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Wie sag ich's meinem Wähler? Nicht nur bei der SPD setzt man auch im Bundestagswahlkampf 2013 verstärkt auf Hausbesuche, um auch wahlmüde Bürger zu erreichen

Wie erreiche ich meinen Wähler? Die Frage stellt sich mit Blick auf den Bundestagswahlkampf und die seit Jahren tendenziell sinkende Wahlbeteiligung (siehe Zahl) für die Parteien und ihre Kandidaten mit besonderer Brisanz.


Mehr Hausbesuche und weniger Großveranstaltungen lautet deshalb die Wahlkampfstrategie, die die SPD auf ihrem Bundesparteitag in Hannover beschlossen hat. Auch ihr Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will in „Wohnzimmergesprächen“ bei interessierten Bürgern für seine Politik werben.

Und was sagt seine Mülheimer Parteibasis dazu? „Ich habe das schon vor zwölf Jahren gesagt“, sagt SPD-Parteigeschäftsführer und Bundestagskandidat Arno Klare: „Wir müssen weg von den großen Plätzen und Hallen, in denen nur unsere eigenen Leute sitzen. Wir brauchen Dialog statt Papier, weil Menschen Menschen überzeugen“, betont Klare.

Er schätzt, dass rund 75 Prozent der sozialdemokratischen Hausbesucher in den letzten Wahlkämpfen von den besuchten Wählern freundlich begrüßt wurden. „Die meisten Leute laden nicht gleich eine riesige Kiepe mit Problemen und Vorwürfen aus, sondern freuen sich, dass sich mal jemand aus der Politik bei ihnen blicken lässt“, schildert Klare seine Erfahrungen beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf.

Der 76-jährige Alfred Berendes und der 23-jährige Rodion Bakum, die regelmäßig für ihre Partei von Haus zu Haus gehen, schätzen den Anteil der Hausbesuche, die mit abfälligen Bemerkungen oder zugeschlagenen Türen enden, sogar nur auf zehn bis 15 Prozent. „Der freundliche Ton ist entscheidend. Und viele Leute freuen sich sogar darüber, dass sie Besuch von einer Partei bekommen“, weiß Berendes. Er muss es wissen. Schließlich ist er schon seit 40 Jahren Sozialdemokrat und seit 25 Jahren Haustürwahlkämpfer, zuletzt beim Bürgerentscheid zum Erhalt der Hauptschule an der Bruchstraße.

„Die meisten Menschen wissen es zu schätzen, wenn man sich die Mühe macht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, erzählt sein junger Parteifreund, der vor vier Jahren in die SPD eintrat und seitdem zu den aktivsten Wahlkämpfern gehört. Er engagiert sich auch deshalb gerne und oft, weil seine Familie aus der ehemaligen Sowjetunion nach Mülheim kam und noch Zeiten miterlebt hat, in denen es keine Wahl- und Meinungsfreiheit gab. „Manchmal muss man auch ein dickes Fell haben“, räumt er ein.

Auch wenn die SPD ihren Haustürwahlkämpfern ein Kommunikationstraining und Argumentationskarten an die Hand gibt, informiert sich der stellvertretende Juso-Vorsitzende Bakum vorzugsweise aus der NRZ, aus dem Internet und aus dem Fernsehen über das aktuelle politische Geschehen. „Denn ich möchte in den Gesprächen spontan und authentisch rüberkommen, weil wir nicht als Experten, sondern als Bürger auf Augenhöhe mit den Leuten sprechen“, beschreibt er seine Strategie beim Hausbesuch.

Der selbst Hausbesucherfahrene SPD-Geschäftsführer Klare gibt seinen 40 bis 50 ehrenamtlichen Haustürwahlkämpfern vor allem eine Faustregel mit auf den Weg: „Lächeln, freundlich sein und nicht ungefragt Haustürschwellen überschreiten.“

Auch bei der CDU plant man für den kommenden Bundestagswahlkampf mehrere 100 Hausbesuche und kann dabei auf 40 bis 50 ehrenamtliche Wahlkämpfer zurückgreifen, die meistens, wie bei der SPD, im Tandem auftreten. „Guck mal, Mama! Da ist die Frau vom Wahlplakat“, erinnert sich die Geschäftsführerin und jetzige MdB-Kandidatin Astrid Timmermann-Fechter an einen Hausbesuch. Auch sie hat nach eigenen Angaben „zum größten Teil nur positive Erfahrungen“ beim Hausbesuch oder beim Gespräch am Infostand gemacht. In beiden Gesprächsformen sieht sie vor allem eines verwirklicht, nämlich: „den Anspruch der Bürger ihre Kandidaten auch persönlich kennen zu lernen.“

Während ihr SPD-Kollege Klare einräumt, dass verstärkte Hausbesuche auch „einen finanziellen Nebenaspekt haben“, glaubt Timmermann-Fechter nicht an die Gleichung: Mehr Hausbesuche = weniger Plakate und Faltblätter = weniger Wahlkampfkosten.

Dieser Text erschien am 12. Dezember 2012 in der NEUEN RUHR ZEITUNG

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