pott vom Ensemble Spätlese geben alles. „Was machen Sie eigentlich, wenn ihr Fernseher kaputt ist?“ fragen sich die professionellen Hobbyschauspielerinnen in einer Szene aus ihrem Stück „Sprachlos“ und beziehen die Passanten auf der Mall gleich mit ein. Manche reagieren irritiert. Andere sind interessiert.


Zu letzteren gehört die Tanzpädagogin Jenny Große. Sie ist mit ihrer Familie erst vor einem halben Jahr aus Kleve nach Mülheim gezogen und kannte das Theater Spätlese bisher noch nicht. Für sie ist es aber eine Liebe auf den ersten Blick: „Toll, dass es solche Leute gibt, die so authentisch Theater spielen und damit etwas für die Öffentlichkeit leisten. Da kommt so viel Energie rüber. Das bekommt man weder im Fernsehen noch im Kino“, findet Große.

Natürlich nimmt sie eine der 5000 Spendenkarten mit, die 20 Ensemble-Mitglieder an Passanten im Forum verteilen, um damit auf ihre finanzielle Existenzkrise hinzuweisen und um Unterstützung zu werben. Nicht bei jedem haben sie leichtes Spiel. „Das ist schon eine ziemliche Hemmschwelle, mit den Leuten über Sponsoring und Spenden zu sprechen“, gibt Hannelore Peters zu. Aber mit ihren Ensemblekolleginnen Schnek ist sich Peters einig, „dass wir einen Anfang machen müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen und die Öffentlichkeit an unserem Schicksal teilnehmen zu lassen.“ Anneliese Hake glaubt, „dass wir die Aktion noch einmal an einem ersten Samstag im Monat wiederholen müssen, wenn die Leute Geld bekommen haben.“ Auch Theaterleiter Eckhard Friedl ist überrascht, dass das Forum an diesem Samstag „nicht noch mehr frequentiert wird.“ Er möchte mit dem Auftritt im Einkaufszentrum „den Menschen zeigen, was das Theater Spätlese als kulturelle und soziale Institution für diese Stadt leistet.“ Neben den Spendenkarten verteilt er auch ein Flugblatt, das zeigt, dass das Ensemble mit seinem ehrenamtlichen Einsatz und seinen Gastspielen, unter anderem auch in Schulen, 55 Prozent seiner Kosten selbst wieder einspielt.

Bei den beiden Forum-Flaneurinnen, Ursula Wild und Annemarie Schlemmer, läuft er mit seinen Argumenten für den Erhalt des Theaters Spätlese offene Türen ein. Beide kennen das Ensemble und finden: „Das ist doch toll, dass ältere Menschen so etwas zustande bringen. Das Theater bringt Probleme mal heiter, mal ernst zur Sprache und regt seine Zuschauer so zum Nachdenken an. Das ist Kultur, die aus der Bevölkerung herauskommt.“

iWeitere Informationen im Internet unter www.thmhsp.de

Dieser Beitrag erschien am 1. Oktober 2012 in der NRZ

Mittwoch, 3. Oktober 2012

So gesehen: Warum wir das Theater Mülheimer Spätlese brauchen

Brauchen wir ein Seniorentheater? Die Stadt muss doch sparen. Sparen heißt: Prioritäten setzen. Wer weiß, dass fast ein Drittel der Mülheimer über 60 ist, erkennt, dass professionelle Kulturarbeit mit und für Senioren Priorität hat. Das Theater Spätlese ist mehr als ein Seniorentheater. Auch wenn seine Schauspieler ehrenamtlich agieren, brauchen sie professionelle Leitung, um die kulturelle und soziale Wirkung zu entfalten, die sie seit 1990 entfaltet haben. Die Spätleser pflegen nicht nur ein Hobby. Sie erfüllen dank der professionellen Inspiration ihres Theaterleiters eine soziale Funktion. Alte Menschen werden aktiviert. Ihre Schul-Arbeit bringt Generationen miteinander ins Gespräch und durch ihre Stücke setzen sie soziale Fragen in Szene und rücken sie in den Blick der Öffentlichkeit. Das stärkt unser Gemeinwesen und sollte uns etwas wert sein. Ob diese Querschnittsaufgabe aus öffentlichen Haushalten oder privaten Stiftungs- und Sponsorentöpfen finanziert wird, ist zweitrangig. Aber im im Zweifel müssen Prioritäten gesetzt - und für den Erhalt des Theaters Spätlese vielleicht die eine oder andere Straßenausbesserung verschoben werden.

Dieser Kommentar erschien am 30. August 2012 in der NRZ

Dienstag, 2. Oktober 2012

Das Theater Mülheimer Spätlese muss um seine Eyistenz fürchten

„Sprachlos“ heißt das Clownspiel, mit dem das Theater Mülheimer Spätlese am 12. September in seine 23. Spielzeit gestartet ist. Wenn es schlecht läuft, könnte das Seniorentheater, das jährlich eine neue Produktion auf die Bühne bringt, 38 Vorstellungen alter und neuer Stücke gibt und darüber hinaus in Schulen Theaterworkshops mit Jugendlichen durchführt, ab dem Sommer 2013 sprachlos bleiben. Der Grund: Die Leonhard-Stinnes-Stiftung, die das ehrenamtliche Ensemble um den hauptamtlichen Theaterpädagogen Eckhard Friedl in seinen ersten 15 Jahren mit jährlich 70.000 Euro zu 100 Prozent gefördert hat, will im kommenden Sommer aussteigen.


Die Stiftung hatte ihre Theaterfinanzierung in den letzten Jahren bereits auf 20?000 Euro pro Jahr reduziert. Die restlichen 50?000 Euro hat sich das Theater Spätlese seit dem mit seinen Schulaufführungen und Workshops aus der städtischen Kulturförderung verdient. Außerdem konnten die Spätleser mit ihrem öffentlichen Theater- Film- und Diskussionsprojekt „Reichtum des Alters“ 100?000 Euro von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gewinnen und bekam 2009 einen einmaligen Zuschuss der Stadt von 42?500 Euro.

„Es wäre sehr schade, wenn dieses professionell geleitete Theater mit seinen derzeit 35 ehrenamtlichen Schauspielern nicht fortgesetzt werden könnte“, sagt Kulturamtsleiter Frank Baudy, der zugleich auch Vorsitzender des Spätlese-Trägervereins ist. Dieser 50-köpfige Verein erwirtschaftet mit seinen Beiträgen und Eintrittserlösen aber maximal nur 5500 Euro pro Jahr. „Die Stadt wird ihr finanzielles Förderniveau so nicht halten können und man muss der Leonhard-Stinnes-Stiftung dankbar sein, dass sie das Theater Spätlese so lange finanziert hat“, erklärt Baudy die Ausgangslage.

Bereits im März hatten SPD, CDU, FDP, Grüne und MBI die Kulturverwaltung beauftragt, ein Alternativkonzept zu erarbeiten, um den Fortbestand des auch außerhalb Mülheims geschätzten Seniorentheaters zu sichern. Amtsleiter Baudy sagt zum aktuellen Stand dieser Bemühungen im Moment nur so viel: „Wir führen derzeit Gespräche in verschiedene Richtungen.“ Mit konkreten Ergebnissen rechnet er erst im November, wenn der Kulturausschuss über den Etat berät. der am 4. Oktober in den Rat eingebracht wird.

„Das ist ein kulturelles und soziales Leuchtturmprojekt, um das uns viele Städte beneiden“, betont Theaterleiter Eckhard Friedl. „In unserer Theaterarbeit blenden wir das Thema aus. Sonst könnten wir nicht kreativ sein. Aber in den Pausengesprächen wird natürlich gefragt: Wie geht es mit uns weiter? Haben wir noch eine Zukunft?“, schildert er die aktuelle Stimmungslage in seiner Theatertruppe.

Für Sozial- und Kulturdezernent Ulrich Ernst ist und bleibt das Theater Spätlese eine kulturelle Aufgabe, für die er angesichts der Haushaltsauflagen der Bezirksregierung weder im Kultur- noch im Sozialetat zusätzliches Geld sieht. „Da müssen wir einfach nach anderen Lösungen suchen und das tun wir“, unterstreicht Ernst.

Dieser Beitrag ist am 30. August 2012 in der NRZ erschienen.

Montag, 1. Oktober 2012

Heiter bis wolkig und mit farbenfrohen Mülheim-Motiven gut beschirmt: Der Mülheimer Künstler Klaus D. Schiemann macht es möglich

Wo bleibt eigentlich das Positive? Die Frage ist gerade aus Sicht der Zeitungsleser berechtigt. Was Sie derzeit schwarz auf weiß verkraften müssen, kann einem wahrlich die Stimmung verhageln. Nehmen wir die Wirtschaftskrise: Erst gehen uns in der Innenstadt zwei traditionsreiche Eisdielen flöten und jetzt auch noch mit dem Kaufhof das größte Warenhaus. Wer soll da noch auf den Geschmack kommen und die Lust zum Konsumieren bekommen, die wiederum die Konjunktur ankurbeln könnte?


Passend zur Schreckensnachricht des gestrigen Tages weinte auch der Himmel. Da schienen Depression und Trisstess auch klimatisch perfekt. „Keine schönen Aussichten", dachte sich der Schreiber dieser Zeilen, als er durch die verregnete City schlenderte, ehe er seinen vom Künstler Klaus D. Schiemann gestalteten Regenschirm aufspannte, der ihm in hellen freundlichen Farben zeigte, wie schön Mülheim sein kann, ob am Wasserbahnhof an der Ruhr oder an der Camera Obscura in der Müga oder am Schloss Broich. Endlich mal schöne Aussichten – von himmelblau über saftig grün bis rosa rot, zumindest auf seinem Regenschirm.

Der zeigte ihm: Nach Regen kommt auch irgendwann wieder Sonne. Und so entschloss er sich frei nach Erich Kästner „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es" mit einem Buchkauf die Konjunktur anzukurbeln.

In einer Biografie über Kanzler Konrad Adenauer las er dessen Frage „Wo bleibt das Positive?" Na also. Alles schon mal da gewesen. Adenauer hatte selbst Zerstörung, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder erlebt und wusste als Rheinländer: „Es kommt, wie es kommt und es ist noch immer gut gegangen." Warum also nicht von Adenauer lernen. Soweit sind Ruhr und Rhein ja nicht von einander entfernt und auch, wenn viel Wasser die Ruhr hinabfließt, muss noch lange nicht alles den Bach heruntergehen. So lange Not erfinderisch macht und auch der Euro-Rettungsschirm hält, was er verspricht und der farbenfrohe Schiemann-Schirm bereits leistet, nämlich uns nicht im Regen stehen zu lassen.

Dieser Text erschien am verregneten 13.März 2009 in der NRZ

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...