Wenn Jugendliche in ihrer Schule ausgezeichnet werden, dann meistens für gute Leistungen im Sport oder in Deutsch, Englisch und Mathe. Ganz anders in der Hauptschule am Hexbachtal. Hier wurden gestern feierlich die „sozial genialen“ Neuntklässler Burak Samli, Mariam Chahrour, Ivana Fleming, Leandra Eichholz, Dilara Mollahasan, Julia Hartmann, Vivian Debosz, Eginc Kaya und Rhea Lürmann unter anderem mit einem Zertifikat belohnt, das ihnen bescheinigt ein ganzes Jahr ehrenamtlich gearbeitet zu haben.
Immer wieder dienstags oder mittwochnachmittags gingen sie in Seniorenheime, Ganztagsschulen oder in den Seniorenclub Dümpten, um mit und für junge oder alte Menschen zu arbeiten. Da wurde gespielt, Hausaufgaben gemacht, miteinander gesprochen, vorgelesen, eine Bücherei inventarisiert, Essen gereicht, kleine Ausflüge unternommen oder, wo nötig, ein Rollstuhl geschoben. „Einige Schüler tun sich schwer, ein Referat zu halten und jetzt hält hier jeder von ihnen eine Rede“, staunt Lehrerin Sabine Schröer, die den Wahlpflichtkurs Service Learning leitet.
Die Schüler schildern vor der versammelten Schulgemeinde die wichtigsten Eindrücke ihrer sozialen Arbeit. Die Erfahrung, dass sie für ihren Einsatz Anerkennung und Wertschätzung bekommen haben, zieht sich wie ein roter Faden durch alle Beiträge.
„Mich hat dort besonders beeindruckt, dass die Kinder mich dort akzeptiert haben, obwohl ich von der Hauptschule bin und sie auf ein Gymnasium gehen“, erzählt Dilara von ihrer Mitarbeit bei der Nachmittagsbetreuung an der Luisenschule. „Mich hat beeindruckt, dass sie sich in ihrem Alter für Jugendliche interessiert hat und auch sehr schlau war“, erinnert sich Burak an ein Gespräch mit einer Bewohnerin des Wohnstiftes Uhlenhorst. Ebenso, wie sein Mitschüler Eginc, der im Altenheim Marienhof arbeitet, hat Burak zum ersten Mal Kontakt mit demenzkranken Menschen bekommen. „Ungewöhnlich war für mich, dass ich einen Demenzkranken füttern musste, weil er nicht selber essen und sich auch nicht kontrollieren konnte“, berichtet Eginc. Das hat ihn gelehrt, diese Krankheit zu tolerieren und mit ihr unzugehen. Keinen Zweifel lässt der Neuntklässler auch an seinem großen Respekt für die Altenpfleger, die jeden Tag um demenzkranke Bewohner kümmern. Und er räumt ein, „dass das anstrengender ist, als ich gedacht habe.“
Für Julia Hartmann, die am anderen Ende des Altersspektrums in der Regenbogengruppe der Evangelischen Grundschule an der Zastrowstraße mit den Kindern Gesellschaftsspiele und Hausaufgaben gemacht hat, steht nach ihren positiven und ebenfalls von großer Anerkennung geprägten Erfahrung fest: „Später möchte ich Kinderpflegerin werden.“ Auch ihre Mitschülerin Mariam weiß nach ihrem sozialen Lern- und Arbeitsjahr an der Rembergschule für geistig- und körperlich behinderte Kinder, „dass ich später Krankenschwester oder Erzieherin werden möchte.“
Lehrerin Schröer und Projektleiterin Katharina Wehner vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement freuen sich über solche und ähnliche Schüleraussagen, weil sie ihnen zeigen, „dass sie ihre Schüchternheit überwunden sowie Selbstbewusstsein und Ideen bekommen haben, welche Berufe für sie interessant sein könnten.“ Und für Christine Knippscher vom Sozialen Dienst des Wohnstiftes Uhlenhorst steht nach den jüngsten Erfahrungen fest, dass ein Wiedersehen mit Schülern von der Borbecker Straße auch im kommenden Schuljahr Freude machen würde, „weil sich die Bewohner auf die Kinder freuen, die eine frische Energie in ihren Alltag bringen.“
Das Service Learning ist als "Sozial genial"an der Hexbachtalschule ein versetzungsrelevantes Fach, das im Rahmen des Wahlpflichtunterrichtes benotet wird. Dabei reflektieren die Schüler ihre praktischen Erfahrungen auch im dazugehörigen Fachunterricht. Der Wahlpflichtunterrricht versteht sich als neigungs- und praxisorientierter Bestandteil des Lehrplans für die Klassen 7, 8 und 9. Anders, als Wahpflichtfächer, wie Technik, Wirtschaftslehre oder Rechtskunde, wird das Service Learning allerdings nur für die Schüler der Klasse 9 angeboten, weil man bei ihnen bereits eine gewisse Reife voraussetzen kann. Mehr Infos unter der Rufnummer: 9706818
Dieser Text erschien am 26. Juni 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Sonntag, 30. Juni 2013
Samstag, 29. Juni 2013
So gesehen: Kinder, kommt zur Saarner Kirmes oder: Habe Mut, dich zu gruseln
Der Jahrmarkt der Eitelkeiten hat bekanntlich das ganze Jahr über geöffnet. Doch auf der Saarner Kirmes geht nur von heute bis zum 7. Juli rund um den Spaß an der Freude. Dazu gehört für viele Kirmesbesucher offensichtlich auch der gepflegte Grusel auf der Geisterbahn von Rudolf Schütze. Schon seine Großeltern waren vor 90 Jahren mit ihrer Geisterbahn auf der Kirmes. die damals noch in Speldorf und nicht an der Mintarder Straße in Saarn ihre Zelte aufschlug.
Obwohl die Mölmschen im Inflationsjahr 1923 auch außerhalb der Geisterbahn genug Gruseleffekte erlebten, suchten sie wie ihre Enkel in Zeiten der Eurokrise den Grusel mit garantiert gutem Ende auf der Geisterbahn. „Unsere Geister tun ja keinem was, was man nicht von allen Zeitgenossen sagen kann. Schon an der Biertheke gibt es meistens mehr Ärger“, weiß der 71-jährige Geisterbahnbetreiber, der in seinem Leben nur einen wirklichen Grusel kennt, „nämlich, wenn es regnet oder zu heiß wird und die Leute erst gar nicht zur Kirmes kommen und unser Geschäft nicht läuft.“ Also liebe Kirmesfans, seid mal ein bisschen wetterfest und traut euch nicht nur auf die Saarner Geisterbahn, damit am Ende nicht die gesamte Kirmes für ihre 200 Schausteller zur Geisterbahnfahrt wird, bei der Schluss mit Lustig ist und bei der dem Grusel ein Schrecken ohne Ende folgt. So grausam könnt ihr nicht sein.
Dieser Text erschien am 29. Juni 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Obwohl die Mölmschen im Inflationsjahr 1923 auch außerhalb der Geisterbahn genug Gruseleffekte erlebten, suchten sie wie ihre Enkel in Zeiten der Eurokrise den Grusel mit garantiert gutem Ende auf der Geisterbahn. „Unsere Geister tun ja keinem was, was man nicht von allen Zeitgenossen sagen kann. Schon an der Biertheke gibt es meistens mehr Ärger“, weiß der 71-jährige Geisterbahnbetreiber, der in seinem Leben nur einen wirklichen Grusel kennt, „nämlich, wenn es regnet oder zu heiß wird und die Leute erst gar nicht zur Kirmes kommen und unser Geschäft nicht läuft.“ Also liebe Kirmesfans, seid mal ein bisschen wetterfest und traut euch nicht nur auf die Saarner Geisterbahn, damit am Ende nicht die gesamte Kirmes für ihre 200 Schausteller zur Geisterbahnfahrt wird, bei der Schluss mit Lustig ist und bei der dem Grusel ein Schrecken ohne Ende folgt. So grausam könnt ihr nicht sein.
Dieser Text erschien am 29. Juni 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Freitag, 28. Juni 2013
Wilhelm Hasenclever war der erste Mülheimer Sozialdemokrat, der in unserer Stadt zum Abgeordneten gewählt wurde
Wer war eigentlich Wilhelm Hasenclever? Diese Frage tauchte bei einigen historisch interessierten Lesern der Neuen Ruhr Zeitung nach meiner Berichterstattung zum 150. Geburtstag der SPD auf.
Wie berichtet, war Hasenclever, der erste Sozialdemokrat, der in Mülheim ein Abgeordnetenmandat errang. Das war am 22. Februar 1869. Damals trat der gelernte Gerber als Kandidat des reichsweit am 23. Mai 1863 in Leipzig und am 12. Juni 1864 in Mülheim gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) an.
Seine Siegchancen waren zunächst gering. Denn bei der ersten Wahl zum Norddeutschen Reichstag (1867) hatte der Bewerber des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins im Wahlkreis Duisburg-Mülheim gerade mal 440 Stimmen bekommen. Doch Hasenclever war ein brillanter Rhetoriker, der sein Rednertalent bereits bei den Turnern entwickelt hatte. Er sprach weniger von den Revolutionstheorien des Karl Marx als von Ferdinand Lasalles Ideen eines genossenschaftlichen und demokratischen Sozialismus. Auch mit dem Bekenntnis zum preußischen Staat und zum Ziel der nationalen Einheit Deutschlands, die 1871 unter preußischer Führung erreicht werden sollte, hatte Hasenclever kein Problem.
Das machte ihn auch für bürgerliche Wähler wählbar und beschrete ihm am Wahltag 6809 von 11?826 abgegbenen Stimmen.
Der Vorwurf seiner liberalen und konservativen Gegenkandidaten, der ADAV mache den Wahlkampf zum Klassenkampf hatte ebenso wenig verfangen, wie der Spott, der Handwerker und Arbeiter Hasenclever sei in Wahrheit ein „Gerber von der Feder.“ Damit meinten sie seine literarischen und journalistischen Ambitionen. Der 1837 in Arnsberg geborene Hasenclever hatte nicht nur Zeitungsartikel, etwa bei der Westfälischen Volkszeitung, sondern auch Gedichte, Lieder und Novellen geschrieben. 1876 sollte er zusammen mit Wilhelm Liebknecht der erste Herausgeber des sozialdemokratischen Parteizeitung Vorwärts werden. Damals dichtete er über das Programm der Sozialdemokratie: „Gleiche Pflichten, gleiche Rechte. Alle Menschen seien gleich. Keine Herren, keine Knechte. Geb’ es und nicht arm und reich. Doch die Arbeit auf dem Throne. Ihr gebührt die Ehrenkrone.“
Doch eine Ehrenkrone bekam Hasenclever auch nach seinem Wahlsieg nicht aufgesetzt. Stattdessen kommentierte der liberale Landrat von Keßler seine Niederlage gegen Hasenclever mit der Feststellung: „So hat also unser Kreis, dieser durch seine Industrie, seinen Handel und seine Schifffahrt, seine Landwirtschaft sowie durch die hohe Intelligenz und Tüchtigkeit seiner Bewohner so hervorragende Kreis, die zweifelhafte Ehre von einem Sozialdemokraten des aller gewöhnlichsten Schlages vertreten zu sein.“
Hasenclevers Wahlsieg war auch nur möglich geworden, weil bei Reichstagswahlen im Norddeutschen Bund und ab 1871 im Deutschen Kaiserreich das allgemeine und gleiche Wahlrecht galt. Gleiches Wahlrecht hieß damals: Alle Männer durften wählen. Die Frauen durften das erst ab 1919. Anders als bei Reichstags- galt allerdings bis 1918 bei preußischen Landtagswahlen das Dreiklassenwahlrecht. Das unterteilte die Wähler in drei Steuergruppen und bevorzugte so die wenigen reichen Spitzensteuerzahler, die konservativ oder liberal wählten. Schon 1871 sahen Hasenclevers Gegener ihre Stunde gekommen, als der Mülheimer Abgeordnete, der selbst als Unteroffizier zeitweise am Deutsch-Französischen Krieg teilgenommen hatte, gegen die Verlängerung der Kriegskredite stimmte, weil er die Annektierung von Elsaß und Lothringen ablehnte. 10?000 Protestbriefe an den Abgeordneten waren die Folge. Die Rhein-Ruhr-Zeitung hielt es damals für ihre Pflicht: „feierlich zu erklären, dass diese Abstimmung des Herrn Hasenclever nicht die Ansicht der Wähler repräsentiert, die geglaubt hatten, einen Mann zu wählen, der dazu beitragen würde, die soziale Lage der Arbeiter zu verbessern. Keineswegs sind sie aber willens gewesen, das zu unterstützen, was jetzt erst klargelegt ist, nämlich vaterlandsverräterische Tendenzen einer Partei.“ Das markierte das Ende des Mülheimer Reichstagsabgeordneten Hasenclever, der seine politische Karriere aber an anderer Stelle fortsetzen sollte.
1871 wurde Wilhelm Hasenclever zum Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) gewählt und leitete das Parteiorgan „Neuer Sozialdemokrat.“ Er kehrte 1874 als Abgeordneter in den Deutschen Reichstag zurück, allerdings für einen Hamburger Wahlkreis.
Später vertrat er auch Berliner und Breslauer Wahlkreise im Reichstag, dem er bis 1888 angehören sollte, ehe er sein Mandat, ein Jahr vor seinem Tod, aus gesundheitlichen Gründen niederlegen musste. Nachdem der ADAV unter seiner Führung von 5300 auf 19.000 Mitglieder angewachsen war, ebnete Hasenclever zusammen mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht den Weg zur 1875 vollzogenen Vereinigung von ADAV und Sozialdemokratischer Arbeiterpartei zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, aus der 1890 die SPD hervorgehen sollte.
Als Hasenclever am 7. Juli 1889 in Berlin beigesetzt wurde, gaben ihm 15.000 Menschen die letzte Ehre, obwohl die Sozialdemokratie damals noch verboten war. Heute tragen ein Platz und eine Straße in Berlin seinen Namen.
Dieser Text erschien am 25. Juni 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Wie berichtet, war Hasenclever, der erste Sozialdemokrat, der in Mülheim ein Abgeordnetenmandat errang. Das war am 22. Februar 1869. Damals trat der gelernte Gerber als Kandidat des reichsweit am 23. Mai 1863 in Leipzig und am 12. Juni 1864 in Mülheim gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) an.
Seine Siegchancen waren zunächst gering. Denn bei der ersten Wahl zum Norddeutschen Reichstag (1867) hatte der Bewerber des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins im Wahlkreis Duisburg-Mülheim gerade mal 440 Stimmen bekommen. Doch Hasenclever war ein brillanter Rhetoriker, der sein Rednertalent bereits bei den Turnern entwickelt hatte. Er sprach weniger von den Revolutionstheorien des Karl Marx als von Ferdinand Lasalles Ideen eines genossenschaftlichen und demokratischen Sozialismus. Auch mit dem Bekenntnis zum preußischen Staat und zum Ziel der nationalen Einheit Deutschlands, die 1871 unter preußischer Führung erreicht werden sollte, hatte Hasenclever kein Problem.
Das machte ihn auch für bürgerliche Wähler wählbar und beschrete ihm am Wahltag 6809 von 11?826 abgegbenen Stimmen.
Der Vorwurf seiner liberalen und konservativen Gegenkandidaten, der ADAV mache den Wahlkampf zum Klassenkampf hatte ebenso wenig verfangen, wie der Spott, der Handwerker und Arbeiter Hasenclever sei in Wahrheit ein „Gerber von der Feder.“ Damit meinten sie seine literarischen und journalistischen Ambitionen. Der 1837 in Arnsberg geborene Hasenclever hatte nicht nur Zeitungsartikel, etwa bei der Westfälischen Volkszeitung, sondern auch Gedichte, Lieder und Novellen geschrieben. 1876 sollte er zusammen mit Wilhelm Liebknecht der erste Herausgeber des sozialdemokratischen Parteizeitung Vorwärts werden. Damals dichtete er über das Programm der Sozialdemokratie: „Gleiche Pflichten, gleiche Rechte. Alle Menschen seien gleich. Keine Herren, keine Knechte. Geb’ es und nicht arm und reich. Doch die Arbeit auf dem Throne. Ihr gebührt die Ehrenkrone.“
Doch eine Ehrenkrone bekam Hasenclever auch nach seinem Wahlsieg nicht aufgesetzt. Stattdessen kommentierte der liberale Landrat von Keßler seine Niederlage gegen Hasenclever mit der Feststellung: „So hat also unser Kreis, dieser durch seine Industrie, seinen Handel und seine Schifffahrt, seine Landwirtschaft sowie durch die hohe Intelligenz und Tüchtigkeit seiner Bewohner so hervorragende Kreis, die zweifelhafte Ehre von einem Sozialdemokraten des aller gewöhnlichsten Schlages vertreten zu sein.“
Hasenclevers Wahlsieg war auch nur möglich geworden, weil bei Reichstagswahlen im Norddeutschen Bund und ab 1871 im Deutschen Kaiserreich das allgemeine und gleiche Wahlrecht galt. Gleiches Wahlrecht hieß damals: Alle Männer durften wählen. Die Frauen durften das erst ab 1919. Anders als bei Reichstags- galt allerdings bis 1918 bei preußischen Landtagswahlen das Dreiklassenwahlrecht. Das unterteilte die Wähler in drei Steuergruppen und bevorzugte so die wenigen reichen Spitzensteuerzahler, die konservativ oder liberal wählten. Schon 1871 sahen Hasenclevers Gegener ihre Stunde gekommen, als der Mülheimer Abgeordnete, der selbst als Unteroffizier zeitweise am Deutsch-Französischen Krieg teilgenommen hatte, gegen die Verlängerung der Kriegskredite stimmte, weil er die Annektierung von Elsaß und Lothringen ablehnte. 10?000 Protestbriefe an den Abgeordneten waren die Folge. Die Rhein-Ruhr-Zeitung hielt es damals für ihre Pflicht: „feierlich zu erklären, dass diese Abstimmung des Herrn Hasenclever nicht die Ansicht der Wähler repräsentiert, die geglaubt hatten, einen Mann zu wählen, der dazu beitragen würde, die soziale Lage der Arbeiter zu verbessern. Keineswegs sind sie aber willens gewesen, das zu unterstützen, was jetzt erst klargelegt ist, nämlich vaterlandsverräterische Tendenzen einer Partei.“ Das markierte das Ende des Mülheimer Reichstagsabgeordneten Hasenclever, der seine politische Karriere aber an anderer Stelle fortsetzen sollte.
1871 wurde Wilhelm Hasenclever zum Präsidenten des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) gewählt und leitete das Parteiorgan „Neuer Sozialdemokrat.“ Er kehrte 1874 als Abgeordneter in den Deutschen Reichstag zurück, allerdings für einen Hamburger Wahlkreis.
Später vertrat er auch Berliner und Breslauer Wahlkreise im Reichstag, dem er bis 1888 angehören sollte, ehe er sein Mandat, ein Jahr vor seinem Tod, aus gesundheitlichen Gründen niederlegen musste. Nachdem der ADAV unter seiner Führung von 5300 auf 19.000 Mitglieder angewachsen war, ebnete Hasenclever zusammen mit August Bebel und Wilhelm Liebknecht den Weg zur 1875 vollzogenen Vereinigung von ADAV und Sozialdemokratischer Arbeiterpartei zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands, aus der 1890 die SPD hervorgehen sollte.
Als Hasenclever am 7. Juli 1889 in Berlin beigesetzt wurde, gaben ihm 15.000 Menschen die letzte Ehre, obwohl die Sozialdemokratie damals noch verboten war. Heute tragen ein Platz und eine Straße in Berlin seinen Namen.
Dieser Text erschien am 25. Juni 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dienstag, 25. Juni 2013
Auch Mülheims spätere Partnerstadt Darlington wurde im Zweiten Weltkrieg von Luftangriffen getroffen
Am Sopnntag gedachte Mülheim des Luftangriffs, bei dem 557 britische Bomber in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 1943 rund 1600 Tonnen Sprengstoff über der Stadt entluden und ihr Gesicht damit für immer veränderten. 530 Mülheimer und 198 britische Soldaten wurden in dieser Nacht getötet, 889 Zivilisten verletzt.
Nur wenigen dürfte bekannt sein, dass das nordenglische Darlington, mit dem Mülheim seit 60 Jahren eine Städtepartnerschaft unterhält, auch Ziel der deutschen Luftwaffe war. Tom Nutt, Stadtrat und Vorsitzender des Städtepartnerschaftvereins von Darlington, hat sich im Archiv der örtlichen Zeitung Northern Echo schlau gemacht. Danach wurde Darlington zwischen August 1940 und März 1945 neun mal von deutschen Bomben getroffen. Allerdings ist in den Zeitungs- und Zeitzeugenberichten über Angriffe der deutschen Luftwaffe offensichtlich nur von Gebäudeschäden, aber nicht von Toten und Verletzen die Rede.
Darlington scheint also bei den deutschen Luftangriffen, die vor allem im Spätsommer 1940 sowie im Winter und Frühjahr 1941 geflogen wurden, vergleichsweise glimpflich davon gekommen zu sein.
Dieser Text erschien am 22. Juni 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Nur wenigen dürfte bekannt sein, dass das nordenglische Darlington, mit dem Mülheim seit 60 Jahren eine Städtepartnerschaft unterhält, auch Ziel der deutschen Luftwaffe war. Tom Nutt, Stadtrat und Vorsitzender des Städtepartnerschaftvereins von Darlington, hat sich im Archiv der örtlichen Zeitung Northern Echo schlau gemacht. Danach wurde Darlington zwischen August 1940 und März 1945 neun mal von deutschen Bomben getroffen. Allerdings ist in den Zeitungs- und Zeitzeugenberichten über Angriffe der deutschen Luftwaffe offensichtlich nur von Gebäudeschäden, aber nicht von Toten und Verletzen die Rede.
Darlington scheint also bei den deutschen Luftangriffen, die vor allem im Spätsommer 1940 sowie im Winter und Frühjahr 1941 geflogen wurden, vergleichsweise glimpflich davon gekommen zu sein.
Dieser Text erschien am 22. Juni 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Montag, 24. Juni 2013
Der britische Luftangriff, der Mülheim vor 70 Jahren traf, veränderte das Gesicht der Stadt für immer
Wer nach Mülheims schwärzester Stunde sucht, wird am 23. Juni 1943 fündig. Kurz nach Mitternacht beginnt die britische Luftwaffe einen Großangriff, nach dem die Stadt nicht mehr wiederzuerkennen sein wird. In einer ersten Angriffswelle wird die Feuerwache bombardiert. Im Bereich Aktienstraße, Sandstraße und Falkstraße sterben 90 Menschen.
Doch das ist nur der Anfang. Um 0.45 Uhr heulen die Sirenen. Um 1.10 Uhr beginnt der Hauptangriff. Mehr als 500 britische Bomber laden ihre tödliche Fracht ab. Luftminen, Sprengbomben, Phosphor- und Stabbrandbomben legen vor allem die Innenstadt in Schutt und Asche, töten über 500 Menschen und verletzen über 1000. Die Flugabwehr hat den britischen Angreifern, die in rund 70 Minuten eine Bombenlast von rund 1600 Tonnen abwerfen, nicht viel entgegenzusetzen. 35 Maschinen werden abgeschossen. Eine von ihnen stürzt auf den Hauptfriedhof. Insgesamt 198 Besatzungsmitglieder der Royal Air Force verlieren ihr Leben.
Das Werk der Vernichtung, das die Bomber anrichten, ist unbeschreiblich. Nach dem Angriff sind nur noch 23 Prozent der Innenstadtgebäude intakt. Rund 48 000 Mülheimer müssen ihre zerstörten oder stark beschädigten Häuser verlassen. Stadtweit werden fast 2700 Häuser zerstört. Neben der Innenstadt sind vor allem Styrum mit den Thyssenwerken, Eppinghofen und Dümpten besonders stark getroffen worden, während die Stadtteile links der Ruhr weniger Bombentreffer abbekommen.
Besonders dramatische Szenen müssen sich im Alten- und Versorgungsheim des Evangelischen Krankenhauses abgespielt haben. Dort sterben 23 Menschen. 150 schwerkranke Patienten müssen evakuiert werden. Obwohl das Krankenhaus getroffen wurde, nimmt es schon am Tag danach seinen Betrieb wieder auf und verteilt Butterbrote und Kaffee an Helfer und Bedürftige. Die Bekämpfung von stadtweit rund 4000 Brandherden kommt nur langsam voran. Straßen und Leitungen sind aufgerissen. Trümmer versperren die Straßen. Weil die Telefonleitungen tot sind, müssen Helfer durch Melder herbeigeholt werden.
Und bevor man überhaupt mit der Bergung von Verschütteten und Toten beginnen kann, müssen die aufgeheizten Trümmer erst mit Wasser abgekühlt werden; keine leichte Aufgabe angesichts geborstener Wasserleitungen. Noch Tage nach dem Luftangriff liegen Tote auf den Straßen. Vom Elend der Menschen berichten die von den Nazis gleichgeschalteten Zeitungen nicht. Doch die Todesanzeigen in der Lokalpresse sprechen für sich.
Dieser Text erschien am 23. Juni 2008 in der Neuen Ruhr Zeitung
Doch das ist nur der Anfang. Um 0.45 Uhr heulen die Sirenen. Um 1.10 Uhr beginnt der Hauptangriff. Mehr als 500 britische Bomber laden ihre tödliche Fracht ab. Luftminen, Sprengbomben, Phosphor- und Stabbrandbomben legen vor allem die Innenstadt in Schutt und Asche, töten über 500 Menschen und verletzen über 1000. Die Flugabwehr hat den britischen Angreifern, die in rund 70 Minuten eine Bombenlast von rund 1600 Tonnen abwerfen, nicht viel entgegenzusetzen. 35 Maschinen werden abgeschossen. Eine von ihnen stürzt auf den Hauptfriedhof. Insgesamt 198 Besatzungsmitglieder der Royal Air Force verlieren ihr Leben.
Das Werk der Vernichtung, das die Bomber anrichten, ist unbeschreiblich. Nach dem Angriff sind nur noch 23 Prozent der Innenstadtgebäude intakt. Rund 48 000 Mülheimer müssen ihre zerstörten oder stark beschädigten Häuser verlassen. Stadtweit werden fast 2700 Häuser zerstört. Neben der Innenstadt sind vor allem Styrum mit den Thyssenwerken, Eppinghofen und Dümpten besonders stark getroffen worden, während die Stadtteile links der Ruhr weniger Bombentreffer abbekommen.
Besonders dramatische Szenen müssen sich im Alten- und Versorgungsheim des Evangelischen Krankenhauses abgespielt haben. Dort sterben 23 Menschen. 150 schwerkranke Patienten müssen evakuiert werden. Obwohl das Krankenhaus getroffen wurde, nimmt es schon am Tag danach seinen Betrieb wieder auf und verteilt Butterbrote und Kaffee an Helfer und Bedürftige. Die Bekämpfung von stadtweit rund 4000 Brandherden kommt nur langsam voran. Straßen und Leitungen sind aufgerissen. Trümmer versperren die Straßen. Weil die Telefonleitungen tot sind, müssen Helfer durch Melder herbeigeholt werden.
Und bevor man überhaupt mit der Bergung von Verschütteten und Toten beginnen kann, müssen die aufgeheizten Trümmer erst mit Wasser abgekühlt werden; keine leichte Aufgabe angesichts geborstener Wasserleitungen. Noch Tage nach dem Luftangriff liegen Tote auf den Straßen. Vom Elend der Menschen berichten die von den Nazis gleichgeschalteten Zeitungen nicht. Doch die Todesanzeigen in der Lokalpresse sprechen für sich.
Dieser Text erschien am 23. Juni 2008 in der Neuen Ruhr Zeitung
Sonntag, 23. Juni 2013
50 Jahre danach: Ein Besuch bei Freunden: Barack Obama wandelt auf den Spuren John F. Kennedys
„Wenn ich einmal das Weiße Haus verlasse, dann wird mein Nachfolger einen Brief in meinem Schreibtisch finden mit der Aufschrift Nur in Augenblicken tiefster Depression zu öffnen! In diesem Brief stehen nur drei Worte: Besuchen Sie Deutschland!“ Das sagte John F. Kennedy bei seinem Deutschland-Besuch im Juni 1963. Damals erlebte er die triumphalsten Tage seiner 1000-tägigen Amtszeit.
Ob US-Präsident Barack Obama, der zurzeit mächtig unter Druck steht, den Brief seines Vorgängers und Vorbildes gelesen hat. Wenn er jetzt nach Deutschland kommt, wandelt er auf Kennedys Spuren und wird sich vielleicht an seinen eigenen Berlin-Besuch im Juli 2008 erinnern. Damals sagte der Präsidentschaftskandidat vor 200.000 begeisterten Menschen in der Hauptstadt "Wenn Sie, das Berliner Volk, die Mauer einreißen konnten, eine Mauer zwischen Ost und West, eine Mauer zwischen Angst und Hoffnung, dann können Mauern auf der ganze Welt eingerissen werden."
Wie Kennedy startete auch Obama als politischer Hoffnungsträger. Der eine wollte die Menschen „zu neuen Ufern“ führen. Der andere versprach den „Wechsel“ zu einer gerechteren Politik. Beide mussten erleben, dass die Hoffnungen, die sie weckten, nur bedingt erfüllt werden konnten.
Wenn Obama jetzt nach Deutschland kommt, begleiten ihn die Schatten der Internetausspähung durch den US-Geheim-Dienst NSA. Als Kennedy am 23. Juni 1963 nach Deutschland kam begleiteten ihn die Schatten den Berliner Mauerbaus und der deutschen NS-Vergangenheit.
Der Mauerbau lag erst zwei Jahre zurück. „Der Westen tut nichts und Präsident Kennedy schweigt“, schrieb die Bild-Zeitung im August 1961. Für Kennedy war es nicht der erste Deutschland-Besuch. Als junger Student und Journalist hatte er 1937, 1939 und 1945 das von Hitler gezeichnete Land besucht. Wie jüngste Veröffentlichungen seiner damaligen Tagebücher und Briefe zeigen, hatte der 20-jährige Kennedy eine ambivalente Sicht auf Nazi-Deutschland. Einerseits notierte er im August 1937: „Komme zu dem Schluss, dass der Faschismus das Richtige für Deutschland und Italien ist. Was sind die Übel des Faschismus im Vergleich zum Kommunismus? Die Deutschen sind wirklich zu gut. Deshalb rottet man sich gegen sie zusammen, um sich zu schützen.“
Andererseits kam der Harvard-Student in seiner als Buch „Warum England schlief“ veröffentlichten Examensarbeit zwei Jahre später zu dem Ergebnis, dass Chamberlains Beschwichtigungspolitik gescheitert und ein Krieg gegen Hitler unausweichlich sei. „Wir können niemanden sagen, sich aus unserer Hemisphäre herauszuhalten, wenn nicht die Waffen und die Menschen hinter diesen Waffen bereitstehen, diesem Befehl Nachdruck zu verleihen,“ schrieb Kennedy damals.
25 Jahre später sollte er als US-Präsident im Kalten Krieg mit dem Kommunismus ähnlich argumentieren. Und so war auch sein legendärer Satz: „Ich bin ein Berliner!“ zu verstehen, den er am 26. Juni 1963 vor dem Schöneberger Rathaus 450 000 begeisterten Menschen zurief. Mit diesem Satz machte Kennedy deutlich, dass der mächtigste Mann des Westens „und alle Menschen, wo immer sie leben mögen“ an der Seite der Westberliner und der Westdeutschen stehen würden, wenn es um die Verteidigung ihrer Freiheit gehe.
Die Begeisterung, die Kennedy vom 23. bis zum 26. Juni 1963 in Bonn, Köln, Frankfurt, Wiesbaden, Hanau und Berlin erlebte, gab ihm das gute Gefühl, dass sich die Deutschen in der Bundesrepublik 18 Jahre nach Kriegsende nicht nur von seinem französischen Gegenspieler Charles de Gaulles begeistern ließen und das sie im demokratischen Westen angekommen waren.
Als Kennedy am 26. Juni 1963 von Berlin aus nach Washington zurückflog, sagte er zu seinen Begleitern: „Einen solchen Tag werden wir nie wieder erleben, solange wir leben.“ Fünf Monate später war John F. Kennedy tot, ermordet. Und die Berliner gaben dem Platz vor ihrem Schöneberger Rathaus seinen Namen. Aber auch in den Städten an Rhein und Ruhr gedachten vor allem junge Menschen des jungen Präsidenten, der zu früh gestorben war, um die von ihm geweckten Hoffnungen auf eine bessere Welt zu erfüllen. Die Ermordung Kennedys wurde auch von vielen Deutschen als eine verlorene Chance begriffen. Ob sein Nachfolger Obama 50 Jahre danach seine Chance nutzen kann, wird die Geschichte zeigen müssen.
Dieser Text erschien am 18. Juni 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung
Freitag, 21. Juni 2013
In Memoriam Elfriede Rosorius: Eine ganz persönliche Geschichte über die Anfänge der Neuen Ruhr Zeitung in Mülheim
Elfreide Rosorius war als Tochter des ersten NRZ-Lokalchefs und späteren SPD-Bundestagsabgeordneten Otto Striebeck eine Pionierin und jahrzehntelage Wegbegleiterin und Leserin der Mülheimer NRZ. Am 17. Juni 2013 ist sie im Alter von 92 Jahren gestorben. Der nachstehende Text gibt ein Gespräch mit ihr wieder, das ich zum 65. Geburtstag der NRZ am 13. Juli 2011 für die Mülheimer NRZ mit ihr geführt habe:
Auch mit 90 Jahren liest Elfriede Rosorius immer noch jeden Tag die NRZ. Politik, Sport und Lokales interessieren sie am meisten. Neben der aktuellen Ausgabe liegen auf ihrem Schreibtisch auch die Zeitungsseiten der vergangenen Tage, zu deren Lektüre sie noch nicht gekommen ist.
Für Rosorius ist die NRZ mehr als „ein unverzichtbares Medium“, um auf dem Laufenden zu bleiben. Für sie ist sie Teil ihrer Familiengeschichte. Denn ihr Vater Otto Striebeck war der ersten Redaktionsleiter der Mülheimer NRZ, deren erste Ausgabe am 13. Juli 1946 erschien.
„Ich bin damals von Haus zu Haus gelaufen und habe 500 Abonnenten geworben“, erinnert sie sich nicht ohne Stolz. “Jetzt können wir endlich wieder sagen und schreiben was wahr ist“, hat sie damals ihren Nachbarn gesagt, um sie davon zu überzeugen, für 1,50 Reichsmark pro Monat die Neue Ruhr Zeitung zu abonnieren. Erst zwei Jahre später sollte die NRZ mit der neuen D-Mark bezahlt werden.
Dass die Presse- und Meinungsfreiheit unbezahlbar war, wusste Rosorius aus eigener Erfahrung. Als aktiver Sozialdemokrat und Bergmann, der sich zum Zeitungsredakteur hochgearbeitet hatte, verlor ihr Vater nach der Machtübernahme durch die Nazis seinen ersten journalistischen Arbeitsplatz bei der Volksstimme in Moers und saß drei Jahre lang im Zuchthaus. „Der Otto hat Recht gehabt“, hat seine Tochter später oft zu hören bekommen, als sich Leute an seine 1933 gedruckten Flugblätter mit der Warnung “Wer Hitler wählt, wählt den Krieg“ erinnerten.
Den Wiederaufbau hat Striebeck dann ab 1946 nicht nur als Redaktionsleiter der NRZ, sondern auch als Stadtverordneter der SPD begleitet. “Er konnte Dinge sehr gut erklären, sich mit Menschen auseinandersetzen und ihnen Wege aufzeigen, wie man Dinge regeln kann“, erinnert sich Rosorius an ihren Vater, den sie als einen Mann beschreibt, „der Tag und Nacht gearbeitet hat.“
Seine Anfänge bei der von der britischen Militärregierung lizenzierten und von Dietrich Oppenberg herausgegebenen NRZ waren bescheiden. Seine Wohnung an der Friedrichstraße war sein erstes Redaktionsbüro. Eine eigene Geschäftsstelle an der Schloßstraße (siehe Foto) bekam die NRZ erst später. Striebeck, dem seine Stenografiekenntnisse das journalistische Alltagsgeschäft sehr erleichterten, war der einzige Lokalredakteur und wurde bei seiner Arbeit von einer Hand voll freier Mitarbeiter unterstützt. Mit seinen auf einer alten Schreibmaschine getippten und von Tochter Elfriede Korrektur gelesenen Texten fuhr er dann ins Essener Verlagshaus. „Da hat er manche Nachtschicht mitgemacht“, erinnert sich Rosorius.
Die erste Lokalausgabe der NRZ bestand aus einer halben Seite Text und einer halben Seite mit Kleinanzeigen. Weil das Papier knapp ist, erscheint die NRZ anfangs nur zweimal pro Woche. Wer die Berichte über die Lebensmittelhilfen des Schwedischen Roten Kreuzes, den Rehabilitationssport für Kriegsbeschädigte in der heutigen Martin-von-Tours-Grundschule oder den Diebstahl von Lebensmittelkarten, den Mangel an politisch unbelasteten Lehrern, intakten Schulen, verschlepptem Schulmobiliar oder die Kleinanzeigen mit Tauschangeboten, wie „Biete gut erhaltenen Damenmantel (Größe 42). Suche Herrenanzug“ nachliest, der bekommt eine Ahnung von der existenziellen Not, unter der die Mülheimer 1946 litten. Sicher hätte man es damals, als sich 70 Schüler einen Lehrer und 90 Schulklassen 14 Schulgebäude teilen mussten, kaum glauben können, dass man 65 Jahre später in Mülheim über Schulschließungen nachdenkt
Viele Mülheimer kamen zu Striebeck, der ihren Nöten und Anliegen in der NRZ eine Stimme und ein Forum gab. Ab 1949 verlagerte der Sozialdemokrat Striebeck den Einsatz für seine Mitbürger dann als erster Mülheimer Abgeordneter von der NRZ-Redaktion in den Deutschen Bundestag.
Was aus heutiger Perspektive vielleicht etwas befremden mag, entsprach damals einer gewissen Konsequenz, die der Absicht entsprach, mit der die englische Militärregierung auch die NRZ lizenzierte.
Es ging darum, die Deutschen zu engagierten Demokraten zu erziehen und, wie ein britischer Offizier in der NRZ vom 13. Juli 1946 sagt, „das Vertrauen in die Menschlichkeit zu stärken.“
Dieser Text erschien am 13. Juli 2011 in der Neuen Ruhr Zeitung
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Schwarzes Gold
Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...
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Ein Zeitsprung in die 1950er Jahre Ruhrblick am Leinpfad in den frühen 1950er Jahren. Ein Foto des Mülheimers John Dieter Roehse mach...
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Sie sind nicht von ungefähr die in allen Berufsimage-Umfragen hoch gepriesenen Helden des Alltags. Feuerwehrleute bringen sich in Gefahr, ...
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Dr. Peter Ramme 6.45 Uhr. Der Arbeitstag von Dr. Peter Ramme beginnt nicht in seiner Praxis, sondern im Haus Kuhlendahl, wo der Hausa...