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Froher Feiertag

Einen frohen Feiertag hat man mir gestern gewünscht. Und ich habe diesen Wunsch erwidert. Ein froher Feiertag. Das hört sich gut an. In einer Zeit, in der man von uns erwartet flexibel und rund um die Uhr im Sinne von Arbeit und wirtschaftlicher Produktivität zu funktionieren, gönnen wir uns einen frohen Feiertag. Das könnte schön sein. Doch ich befürchte angesichts der prognostizierten Feiertagsstaus, dass viele Menschen in unserer schnellen und mobilen Leistungsgesellschaft gar nicht mehr fähig sind, sich einen frohen Feiertag mit ganz viel Ruhe und Muße zu gönnen. Ruhe an Fronleichnam? Um Gottes willen. Das hört sich nach ewiger Ruhe auf dem Friedhof an. Dafür sind wir doch viel zu jung und aktiv. Das wäre ja noch schöner, wenn wir am Fronleichnamstag nicht auf der Autobahn im Stau, sondern in einer garantiert staufreien, aber dafür betend und singend daherkommen den Fronleichnamsprozession zu stehen kämen. Wo kämen wir denn da hin? Am Ende noch zur Besinnung. Dabei feiern wir ja mit Fronleichnam „den Leib des Herrn“ und damit die Fleischwerdung Gottes in Christi. Es geht also um die Frohe Botschaft, dass wir als geliebte Kinder Gottes mehr sind als wir leisten und besitzen. Doch ich befürchte, dass das unbeschwerte und ewige Leben im Paradies, das uns die Frohe Botschaft des christlichen Glaubens verheißt, für so manchen Workaholic und erlebnissüchtigen Adrenalin-Junkie unserer Tage zur reinsten Hölle werden könnte. Ich glaube, dass wir nicht erst im Himmel, sondern auch jetzt schon auf Erden erst mal durch ein reinigendes Fegefeuer gehen müssen, ehe wir reinen Herzens froh werden und unbeschwert miteinander feiern können.

Dieser Text erschien am 20. Juni 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung

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