Mittwoch, 26. Februar 2014

Reifes Vergnügen: Eindrücke vom Seniorenkarneval in der Stadthalle, der gut 1000 reife Jecken begeisterte und zeigte, was die Gesellschaften gemeinsam auf die Bühne bringen können

Ein Saal mit gut 1000 begeisterten Jecken, die vom ersten bis zum letzten Programmpunkt mitgehen. Das gibt es nur bei der Seniorensitzung, die gestern zum 44. Mal im Theatersaal der Stadthalle über die Bühne ging. „Das ist wirklich eine tolle Nummer. So was haben wir noch nicht erlebt“, schwärmt Kinderprinz Jason, nach dem die reifen Jecken die Kindertollitäten für ihr „Heidewitzka Herr Kapitän. Mit dem Mülheimer Bötchen fahren wir so gern“ gefeiert haben und Stadtprinz Gilbrecht Geburtstagskind Ingrid Hegemann (85) hat hoch leben lassen.

Auch Bürgermeisterin Renate aus der Beek lässt es sich trotz Erkältung und Heiserkeit nicht nehmen die närrischen Senioren für ihr vorbildliche Karnevalitis zu loben. „Die Stimmung ja jetzt schon toll. Wie soll das bloß weitergehen?“

Weiter geht es unter anderem mit flotten Tanzeinlagen der Knattsch-Gek-Junioren und Houltköpp-Mariechen Kassandra Hrnecek, die sich vor ihrem Auftritt direkt an den Sitzreihen der reifen Jecken vorbei auf die Bühne tanzen. Dass Sitzungspräsident Heino Passmann die 17-jährige Hrnecek als „alten Hasen“ lobt, wirkt angesichts des betagten Publikums jenseits der Rentengrenze schon komisch, bekommt aber Sinn, wenn man von Kassandras Mutter Michaela erfährt, dass ihre Tochter schon mit zwei Jahren als Tanzmariechen auf der Bühne gestanden hat, „weil Tanzen für sie das Größte ist, vor allem wenn sie damit anderen eine Freude machen kann.“

Freude kommt auch auf, als Ingrid Kühne als „Putzfrau“ in die Bütt geht und über ihre Leben mit Mann, Mutter und einem pubertierenden Sohn berichtet und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt. Entsetzt hört sie zum Beispiel von ihrem Sven, „dass Oma und Opa nix an hatten“, als er sie besucht habe. „Sven, lüg mich nicht an. Das kann doch gar nicht sein.“ Doch Sven weiß es besser: „Die hatten wirklich die ganze Zeit nix an, kein Fernsehen, kein Radio, keinen Computer.“

Nix anbrennen ließen dann auch die drei reifen Sänger von Blom und Blömcher, die nicht nur mit „An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit“, bei ihrem Publikum den richtigen Ton trafen und für bewegte Begeisterung auf den Rängen sorgten.


Dieser Text erschien am 18. Februar 2014 in NRZ und WAZ


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