Montag, 6. Januar 2014

Wie könnte Kommunalpolitik nicht nur für Frauen attraktiver werden? Eine Umfrage.

„Frauen heben im Ortsverein nicht unbedingt den Finger und sagen: Ich will für dieses oder jenes Amt kandidieren. Sie wollen angesprochen werden. Und sie sind auch öfter als Männer von Selbstzweifeln geplagt“, glaubt Bürgermeisterin Renate aus der Beek, die seit 1998 für die SPD im Rat der Stadt sitzt. Den Sprung in die Kommunalpolitik wagte sie aber erst, als ihre beiden Kinder größer waren. Deshalb hat sie auch Verständnis dafür, dass viele junge Frauen zwischen Beruf und Familie stundenlange Sitzungen scheuen, die mit der Kommunalpolitik verbunden sind. „Junge Frauen sind bereit, sich in einem Projekt zu engagieren“, sagt aus der Beek, die 2014 nicht noch einmal antritt. Aber sie nennt auch die Schattenseiten der Gremiendemokratie. „Sie wollen nicht auf lange Sicht Stunde um Stunde in einem Ausschuss sitzen, um sich dann irgendwann zu Wort zu melden.“

„Frauen gehen pragmatischer an Probleme heran und wollen nicht so lange drumherum reden. Und in der Kommunalpolitik braucht man schon ein dickes Fell und muss sich erst mal durchboxen, ehe man dann das gute Gefühl erlebt, etwas bewegen zu können“, schildert Meike Ostermann ihre Erfahrungen als Ratsfrau der FDP. Sie kandidiert auch 2014 wieder, kann aber nachvollziehen, dass viele Frauen vor einer Dreifachbelastung als Berufstätige, Mutter und Mandatsträgerin zurückschrecken. Deshalb plädiert sie für kürzere und damit familienfreundlichere Sitzungstermine, kompaktere und damit schneller lesbare Ratsvorlagen und eine stärkere Entlastung der ehrenamtlichen Kommunalpolitikerinnen durch hauptamtliche Zuarbeiter.

Eine überraschende Koalition ergibt sich zwischen der ehemaligen FDP-Ratsfrau und Bundestagsabgeordneten, Ulrike Flach, und der Vorstandssprecherin der Grünen, Franziska Krumwiede. Beide plädieren für eine Frauenquote, die fähigen Frauen die Chance gibt zu zeigen, was sie können und Männer dazu zwingt, ihnen diese Chance zu geben. „Es gibt eine scharfe Konkurrenz in der Politik. Und da werden Frauen von Männerseilschaften oft weggedrückt. Dagegen schafft die Quote einen positiven Druck auf beide Seiten“, sagt Flach. Und Krumwiede weist auf das erfolgreiche Quotenbeispiel ihrer Partei hin, in der die Frauen inzwischen sogar mehr als 50 Prozent der Ratsmitglieder und der Ratskandidaten stellen. „Wenn die politische Kommunikation weniger verletzend und zielorientierter wäre und es bei Sitzungen auch eine Kinderbetreuung gäbe, würden sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik engagieren“, ist Krumwiede überzeugt.

Ob Frauen den Sprung in die Kommunalpolitik wagen, ist für Wir/Linke-Ratsfrau Carmen Matuszewski vor allem eine Frage der Erziehung. Viele Männer seien eher dazu erzogen, sich mit natürlicher Aggressivität durchzusetzen, während vielen Frauen ihre gutbürgerliche Erziehung im Wege stehe, die darauf ziele, angenehm und nett zu sein.

Angesichts der vielen jungen, gut ausgebildeten und politisch interessierten Frauen in ihrer Partei ist es für CDU-Ratsfrau Ramona Baßfeld aber nur noch eine Frage der Zeit, wann auch in der zu einem Drittel weiblichen christdemokratischen Ratsfraktion der 50-prozentige Frauenanteil erreicht sein wird, der in der Partei schon heute „in fast allen Gruppen und Arbeitskreisen“ bestehen würde.

Dieser Text erschien am 3. Dezember 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

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