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Blinder Eifer schadet nur

"Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Das erlebte ich gestern am eigenen Leib. Mit zwei Jacken im Arm und der NRZ in den Händen war ich, Corona- mäßig maskiert im öffentlichen Personennahverkehr unterwegs. Kaum war ich an meiner Ziel-Haltestelle ausgestiegen, klingelte auch schon mein Handy. Reflexartig griff ich sofort nach meinem Mobiltelefon und nahm den Anruf an. Dabei entglitt mir die NRZ und wurde um ein Haar von Winde verweht. Ich musste mein Telefonat kurzfristig unterbrechen und meine Zeitung wieder einfangen. Dabei ereilte mich in meiner hastigen Vorwärtsbewegung ein Windstoß. Der sorgte dafür, dass mir meine Brille von der Nase fiel und mein Corona-Schutzvisier mir vom Kopf flog. Leider flog das eben erst angeschaffte Schutzvisier über einen Zaun auf den Rasen eines Privatgrundstücks. Da ich mir angesichts meiner offensichtlichen Pechsträhne beim Überklettern des Zauns nicht auch noch die Hose aufreißen wollte, versuchte ich es mit gut bürgerlichem Anklingeln. Doch die Grundstückseigentümer waren gerade nicht zu Hause. Wohl oder übel musste ich mein al eben erst angeschafftes Schutzvisier abschreiben. Gott sei Dank konnte ich aber noch meine Corona-Maske wieder einfangen. Ohne ist man heute ja praktisch nackt und vogelfrei für jeden heimtückischen Viren-Angriff.  Mit meiner NRZ und den beiden Jacken in Händen und Armen nahm ich mein Telefonat wieder auf und um ein Haar wäre mir dabei mein Handy entglitten und zu Boden gefallen. Doch ich konnte es gerade noch halten und auffangen. Als ich endlich wieder meine Hände frei hatte, weil ich die beiden Jacken bei ihrer Empfängerin abgehängt hatte, konnte ich erst einmal erleichtert durchatmen und dabei in aller Ruhe zu der Einsicht kommen: „Wer sich zu viel aufbürdet, verliert schnell mehr, als er gewinnt.“ Blinder Eifer schadet nur. 


Dieser Text erschien am 7. Oktober 2020 in der NRZ

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