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Warum Brigitte Mangen als Mülheims Madame Tours und Tours' Madame Mülheim Städtepartnerschaften, wie die zwischen Ruhr und Loire, auch 50 Jahre nach dem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag für unverzichtbar hält

Als Konrad Adenauer und Charles de Gaulle vor 50 Jahren den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterzeichneten, arbeitete Brigitte Mangen als junge Finanzbeamtin bei der Europäischen Gemeinschaft. Ein Jahrzehnt später begleitete sie als Dolmetscherin zum ersten Mal eine Bürgerfahrt in die französische Partnerstadt Tours. Und seit sie 1995 als ehrenamtliches Vorstandsmitglied im damals gegründeten Städtepartnerschaftsverein die Verantwortung für die deutsch-französische Städtepartnerschaft übernommen hat, wurde sie für die Mülheimer zur „Madame Tours“ und für die Tourainer zur „Madame Mülheim“. Im Gespräch mit der NRZ erklärt sie, warum sie Städtepartnerschaften auch im Zeitalter der Globalisierung und des Euros für notwendig hält.


Heute reisen Menschen wie selbstverständlich mit dem Euro im Gepäck durch Europa. Brauchen wir da noch Städtepartnerschaften?

Es ist etwas ganz anderes, ob ich als Tourist nach Tours reise, um mir dort etwas anzugucken, die Stadt schön finde und wieder nach Hause fahre oder ob ich zum Beispiel in einer Bürgergruppe dort hinfahre, um dort mit Gruppen und einzelnen Bürgern direkt in Kontakt zu kommen.

Aber worin sehen Sie den konkreten Mehrwert einer Städtepartnerschaft wie der mit Tours?

Wir können im Rahmen unserer Städtepartnerschaft Jugendliche, aber auch alte Menschen viel besser dazu bewegen, über Grenzen hinweg Freundschaften zu schließen und andere Lebensweisen kennenzulernen und zu akzeptieren. Denn unsere Fahrten nach Tours haben zwar auch einen touristischen Aspekt, aber im Mittelpunkt steht vom ersten bis zum letzten Tag der Kontakt mit Tourainer Bürgern. Durch diese persönlichen Begegnungen werden die Fäden der Freundschaft enger gezogen und bekommen eine viel größere Verbindlichkeit.

Ist diese Verbindlichkeit der Freundschaft über Grenzen hinweg auch in der Breite der Bürgerschaft angekommen?

Noch nicht. Daran müssen wir noch arbeiten. Aber deshalb ist unsere Arbeit ja auch so wichtig. Ich schätze, dass zurzeit etwa 100 Mülheimer pro Jahr Tours besuchen.

Wie sieht diese Arbeit aus und was kann sie bewirken?

Wir fördern als Verein Begegnungen von Schülern oder Jugendlichen aus Sportvereinen, aber auch zwischen Senioren aus Altentagesstätten, die den Krieg noch erlebt haben. Und dabei stelle ich immer wieder fest, dass erst der verbindliche Rahmen der Städtepartnerschaft den Anreiz schafft, sich verstehen zu wollen, zunächst vielleicht nur mit Händen und Füßen, doch später dann auch, indem man die Sprache des jeweils anderen lernt. Ich weiß, dass durch die Städtepartnerschaft drei deutsch-französische Ehen und viele Freundschaften zwischen Tourainer und Mülheimer Familien entstanden sind.

Haben Städtepartnerschaften auch einen materiellen Mehrwert?

Sie öffnet Türen. Sie betreibt die Politik der kleinen Schritte und bildet so Vertrauen. Das ist auch notwendig, wenn wir ein starkes Europa aufbauen wollen, das auch im globalen Wettbewerb bestehen soll. Wir unterstützen zum Beispiel die Schulpartnerschaften, die unter anderem die Karl-Ziegler-Schule und die Luisenschule mit Tourainer Schulen unterhalten. Wir bauen eine Praktikumsbörse auf und ich erinnere mich auch an eine Fahrt mit der Werbegemeinschaft Heißen, bei der es sehr interessante Gespräche zwischen Geschäftsleuten aus Mülheim und Tours und der dortigen Industrie- und Handelskammer gab. Und es gibt auch darüber hinaus starke Signale aus der Wirtschaft, die an Kontakten mit Tours interessiert ist. Die Schul- und Wirtschaftskontakte könnten noch intensiver werden. Das hängt aber immer an Personen, die sich dafür einsetzen.

Fühlen Sie sich mit einer halben Rathausstelle in ihrem ehrenamtlichen Engagement für die Städtepartnerschaften gut unterstützt?

Es ist sehr bedauerlich, dass wir aus finanziellen Gründen von der Stadt so wenig unterstützt werden. Das war mal anders. Dabei profitiert die Stadt auch von der Arbeit des Städtepartnerschaftsvereins, weil wir inzwischen sehr gute zwischenmenschliche Kontakte zu den Partnerstädten haben. Wenn die Stadt nicht mitzieht, wird es für uns natürlich schwierig. Deshalb wünschen wir uns auch als Zeichen der Anerkennung für das, was der der Städtepartnerschaftsverein für die Stadt leistet eine dauerhafte und feste Anlaufstelle im Rathaus.

Dieser Text erschien am 22. Januar 2013 in der NEUEN RUHR ZEITUNG

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