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Sollte man in den Schulferien lernen? Drei Fragen an den Schulpsychologen Günter Waberg


Günter Waberg

Frage: Nicht alle Schüler gehen in diesen Tagen mit einem guten Zeugnis entspannt in die Ferien. Manche stehen vor einer Nachprüfung. Wie können sie sich motivieren?

Antwort: Auch Schüler, die schlechte Noten haben und vielleicht sogar eine Nachprüfung machen müssen, haben nach dem Schuljahr ein Recht auf Ferien. Sie sollten im Gespräch mit den Eltern genau klären, woran es gelegen hat, dass ihr Zeugnis nicht so gut geworden ist, wie man es vielleicht erhofft hat. Die meisten Schüler haben eine durchaus selbstkritische Einschätzung ihrer Leistung und wissen, ob sie sich angestrengt haben oder vielleicht zu lässig waren und deshalb viel nachzuholen haben. Wichtig ist deutlich zu machen, dass man ein Schuljahr gewinnen und in der gewohnten Lerngruppe bleiben kann. Auch ein positiver Trotz: „Denen zeige ich jetzt mal, was in mir steckt“ kann helfen.

Frage: Wie lange sollte man in den Ferien lernen?

Antwort: Auch wer vor einer Nachprüfung steht, sollte sich zunächst mal zwei Wochen Ferien gönnen und abschalten. In den letzten vier Ferienwochen sollte man täglich nicht länger als zwei bis drei Stunden lernen. Wichtig ist eine qualifizierte Begleitung und ein gutes Zeitmanagement. Man sollte auf keinen Fall alles auf den letzten Drücker erledigen.

Frage: Stehen Schüler heute stärker unter Leistungsdruck als früher?

Antwort: Die Schüler fühlen sich heute schon stärker unter Druck, weil sie wissen, dass der Arbeitsmarkt sich verändert hat und selbst ein guter Schulabschluss keinen guten Job garantiert. Entscheidend ist, wie man mit diesem Druck umgeht. Schüler müssen lernen, sich in ihrem Alltag genug Lernzeit, aber auch ausreichend Freizeit zu nehmen, damit sie zufrieden bleiben und nicht heißlaufen. Denn dann werden sie unzufrieden und geraten in eine permanente Stresssituation, die sie unter Umständen sogar krank machen kann.


Dieser Text erschien am 26, Juni 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

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