Manche Dinge sind so offensichtlich, dass man sie schon gar nicht mehr sieht. So geht es mir mit dem Säulenbrunnen von Ernst Rasche auf der Schloßstraße. Der ist zwar als Kunst am Straßenbau zweifellos sehr sehenswert. Doch da ich ihn auf meinen Wegen durch die Innenstadt eigentlich jeden Tag sehe, sehe ich ihn kaum noch. Das nennt man wohl Stadtblindheit.
Doch gestern sah ich genauer hin, weil ich gar nichts mehr sah, zumindest nichts mehr von dem oft unbeachteten, aber doch vertrauten Kunstbauwerk. Denn das war großräumig von Planen abgedeckt. Man sah nichts mehr, sondern hörte nur noch etwas. Das war aber kein liebliches Wassergeplätscher, sondern stattdessen drang geschäftiges Maschinengetriebe an mein Ohr. Bau an der Kunst, statt Kunst am Bau?!
Sollte sich der Verhüllungskünstler Christo etwa nach Mülheim verirrt haben? Doch die Wirklichkeit ist profaner: Rasches sprudelndes Meisterwerk bleibt noch bis zum 3. Mai verhüllt, weil es gereinigt und abgedichtet werden muss, damit uns in der Innenstadt nicht noch wirklich das Wasser bis zum Hals steht und wir buchstäblich baden gehen. Auch wenn in diesem Fall offensichtlich nicht Christo am Werk war, wird die zwischenzeitliche Verhüllung vielleicht doch dazu führen, dass wir den altbekannten Brunnen bald wieder mit neuen Augen sehen. Denn schon der Mülheimer Dichter Hermann Adam von Kamp wusste: "Alle neu macht der Mai."
Dieser Text erschien am 30. April 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dienstag, 30. April 2013
Montag, 29. April 2013
Mensch, Künstler, Zeitgenosse: Der Mülheimer Bildhauer Ernst Rasche
Dass er seit über 40 Jahren in der Altstadt lebt und arbeitet, empfindet der 85-jährige Bildhauer Ernst Rasche als „ein großes Glück.“ In seinem Haus an der Teinerstraße – es ist das Elternhaus seiner verstorbenen Frau Elisabeth – sind die Übergänge zwischen Wohn- und Arbeitsraum fließend. Überall begegnet man kleinen Skulpturen. Schon das Kreuzrelief an der Eingangstür deutet an, aus welchen geistigen Quellen der Künstler Rasche schöpft.
Als er jüngst, 50 Jahre nach der Verleihung des ersten Ruhrpreises den Ehrenring der Stadt bekam, hat Rasche sein Selbstverständnis als Künstler und Mensch selbst so beschrieben: „Der Antrieb und die Gabe, mich schöpferisch auszudrücken, hat mein Leben reich gemacht. Aus der Gabe des schöpferischen Tuns und der damit verbundenen Freude und Begeisterung habe ich auch immer eine Verpflichtung abgeleitet, die Verpflichtung, mich zurück- und meine Mitmenschen in den Dialog hineinzunehmen, sie teilhaben zu lassen an meiner Freude und meiner Dankbarkeit gegenüber meinem Schöpfer.“
Als Treffpunkt und Ort des Dialogs hatte Rasche auch seine Brunnenlandschaft auf der Schloßstraße konzipiert. Ein Teppich aus Pflastersteinen verbindet Brunnen, Kugel und Klettersäulen, macht das Kunstwerk im öffentlichen Raum begeh-, begreif- und benutzbar. „Es ist ein schönes Gefühl, heute an meinen Kunstwerken vorbeigehen zu können und zu wissen, dass sie von der Öffentlichkeit auch angenommen werden“, sagt Rasche.
1973 hat er die tonnenschwere Brunnenlandschaft dem Granit abgerungen. Damals war die City im Aufbruch, wurde die Schloßstraße zu einer der ersten westdeutschen Fußgängerzonen. Heute empfindet der Künstler, der als Sohn eines Steinbildhauers an der Zeppelinstraße aufwuchs, „den Zustand der Innenstadt als betrüblich.“ Rasche glaubt, dass die Hauseigentümer der Innenstadt zu lange zu hohe Mieten verlangt haben und es versäumten, sich rechtzeitig zusammenzusetzen und ein gemeinsames Konzept für die Innenstadt zu entwickeln. Rasche warnt aber auch davor, alles schlecht zu reden. „Das ist eine Durststrecke, die wir überstehen müssen. Wir brauchen visionäre Ideen und Entscheidungen, damit sich die Stadt weiter entwickeln kann“, glaubt der Bildhauer. Ruhrbania nennt er „eine Riesenaufgabe“ und das Petrikirchenhaus in der Altstadt sieht er als Chance „für einen Ort der Begegnung, der Menschen anzieht.“ Auch im Bereich Althofstraße und Hagdorn könnte er sich ein attraktives Wohnquartier mit Grünflächen vorstellen, wenn die beiden auf dem Kirchenhügel ansässigen Gemeinden ihre Grundstücke zusammenlegen und die jetzt noch für Verwaltungsaufgaben genutzten Gebäude umbauen würden. Mehr Wohnraum. Das würde aus seiner Sicht mehr Menschen und mehr Leben auf den Kirchenhügel bringen. Der 1926 geborene Mülheimer, der den Zweiten Weltkrieg schwer verwundet überlebte und später an der Düsseldorfer Kunstakademie unter anderem bei Otto Pankok studiert hat, kennt noch die alte Altstadt. Sie existierte bis zum großen Luftangriff 1943 und war sehr viel dichter mit Fachwerkhäusern bebaut, als das, was heute vom historischen Stadtkern übriggeblieben ist.
Natürlich hat der von einem christlichen Elternhaus geprägte und in der katholischen Jugendarbeit von St. Mariae Geburt groß gewordene Rasche als Bildhauer auch auf dem Kirchenhügel seine Spuren hinterlassen. Sowohl in der Petrikirche als auch in der Marienkirche tragen die Altarräume seine Handschrift. In St. Mariae Geburt schuf er unter der Orgelempore einen Kreuzgang aus Schiefer mit 60 Figuren und an der Kopfwand des Altarraumes ein in Kreuzform angelegtes Himmlisches Jerusalem. In der Petrikirche hat er unter anderem Chorfenster, Beleuchtungskörper und den Ort der Predigt geschaffen. „Im Kirchenraum muss die eigene Kunst erkennbar bleiben, ohne zu laut hervorzutreten“, glaubt Rasche.
Dieser Text erschien am 29. Dezember 2011 in NRZ und WAZ
Als er jüngst, 50 Jahre nach der Verleihung des ersten Ruhrpreises den Ehrenring der Stadt bekam, hat Rasche sein Selbstverständnis als Künstler und Mensch selbst so beschrieben: „Der Antrieb und die Gabe, mich schöpferisch auszudrücken, hat mein Leben reich gemacht. Aus der Gabe des schöpferischen Tuns und der damit verbundenen Freude und Begeisterung habe ich auch immer eine Verpflichtung abgeleitet, die Verpflichtung, mich zurück- und meine Mitmenschen in den Dialog hineinzunehmen, sie teilhaben zu lassen an meiner Freude und meiner Dankbarkeit gegenüber meinem Schöpfer.“
Als Treffpunkt und Ort des Dialogs hatte Rasche auch seine Brunnenlandschaft auf der Schloßstraße konzipiert. Ein Teppich aus Pflastersteinen verbindet Brunnen, Kugel und Klettersäulen, macht das Kunstwerk im öffentlichen Raum begeh-, begreif- und benutzbar. „Es ist ein schönes Gefühl, heute an meinen Kunstwerken vorbeigehen zu können und zu wissen, dass sie von der Öffentlichkeit auch angenommen werden“, sagt Rasche.
1973 hat er die tonnenschwere Brunnenlandschaft dem Granit abgerungen. Damals war die City im Aufbruch, wurde die Schloßstraße zu einer der ersten westdeutschen Fußgängerzonen. Heute empfindet der Künstler, der als Sohn eines Steinbildhauers an der Zeppelinstraße aufwuchs, „den Zustand der Innenstadt als betrüblich.“ Rasche glaubt, dass die Hauseigentümer der Innenstadt zu lange zu hohe Mieten verlangt haben und es versäumten, sich rechtzeitig zusammenzusetzen und ein gemeinsames Konzept für die Innenstadt zu entwickeln. Rasche warnt aber auch davor, alles schlecht zu reden. „Das ist eine Durststrecke, die wir überstehen müssen. Wir brauchen visionäre Ideen und Entscheidungen, damit sich die Stadt weiter entwickeln kann“, glaubt der Bildhauer. Ruhrbania nennt er „eine Riesenaufgabe“ und das Petrikirchenhaus in der Altstadt sieht er als Chance „für einen Ort der Begegnung, der Menschen anzieht.“ Auch im Bereich Althofstraße und Hagdorn könnte er sich ein attraktives Wohnquartier mit Grünflächen vorstellen, wenn die beiden auf dem Kirchenhügel ansässigen Gemeinden ihre Grundstücke zusammenlegen und die jetzt noch für Verwaltungsaufgaben genutzten Gebäude umbauen würden. Mehr Wohnraum. Das würde aus seiner Sicht mehr Menschen und mehr Leben auf den Kirchenhügel bringen. Der 1926 geborene Mülheimer, der den Zweiten Weltkrieg schwer verwundet überlebte und später an der Düsseldorfer Kunstakademie unter anderem bei Otto Pankok studiert hat, kennt noch die alte Altstadt. Sie existierte bis zum großen Luftangriff 1943 und war sehr viel dichter mit Fachwerkhäusern bebaut, als das, was heute vom historischen Stadtkern übriggeblieben ist.
Natürlich hat der von einem christlichen Elternhaus geprägte und in der katholischen Jugendarbeit von St. Mariae Geburt groß gewordene Rasche als Bildhauer auch auf dem Kirchenhügel seine Spuren hinterlassen. Sowohl in der Petrikirche als auch in der Marienkirche tragen die Altarräume seine Handschrift. In St. Mariae Geburt schuf er unter der Orgelempore einen Kreuzgang aus Schiefer mit 60 Figuren und an der Kopfwand des Altarraumes ein in Kreuzform angelegtes Himmlisches Jerusalem. In der Petrikirche hat er unter anderem Chorfenster, Beleuchtungskörper und den Ort der Predigt geschaffen. „Im Kirchenraum muss die eigene Kunst erkennbar bleiben, ohne zu laut hervorzutreten“, glaubt Rasche.
Dieser Text erschien am 29. Dezember 2011 in NRZ und WAZ
Freitag, 26. April 2013
Fluch oder Segen? Was Mülheimer Schulleitern zur aktuellen Kontroverse um das Zentralabitur einfällt: Schlaglichter Eine pädagogische Umfrage
Ist das Zentralabitur Fluch oder Segen? Fördert oder behindert es die pädagogische Profilbildung der Schulen und die individuelle Leistungsentfaltung der Schüler? Diese Fragen drängen sich auf, wenn Schüler vor dem NRW-Schulministerium gegen vermeintlich unlösbare Aufgaben im Mathematik-Abitur demonstrieren. Oder hat Bildungsforscher John Hattie recht, der in einer Studie behauptet, dass die Qualität des Unterrichtes von der Persönlichkeit und Professionalität des Lehrers und nicht von strukturellen Rahmenbedingungen, wie etwa der Klassengröße oder dem Abitur in acht oder neun Schuljahren abhängt.
Kommt man darüber mit Schulleitern der Mülheimer Gymnasien, Sigrun Leistnitz (Gymnasium Heißen), Magnus Tewes (Karl-Ziegler-Schule), Ulrich Stockem (Otto-Pankok-Schule), Ralf Metzing (Gymnasium Broich) und Bernd Trost von der Luisenschule ins Gespräch, so bestätigen alle die zentrale Rolle der Lehrer, sehen im Zentralabitur keine Einschränkung, sondern eine Erleichterung bei der Vorbereitung und Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen. Allerdings räumt die Oberstufenleiterin der Gustav-Heinemann-Schule, Ines Steinke ein, dass die strengen Vorgaben des Zentralabiturs „die Vielfältigkeit des Unterrichtes eingeschränkt hat, weil wir heute weniger Projekte und Ausflüge machen können, als wir das früher gemacht haben, weil wir nun mal schaffen müssen, was wir schaffen müssen.“
Mit Blick auf die Mathematikprüfungen hieß es bei den befragten Schulen, dass die Aufgaben schwieriger und zum Teil missverständlicher als in den Vorjahren formuliert und deshalb auch schwieriger auszuwählen, aber lösbar gewesen seien. Von Leistungsausfällen oder gar weinenden Schülern, so hört man, könne nicht die Rede sein.
Einige Meinungsschlaglichter aus der Umfrage:
Magnus Tewes:
„Wir haben nicht die schwierigen Aufgaben zur Matrizenspiegelung ausgewählt. So konnten unsere Abiturienten ihre Aufgaben entspannt angehen. Die Lehrpläne sind nach der Einführung auch nicht enger geführt als früher. Wir können uns auch heute als Schule durch das Angebot zusätzlicher Kurse profilieren. Natürlich steht die Professionalität der Lehrer über allem, kann aber durch gute Rahmenbedingungen unterstützt werden.“
Sigrun Leistnitz:
„Schulen profilieren sich nicht mit ihrem Abiturprüfungen, sondern mit den Fächern und Kooperationen, die sie anbieten können. Die Einführung des Zentralabiturs und die damit verbundene Rücknahme der Oberstufenreform war nötig, damit die Schüler nicht unvorbereitet ins Studium gehen. Hattie hat recht. Von der Lehrerpersönlichkeit hängt alles ab. Ein schlechter Lehrer wird auch in einer kleineren Klasse keinen großen Lernerfolg erzielen. Aber in überschaubaren Schulen kennen sich Lehrer und Schüler besser und können sich deshalb auch besser austauschen oder auf Fehler eingehen. In Klassen mit mehr als 30 Schülern wird individuelle Förderung schwierig.“
Ralf Metzing:
„Die Schulzeitverkürzung auf G8 hat den Zeitdruck erhöht und dafür gesorgt, dass manche Dinge rausfallen und wir eine weniger große Bandbreite haben. Wir profilieren uns zum Beispiel mit einem sehr gefragten Philosophiekurs, der auch als viertes mündliche Abiturfach gefragt war und bei dem wir auch bei der Aufgabenstellung von den Vorgaben des Zentralabiturs befreit waren.“
Bernd Trost:
„Ich begrüße das Zentralabitur, weil es die Abschlüsse vergleichbar macht und auch eine Rückmldung gibt, wo man steht. Dennoch können Schüler aus einem breiten Fächerkanon auswählen, in dem wir uns zum Beispiel mit einem Sport-Leistungskurs oder modernen Fremdsprachen, wie Französisch und Spanisch profilieren. Die Matheaufgaben waren in den letzten Jahren schülerfreundlicher. Ich glaube aber nicht, dass sie extra schwer gemacht worden sind, um Schüler zu selektieren. Und was Hattie sagt, das ist die Wahrheit. Die Lernmotivation durch den Lehrer bringt auch Lernerfolg. Halbierte Klassen bedeuten keinen doppelten Erfolg. Aber die Bedeutung, die das bauliche und zwischenmenschliche Umfeld einer Schule für den Lernerfolg hat, sollte man auch nicht unterstützen.
Ulrich Stockem:
„Das Zentralabitur sorgt für mehr Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit und hat die schulinterne Kooperation verstärkt. Die Klausuren sind vielleicht etwas durchformatierter als früher und wir müssen heute mit den Schülern bestimmte Lösungsschemata trainieren, damit sie in der Prüfung keine Punkte liegen lassen. Als Schule profilieren wir uns, in dem wir Schüler nicht nur fit für die Arbeit machen, sondern auch ihr Allgemeinwissen und ihre ethische Urteilsfähigkeit fördern. Ich habe aber keine Strukturveränderung erlebt, die Schüler grundsätzlich besser gemacht hätte. Und wenn die Lehrerpersönlichkeit nichts taugt, helfen auch methodische Handstände nicht weiter.“
Ines Steinke:
„Nur motivierte und begeisterte Lehrer können Schüler motivieren und begeistern. Aber in einer kleineren Klasse können sie dies sicher noch viel intensiver tun und bei den Schülern besser ankommen als in großen Lerngruppen.“
Stichwort Zentralabitur
2007 einigte sich die Kultusministerkonferenz auf ein deutschlandweites Zentralabitur. Das bedeutet für die Schüler in Nordrhein-Westfalen, dass die Aufgaben, die sie in ihren drei schriftlichen Abiturfächern lösen müssen vom Schulministerium vorgegeben werden. Je nach Fach können Lehrer oder Schüler aber unter verschiedenen Aufgabenstellungen wählen. So müssen Lehrer zum Beispiel im Mathematik-Leistungskurs drei von acht und im Mathematik-Grundkurs mindestens zwei von sieben Aufagbenstellungen des Schulministeriums für die die Abiturprüfung auswählen. Grundsätzlich gilt: Unter den vier Abiturfächer müssen Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache vertreten sein. Während die Aufgaben für die drei schriftlichen Abiturprüfungen zentral vorgegeben werden, werden die Aufgaben für die mündliche Prüfung dezentral, also individuell von jeder Schule gestellt.
Ein Beitrag zu diesem Thema erschien am 25. April 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Kommt man darüber mit Schulleitern der Mülheimer Gymnasien, Sigrun Leistnitz (Gymnasium Heißen), Magnus Tewes (Karl-Ziegler-Schule), Ulrich Stockem (Otto-Pankok-Schule), Ralf Metzing (Gymnasium Broich) und Bernd Trost von der Luisenschule ins Gespräch, so bestätigen alle die zentrale Rolle der Lehrer, sehen im Zentralabitur keine Einschränkung, sondern eine Erleichterung bei der Vorbereitung und Vergleichbarkeit der Abiturprüfungen. Allerdings räumt die Oberstufenleiterin der Gustav-Heinemann-Schule, Ines Steinke ein, dass die strengen Vorgaben des Zentralabiturs „die Vielfältigkeit des Unterrichtes eingeschränkt hat, weil wir heute weniger Projekte und Ausflüge machen können, als wir das früher gemacht haben, weil wir nun mal schaffen müssen, was wir schaffen müssen.“
Mit Blick auf die Mathematikprüfungen hieß es bei den befragten Schulen, dass die Aufgaben schwieriger und zum Teil missverständlicher als in den Vorjahren formuliert und deshalb auch schwieriger auszuwählen, aber lösbar gewesen seien. Von Leistungsausfällen oder gar weinenden Schülern, so hört man, könne nicht die Rede sein.
Einige Meinungsschlaglichter aus der Umfrage:
Magnus Tewes:
„Wir haben nicht die schwierigen Aufgaben zur Matrizenspiegelung ausgewählt. So konnten unsere Abiturienten ihre Aufgaben entspannt angehen. Die Lehrpläne sind nach der Einführung auch nicht enger geführt als früher. Wir können uns auch heute als Schule durch das Angebot zusätzlicher Kurse profilieren. Natürlich steht die Professionalität der Lehrer über allem, kann aber durch gute Rahmenbedingungen unterstützt werden.“
Sigrun Leistnitz:
„Schulen profilieren sich nicht mit ihrem Abiturprüfungen, sondern mit den Fächern und Kooperationen, die sie anbieten können. Die Einführung des Zentralabiturs und die damit verbundene Rücknahme der Oberstufenreform war nötig, damit die Schüler nicht unvorbereitet ins Studium gehen. Hattie hat recht. Von der Lehrerpersönlichkeit hängt alles ab. Ein schlechter Lehrer wird auch in einer kleineren Klasse keinen großen Lernerfolg erzielen. Aber in überschaubaren Schulen kennen sich Lehrer und Schüler besser und können sich deshalb auch besser austauschen oder auf Fehler eingehen. In Klassen mit mehr als 30 Schülern wird individuelle Förderung schwierig.“
Ralf Metzing:
„Die Schulzeitverkürzung auf G8 hat den Zeitdruck erhöht und dafür gesorgt, dass manche Dinge rausfallen und wir eine weniger große Bandbreite haben. Wir profilieren uns zum Beispiel mit einem sehr gefragten Philosophiekurs, der auch als viertes mündliche Abiturfach gefragt war und bei dem wir auch bei der Aufgabenstellung von den Vorgaben des Zentralabiturs befreit waren.“
Bernd Trost:
„Ich begrüße das Zentralabitur, weil es die Abschlüsse vergleichbar macht und auch eine Rückmldung gibt, wo man steht. Dennoch können Schüler aus einem breiten Fächerkanon auswählen, in dem wir uns zum Beispiel mit einem Sport-Leistungskurs oder modernen Fremdsprachen, wie Französisch und Spanisch profilieren. Die Matheaufgaben waren in den letzten Jahren schülerfreundlicher. Ich glaube aber nicht, dass sie extra schwer gemacht worden sind, um Schüler zu selektieren. Und was Hattie sagt, das ist die Wahrheit. Die Lernmotivation durch den Lehrer bringt auch Lernerfolg. Halbierte Klassen bedeuten keinen doppelten Erfolg. Aber die Bedeutung, die das bauliche und zwischenmenschliche Umfeld einer Schule für den Lernerfolg hat, sollte man auch nicht unterstützen.
Ulrich Stockem:
„Das Zentralabitur sorgt für mehr Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit und hat die schulinterne Kooperation verstärkt. Die Klausuren sind vielleicht etwas durchformatierter als früher und wir müssen heute mit den Schülern bestimmte Lösungsschemata trainieren, damit sie in der Prüfung keine Punkte liegen lassen. Als Schule profilieren wir uns, in dem wir Schüler nicht nur fit für die Arbeit machen, sondern auch ihr Allgemeinwissen und ihre ethische Urteilsfähigkeit fördern. Ich habe aber keine Strukturveränderung erlebt, die Schüler grundsätzlich besser gemacht hätte. Und wenn die Lehrerpersönlichkeit nichts taugt, helfen auch methodische Handstände nicht weiter.“
Ines Steinke:
„Nur motivierte und begeisterte Lehrer können Schüler motivieren und begeistern. Aber in einer kleineren Klasse können sie dies sicher noch viel intensiver tun und bei den Schülern besser ankommen als in großen Lerngruppen.“
Stichwort Zentralabitur
2007 einigte sich die Kultusministerkonferenz auf ein deutschlandweites Zentralabitur. Das bedeutet für die Schüler in Nordrhein-Westfalen, dass die Aufgaben, die sie in ihren drei schriftlichen Abiturfächern lösen müssen vom Schulministerium vorgegeben werden. Je nach Fach können Lehrer oder Schüler aber unter verschiedenen Aufgabenstellungen wählen. So müssen Lehrer zum Beispiel im Mathematik-Leistungskurs drei von acht und im Mathematik-Grundkurs mindestens zwei von sieben Aufagbenstellungen des Schulministeriums für die die Abiturprüfung auswählen. Grundsätzlich gilt: Unter den vier Abiturfächer müssen Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache vertreten sein. Während die Aufgaben für die drei schriftlichen Abiturprüfungen zentral vorgegeben werden, werden die Aufgaben für die mündliche Prüfung dezentral, also individuell von jeder Schule gestellt.
Ein Beitrag zu diesem Thema erschien am 25. April 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dienstag, 23. April 2013
Mülheimer Stiftungen vorgestellt: Zum Beispiel die Heinrich-Thöne-Stiftung
„Das schönste Denkmal, dass sich ein Mensch setzen kann, ist das in den Herzen seiner Mitmenschen“, hat Albert Schweitzer einmal gesagt. Heinrich Thöne war so ein Mensch. Der volksnahe Oberbürgermeister der Jahre 1948 bis 1969 wurde für die Mülheimer seiner Zeit zur populären Galionsfigur des sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. „Heinrich Thöne hatte ein großes Herz, in dem die Belange der Alten und der Jungen gleichermaßen ihren Platz fanden“, erinnert sich Alt-Bürgermeister Günter Weber.
In Erinnerung an seine Lebensleistung, haben die Mülheimer nicht nur ihre Volkshochschule und ein Schiff der Weißen Flotte, sondern auch eine Stiftung nach Thöne benannt. Wenige Monate nach seinem Tod beschloss der Rat der Stadt am 5. November 1971 auf Vorschlag der Arbeiterwohlfahrt die Errichtung der Heinrich-Thöne-Stiftung. Als ihr Stiftungszweck wurden damals Zuwendungen für: „Zusätzliche Hilfen für bedürftige alte Personen in Mülheim an der Ruhr mit Hilfe der Verbände der freien Wohlfahrtspflege und entsprechender Organisationen“ festgelegt. Die Sparkasse stellte das Stammkapital der Stiftung (20.000 Mark/10.000 Euro) bereit, das bis 1980 regelmäßig aus Mitteln des städtischen Haushaltes aufgestockt wurde. Lang ist es her. Zuletzt konnte sich die von der Stadtverwaltung geführte Stiftung 2010 über eine Zustiftung von 10.000 Euro freuen. Das Geld kam aber nicht aus dem kommunalen Haushalt, sondern aus dem Vermächtnis einer ehemaligen Rathaus-Mitarbeiterin. So konnte das Stiftungsvermögen auf 820.000 Euro gesteigert werden.
Die jährlichen Ausschüttungen der Stiftung, die 2009 bei 31?000 Euro, 2010 bei 24340 Euro und 2011 bei 18.140 Euro lagen, kommen jeweils zu gleichen Teilen den Mülheimer Sozialverbänden (Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, Caritas und Paritätischer Wohlfahrtsverband) zugute. Über die Verwendung der Stiftungsmittel wacht ein 20-köpfiges Kuratorium unter dem Vorsitz der Oberbürgermeisterin. Die vom Rat für fünf Jahre gewählten Kuratoriumsmitglieder kommen aus dem Rat, der Verwaltung und den Sozialverbänden sowie aus anderen gesellschaftlich relevanten Organisationen, wie den Gewerkschaften, den Kirchen und den Arbeitgeberverbänden.
Auch wenn der Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, Helmut Storm, und Frank Seemann von der zum Paritätischen Wohlfahrtsverband gehörenden Mülheimer Familien- und Krankenpflege bedauern, dass die Ausschüttungen aufgrund der Zinsentwicklung in den letzten Jahren zurückgegangen sind, möchten sie die Geldspritzen der Heinrich-Thöne-Stiftung auf keinen Fall missen. Denn mal können aus Stiftungszuschüssen Einrichtungsgegenstände für Seniorentagesstätten angeschafft, mal Freizeit- und Bildungsangebote für alte Menschen organisiert und mal Anerkennungshonorare für Ehrenamtliche und Freiwillige bezahlt werden. Solche kleinen Personalinvestitionen zahlen sich zum Beispiel im Rahmen des Mobilen Sozialen Hilfsdienstes aus. Hier finden Senioren für kleines Geld oder sogar kostenlos Menschen mit Zeit für Zuwendung, die sie im Alltag begleiten und unterstützen. Diese Menschen sorgen dafür, dass alte Menschen nicht alleine zu Behörden- und Ärzten oder spazieren gehen müssen. Sie helfen im Haushalt oder beim Einkauf oder leisten als Vorleser und Mitspieler willkommene Gesellschaft.
Zustiftungen sind willkommen. Auskünfte dazu im Rathaus (Ulrike Cramer) unter der Rufnummer 0208/455-1303, ulrike.cramer@mülheim-ruhr.de
Dieser Text erschien am 19. Dezember 2012 in der Neuen Ruhr Zeitung
In Erinnerung an seine Lebensleistung, haben die Mülheimer nicht nur ihre Volkshochschule und ein Schiff der Weißen Flotte, sondern auch eine Stiftung nach Thöne benannt. Wenige Monate nach seinem Tod beschloss der Rat der Stadt am 5. November 1971 auf Vorschlag der Arbeiterwohlfahrt die Errichtung der Heinrich-Thöne-Stiftung. Als ihr Stiftungszweck wurden damals Zuwendungen für: „Zusätzliche Hilfen für bedürftige alte Personen in Mülheim an der Ruhr mit Hilfe der Verbände der freien Wohlfahrtspflege und entsprechender Organisationen“ festgelegt. Die Sparkasse stellte das Stammkapital der Stiftung (20.000 Mark/10.000 Euro) bereit, das bis 1980 regelmäßig aus Mitteln des städtischen Haushaltes aufgestockt wurde. Lang ist es her. Zuletzt konnte sich die von der Stadtverwaltung geführte Stiftung 2010 über eine Zustiftung von 10.000 Euro freuen. Das Geld kam aber nicht aus dem kommunalen Haushalt, sondern aus dem Vermächtnis einer ehemaligen Rathaus-Mitarbeiterin. So konnte das Stiftungsvermögen auf 820.000 Euro gesteigert werden.
Die jährlichen Ausschüttungen der Stiftung, die 2009 bei 31?000 Euro, 2010 bei 24340 Euro und 2011 bei 18.140 Euro lagen, kommen jeweils zu gleichen Teilen den Mülheimer Sozialverbänden (Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, Caritas und Paritätischer Wohlfahrtsverband) zugute. Über die Verwendung der Stiftungsmittel wacht ein 20-köpfiges Kuratorium unter dem Vorsitz der Oberbürgermeisterin. Die vom Rat für fünf Jahre gewählten Kuratoriumsmitglieder kommen aus dem Rat, der Verwaltung und den Sozialverbänden sowie aus anderen gesellschaftlich relevanten Organisationen, wie den Gewerkschaften, den Kirchen und den Arbeitgeberverbänden.
Auch wenn der Geschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, Helmut Storm, und Frank Seemann von der zum Paritätischen Wohlfahrtsverband gehörenden Mülheimer Familien- und Krankenpflege bedauern, dass die Ausschüttungen aufgrund der Zinsentwicklung in den letzten Jahren zurückgegangen sind, möchten sie die Geldspritzen der Heinrich-Thöne-Stiftung auf keinen Fall missen. Denn mal können aus Stiftungszuschüssen Einrichtungsgegenstände für Seniorentagesstätten angeschafft, mal Freizeit- und Bildungsangebote für alte Menschen organisiert und mal Anerkennungshonorare für Ehrenamtliche und Freiwillige bezahlt werden. Solche kleinen Personalinvestitionen zahlen sich zum Beispiel im Rahmen des Mobilen Sozialen Hilfsdienstes aus. Hier finden Senioren für kleines Geld oder sogar kostenlos Menschen mit Zeit für Zuwendung, die sie im Alltag begleiten und unterstützen. Diese Menschen sorgen dafür, dass alte Menschen nicht alleine zu Behörden- und Ärzten oder spazieren gehen müssen. Sie helfen im Haushalt oder beim Einkauf oder leisten als Vorleser und Mitspieler willkommene Gesellschaft.
Zustiftungen sind willkommen. Auskünfte dazu im Rathaus (Ulrike Cramer) unter der Rufnummer 0208/455-1303, ulrike.cramer@mülheim-ruhr.de
Dieser Text erschien am 19. Dezember 2012 in der Neuen Ruhr Zeitung
Montag, 22. April 2013
Mülheimer Stiftungen vorgestellt: Zum Beispiel die August- und Josef-Thyssen-Stiftung
Die Brüder August und Josef Thyssen haben ein Weltunternehmen geschaffen, dessen Wiege in Styrum stand. Auch als ihr Konzern, der mit Kohle und Stahl sein Geld verdiente, schon zu einem internationalen Unternehmen geworden war, blieben sie ihrem Unternehmenssitz Mülheim treu. Davon zeugt unter anderem die August- und Josef-Thyssen-Stiftung, die sie 1906 mit einer Schenkung an die Stadt ins Leben riefen.
Der in der Satzung festgelegte Stiftungszweck lautet denn auch: „Förderung von Schwimmunterricht und Badesport, Förderung von Kindergärten und Förderung des Hauswirtschaftsunterrichtes an Mülheimer Schulen.“
„Den Thyssen-Brüdern lag die Gesundheit ihrer Arbeiter und deren Familien sehr am Herzen, weil sie wussten, dass Krankheitsausfälle bei ihren Arbeitern und in deren Familien am Ende auch sie viel Geld kosteten“, erklärt der Wirtschaftshistoriker und Thyssen-Kenner Horst A. Wessel den Hintergrund der Thyssen-Stiftung. Mit einer weiteren Millionengabe der Thyssens trug sie unter anderem auch zum Bau des im August 1912 eröffneten Stadtbades an der Ruhr bei.
Wessel weiß auch davon zu berichten, dass August Thyssen systematisch Kneipen aufkaufte, um seine Arbeiter vom Trinken abzuhalten und sie stattdessen mit Milch und Mineralwasser versorgte.
Was 1906 mit einem Stiftungskapital von 1,25 Millionen Mark begann und sich auch aus RWE-Aktien der Thyssens speiste, ist inzwischen auf 2,4 Millionen Euro angewachsen.
Die Stiftung, die 2009 965?596 Euro, 2010 53?833 und 2011 711?230 Euro für Jugend, Sport und Spiel ausschütten konnte, wird von der Stadt verwaltet. Sie hat weder einen Vorstand noch ein Kuratorium. Über die Mittelvergabe entscheidet allein die Oberbürgermeisterin in ihrer Funktion als Stadtoberhaupt. Ihr Büro nimmt entsprechende Förderanträge entgegen. Dabei können die bewilligten Fördermittel immer nur dann abgerufen werden, wenn sie auch unmittelbar in die Umsetzung der geförderten Projekte investiert werden können. Daraus resultieren auch die starken Schwankungen der jährlich ausgeschütteten Beträge.
Finanziert werden aus den Stiftungsmitteln zum Beispiel die Personalkosten, die anfallen, wenn Schwimmmeister für den Schwimmunterricht der Mülheimer Schulen eingesetzt werden. Auch die Einrichtung von Schulküchen oder die Ausstattung von Kindertagesstätten bis hin zum Einbau eines Aufzugs wurden schon mit den Zinserträgen aus der Schenkung der Thyssen-Brüder bezahlt. Diese stellt auch heute kein geschlossenes Stammkapital dar, sondern ist für Zustiftungen offen.
Weitere Auskünfte zur August- und Josef-Thyssen-Stiftung gibt Ulrike Cramer vom Büro der Oberbürgermeisterin unter der Rufnummer: 455-1303 oder per E-Mail an: ulrike.cramer@muelheim-ruhr.de
Dieser Text erschien am 28. Dezember 2012 in der Neuen Ruhr Zeitung
Der in der Satzung festgelegte Stiftungszweck lautet denn auch: „Förderung von Schwimmunterricht und Badesport, Förderung von Kindergärten und Förderung des Hauswirtschaftsunterrichtes an Mülheimer Schulen.“
„Den Thyssen-Brüdern lag die Gesundheit ihrer Arbeiter und deren Familien sehr am Herzen, weil sie wussten, dass Krankheitsausfälle bei ihren Arbeitern und in deren Familien am Ende auch sie viel Geld kosteten“, erklärt der Wirtschaftshistoriker und Thyssen-Kenner Horst A. Wessel den Hintergrund der Thyssen-Stiftung. Mit einer weiteren Millionengabe der Thyssens trug sie unter anderem auch zum Bau des im August 1912 eröffneten Stadtbades an der Ruhr bei.
Wessel weiß auch davon zu berichten, dass August Thyssen systematisch Kneipen aufkaufte, um seine Arbeiter vom Trinken abzuhalten und sie stattdessen mit Milch und Mineralwasser versorgte.
Was 1906 mit einem Stiftungskapital von 1,25 Millionen Mark begann und sich auch aus RWE-Aktien der Thyssens speiste, ist inzwischen auf 2,4 Millionen Euro angewachsen.
Die Stiftung, die 2009 965?596 Euro, 2010 53?833 und 2011 711?230 Euro für Jugend, Sport und Spiel ausschütten konnte, wird von der Stadt verwaltet. Sie hat weder einen Vorstand noch ein Kuratorium. Über die Mittelvergabe entscheidet allein die Oberbürgermeisterin in ihrer Funktion als Stadtoberhaupt. Ihr Büro nimmt entsprechende Förderanträge entgegen. Dabei können die bewilligten Fördermittel immer nur dann abgerufen werden, wenn sie auch unmittelbar in die Umsetzung der geförderten Projekte investiert werden können. Daraus resultieren auch die starken Schwankungen der jährlich ausgeschütteten Beträge.
Finanziert werden aus den Stiftungsmitteln zum Beispiel die Personalkosten, die anfallen, wenn Schwimmmeister für den Schwimmunterricht der Mülheimer Schulen eingesetzt werden. Auch die Einrichtung von Schulküchen oder die Ausstattung von Kindertagesstätten bis hin zum Einbau eines Aufzugs wurden schon mit den Zinserträgen aus der Schenkung der Thyssen-Brüder bezahlt. Diese stellt auch heute kein geschlossenes Stammkapital dar, sondern ist für Zustiftungen offen.
Weitere Auskünfte zur August- und Josef-Thyssen-Stiftung gibt Ulrike Cramer vom Büro der Oberbürgermeisterin unter der Rufnummer: 455-1303 oder per E-Mail an: ulrike.cramer@muelheim-ruhr.de
Dieser Text erschien am 28. Dezember 2012 in der Neuen Ruhr Zeitung
Sonntag, 21. April 2013
Wie die Hörzeitung Echo Mülheim eine akustische Brücke zwischen den Generationen schlägt
Ihre Mitschüler genießen die Freizeit. Die Karl-Ziegler Schüler Tobias Amann, Murat Ergin, Camilla Yola und Dean Christmann, alle 15 oder 16 Jahre jung, lesen an diesem Nachmittag. Sie lesen nicht irgendwo, sondern im Tonstudio der Hörzeitung Echo Mülheim. Und sie lesen auch nicht irgendetwas, sondern die Seniorenzeitung Alt, na und!? Der Leiter der Hörzeitung, Ali Arslan, und die Redaktionsleiterin der Seniorenzeitung, Gabriele Strauß-Blumberg sind sich einig: „Toll, dass sich junge Leute für so etwas ehrenamtlich engagieren.“ Damit meinen sie das Vorlesen von Artikeln, die im Tonstudio des Medienhauses aufgenommen und als CD wöchentlich an 60 blinde und sehbehinderte Hörer kostenlos verschickt werden.
„Ich mache das gerne, weil das interessant ist und mir gut gefällt. Außerdem ist diese Hörzeitung ein höchst sinnvolles Informationsangebot, denn wenn man blind oder sehbehindert ist, ist es wirklich schwer auf anderem Wege etwas mitzubekommen. Da wird man schnell ausgegrenzt. Und so sind auch blinde und sehbehinderte Menschen ein bisschen mehr mit dabei“, erklärt Camilla ihre Motivation, als ehrenamtliche Vorleserin bei der Hörzeitung mitzumachen. Und ihr Mitschüler Ergin hat nach seiner ersten Stunde im Tonstudio auch gleich gemerkt, worauf es beim Vorlesen ankommt. „Man muss deutlich und nicht zu schnell sprechen, damit die Zuhörer alles richtig verstehen können“, schildert er seine erste Erfahrung und schon stolpert er über das Wort „altehrwürdig.“ Da heißt es eben: „Stopp! Bitte, noch einmal.“
Die beiden Echo-Mülheim-Hörerinnen Ilse Petereit (63) und Margret Kox (64) finden: „Die Versprecher könnten sie eigentlich drin lassen. Die gehören beim Vorlesen doch dazu und machen die ganze Sache irgendwie sympathisch.“ Petereit, die nach einem Gehirntumor erblindet ist und Kox, die aufgrund einer Diabeteserkrankung nur noch eine Restsehkraft von zwei Prozent hat, wollen die vorgelesenen Informationen aus der lokalen Presse und dem kommunalen Veranstaltungskalender nicht mehr missen. „Das ist eine schöne Abwechslung und man lernt viel dazu“, findet Petereit. Und Kox meint: „Das ist Unterhaltung pur. Man nimmt wieder am Leben teil und sieht vieles bildlich vor seinem geistigen Auge.“ Früher waren die beiden Frauen begeisterte Tageszeitungsleserinnen.
Heute ist für sie freitags und samstags Echo-Mülheim-Tag. Dann hören sie nicht nur die neuesten Nachrichten aus der Lokalpresse oder die Berichte von Alt, na und?!, sondern auch das eine oder andere vorgelesene Sachbuch. Die auf fünf Stunden erweiterte Speicherkapazität ihrer CD und eine detaillierte Suchfunktion ihres Abspielgerätes machen es möglich.
„Unsere Hörer, deren Durchschnittsalter bei 72 Jahren liegt, freuen sich darüber, wenn sie mal eine junge Stimme hören“, weiß Echo-Mülheim-Mann Arslan. Doch bisher war die Studentin Maria Klamet (22) seine einzige ehrenamtliche Vorleserin unter 50. „Die meisten unserer 24 Vorleser sind bereits im Ruhestand und haben deshalb auch Zeit für ihr ehrenamtliches Engagement“, erklärt Arslan. Seine älteste Vorleserin Brigitte Block (86), die auch im Redaktionsteam von Alt, na und!? mitarbeitet, ist schon jetzt „hellauf begeistert“ von den jungen Vorlesern aus der Karl-Ziegler-Schule, die sie „als sehr erfrischend“ empfindet.
Stichwort Hörzeitung: Die Hörzeitung Echo Mülheim informiert seit 2001 über das lokale Geschehen in unserer Stadt. Wer eine Sehkraftminderung von mindestens 70 Prozent hat, bekommt die Hörzeitung kostenlos ins Haus geliefert. Wer diese Schwelle nicht überschreitet, muss die Versandkosten selber tragen. Weitere Auskünfte zur Hörzeitung Echo Mülheim, die im Medienhaus am Synagogenplatz produziert wird, geben Ali Arslan und Petra Weihers unter den Rufnummern 0208/455-4188 oder 455-4288.
Dieser Text erschien am 20. April 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
„Ich mache das gerne, weil das interessant ist und mir gut gefällt. Außerdem ist diese Hörzeitung ein höchst sinnvolles Informationsangebot, denn wenn man blind oder sehbehindert ist, ist es wirklich schwer auf anderem Wege etwas mitzubekommen. Da wird man schnell ausgegrenzt. Und so sind auch blinde und sehbehinderte Menschen ein bisschen mehr mit dabei“, erklärt Camilla ihre Motivation, als ehrenamtliche Vorleserin bei der Hörzeitung mitzumachen. Und ihr Mitschüler Ergin hat nach seiner ersten Stunde im Tonstudio auch gleich gemerkt, worauf es beim Vorlesen ankommt. „Man muss deutlich und nicht zu schnell sprechen, damit die Zuhörer alles richtig verstehen können“, schildert er seine erste Erfahrung und schon stolpert er über das Wort „altehrwürdig.“ Da heißt es eben: „Stopp! Bitte, noch einmal.“
Die beiden Echo-Mülheim-Hörerinnen Ilse Petereit (63) und Margret Kox (64) finden: „Die Versprecher könnten sie eigentlich drin lassen. Die gehören beim Vorlesen doch dazu und machen die ganze Sache irgendwie sympathisch.“ Petereit, die nach einem Gehirntumor erblindet ist und Kox, die aufgrund einer Diabeteserkrankung nur noch eine Restsehkraft von zwei Prozent hat, wollen die vorgelesenen Informationen aus der lokalen Presse und dem kommunalen Veranstaltungskalender nicht mehr missen. „Das ist eine schöne Abwechslung und man lernt viel dazu“, findet Petereit. Und Kox meint: „Das ist Unterhaltung pur. Man nimmt wieder am Leben teil und sieht vieles bildlich vor seinem geistigen Auge.“ Früher waren die beiden Frauen begeisterte Tageszeitungsleserinnen.
Heute ist für sie freitags und samstags Echo-Mülheim-Tag. Dann hören sie nicht nur die neuesten Nachrichten aus der Lokalpresse oder die Berichte von Alt, na und?!, sondern auch das eine oder andere vorgelesene Sachbuch. Die auf fünf Stunden erweiterte Speicherkapazität ihrer CD und eine detaillierte Suchfunktion ihres Abspielgerätes machen es möglich.
„Unsere Hörer, deren Durchschnittsalter bei 72 Jahren liegt, freuen sich darüber, wenn sie mal eine junge Stimme hören“, weiß Echo-Mülheim-Mann Arslan. Doch bisher war die Studentin Maria Klamet (22) seine einzige ehrenamtliche Vorleserin unter 50. „Die meisten unserer 24 Vorleser sind bereits im Ruhestand und haben deshalb auch Zeit für ihr ehrenamtliches Engagement“, erklärt Arslan. Seine älteste Vorleserin Brigitte Block (86), die auch im Redaktionsteam von Alt, na und!? mitarbeitet, ist schon jetzt „hellauf begeistert“ von den jungen Vorlesern aus der Karl-Ziegler-Schule, die sie „als sehr erfrischend“ empfindet.
Stichwort Hörzeitung: Die Hörzeitung Echo Mülheim informiert seit 2001 über das lokale Geschehen in unserer Stadt. Wer eine Sehkraftminderung von mindestens 70 Prozent hat, bekommt die Hörzeitung kostenlos ins Haus geliefert. Wer diese Schwelle nicht überschreitet, muss die Versandkosten selber tragen. Weitere Auskünfte zur Hörzeitung Echo Mülheim, die im Medienhaus am Synagogenplatz produziert wird, geben Ali Arslan und Petra Weihers unter den Rufnummern 0208/455-4188 oder 455-4288.
Dieser Text erschien am 20. April 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Freitag, 19. April 2013
Mülheimer Stiftungen vorgestellt: Zum Beispiel die Stiftung Jugend mit Zukunft
Ihr Name ist Programm. „Jugend mit Zukunft“ heißt die Stiftung, die der damalige Superintendent Frank Kastrup 2002 ins Leben rief. Obwohl die Stiftung, die vor zehn Jahren durch einen Immobilienverkauf der Evangelischen Kirche zum Startkapital von 100.000 Euro kam und bisher vor allem kirchlich getragene Projekte der Arbeit mit und für Kinder, Jugendliche und Familien fördert, betont ihr Vorsitzender Kastrup, „dass es sich um eine vom Kirchenkreis An der Ruhr unabhängige Stiftung“ handele.
„Schon damals wurden die öffentlichen und kirchlichen Kassen immer leerer und wir hatten das Gefühl, dass wir vor allem etwas für Kinder, Jugendliche und Familien tun müssten, weil erwiesen ist, das die Erlebnisse der frühen Jahre und eine gute Bindung zwischen Eltern und Kindern für das Leben prägend sind und über die Stabilität einer Persönlichkeit entscheiden“, beschreibt der inzwischen pensionierte Pfarrer den Gründungsimpuls. Die Stiftung „Jugend mit Zukunft“, deren Stammkapital durch Zustiftungen, Zinsgewinne und Spenden inzwischen auf rund 230?000 angewachsen ist, hat seit ihrer Gründung immerhin rund 90?000 Euro ausgeschüttet.
Ihr Geld floss zuletzt zum Beispiel in die Ausbildung von 20 jungen Courage-Trainern, die ihrerseits Jugendlichen Konfliktbewältigungs- und Deeskalationsstrategien vermitteln. Außerdem gehören Eltern-Kind-Kurse, Lebenshilfekurse für junge schwangere Frauen, flexible Kinderbetreuung für Alleinerziehende, die Hausaufgabenhilfe und Freizeitgestaltung bietende Familienstation des Diakonischen Werkes oder internationale und projektorientierte Jugendbegegnungen zu dem Förderprogramm.
Außerdem hat die Stiftung den Band „Abenteuer Leben“ herausgegeben, dessen Erlös wiederum der Stiftung zugute kommt. Hier erzählen 22 Persönlichkeiten, was sie in ihrer Kindheit und Jugend fürs Leben geprägt hat.Das Buch sieht Kastrup als Beitrag zum Dialog der Generationen-
Wie die Stiftung ihre Mittel vergibt, entscheidet Frank Kastrup mit seinen Vorstandskollegen Jürgen Hower, Andrea Schmidt, Otmar Schuster und Volkmar Spira. Dabei lässt sich der Vorstand von einem siebenköpfigen Kuratorium beraten.
iWeitere Auskünfte zur Stiftung Jugend mit Zukunft gibt Frank Kastrup unter der Rufnummer: 0208/4447777 oder: frank.kastrup@kirche-muelheim.de
Dieser Beitrag erschien am 29. November 2012 in der Neuen Ruhr Zeitung
„Schon damals wurden die öffentlichen und kirchlichen Kassen immer leerer und wir hatten das Gefühl, dass wir vor allem etwas für Kinder, Jugendliche und Familien tun müssten, weil erwiesen ist, das die Erlebnisse der frühen Jahre und eine gute Bindung zwischen Eltern und Kindern für das Leben prägend sind und über die Stabilität einer Persönlichkeit entscheiden“, beschreibt der inzwischen pensionierte Pfarrer den Gründungsimpuls. Die Stiftung „Jugend mit Zukunft“, deren Stammkapital durch Zustiftungen, Zinsgewinne und Spenden inzwischen auf rund 230?000 angewachsen ist, hat seit ihrer Gründung immerhin rund 90?000 Euro ausgeschüttet.
Ihr Geld floss zuletzt zum Beispiel in die Ausbildung von 20 jungen Courage-Trainern, die ihrerseits Jugendlichen Konfliktbewältigungs- und Deeskalationsstrategien vermitteln. Außerdem gehören Eltern-Kind-Kurse, Lebenshilfekurse für junge schwangere Frauen, flexible Kinderbetreuung für Alleinerziehende, die Hausaufgabenhilfe und Freizeitgestaltung bietende Familienstation des Diakonischen Werkes oder internationale und projektorientierte Jugendbegegnungen zu dem Förderprogramm.
Außerdem hat die Stiftung den Band „Abenteuer Leben“ herausgegeben, dessen Erlös wiederum der Stiftung zugute kommt. Hier erzählen 22 Persönlichkeiten, was sie in ihrer Kindheit und Jugend fürs Leben geprägt hat.Das Buch sieht Kastrup als Beitrag zum Dialog der Generationen-
Wie die Stiftung ihre Mittel vergibt, entscheidet Frank Kastrup mit seinen Vorstandskollegen Jürgen Hower, Andrea Schmidt, Otmar Schuster und Volkmar Spira. Dabei lässt sich der Vorstand von einem siebenköpfigen Kuratorium beraten.
iWeitere Auskünfte zur Stiftung Jugend mit Zukunft gibt Frank Kastrup unter der Rufnummer: 0208/4447777 oder: frank.kastrup@kirche-muelheim.de
Dieser Beitrag erschien am 29. November 2012 in der Neuen Ruhr Zeitung
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