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Städtepartnerschaften: Förderverein hat einen neuen Vorstand und neue Pläne

Hans Dieter Flohr (links), Dr. Gerhard Ribbrock (Mitte) und Peter Wolfmeyer

In diesem Jahr besteht der aktuell 360 Mitglieder zählende Förderverein für die Mülheimer Städtepartnerschaften seit zwei Jahrzehnten. Das größte Geburtstagsgeschenk machen sich die aktuell 360 Mitglieder und ihr seit März amtierender Vorstand unter Leitung von Gerhard Ribbrock, indem sie weitermachen.

Das ist nicht leicht. Denn die Rahmenbedingungen haben sich massiv verändert. Die Stadt hat ihren jährlichen Zuschuss von 7400 Euro gestrichen. Auch auf die Dienste der städtischen Mitarbeiterin Sabine Kuzma, die zuletzt die Geschäftsstelle des Vereins leitete, müssen die Freunde und Förderer der sechs Städtepartnerschaften mit Darlington (England), Tours (Frankreich), Kouvola (Finnland), Oppeln (Polen), Kfar Saba (Israel) und Beykoz (Türkei) verzichten.

Jetzt laufen die organisatorischen Fäden beim ehrenamtlichen Geschäftsführer Hans-Dieter Flohr zusammen. Seine Adresse ist auch die offizielle Geschäftsstelle des Vereins. „Die Städtepartnerschaften mit Darlington, Tours und Oppeln laufen wie von selbst, weil es hier auf beiden Seiten engagierte Bürger gibt, die die vorhandenen Kontakte pflegen. Die Partnerschaft mit Beykoz ist leider bisher eine Einbahnstraße geblieben. Denn wir haben bisher dreimal Beykoz besucht, aber noch keine Gäste aus Beykoz in Mülheim begrüßen können“, beschreibt Flohr den Stand der Städtepartnerschaften.

Auch die Städtepartnerschaft mit Kuusankoski, das seit 2009 in der größeren Stadt Kouvola aufgegangen war, waren zuletzt eingeschlafen. Die letzte Mülheimer Bürgerreise in den hohen Norden fand 2008 statt.

Doch die Freundschaft mit den Finnen soll jetzt aufgefrischt werden. Den Anstoß dazu gab ein Besuch von Erkki Immonen, der in Kouvola die Deutsch-Finnische Gesellschaft leitet. Ergebnis: Vom 10. bis 18. Juni 2016 sollen 25 Mülheimer Bürger nicht nur Kouvola, sondern auch die Hafenstadt Kotka, das Museumsdorf Verla und die finnische Hauptstadt Helsinki kennen lernen. Der Städtepartnerschaftsverein kalkuliert mit Reisekosten von 1300 bis 1500 Euro pro Person.

„Wir wollen kein reines Sightseeing machen, sondern Bürgern mit Bürgern in Kontakt bringen“, beschreibt Gerhard Ribbrock die Zielsetzung. Und Peter Wolfmeyer, der als Leiter des Kompetenzteams Kfar Saba eine Bürgerfahrt nach Israel vorbereitet, betont: „Es geht uns darum, dass nichts verloren geht, was in den letzten Jahren an menschlichen Beziehungen gewachsen ist und das vielleicht auch neues wachsen kann.“

Unter der fachkundigen Führung von Wolfmeyer und Israel-Kenner Gerhard Bennertz können etwa 20 Mülheimer (rund um Ostern) vom 20. bis 28. März 2016 nicht nur Kfar Saba, sondern auch Jerusalem und das Tote Meer kennenlernen. Die Reisekosten kalkuliert Wolfmeyer mit 1100 bis 1300 Euro. Gäste aus Israel erwartet der Städtepartnerschaftsverein schon im Herbst 2015, wenn sieben oder acht israelische Künstler ab dem 17. Oktober in der Galerie d’Hamé (an der Schloß- und Wallstraße) ihre Arbeiten ausstellen werden. Die finanzielle Hilfe eines ungenannt bleiben wollenden Sponsors und die organisatorische Federführung durch den Mülheimer Fotografen Heiner Schmitz und den Künstler Amnon Tishler aus Kfar Saba machen es möglich. Außerdem möchte der Städtepartnerschaftsverein beim kommenden Adventsmarkt in der Altstadt die Mülheimer Partnerstädte vorstellen.


Weitere Informationen zum Förderverein Mülheimer Städtepartnerschaften, seinen Angeboten und Aktivitäten findet man unter: www.staedtepartner-mh.de. Eine Kontaktaufnahme mit dem Verein ist per E-Mail an: vorstand@staedtepartner-mh.de möglich.

Dieser Text erschien am 8. und 9. Juli 2015 in der NRZ und in der WAZ

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