Dienstag, 30. November 2021

Corona fährt mit

Seit heute, 24. November, ist es amtlich. Mit Bus und Bahn fahren kann man jetzt nur noch, wenn man geimpft, getestet oder genesen ist. Doch wie klappt es mit der Einhaltung und der Kontrolle von 3G. Die Redaktion machte die Probe aufs Exempel und fuhr zwischen 11:30 Uhr und 16:30 Uhr mit Bussen und Bahnen quer durch die Stadt.

Unterwegs war sie mit den Straßenbahnlinien 102, 104 und 112 zwischen Hauptfriedhof Und Nordstraße beziehungsweise Hauptfriedhof und Styrum sowie zwischen Uhlenhorst und Oberdümpten. Außerdem bestiegen wir die Buslinien 131 und 752 zwischen Hauptbahnhof und Selbeck. Abgerundet wurde unsere Ruhrbahn-Tour durch Fahrten mit den Buslinien 124 und 122 zwischen Speldorf, Hauptbahnhof und Dümpten.


Resümee: Nur einmal, um 13:15 Uhr, wurden wir in der Buslinie 752 von zwei freundlichen Ticketkontrolleuren der Ruhrbahn kontrolliert. Die Frau und der Mann von der Ruhrbahn traten höflich und zurückhaltend auf, so dass man ihre regelmäßige Schulung in psychologischer Gesprächsführung spüren konnte. Die Kontrolleurin schlechte zwischendurch noch einen Streit zwischen zwei Schülerinnen, „Seid mal etwas freundlicher Zueinander!“, ehe sie sich von den streitbaren jungen Damen ihre Schülerfahrkarte und ihren Schülerausweis zeigen ließ. Außerdem erkundigte sie sich bei den beiden danach, ob sie auch in der Schule getestet worden seien, was beide bejahten.


Die älteren Fahrgäste jenseits des schulpflichtigen Alters zeigen alle viel Verständnis und ihre Personalausweise, Fahrkarten und 3G-Nachweise vor. 


Nach Auskunft der Ruhrbahn, waren in der Frühschicht zwei Prüferteams im Einsatz, die insgesamt 3000 Fahrgäste kontrollierten und dabei 73 Fahrgäste ohne 3G-Nachweis des Busses oder der Straßenbahn verweisen mussten.

Auch unter den Fahrgästen spielte das Thema Coronatests, Coronaimpfungen und 3G-Regeln nicht nur im öffentlichen Personennahverkehr eine große Rolle. Von Bußgeldern von bis zu 1000 Euro für die Fahgäste, die ohne 3G-Zertifikat mit Bus oder Bahn fahren, war dort zum Teil die Rede. Doch auf Anfrage erklärte Ruhrbahn-Sprecherin Sylvia Neumann. „Wir registrieren die Verstöße gegen die 3G- Regeln im öffentlichen Personennahverkehr und geben die Zahlen an die Stadt weiter. Bei einem Verstoß belassen es aber vorerst bei der Ermahnung und dem Verweis der regelwidrig handelnden Fahrgäste, die ohne 3G-Nachweis den Bus oder die Bahn sofort verlassen müssen.


Pro Schicht setzt die Ruhrbahn fünf Prüferteams ein. Sie bestehen in der Regel aus jeweils aus zwei bis drei Personen.


Aus den Rückmeldungen der am ersten 3G-Tag im ÖPNV eingesetzten Prüferteams konnte Ruhrbahn-Sprecherin Neumann kurz nach 16:00 Uhr im Gespräch mit dieser Zeitung feststellen:“ Alle kontrollierten Fahrgäste haben verständnisvoll reagiert. Es gab keine verbalen oder handgreiflichen Tätlichkeiten, mit denen sich die Kontrolleure hätten auseinandersetzen müssen.“


Außerdem, so Neumann,  hätten die Kontrolleure schon im Vorfeld der sehr kurzfristigen Einführung der 3G-Regel für Fahrgäste im öffentlichen Personennahverkehr gelassen auf die zusätzliche Überprüfungsaufgabe reagiert. In der Praxis zeigte es sich tatsächlich, dass es kein großer zeitlicher Mehraufwand war, neben den Fahrkarten auch Personalausweise und 3G-Zertifikat der Passagiere zu kontrollieren.


Was während der Schülerverkehre am frühen Nachmittag auffiel, war die Tatsache, dass sich einige Schüler an die auch per Lautsprecher immer wiederholten Durchsagen zur Maskenpflicht an Bord nicht oder nur unzureichend daranhielten. Da wurden die Nasen- und  Mundschutzmasken auch schon mal unter der Nase und am Kinn getragen, um ungestört mit dem Sitznachbarn zu lamentieren und zu schwadronieren. Das kann gerade in den überfüllten Bus- und Bahnlinien zu den klassischen Stoßzeiten tatsächlich gefährlich werden und sollte vielleicht noch einmal zum Unterrichtsthema gemacht werden.


Tatsächlich ist es einem als Fahrgast schon nicht ganz wohl zumute, wenn man in Coronazeiten dicht an dicht beieinanderstehen und sitzen muss. Dabei zeigten sich die Fahrgäste geteilt, was Ihre Maskenpräferenz Betraf. Etwa je zur Hälfte trugen sie eine leichte OP Maske oder eine besser schützende, aber auch atemundruchlässige  FFP-2-Maske. Die einzigen, jetzt noch von Amts wegen in Bussen und Bahnen ohne Masken weiterfahren dürfen, sind die Bus und Bahnfahrer, die durch ihre Fahrerkabine oder zumindest durch eine Plexiglasscheibe in besonderer Weise geschützt sind. Tatsächlich kann einem schon mal kurzatmig werden, wenn man über Stunden mit einer FFP-2-Maske in Bus oder Bahn durch die Stadt fährt. Und man ist dankbar für jede Haltestelle, an der man aussteigen und verschnaufen kann. Wie am Vortag, wurden auch am 24. November regelmäßig an den Haltestellen die neuen 3G-Regeln im Öffentlichen Personennahverkehr durchgesagt. 

 

INFO: Die 2017 gegründete Ruhrbahn befördert jährlich 142 Millionen Fahrgäste pro Jahr. Nach Angaben des Verkehrsunternehmens, dessen örtliche Vorläufer bereits seit 1897 in Essen und Mülheim unterwegs sind, ist die Zahl in der aktuellen Corona-Welle im Vergleich zum normalen Vor-Corona-Fahrgast-Aufkommen um etwa zehn Prozent gesunken. Weitere Informationen zum Thema Ruhrbahn und 3G-RRegeln im Öffentlichen Personennahverkehr bietet die Internetseite der Ruhrbahn: www.ruhrbahn.de


NRZ/WAZ, 26.11.2021

Sonntag, 28. November 2021

Verkehrsregeln fürs Leben

Als ich jetzt für diese Zeitung eine Reportage-Reise mit den Mülheimer Bussen und Bahnen machte, um mitzuerleben, wie Damen und Herrn der Ruhrbahn die Fahrgäste nicht nur nach ihren Fahrkarten, sondern auch nach ihren Impfzertifikat fragten, kam mir der Gedanke, dass es schade ist, dass es seit gut 50 Jahren  unserem öffentlichen Personennahverkehr keine Schaffnerinnen und Schaffner mehr verkehren. Jene dienstbaren Mitfahrer, die nicht die Straße, sondern die Fahrgäste im Blick hatten, konnten diese nicht nur vor dem Sündenfall des Schwarzfahrens bewahren, sondern sie auch jenseits des Beförderungstarifs in der Spur halten konnten. Ich glaube: Bei der Ruhrbahn gibt es Leute, die meine Wehmut teilen. Denn in der Warteschleife der Ruhrbahn-Telefonzentrale kann man ein Lied hören, in dem eine „liebe kleine Schaffnerin“ und ihr Fahrgast miteinander turteln. Wer weiß, wie viele Männer und Frauen, als Schaffner(in) oder Fahrgast, im gemeinsamen öffentlichen Nahverkehr auf einen gemeinsamen Lebensweg gekommen sind. Kein Wunder: Denn im zwischenmenschlichen Verkehr der Geschlechter und auf der gesamten Lebensreise kommt es  auf dieselben Tugenden an: Vorsicht, vor den Trittbrett- und Geisterfahrern, nicht aus dem Takt kommen und sein Ziel im Auge behalten, damit am Ende den Anschluss hält und an sein Ziel kommt, statt in eine Sackgasse oder auf einen Holzweg zu landen.


NRZ, 26.11.2021

Samstag, 27. November 2021

Corona stoppt den Karneval

 Das Corona-Virus ist leider stärker als der Bazillus Carnevalensis. Aufgrund der extrem angestiegenen Infektionszahlen haben die Vorstandsmitglieder des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval in einer Krisensitzung am 22. November die für den 24. November geplante Ritterkür des Ex-Prinzen, Ex-HA-Präsidenten und langjährigen Leiters des Rosenmontagszuges, Ulrich Pütz und auch die Verleihung der Spitzen Feder an Dr, Heinrich-Wilhelm Esser (Doc Esser) im Rahmen des am 27. November geplanten Prinzenballs abgesagt.


"Die Enttäuschung ist bei allen Karnevalisten groß und bei den Tollitäten, die wir am 11.11. im Saarner Autohaus Wolf proklamieren konnten, ist sie besonders groß. Aber das Infektionsrisiko ist angesichts der aktuellen Corona-Welle für uns nicht mehr beherrschbar. Deshalb wäre eine Durchführung der beliebten Veranstaltungen in der Stadthalle, auf die wir lange hingearbeitet haben, nicht verantwortbar gewesen", erklärt HA-Präsident und Ex-Prinz Markus Uferkamp im Gespräch mit der Mülheimer Woche.

Finanziell und moralisch schwierig


Obwohl die Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismus-Gesellschaft MST als Stadthallenvermieterin auf rechtlich mögliche Regressansprüche wegen der entgangenen Mieteinnahmen verzichtet hat, sieht sich Mülheims Chefkarnevalist bereits ersten Regressansprüchen ausgesetzt. Da die Karnevalisten aufgrund des Veranstaltungsausfalls auch einen erheblichen Einnahmenausfall haben, können sie die mit Unterhaltungskünstlern vertraglich vereinbarten Gagen für deren Prinzenball-Auftritt nicht bezahlen. "Hier müssen wir sehen, wie wir weiterkommen. Aber ich befürchte, dass wir nicht alle Kosten, die wir unter ganz anderen Bedingungen vertraglich vereinbart hatten, aus den Beinen bekommen. Denn wir haben den Prinzenball aus unserer eigenen Verantwortung heraus und nicht aufgrund einer rechtlich vorliegenden Verordnung abgesagt", erklärt Uferkamp. Die Rechtslage könnte sich aber noch einmal zugunsten der Karnevalisten drehen, wenn das Land kurzfristig einen Lockdown für Ungeimpfte verhängen sollte.

Und wie geht es mit dem Karneval weiter? "Das weiß ich im Moment auch nicht, obwohl wir vorerst alle Veranstaltungen weiter vorbereiten, die ab Januar 2022 stattfinden sollen", betont der HA-Präsident. Feststeht, dass die jetzt ausgefallenen Veranstaltungen Ritterkür und Prinzenball, inklusive Verleihung der Spitzen Feder an Doc Esser im November 2022 über die Bühne gehen sollen. Ob aber die am 9. Januar 2022 im Dümptener Autohaus Extra geplante Proklamation der Kindertollitäten stattfinden kann, ist angesichts der aktuellen Pandemie-Lage mehr als ungewiss. "Wir entscheiden zeitnah und lagebezogen", betont Markus Uferkamp.

Wie gefährlich die aktuelle Infektionssituation ist, hat Uferkamp die Nachricht vor Augen geführt, dass es auch unter den mölmschen Karnevalisten inzwischen Corona-Infizierte gibt, die sich mit zwei Impfungen eigentlich auf der sicheren Seite gesehen hatten.

MW, 23.11.2021

Freitag, 26. November 2021

Heiliges Blech

 In einer Zeit, in der sich alles in unserem Land schnell verändert, gibt es doch eine Konstante. Das Auto ist und bleibt des Deutschen liebstes Kind, auch und gerade, wenn er aus Mülheim kommt. Das sieht man in unserer Stadt. So mancher lässt vielleicht Frau und Kinder im Regen stehen, aber nicht sein geliebtes Auto. Da müssen zur Not auch schon mal ein oder zwei Garagen her. Und wenn die Garagen nicht mehr ausreichen, weil auch Kind und Kegel nicht mehr ohne Auto leben können und ein dritter Wagen angeschafft worden ist, dann wird der motorisierte Vierräderer auf den Bürgersteig geparkt. Es wäre ja auch zu schlimm, wenn dem geliebten Vehikel, dass unvorsichtiger Weise am Fahrbahnrand abgestellt würde, ein Blechschaden zustoßen könnte, weil die Straßen ja heutzutage so voll und die Autos kaum noch durch die beidseitig beparkten und viel zu engen Straßen. Da müssen Fußgänger schon mal solidarisch auf die Fahrbahn ausweichen und ein Opfer bringen, indem sie sich in potenzielle und punktuelle Lebensgefahr bringen. Etwa Solidarität wird man ja wohl noch einfordern können, als steuer- und Spritpreise- zahlender Autofahrer, um den einen oder anderen teuren Kratzer am Heiligen Blech abzuwenden. Wir lamentieren über Mord und Totschlag in aller Welt, über Klimawandel, über Staus und den schlechten Zustand unserer Straßen oder über das teure Zuschussgeschäft leerer Busse und Bahnen. Aber die jährlich zig Verkehrstoten nehmen wir als Naturgesetz der motorisierten Mobilität hin. 

Und wenn wir erst mal einsteigen, den Schlüssel umdrehen und aufs Gaspedal treten, sind wir scheinbar aller Sorgen ledig, wenn wir die freie Fahrt des freien Bürgers genießen und nach dem Prinzip leben: Ich fahre, also bin ich. Nach mir die Sintflut. 


NRZ, 22.11.2021

Freitag, 19. November 2021

Gut erklärt

 Klimawandel. Das Wort ist in aller Munde. Aber was ist das? Und was bedeutet es für unser Leben? Das zu verstehen und überzeugend zu erklären, fällt selbst Politikern und Diplomaten schwer. Der UN-Klima-Gipfel in Glasgow zeigt es. Umso aktueller und bemerkenswerter ist jetzt die gerade erst im Haus Ruhrnatur auf der Schleuseninsel installierte Klimastation.

Mit zwei Globen und einem interaktivem Computer-Monitor können sich Besucher im Haus Ruhrnatur der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft RWW ein Bild vom Klimawandel machen und ausprobieren, wie man den Anstieg der Temperatur begrenzen und damit das Leben auf unserem, im Weltall-Maßstab, kleinen blauen Planeten lebenswert erhalten kann.
 

Ungewöhnliche Perspektive

Zwei, von RWW-Drohnen, aufgenommene Kurzfilme, die uns die vom Starkregen-Hochwasser überschwemmte Schleuseninsel und ihre so beeinträchtigte Flora und Fauna von oben zeigen, machen die aktuellen Folgen des Klimawandels ebenso anschaulich, wie die aufheizbaren Globen. "Wir könnten mit unserer Klimastation nicht aktueller sein", freut sich Christa Schrangmann, die mit ihrer Kollegin Stefanie Krohn die umweltpädagogische Arbeit im 1992 eröffneten Haus Ruhrnatur verantwortet.

Schragmann lässt aber keinen Zweifel daran, dass die Anschaulichkeit, Plausibilität und Attraktion der neuen Klimastation im ersten Obergeschoss des Haus Ruhrnatur nicht nur den Ideen des Ruhrnatur-Teams Schragmann und Krohn, sondern vor allem auch der technischen Umsetzung durch die Nürnberger Fachfirma Hüttinger zu danken ist. Das vor 100 Jahren von Emanuel Hüttinger als Ingenieurbüro gegründete Unternehmen ist heute auf interaktive Ausstellungs- und Präsentationstechnik für Museen und Wissenschaftszentren spezialisiert.

Interaktives Planspiel

Und so kann man mithilfe der interaktiven Klimastation im Haus Ruhrnatur genau sehen und auch fühlen, was es bedeutet, wenn man zum Beispiel weniger oder mehr CO2 in die Atmosphäre pustet oder wenn man mit dem Fleischkonsum auch den von Rindern und Schweinen verursachten Ausstoß des klimaschädlichen Methangases reduziert.

Ironie der Geschichte: Dass das Haus Ruhrnatur der RWW bis auf weiteres nur auf einem Umweg über die Kassenbergbrücke erreichbar ist eine unmittelbare Folge des Klimawandels, der mit seinem Starkregen und Hochwasser die Schleuseninsel verwüstet und damit zu einem Umwelt-Rekonvaleszenten gemacht hat, der jetzt nach einer schweren schockartigen Krankheit erst mithilfe langwieriger Operationen wieder fit gemacht und auf die Beine gestellt werden kann.

Das Haus Ruhrnatur der RWW auf der Schleuseninsel, das in seinem ersten Leben, ab 1922, ein Bootshaus und eine Bootswerkstatt war, ist sonntags bis dienstags von 10 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet und unter: www.haus-ruhrnatur.de im Internet zu finden. Eine Anmeldung für Gruppenführungen ist unter der Rufnummer: 02084433380 möglich.


MW/LK, 17.11.2021

Dienstag, 16. November 2021

Um Ankunft wird gebeten

 Als Inhaber einer Monatskarte bin ich regelmäßiger Fahrgast der Ruhrbahn. Doch am Samstagabend beförderte sie mich nicht von A nach B, sondern machte mir Beine.


Nachdem ich in jüngster Vergangenheit auch schon Mal an der Haltestelle Mendener Brücke vom Fahrer der Buslinie 753 link liegen bzw. stehen gelassen wurde, glänzte die Linie jetzt durch gänzliche Abwesenheit und zwang mich zu vorgerückter und entsprechend dunkler Stunde zu Fuß den Heimweg anzutreten.

Insofern leistete die Ruhrbahn, nach dem sie mit ihrem nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Mal abschreckenden Service meinen Blutdruck in die Höhe schnellen ließ, mit meiner erzwungenen Bewegung an der frischen Luft einen Beitrag zu meiner Gesunderhaltung. Doch für die Zukunft, liebe Ruhrbahner, würde es mich als ihr zahlender Fahrgast noch glücklicher und gesünder machen, wenn Sie ihre in Aussicht gestellte Transportdienstleistung zur jeweils angezeigten Zeit auch tatsächlich ausführen und mir die Entscheidung, wann ich zu Fuß gehen will, selbst überlassen würden.

NRZ, 15.11.2021 

Montag, 15. November 2021

Ein Pastor geht, um zu bleiben

 1993 kam der Norddeutsche Ekkehart Vetter aus Stade als Pastor In die Evangelisch freikirchliche Christusgemeinde. Jetzt wurde er von seiner Gemeinde In den Ruhestand verabschiedet.

"Ich bleibe aber in der Gemeinde und werde künftig ehrenamtlich statt hauptamtlich mitarbeiten. Doch jetzt gönnen meine Frau Sabine, die ebenfalls in der Gemeinde mitarbeitet, und ich uns erst mal  eine Ruhe- und Reise-Pause!", sagt der Pastor a.D. Im Gespräch Mit der Mülheimer Woche.

Generationsübergreifend

Dass die an der Uhlandstraße im Dichterviertel ansässige Gemeinde unter seiner Führung neue Mitglieder hinzugewonnen hat und heute wieder eine generationsübergreifende und internationale Gemeinde vom Kind bis zum Senior ist, führt Vetter nicht nur auf sein eigenes Engagement zurück. "Da steckt immer ein ganzes Team hinter, das sich einbringt. 

Also Pastor hat er immer wieder die Erfahrung gemacht, "dass sich Gemeindemitglieder gerne engagieren, wenn sie erkennen, dass eine Sache Für sie persönlich wichtig wichtig Ist und es sich deshalb für sie lohnt, Zeit und Arbeit zu investieren." Das gelte sowohl für die Gestaltung von Gottesdiensten, wie auch für die geistlichen Connect-Freundeskreise der Gemeinde, als auch für Entwicklungshilfeprojekte, Eltern-Kind-Gruppen und für die Flüchtlingsarbeit der Gemeinde. Letztere reichte von der Sprachschule bis zum Kirchenasyl.

Immer wieder hat die freikirchliche Gemeinde an der Uhlandstraße auch ihre Türen geöffnet und ihrem schönen Gemeindesaal, der ein bisschen an einen Theater- und Kinosaal erinnert zum Beispiel für Konzerte zu öffnen. 

Aufgeschlossen bleiben

Mit Blick auf die Gegenwart und Zukunft der aktuell 250 Mitglieder zählenden und rein spendenfinanzierten Christusgemeinde sagt Vetter: "Wir sind im Kern eine sehr bürgerliche großfamiliäre Gemeinde, die bisher nur einen Ausschnitt der Gesellschaft erreicht. Auch wenn wir auf diesem Weg schon Fortschritte gemacht haben, müssen wir weiter daran arbeiten, dass sich die gesamte gesellschaftliche Spannbreite in unserer Gemeinde widerspiegelt. Das auch schon die Urchristen Vor dieser Gesellschaftlichen Integrationsaufgabe standen, macht Vetter mit einem Wort des Apostel Paulus deutlich: "Ob Männer, Frauen, Griechen oder Juden. Wer ihr auch seid! Ihr seid alle eins in Christus!"

Dass Ekkehart Vetter mit seinem beruflichen Lebensbeispiel als Pastor auch in die eigene Familie hinein gewirkt hat, zeigt die Tatsache, dass drei seiner sechs Kinder inzwischen beruflich in der freikirchlich-evangelischen Gemeinde und Entwicklungshilfearbeit tätig sind. Für den sichtbar in sich ruhenden Gottesmann und Familienmenschen Eckhard Vetter steht außer Frage, dass kirchliche Gemeindearbeit nur dann gesellschaftlich anschlussfähig bleibt, wenn Sie sich immer wieder vorurteilsfrei den sozialen und seelsorgerischen Aufgaben der Gegenwart öffne.

Wie sich die Corona-Pandemie langfristig auf das Gemeindeleben auswirkt, wagt Vetter noch nicht zu beurteilen. "Einige Gemeindemitglieder haben sich zurückgezogen", so Vetter, "und sind nicht mehr so präsent. Auf der anderen Seite haben wir durch unsere bereits früh begonnenen Livestreaming-Gottesdienste auch neue Mitglieder gewonnen, die sich gesagt haben: 'Ich möchte jetzt doch mal das Original kennenlernen!'" 

Mit Vetters Pensionierung übernimmt sein Nachfolger Clemens Pust, der bereits seit 15 Jahren zum Leitungsteam der Gemeinde gehört, seine Nachfolge als Pastor. Gleichzeitig hat die Christusgemeinde mit Ramanan Sivasothy einen hauptamtlichen Mitarbeiter für die Bereiche Jugendarbeit und Musik eingestellt.


MW/LK 15.11.2021

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...