Donnerstag, 30. Dezember 2021

Familien-Geschichte

 Der Sonntag nach Weihnachten wird als Fest der Heiligen Familie gefeiert. Wir wissen: Auch Jesus von Nazareth erblickte in prekären Familien- und Lebensverhältnissen das Licht der Welt erblickte, um seine Frohe Botschaft von Liebe und Hoffnung zu verkünden. Kurz vor Weihnachten begegnete ich einer Familie, die aus einer alleinerziehenden Mutter und vier Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren besteht. Es war eine Familie, die in materieller Armut lebt, weil die Mutter als Integrationshelferin an einer Mülheimer Grundschule nicht so viel verdient, dass sie den Lebensunterhalt für ihre Kinder und für sich selbst nicht ohne die Unterstützung der öffentlichen Hand bestreiten kann. Die Familie bekam einige der insgesamt 1000 Geschenkpakete, die großzügige und großherzige Menschen aus Mülheim unter den Wunschbau der Caritas und der NRZ gelegt hatten.

Mich beeindruckte, dass ich einer Familie begegnete, die ihre materielle Armut nicht beklagten, sondern sich über die unverhoffte Bescherung freuten. "Wir haben keine Sorgen. Denn wir haben ja eine Familie und Freunde, die uns helfen. Und wir haben etwas zum Anziehen, etwas zu essen und zu trinken und ein Dach über dem Kopf", sagten mir die beiden ältesten Töchter der Familie. Die Mutter zeigte mir mit ihrer Entschlossenheit, daran zu arbeiten, künftig als Grundschullehrerin mehr Geld für ihre Kinder zu verdienen, um ihnen eine gute Lebensperspektive zu verschaffen, dass nicht Männer, sondern Frauen das starke Geschlecht sind. "Kinder sind mir wichtig!" sagte mir die Mutter. Und das fröhliche Erzählen ihrer Kinder zeigte mir, was sie damit meinte. Das Gespräch mit der materiell schwachen, aber seelisch starken und in der christlichen Lighthouse-Gemeinde verankerten Familie, lehrte mich Demut, Bescheidenheit und die Erkenntnis, das Geld für Familien und Kinder kein Almosen sein muss, sondern eine Zukunftsinvestition werden kann, die sich langfristig für uns alle doppelt und dreifach auszahlen kann, die wir uns Gesellschaft nennen.

Mit dem Familiengespräch im Ohr und der Wunschbaumaktion von Caritas und NRZ vor Augen, wurde mir klar, wie wahr ist, was uns ein afrikanisches Sprichwort lehrt: "Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen!"

Sonntag, 26. Dezember 2021

Der Geist der Weihnacht

Manchmal habe ich den Eindruck, je weniger Menschen mit der Frohen Botschaft des Jesus von Nazareth etwas anfangen können, desto eher startet die Weihnachtsdekoration in unseren Ortszentren und die geradezu aggressive Weihnachtswerbung auf allen medialen Kanälen, deren Zahl sich täglich erhöht. Auch das Weihnachtsgebäck landet scheinbar immer früher in den Regalen unserer Supermarktregalen. 

So entdecken auch Menschen, die sich das Jahr über mit starken Ellbogen beim Tanz um das Goldene Kalb einen Platz an der Sonne verschaffen, entdecken in der Adventszeit ihr weiches Herz und ihre Menschlichkeit. Handelt es sich hier um Heuchelei und Scheinheiligkeit oder um den Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach den eigenen guten Kern, der uns Mensch sein und bleiben lässt, weil wir im tiefsten Innern wissen, dass wir nur dann wirklich gut leben können, wenn wir auch unseren Mitmenschen ein gutes und würdiges Leben zugestehen und im Rahmen unserer Möglichkeiten verschaffen. Wenn ich jetzt über Weihnachtsgeschenkaktionen der Luisenschule, der Caritas und der Neuen Ruhrzeitung berichten konnte, die unseren Mitmenschen auf der Schattenseite des Lebens zugute kamen, entdeckte ich das immense menschenfreundliche Potenzial, das in uns schlummert und vielleicht äußerer Anlässe, wie dem des Weihnachtsfestes, bedarf, um erweckt und genutzt werden zu können. 

Sicher. Caritative Aktionen zur Weihnachtszeit können immer nur ein Tropf auf den heißen Stein der Not sein. Und doch sind diese guten Taten doch unbestreitbar das Licht am Ende des Tunnels, in den uns der Kulturpessimismus mit seiner immer wiederkehrenden Angst vor dem Untergang der menschlichen Zivilisation und des christlichen Abendlandes schickt. Sie sind ein Funke der Hoffnung, des Prinzips Hoffnung, das für uns alle lebensnotwendig ist, wenn wir sinnvoll leben und an den unbestreitbaren Widrigkeiten und Widdersprüchen des Lebens nicht verzweifeln und seelisch zerbrechen wollen. 

Gutes Leben durch Sinnerfüllung und Mitmenschlichkeit, nicht nur zur Weihnachtszeit, hat Papst Franziskus in seiner jüngsten Weihnachtsbotschaft treffend auf den Punkt, wenn er im Petersdom auch mit Blick auf die eigene Kirche und Kurie feststellte: 

«Weinen wir nicht der Größe nach, die wir nicht haben. Hören wir auf, zu jammern und lange Gesichter zu machen, und lassen wir ab von der Gier, die uns immer unbefriedigt lässt. Es sei wichtig, den Menschen durch Arbeit Würde zu verleihen, erklärte er. Sie seien Herr und nicht Sklave der Arbeit. An dem Tag, an dem wir das Kommen des Lebens feiern, wollen wir erneut sagen: keine weiteren Todesfälle bei der Arbeit. Setzen wir uns dafür ein. Nur wenn wir dienen und unsere Arbeit als Dienst verstehen, können wir wirklich für alle nützlich sein»

Donnerstag, 23. Dezember 2021

In Memoriam

 Traurige Nachrichten aus der städtischen Musikschule. Ihr stellvertretender Leiter Peter Ansorge muss den Tod seines langjährigen Kollegen und Freundes Bruno Szordikowski mitteilen. Der Musikpädagoge, der weit über 40 Jahren das Fach Gitarre an der 1953 gegründeten Musikschule der Stadt lehrte und vertrat, ist im Alter von 77 Jahren einem Krebsleiden erlegen.

Landesweit machte sich Szordikowski ab 1983 einen Namen als Gründer von Brunos Band, die zur Mutter aller inklusiven Bands wurde, in denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam musizieren und konzertieren. 2002 wurde die inklusive Band mit dem Ruhrförderpreis für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet. Neben der inklusiven Musik trat Szordikowski auch als Interpret irischer Folkmusik in Erscheinung. Wer seinen Namen im Internet sucht, wird ort auch auf musikalische Video-Mitschnitte finden, die den jetzt Verstorbenen in Aktion zeigen und hören lassen.
Szordikowski machte mit der Musik sein Hobby, das er bereits in den 1960er Jahren als Bandmusiker zusammen mit seiner Frau Monika pflegte, auf dem zweiten Bildungsweg zum Beruf. Nach einer Ausbildung zum Schmied arbeitete er zunächst bei Thyssen, ehe er nach dem Besuch der Abendschule bei Gitarren-Professor Leonhard Beck an Folkwangschule studierte und anschließend an der damals von Leonardo Zucca geleiteten Musikschule seine berufliche Heimat fand. "Er war ein musikalischer Menschenfänger, der seine Schüler nicht nur als Nutzer der Musikschule, sondern als Menschen betrachtete, aus denen er mit seiner unverwechselbaren ruhigen Freundlichkeit und Beharrlichkeit das Beste hervor zauberte", erinnert sich Peter Ansorge. Zusammen mit Ansorge hat Szordikowski seit 1987 Fachliteratur rund um die Gitarre veröffentlicht.

NRZ/WAZ, 23.12.2021

Sonntag, 19. Dezember 2021

Eine Gewissensentscheidung

 

Jetzt startete das Kinderimpfen der Fünf- bis Elfjährigen mit einer Corona-Impfaktion im Berufskolleg an der Kluse. Gesundheitsdezernentin Dr. Daniela Grobe, Ordnungsdezernent Frank Steinfort und der leitende Impfarzt Thomas Franke sprachen einhellig von einem gelungenen Auftakt.

 

Sechs Impfärzte waren im Einsatz, unterstützt von Mitarbeitenden der Berufsfeuerwehr, des Wachdienstes Vollmer und Zeitarbeitskräften. Letztere registrierten alle impfwilligen Kinder, die mit ihren Eltern zum Berufskolleg Stadtmitte gekommen waren, um sich mit Biontech-Fizer gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Allein in den ersten beiden Stunden zwischen 14 und 16 Uhr ließen sich 152 Kinder den Anti-Corona-Piks geben. Unter den kleinen Impfkandidaten waren auch einige Impftouristen, deren Eltern sich über das Kinderimpfangebot in ihrer Nachbarstadt Mülheim freuten. Manche Kinder nahmen die Impfung ganz cool. „Ich habe gar nichts gespürt.“ Andere verdrückten unter schmerzlichem Wehklagen die eine oder andere Träne und mussten nach der Impfung im Ruheraum von ihren Müttern getröstet werden, ehe es nach 15 Minuten Wartezeit wieder nach Hause ging.

 

„Die meisten Kinder haben die Impfung ohne Widerstand angenommen. Man hat gemerkt, dass alle Eltern und Kinder auf die Impfung gut vorbereitet waren. Die Kinder bekommen ein Drittel der Impfdosis, die wir Erwachsenen spritzen. Die ständige Impfkommission empfiehlt die Kinderimpfung gegen das Corona Virus im Falle einer Vorerkrankung des Kindes oder einer Vorerkrankungen der Eltern oder Großeltern. Aber wir überlassen die Entscheidung den Eltern und impfen jedes Kind, dass mit ihnen zu uns kommt“, erklärte Kinderärztin Dr. Özlen Bostanci  aus dem Gesundheitsamt während einer kurzen Impfpause.

 

„Die meisten Eltern und Kinder kommen mit etwas nachdenklichen Minen zum Impfen, aber alle kommen erleichtert und lächelnd wieder heraus“, schilderte Frank Steinfort, der den kommunalen Corona-Krisenstab leitet“, seine Beobachtungen. „Und wie war es?“, fragt er immer wieder die frisch-geimpften Kinder und ihre Eltern, die das Impflokal verlassen.

 

Immer wieder bekommen Grobe und Steinfort etwas zu hören, was leitende Beamte der Stadt eher selten hören. Ehrliches Lob und Dankbarkeit spricht aus spontanen Reaktionen: „Das ist hier toll organisiert. Das lief wie am Schnürchen. Das ist für uns ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.“

 

In den Gesprächen mit Eltern wird deutlich, dass sie sich für ihre Kinder vor allem angesichts der neuen und hochansteckenden Omekon-Corona-Virus-Variante mehr Sicherheit versprechen, als ohne Impfung. „Ich bin selbst gegen alles geimpft und habe auch meine Kinder gegen alles impfen lassen. Warum sollte ich sie jetzt nicht auch gegen das Corona-Virus impfen lassen“, sagt eine Mutter. Viele Erwachsene erhoffen sich durch die Impfung neben mehr Sicherheit auch mehr Freiheit, „nachdem unsere Kinder in der Corona-Pandemie schon auf so vieles verzichten mussten.“

 

Natürlich werden in machen Gesprächen mit Eltern und Großeltern, die mit Kindern oder Enkeln zur Impfung an der Kluse kommen Familienschicksale deutlich, wenn diese von ihren eignen, zum Teil schweren und lebensbedrohlichen Erkrankungen berichten, die nicht nur sie, sondern auch ihren Nachwuchs besonders impfbereit haben werden.

Für Gesundheitsdezernentin Dr. Daniela Grobe ist klar: „Wir leisten mit diesem terminfreuen und niederschwelligen Impfangebot für Kinder einen Beitrag zur Hebung der Impfquote und damit zur Entlastung der Kliniken und zur langfristigen Überwindung der Corona-Pandemie.“


NRZ/WAZ, 18.12.2021

Samstag, 18. Dezember 2021

Heimat-Helden

 Zum Auftakt der letzten Ratssitzung des Jahres wurden am Donnerstagnachmittag (16. Dezember) die vom Land gestifteten Heimatpreise für Mülheim vergeben.

Fritz Heckmann (98) nahm den ersten, mit 6000 Euro dotierten Heimatpreis, stellvertretend für den 1991 gegründeten Geschichtsgesprächskreis Styrum entgegen. Der Geschichtsgesprächskreis hat gerade erst seinen dritten Styrum-Kalender und sein sechstes Buch: "Stryum - Ein starkes Stück Stadt" herausgegeben. Organisatorisch unterstützt von den Feldmann-Frontleuten Max Schürmann und Ulrike Nottebohm, trifft sich der Geschichtsgesprächskreis an jedem zweiten und vierten Freitag des Monats, zwischen 10 und 12 Uhr in der unter der Rufnummer 0208408023 erreichbaren Feldmannstiftung an der Augustastraße 108-114. Generationsbedingt sucht der rührige Kreis, zu dem auch die unvergessenen Styrumer Erich Vallendahl, Hans Fischer, August Weilandt und Heinz Auberg gehört haben, personelle Verstärkung, um seine stadtteilgeschichtliche Arbeit fortsetzen zu können.

Den zweiten, mit 5000 Euro dotierten Heimatpreis, konnte Carmo Romero, stellvertretend für die Eppinghofer Bürgergärtner in Empfang nehmen. Mit Unterbrechungen betreibt der Verein Internationaler Eppinghofer Bewohnergarten seit 2010 einen gemeinschaftlich und naturnah gepflegten und bepflanzten Nachbarschaftsgarten zwischen Uhland- und Vereinsstraße. Neben den handfest aktiven Nachbarn, haben unter anderem die Unterstützung des kommunalen Stadtteilbüros Eppinghofen und der Caritas zum Erfolg des Naturschutz, Integration und Zusammenhalt praktizierenden Nachbarschaftsprojektes geführt.

Den dritten, mit 4000 Euro dotierten, Heimatpreis konnte Schriftführerin Beate Fischer, stellvertretend für den Mülheimer Geschichtsverein in Empfang nehmen, der seit seiner Gründung im Jahr 1906 durch Vorträge, Führungen und Publikationen die lokale Heimatforschung unterstützt und vor bald 60 Jahren wesentlich zur Rettung von Schloss Broich beigetragen hat.

In seiner Laudatio hob Bürgermeister Markus Püll hervor, dass der Geschichtsverein in jüngster Zeit verstärkt an der digitalen Erinnerungskultur arbeitet, um die Geschichte Mülheims auch in einer zeitgemäßen multimedialen Form zu überliefern und so auch ein jüngeres, digital geprägtes Publikum anzusprechen.
Allen Preisträgern bescheinigte Püll mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit wichtige Beiträge für Identitätsbildung, Zusammenhalt und Integration der zunehmend multikulturellen Stadtgesellschaft zu leisten. Püll erinnerte daran, dass es nicht nur die Heimat gebe, mit der man vertraut sei, weil man dort geboren und aufgewachsen sei. Es gebe, so der Bürgermeister, auch "eine Wahlheimat", in der man "durch menschliche Beziehungen, Begegnungen und gemeinsame Arbeit für das Gemeinwesen heimisch werden könne, ohne dort seine Wiege stehen zu haben.

Neben Markus Püll, gehört auch Stadtdechant Michael Janßen, Superintendent Gerald Hillebrand und der Geschäftsführer des Centrums für bürgerschaftliches Engagement, Michael Schüring zur Jury, die die Preisträger des zum 3. Mal verliehenen Mülheimer Heimatpreises ausgewählt haben. 

NRZ/WAZ, 18.12.2021

Donnerstag, 16. Dezember 2021

Zeit zu verschenken?

 Das wertvollste, was wir uns und anderen Menschen, nicht nur zur Weihnachtszeit, schenken können, ist unsere Zeit und Zuwendung.


Das erlebt- und erfährt auch Werbetexterin Christine Stehle aus der Stadtmitte, wenn sie dort ihre 92-jährige Mutter in einer Pflegewohngemeinschaft für demenziell veränderte Menschen besucht.

Leider stellt Stehle, die vor Jahren aus Hamburg in ihre Heimatstadt an der Ruhr zurückgekommen ist, um ihre Mutter daheim zu pflegen, ehe diese jetzt, ihrer Krankheit geschuldet, in eine Pflege-WG umziehen musste.

Gemeinsam gegen Einsamkeit


In Gesprächen und bei Besuchen, die Stehle auch in andere Mülheimer Pflegeeinrichtungen führen, stellt sie immer wieder erschrocken und betroffen fest, dass es gerade unter den demenziell veränderten Senioren, die dort leben müssen, viele Menschen gibt, die niemals Besuch bekommen.

"Das sind nicht nur Menschen ohne Familienangehörige", betont Stehle. Diesen menschlichen Missstand in Zeiten des voranschreitenden demografischen Wandels will die tatkräftige und herzliche Frau mithilfe eines ehrenamtlichen Besuchsdienstes beheben. "Auch wenn demenzkranke Menschen vielleicht später wieder vergessen, dass sie besucht worden sind, erleben sie Besuchskontakte, die auch mit Vorsingen, Vorlesen, Basteln und Erzählen verbunden sein können, doch als Glücksmomente. Und darum geht es mir. Zusammen mit Gleichgesinnten möchte ich für diese zu oft vernachlässigten Menschen, auf deren Schultern wir stehen und von deren Lebensleistung wir heute profitieren, Glücksmomente schaffen", sagt Christine Stehle.

Beim einschlägig erfahrenen Peter Behmenburg vom gleichnamigen Pflegedienst und bei dem in der Müga ansässigen und von Reiner Krafft geführten Familienbildungswerk Eltern werden - Eltern sein e.V. hat Stehle kompetente und organisatorische Unterstützung gefunden.

Weil das 1990 gegründete Familienbildungswerk Eltern werden-Eltern sein als gemeinnütziger Verein organisiert ist, kann Stehle auch Spendenquittungen ausstellen, um damit den Zeitschenkerinnen und Zeitschenkern, die sie auf diesem Weg zahlreich anzusprechen und zu gewinnen hofft, zumindest die Fahrtkosten erstatten kann, die den ehrenamtlichen Besucherinnen und Besuchern im Rahmen ihres Ehrenamtes entstehen könnten.

Und weil der Umgang mit demenziell veränderten Menschen gelernt sein will, werden Stehle und Behmenburg die freiwilligen Zeitschenkerinnen und Zeitschenker vor ihrem ersten Einsatz schulen. Christine Stehle legt Wert darauf, dass sich Menschen aus allen Generationen für dieses menschlich bereichernde Ehrenamt melden können und sollen. Außerdem macht sie klar, "dass jeder Zeitschenker und jede Zeitschenkerin ganz flexibel über den zeitlichen Umfang ihres ehrenamtlichen Besuchsdienstes entscheiden können!"

Wer Christine Stehle als Zeitschenkerin oder als Zeitschenker unterstützen kann und will, erreicht sie unter der Rufnummer: 0173-2417266 oder per E-Mail an: stehle@stehle-text.de

MW, 15.12.2021

Mittwoch, 15. Dezember 2021

Prägende Architekten

 Mitte Dezember erscheint im Aschendorff-Verlag ein Buch, in dem die Historikerin Monika von Alemann-Schwartz Leben und Werk der Architekten Hans Großmann und Arthur Pfeifer beleuchtet, die für Mülheim prägende Bauten, unter anderem das Rathaus, die Stadthalle, den Wasserbahnhof, den Altenhof, die Wasserburg der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft und die Wasserkraftwerke Kahlenberg und Raffelberg geschaffen haben.

Mit ihrem vom Geschichtsverein herausgegeben und 287 Seiten starken Buch: „Die Architekten Pfeifer und Großmann – Bauten und Entwürfe 1905-1949“ stellt uns Monika von Alemann-Schwartz, die auch mit Büchern über die Geschichte des Evangelischen Krankenhauses und der Mülheimer Augenklinik hervorgetreten ist, zwei kreative, umtriebige und gesellschaftlich wie politisch gut vernetzte Architekten, vor.

Der 1879 in Zürich geborene Hans Großmann lernte den gleichaltrigen und aus Karlsruhe stammenden Arthur Pfeifer 1905 über seinen Lehrherrn, den Architekten Hermann Billing kennen. Die beiden Architekten gründeten 1905 in Karlsruhe ihr gemeinsames „Atelier für Baukunst, Gartenbau und Kunstgewerbe“. Das Architektenbüro, das ab 1918 eine Mülheimer Niederlassung erhielt, sollte bis zu Großmanns Tod im Jahr 1949 bestehen.

Während Pfeifer in seiner Heimatstadt Karlsruhe blieb, zog sein Kollege Großmann auch privat 1926 nach Mülheim und gehörte dort ab 1941 dem Stadtrat an. Großmann starb 1949. Pfeifer sollte ihn um 13 Jahre überleben. Anders, als sein Kollege, wurde Pfeifer im Rahmen der Entnazifizierung nicht als „unbelastet“, sondern als „Mitläufer“ des NS-Regimes eingestuft,

Sein Enkel Matthias Pfeifer sollte ab 2008 an den Ruhrbania-Planungen beteiligt werden.

Von Alemann-Schwartz zeigt uns auch die Schattenseiten des Erfolgs. Vor allem mit Blick auf den Rathausbau (1911 bis 1916) und angesichts der hochwertigen Materialien, die auch beim Bau der Stadthalle (1923-1925) verwendet wurden, sahen sich die Architekten und ihre Auftraggeber, Oberbürgermeister Paul Lembke und Baudezernent Arthur Brocke, einer massiven öffentlichen Kritik an der Finanzierung der repräsentativen Bauten ausgesetzt. Hinzu kam, dass Pfeifer und Großmann, wohl aufgrund der Lobbyarbeit, ihres Förderers, des Jury-Mitglied Hermann Billing, den Zuschlag erhielt, obwohl ihr Konzept im Rahmen des Architekten-Wettbewerbs nur den dritten Platz belegt hatte.

Dabei konnten Lembke und Brocke darauf hinweisen, dass der Stadthallenbau als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen diente und zum Teil durch Bürger Spenden und mit Hilfe von selbst gedrucktem Mülheimer Notgeld finanziert worden war. Außerdem waren Pfeifer und Großmann, im Luisental und in der Saarnberg Siedlung auch an wegweisenden Wohnungsbauten für die breite Bevölkerung beteiligt.

In den Biografien der Architekten Pfeifer und Großmann, die 1943 die weitgehende Zerstörung ihrer Baukunst erleben mussten, spiegeln sich die tragischen Wechselfälle deutscher Geschichte. Während ihr langjähriger Auftraggeber Arthur Brocke, als Regimegegner 1933 von den Nazis mit einer Rufmordkampagne in den Selbstmord getrieben wurde, traten Pfeifer und Großmann 1933 in die NSDAP ein und gehörten weiter zum Establishment der deutschen Architekten, die unter anderem von Hitler zu Städtebauwettbewerben eingeladen und von Albert Speer an Wiederaufbauplänen beteiligt wurden.

Monika von Alemann-Schwartz’ Buch über die Architekten Arthur Pfeifer und Hans Großmann wird für 24,80  Euro im Buchhandel erhältlich sein.


NRZ/WAZ, 14.12.2021

Mülheim: Wie zwei bedeutende Baumeister das Stadtbild prägen - nrz.de

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...