Sei kein Narr, möchte man so manchem skurrilem Zeitgenossen raten, zumal, wenn er, auch Wähler können närrisch sein, in höchste politische Ämter, gewählt, worden sind. Man müsste schon ein Jahr sein, um Mülheim an der Ruhr für den Nabel der Welt zu halten Punkt und doch kommt man nicht an der Tatsache vorbei das das Amt des Oberbürgermeisters in unserer Stadt das an höchste ist. Dennoch oder gerade deshalb hat Oberbürgermeister Mark Buchholz, der weniger zu den skurrilen als zu den bodenständigen und bürgerlichen Amtsträgern gehört kein Problem damit offiziell einen ganzen nahe zu sein. Genau diesen Ehrentitel haben ihm jetzt Mülheims Karnevalisten verlieren obwohl sie wissen dass er kein aktiver Karneval ist ist aber sehr wohl sein sondern das Engagement für den organisierten Posen zu schätzen wissen. Denn frei nach dem karnevalistischen Schlagermotto: "Wer soll das bezahlen?", hatte sich der Oberbürgermeister mit rheinischen Wurzeln in Duisburg mit der Initiierung eines Sponsorenfrühstücks um die finanzielle Unterstützung Menschen Karnevals verdient gemacht. Das Geld für den Mülleimer Karneval gut investiert ist, machte der beim Rathaussturm der Möhnen mmer wieder kostümfreudige Oberbürgermeister deutlich, indem er nach seiner närrischen Auszeichnung feststellte, dass auch ein Oberbürgermeister gut beraten ist, in Sachen Gemeinschaft und Lebensfreude von den Narren zu lernen, zumindest von jenen, die Fröschen Herzens und guten Willens in der fünften Jahreszeit den Ton angeben.
Donnerstag, 13. Februar 2025
Sonntag, 9. Februar 2025
Fromm und fröhlich
Karneval und Katholizismus. Es kommt nicht von ungefähr, dass die ältesten Spuren des Mülheimer Karnevals zu den Fastnachtsspielen ins Kloster Saarn führen. Urkundlich erstmals nachweisbar anno 1691. Fastnacht. Das Wort sagt es, ist die Nacht vor der Fastenzeit.
Der Mülheimer Heimatforscher und Karnevalskenner Heinz Hohensee, hat uns nicht nur die erste urkundliche Erwähnung der Fastnachtsspiele im Zisterzienserinnenkloster Mariensaal überliefert, sondern auch die Tatsache, dass es im Karneval schon im 19. Jahrhundert um die Wurst ging. Mit der wurde nämlich der Hans Wurst belohnt, der sein Publikum beim Fastnachtsmahl in der Gaststätte seines Vertrauens mit Anekdoten und Dönkes zu erheitern wusste. Und natürlich gilt bis heute auch für die hartgesottensten Karnevalisten: Am Aschernittwoch ist alles vorbei, weil dann die vorösterliche Fastenzeit beginnt. Aber noch ist es ja nicht so weit. Und so konnten die frohen und fröhlichen Narren jetzt in der Marienkirche auf dem Kirchenhügel wieder ihre närrische Festmesse feiern, die einst der in Köln geborene Styrumer Pastor Norbert Dudek aus der Taufe gehoben hatte. Inzwischen wird sie selbstverständlich ökumenisch gefeiert. Und so ließ Stadtdechant Michael Janßen seinem närrischen Amtsbruder Michael Manz bei der Predigt gerne den Vortritt. Inspiriert von der biblischen Hochzeit von Kana, bei der Jesus Wasser in Spitzenwein verwandelte, hielt der Superintendent ein Plädoyer für eine christliche Kirche, die ihre Frohe Botschaft auch mit Lebensfreude und Menschenfreundlichkeit lebt und feiern. "Lassen Sie uns ein Weinfass ohne Boden sein!" empfahl er seinem fröhlichen und frommen Zuhörern in den Kirchenbänken von St. Mariae Geburt.
Der Vizepräsident des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval, Heino Passmann, der einst durch die Kolpingfamilie Broich/Speldorf zum Karneval gekommen ist, machte deutlich: "Das Amen und das Halleluja erwachsen aus der selben Grundhaltung, die das Leben und die Gemeinschaft feiert." Und nicht die Trompeten vor Jericho, sondern die der Musikzüge der Karnevalsgesellschaften Blau Weiß und Röhrengarde zeigten in der närrischen Festmesse, dass "Großer Gott, wir loben Dich!" und: "Viva Colonia. Wir lieben das Leben. Wir glauben an den lieben Gott und wir haben auch immer Durst!" zwei seelenverwandte Seiten derselben Medaille sind.
Mittwoch, 5. Februar 2025
Warum ein Priester zum Kirchenkritiker wurde?
Ein ehemaliger Priester sitzt in einer ehemaligen Kapelle. Der Philosoph und Theologe Dr. Michael Rasche liest aus seiner 2024 bei Books on Demand erschienenen Autobiografie: "Bekenntnisse - Auflösung eines katholischen Lebens". Die meisten seiner Zuhörer, die an diesem Abend den Weg Styrumer Aquarius gefunden haben, kennen ihn noch aus seiner Zeit in der Pfarrgemeinde Sankt Barbara. Dort ist er aufgewachsen. Dort hat er das katholische Milieu erlebt, das ihn inspirierte, katholischer Priester zu werden. Dies war er über 15 Jahre, nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Wissenschaftler und Hochschullehrer.
Doch 2016 zog einen Schlussstrich, stieg aus dem katholischen Priesteramt und dem damit verbundenen Pflichtzölibat aus, heiratete die Frau seines Lebens und wurde Vater von zwei Söhnen. Inzwischen arbeitet Rasche als freiberuflicher Lebens- und Unternehmensberater und als Vortragsredner. "Leider stehe ich bei Veranstaltern aus der katholischen Kirche auf einer schwarzen Liste", beklagt der Ex-Priester. Dabei hat er sein Buch auch für jene geschrieben, die noch an eine radikale Reform der katholischen Kirche glauben und auf sie hoffen. Er selbst, daraus macht der 1973 Geborene, keinen Hehl, werde diese Reform zu seinen Lebzeiten wohl nicht mehr erleben.
Was sich ändern müsste
Was müsste sich ändern, damit die katholische Kirche wieder mehr Menschen für den christlichen Glauben und für ihre Gemeinschaft begeistern könnte? An diesem Abend wird im Aquarius eben über diese Frage diskutiert. Für Rasche wäre es notwendig, "dass die katholische Kirche sich selbst radikal hinterfragt und ihre Strukturen verändert". Die institutionalisierte römisch-katholische Kirche sieht er als Opfer ihrer "unheilvollen und scharfen Doppelmoral", insbesondere beim Thema Sexualität, und in ihrer maßlosen "Überhöhung des Priesteramtes". Weil der Priester im katholischen Amtsverständnis die Kirche verkörpere, dürfe und können in ihr nicht sein, was tatsächlich aber geschehe, etwa, dass Priester trotz Pflichtzölibats in einer hetero- oder homosexuellen Beziehung lebten und sogar Väter geworden seien. Die Überhöhung und Vergöttlichung des Priesteramtes ist in Rasches Augen auf die eigentliche Ursache dafür, dass sich die katholische Amtskirche so schwer damit tut, Missbrauchstäter im Priesteramt offen zu belangen und aus ihrem Amt zu entlassen, damit sie keinen Schaden mehr anrichten können.Beispiel Niederlande
In den Niederlanden erlebt Rasche, der inzwischen in Rotterdam zu Hause ist, schon heute, was er auch auf Deutschland zukommen sieht, nämlich, dass die katholische Kirche als sozial und öffentlich wirksame Institution aus dem gesellschaftlichen Alltag verschwunden ist. Seine Prognose lautet: "Die Kirche wird als institutionalisierter Rechtsgemeinschaft auch in Deutschland nicht überleben, aber als Religionsgemeinschaft mit kleinen Kerngemeinden der Menschen, die sich in ihrem Leben von der frohen Botschaft und ihren Werten von Menschenwürde und Nächstenliebe inspirieren lassen." Deshalb plädiert Rasche auch für einen flächendeckenden Ethik- und Werteunterricht, um auch die frohe Botschaft des Christentums an die nächste Generation weiterzugeben. In den Niederlanden, so Rasche, erlebe er es, "dass, dass die christlichen Werte auch ohne eine institutionalisierte Kirche überleben" würden. Mit dem Religions- und Kirchenkritiker Friedrich Nietzsche, den er als "abtrünnigsten Pfarrerssohn der Geschichte" bezeichnet, ist Rasche zu der Ansicht gelangt, dass auch die Kirche Gott getötet habe, "weil sie ihre Institution vom Leben der Menschen getrennt und aus der frohen Botschaft eine amtliche Moral mit Kirchenrecht und Katechismus gemacht" habe.Freitag, 3. Januar 2025
Beim Neujahrsputz ging es nicht nur um Sauberkeit
Bisher kannte ich nur den Brauch des Frühjahrsputzes. Jetzt lernte ich als Journalist den Brauch des Mülheimer Neujahrsputzes kennen. Dabei ging es den 50 beteiligten Mitgliedern der islamischen Ahmadiyya-Gemeinde, diesen nützlichen Brauch schon seit 23 Jahren pflegen, nicht nur um das Wegräumen des Silvestermülls in der Stadtmitte und in Styrum.
"Mülheim ist unsere zweite Heimat." "Wir sind Teil dieser Gesellschaft und wollen ihr etwas zurückgeben!" Das waren Aussagen, die man in den generationsübergreifenden Reihen der ehrenamtlichen Helferkolonne der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft (MEG) immer wieder hören konnte. Die MEG hatte ihre freiwilligen Kollegen aus der 450 Mitglieder zählenden Ahmadiyya-Gemeinde am Neujahrstag mit 120-Liter-Müllsäcken, Müllzangen und Schutzhandschuhen ausgestattet. Innerhalb von zwei Stunden füllten sich am Neujahrstag so fast 40 MEG-Säcke mit dem Rest vom Silvesterfest.
"Das ist verbranntes Geld, dass man besser hätte verwenden können, um armen Menschen zu helfen", waren sich drei Gemeindemitglieder beim Aufräumen rund um den Kurt-Schumacher-Platz einig, angesichts der zurückgelassenen Silvesterknallkörper. Die Botschaft der A-Gemeinde wurde verstanden. "Ich bin perplex um diese Zeit hier Menschen aus allen Generationen beim gemeinsamen Aufräumen zu sehen. Das ist eine tolle und nachahmenswerte Gemeinschaftsaktion, die mithelfen kann, die von Verrückten begangenen Fehler auszumerzen." Dabei wurde im Gespräch mit den Gemeindemitgliedern auch deutlich, dass der Neujahrsputz ins Bild ihrer Aktivitäten passt, zu dem auch die Teilnahme an der Aktion "Styrum putzt sich", die Mitarbeit in der Styrumer Stadtviertelkonferenz und am interreligiösen Dialog gehören. Im Rahmen des von Oberbürgermeister Marc Buchholz reaktivierten Bündnisses der Religionen pflegt die Ahmadiyya-Gemeinde zurzeit Kontakte zur katholischen Stadtgemeinde St. Mariae Geburt und zur Evangelischen Lukaskirchengemeinde in Styrum pflegt.
"Wer glaubt, kann nicht nur für sich beten. Er muss auch etwas für die Gemeinschaft tun. Dabei geht es nicht nur um interreligiösen Dialog, sondern um intermenschlichen Dialog", betont ein Gemeindemitglied, das sich insbesondere in diesem Bereich engagiert.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die bis 2023 in der Stadtmitte ansässige Ahmadiyya-Gemeinde ihre Moschee in Styrum nach der Jesus-Mutter Maria benannt hat. Sowohl Jesus als auch Maria werden, wie man hört, im Islam als Propheten verehrt.
Zu meinem Bericht in der Mülheimer Presse
Montag, 30. Dezember 2024
Eine Stadt im Fluss der Zeit
Nicht ist beständiger als der Wandel. Das ist auch in Mülheim so, wo viel Wasser die Ruhr hinunterfließt. Der 239 Kilometer lange Fluss strömt auf 14 Kilometern durch unsere auf 40 Metern über Normal Null gelegenen Stadt, die die Ruhr aus gutem Grund im Namen trägt.
Schon im Winter 883/84 floss die Ruhr durch Mülheim, dass allerdings erst 1093 erstmals als Gerichtsort urkundlich beim Namen genannt werden sollte. Ruhrfurt und der aus Duisburg drohende Ansturm der Normannen, der dann aber nie kam, führte dazu, dass am Broicher Ruhrufer ein Sperrfort gebaut wurde, dass später zur Burg und noch später zum Schloss Broich um- und ausgebaut werden sollte.
Wenn die meisten der aktuell 175.000 Einwohner gerne in Mülheim leben dann hat das vor allem auch mit der Ruhr und dem Ruhrtal zu tun. Wer die Stadt nicht kennt, wundert sich immer wieder, dass eine Stadt im Ruhrgebiet so grün sein kann.
Tatsächlich sind 52 Prozent der Stadtfläche grün. Die Ruhr hat Mülheim Reichtum gebracht. Mathias Stinnes, für den in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zu Schiffe seine Kohle und mehr über Rhein und Ruhr transportierten, lässt grüßen.
Und nicht nur die Familie Vorster, die 1808 Mülheims ersten Bürgermeister stellten, haben mit ihrer klappernden Papiermühle am Broicher Ruhrufer ab Mitte des 17. Jahrhunderts gutes Geld mit ihrem hochwertigen Kanzleipapier verdient. Ihr ehemaliger Lehrling Wilhelm Rettinghaus nahm sein Handwerk 1683 mit in die Neue Welt und fand dort sein Glück. Auf dem Papier aus seiner Mühle wurde am Beginn des 18. Jahrhunderts die erste amerikanische Zeitung gedruckt. Auch dass Mülheim in der zweiten Häfte des 19. Jahrhunderts zu einer Lederstadt mit bis zu 60 Fabriken wurde, hatte mit seiner Lage am Wasser zu tun. Das galt auch für die 1927 am Broicher Ruhrufer, auf dem Gelände der alten Papiermühle Vorster, errichteten Wasserburg der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschft. (RWW)
Die 1912 gegründete RWW und ihre damaliger Geschäftsführer Gerd Müller waren es, die im Jahr der Landesgartenschau MüGa aus einem alten Boothaus auf der Schleuseninsel das Haus Ruhrnatur und aus einem 1892 von August Thyssen errichteten Wasserturm in Styrum das Wassermuseum Aquarius machte.
Der Fluss hat der Stadt an seinen Ufern aber nicht nur Glück gebracht. Immer wieder, besonders extrem 1890, 1943 und 2021, trat er über seine Ufer und sorgte für seinen Hochwassern für großen Schaden. Und vor 100 Jahren sahen sich 32 Menschen in unserer Stadt dazu genötigt, eine Deutsche Lebensrettungsgesellschaft zu gründen, um Nichtschwimmer zu Schwimmern und Schwimmer zu Rettungsschwimmern zu machen, damit weniger Menschen als bis dahin in der Ruhr den nassen Tod fanden. Gleichzeitig genossen die Menschen in Mülheim an der Ruhr deren Strand als ihre Riviera des kleinen Mannes.
Wo um 1860 noch mehr als 10.000 Transportschiffe die Ruhr zum meist befahrenen Fluss Europas machten, ehe sie ab 1862 von der Eisenbahn im Zug der Zeit abgehängt wurden, fahren seit 1927 die Schiffe der Weißen Flotte. Kaum zu glauben, dass sie in ihrer ersten Saison fast 500.000 Fahrgäste beförderte. Aber damals verbrachten die meisten Menschen ihre knapp bemessene Freizeit in der Regel zuhause.
Und zur Ruhr gehörten natürlich auch immer legendäre Ausflugslokale, wie Müller Menden, Müller Flora, das Kahlenbergrestaurant, um nur drei von 250 Gaststätten zu nennen, die es vor dem Ersten Weltkrieg in Mülheim an der Ruhr gab.
Apropos Weltkrieg. Im Zweiten Weltkrieg wurde Mülheim 1943 infolge der britischen Bombardierung der Möhnetalsperre, siehe Hochwasser, zum menschen gemachten Verhängnis. Mit dieser Hochwasserkatastrophe mussten die Menschen in Mülheim an der Ruhr erleben und erleiden, dass der 1939 in ihrem Namen begonnene Krieg jetzt auf sie zurückschlug.
Angesichts von 14 Brücken, die heute in Mülheim die Ruhr überqueren, kann man es sich gar nicht vorstellen, dass Mülheim erst 1844 mit seiner sogenannten Kettenbrücke, die offiziell Friedrich-Wilhelm-Brücke hieß, seine erste Ruhrüberquerung bekam, der 1911 die erste und 1960 die zweite Schloßbrücke folgen sollten.
Dass die 1844 arbeitslos gewordenen Fährleute der Familie Scholl 1867 zu den Gründern des späteren Handelskonzerns Tengelmann gehörten, ist ein historisches Paradebeispiel für den wirtschaftlichen Strukturwandel, den Mülheim an der Ruhr bis auf den heutigen Tag meistern muss. Auch der 1927 eröffnete Rhein-Ruhr-Hafen, der an die Tradition des von 1840 bis 1880 an der Ruhr gelegenen Hafens anknüpfte, ist ein solches Beispiel.
Und dass die Zuschüttung des ersten Mülheimer Ruhrhafens mithilfe des 1879 gegründeten Verschönerungsvereins den Beginn der grünen Ruhranlagen bedeutet, zeigt uns ebenso, dass mit jedem Ende, auch ein Anfang verbunden sein kann, dessen Zauber, frei nach Hermann Hesse, uns beschützt und uns hilft zu leben.
Möge es mit dem Ende des Jahres 2024 und dem Beginn des neuen Jahres 2025 ebenso sein.
Sonntag, 29. Dezember 2024
Schöne Bescherung
Mittwoch, 25. Dezember 2024
Weihnachten im Krieg
Manchmal scheint es so, als lerne die Menschheit nichts aus ihrer Geschichte. Auch dieses Jahr ist Weihnachten ein Fest des Friedens, mitten im Krieg, siehe Ukraine und Naher Osten.
Vor 80 Jahren erlebten die Menschen in Mülheim den Krieg am eigenen Leibe. Am frühen Nachmittag des 24. Dezember 1944 entluden 169 Bomber der Royal Air Force ihre tödliche Fracht über Raadt und Menden. Ihr Ziel war der 1939 zum militärischen Fliegerhorst gemachte Flughafen Essen Mülheim und die dort stationierten Düsenjets ME262. Diese Kampfflugzeuge setzte die Wehrmacht damals in ihrer Ardennenoffensive ein und hatte sie deshalb, gut getarnt, in einem nahegelegenen Waldstück stationiert.
Getroffen wurde nicht das militärtechnische Material, sondern die Menschen, die zum Beispiel in einem Hochbunker an der Windmühlenstraße Zuflucht gesucht hatten. Dessen 1,40 Meter dicke Betondecke wurde von einer 1000-Kilo-Bombe durchschlagen und tötete 50 Bunkerinsassen. Insgesamt starben an diesem Tag mehr als 200 Menschen an den Folgen des Luftangriffs. Unter ihnen waren auch viele Insassen des benachbarten Arbeits- und Erziehungslagers. Denn sie hatten keinen Zutritt zu Luftschutzräumen und mussten Luftangriffe in Unterständen und Splittergräben zu überleben versuchen.
Die meisten Menschen im Erdgeschoss des Bunkers überlebten den Bombentreffer. Sie mussten Tote und Verletzte aus dem Bunker tragen und sie auf den gefrorenen Boden legen. Es dauerte zwei Stunden, ehe die ersten Rettungskräfte eintrafen und die Verletzten in die Mülheimer und Oberhausener Kliniken brachten. Dort gab es zu wenige Betten, so dass viele Verletzte dort auf Stroh gelagert werden mussten. Einige wurden auch in einem Stollen am Oberhausener Hauptbahnhof untergebracht und später mit einem Zug gen Osten evakuiert. Von dort aus mussten sie dann wieder nach Westen fliehen, weil die Rote Armee aus dem Osten voran rückte. Sie erlebten eine Katastrophe nach der Katastrophe.
Mehr Glück im Unglück hatten die kleinen Patienten im Haus Jugendgroschen, dass während des etwa zehnminütigen Bombenangriffs zerstört wurde. Denn sie lagen zu diesem Zeitpunkt nicht in ihren Betten eines provisorischen Kinderkrankenhauses, sondern wurde in der Nähe bei einer Weihnachtsfeier beschert.
Nicht nur in Menden und Raadt, sondern auch in Holthausen ließen die Druckwellen der großkalibrigen Bomben Türen und Fenster bersten und auch die eine oder andere Hauswand einstürzen. Ein halbes Jahr nach diesem Luftangriff, einem von 161, die Mülheim während des Zweiten Weltkrieges trafen, war der Krieg beendet. Und die britischen Truppen machten das vom Krieg gezeichnete Flughafengelände als Besatzungsmacht zu ihrem LKW-Parkplatz. Die Reste des zerstörten Hochbunkers wurden ab 1947 als Lagerhaus genutzt, ehe sie, 40 Jahre später, neuen Einfamilienhäusern Platz machten. Auf einer Grünfläche am Sportplatz des SV Raadt erinnert seit 1960 eine Gedenktafel an die getöteten und verletzten Opfer des Heiligabendangriffs 1944.
Schwarzes Gold
Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...
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Ein Zeitsprung in die 1950er Jahre Ruhrblick am Leinpfad in den frühen 1950er Jahren. Ein Foto des Mülheimers John Dieter Roehse mach...
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Sie sind nicht von ungefähr die in allen Berufsimage-Umfragen hoch gepriesenen Helden des Alltags. Feuerwehrleute bringen sich in Gefahr, ...
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Dr. Peter Ramme 6.45 Uhr. Der Arbeitstag von Dr. Peter Ramme beginnt nicht in seiner Praxis, sondern im Haus Kuhlendahl, wo der Hausa...