Freitag, 25. Dezember 2020

Kreative Kinder

 Diesmal musste Barbara Schmidt ihre Schreibwerkstatt für kreative Fünftklässler via Videokonferenz abhalten. Auch hier galt angesichts der Coronavirus-Pandemie digital vor analog. Doch das tat der Schreiblust der zehn- und elfjährigen Mülheimer keinen Abbruch. Diesmal spitzten Devin, Nele, Robin, Lilly, Rebecca, Isabella, Ella,  Marlene, Johanna und Vincent immer wieder montags die Feder, um alleine in ihrem Zimmer daheim und doch gemeinsam verbunden über das Internet, ein abenteuerliches und fantastisches Theaterstück zu schreiben, das in anderen Dimensionen, aber auch an so irdischen Orten, wie Berlin, London, im Pferdestall oder in der Küche spielt.

Die Internet-Lernplattform Padlet machte das literarische Gemeinschaftswerk möglich. Denn hier konnte das junge Autoren-Kollektiv Ideen, Formulierungen, Szenen, Begegnungen, Handlungsorte und Charaktere miteinander austauschen und für alle Teilnehmer der Schreibwerkstatt einsehbar hinterlegen.

Fantasie ohne Grenzen

Während die Montagsgruppe ein Theaterstück über den Sohn eines Dämonenkönigs geschrieben hat, der mit Hilfe von acht Verbündeten das Regime seines Vaters stürzt und ihn am Ende in ein Kaninchen verwandelt, verfassten die Freitagsschreiber Shiloh, Anni, Laura, Julie, Lisa, Lotta, Laura, Elisa, Paul, Sofia und Isabella ein Stück über Kinder, die von ganz unterschiedlichen Orten nach Mülheim kommen und sich dort begegnen. Der Held ihres Schauspiels ist ein Bruchpilot, der mithilfe der Menschen, die ihm begegnen, seine Flugangst überwindet und am Ende einen Impfstoff gegen Corona ins Krankenhaus bringt.

Von Profis inspiriert

Beide Gruppen, die sich an sieben Nachmittagen, jeweils zwischen 16 und 18 Uhr, via Internet und Computerbildschirm vernetzten, wurden von der Schauspielerin und Theaterpädagogin Barbara Schmidt und von der Autorin Sarah Meyer-Dietrich moderiert und inspiriert. (www.sarahmeyerdietrich.de) "Mir war schon im Sommer klar, dass wir die inzwischen zwölfte Kinderschreibwerkstatt des städtischen Kulturbetriebs, aufgrund der Coronavirus-Pandemie nur in digitaler Form würden durchführen können. Deshalb befürchtete ich, dass sich viele Kinder darauf nicht einlassen würden. Doch das Gegenteil war der Fall. Nach meinen Werbebesuchen in den fünften Klassen der Luisenschule und des Gymnasiums Broich, waren schon alle 20 Workshop-Plätze besetzt.

Kinder schreiben aus sich selbst heraus

"Kinder, die schreiben, tun dies immer spontan und aus ihrem eigenen Erleben heraus. Sie sind nachdenklich, unglaublich kreativ und authentisch, aber nicht so ambitioniert, perfektionistisch und reflektiert wie erwachsene Autoren"

, schildert Barbara Schmidt ihre Erfahrungen aus jetzt zwölf Schülerschreibwerkstätten. Wurden die literarische Ergebnisse der Schreibwerkstätten des städtischen Kulturbetriebs live in Form von Lesungen, Aufführungen und Hörspielen präsentiert, so arbeiten Barbara Schmidt und ihre Kollegin Selma Schele vom städtischen Bildungsnetzwerk an einer Internetplattform für kulturelle Bildung "Ins Netz gegangen", auf der nicht nur die Ergebnisse der jetzt beendeten Schreibwerkstätten des städtischen Kulturbetriebs veröffentlicht und unabhängig von Zeit und Raum von an der Jungen Kultur in unserer Stadt Interessierten nachgelesen, angeschaut und angehört werden können. Außerdem bietet die neue Plattform Anregungen und Material für die Kulturpädagogik und ein Forum, in dem sich Kultur schaffende Kinder und Jugendliche austauschen und ausprobieren können. 

Was sagen die jungen Autoren?

Nachwuchs-Autorin Nele beschreibt ihre Erfahrungen mit der Teilnahme an der digitalen Schreibwerkstatt, stellvertretend für ihre Kollegen so:

"Ich schreibe gerne, weil: es mir Spaß macht Geschichten zu erfinden, und neue Wesen zu erschaffen. Ich finde Fantasiethemen interessant, weilich gerne lese. Ich finde es toll, dass Lebewesen in Geschichten magische Kräfte besitzen!"

Die gemeinsame Herausforderungen in der Schreibwerkstatt war die, sich als aller erstes auf eine Grundlage des Stückes zu einigen. Das war etwas schwierig. Denn alle Kinder hatten super Ideen! Deshalb war es schwer, sich auf ein Thema zu einigen. In der Schule schreiben wir alleine Geschichten. In der Schreibwerkstadt haben wir ein Theaterstück geschrieben. Wir mussten also zusammenarbeiten. Aus der Schreibwerkstadt nehme ich mit, dass man zusammen manchmal viel mehr erreichen kann! Ich habe dort gelernt, mich mit anderen Kindern zusammensetzen und ein Theaterstück zu entwickeln. Was ich sonst lieber alleine gemacht hätte, mache ich jetzt lieber zusammen! Besonders Freude hat mir gemacht, mir die Ideen und Szenen anzuhören!"

Robin  schreibt:

"Ich schreibe gerne, weil ich gerne mir etwas ausdenke was ich selbst nicht erlebe.
Fantasie und Action finde ich besonders interessant. Gemeinsam ein Theaterstück schreiben, heißt, dass man viele Ideen zusammenbringen und umsetzen muss.

Jeder soll dabei zu seinem Recht kommen. In der Schreibwerkstatt kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen. In der Schule ist man auf etwas begrenzt, weil das Thema vorgegeben wird. In der Schreibwerkstatt habe ich gemerkt, dass es sehr viel Spaß macht Geschichten zu schreiben.Ich habe gelernt, Ideen zu entwickeln, in Worte zu fassen und gemeinsam mit anderen Geschichten zu schreiben. Mir hat besonders die Montags-runde Freude gemacht und die Anleitung durch Sarah und Barbara. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas Falsches gesagt hätte. Beide waren immer freundlich und hilfsbereit und haben uns gern weitergeholfen."

Seine Mitautorinnen Rebecca und Lilly meinen: "Es macht Spaß, andern seine Gedanken mitteilen zu können. Uns interessiert alles rund um Tiere. Schwierig war, dass alles zueinander passt. In der Schule haben wir viele Vorschriften. Hier in der Schreibwerkstatt hatten wir alle unsere Freiheiten.
Wir haben gelernt, dass man lieber mit Worten Konflikte schlichten sollte und wie man Theaterstücke schreibt. Besonders Freude hat uns dabei gemacht, dass man seinen eigenen Charakter entwickeln kann. "

Ihre Kollegin Lotta schreibt: "  Man konnte dabei seiner Kreativität freien Lauf lassen. Ich mag besonders spannende, aber auch witzige Geschichten. Beim gemeinsamen Schreiben mussten wir alles koordinieren, damit nichts doppelt vorkommt. Außerdem sollte auch niemand benachteiligt werden. In der Schreibwerkstatt hatte man mehr Zeit und alles war freiwillig. Dadurch hatte man keinen Druck und fühlte sich freier als bei den Hausaufgaben. So macht das Schreiben noch mehr Spaß. Ich nehme mit, dass man auch mit vielen Leuten alle Ideen unter einen Hut bringen kann. Außerdem möchte ich auf jeden Fall weiter schreiben. Ich habe gelernt, unterschiedliche Ideen und Themen zusammenzubringen und ein großes Ganzes daraus zu machen. Dass ich diesmal nicht alleine geschrieben habe, sondern eine Gemeinschaftsarbeit entstanden ist, macht mir Freude." 

 Jung-Autor Devin schreibt: "Ich schreibe gerne weil ich sehr fantasievoll bin und es mir Spaß macht. Ich fand alles interessant und würde es definitiv weiterempfehlen. Wenn man gemeinsam ein Theaterstück schreiben will, muss man gut zusammenarbeiten und die Texte sollten zueinander passen. In der Schreibwerkstatt kann man der Fantasie freien Lauf lassen. In der Schule hat man vorgegebene Aufgaben. Mir hat alles sehr viel Spaß gemacht."

Sophia: schreibt: "Ich schreibe gerne, weil ich es lustig und spannend finde. Dabei interessieren mich vor allem Umwelt-Abenteuer. Beim gemeinsamen Schreiben war es schwierig, dass alle einer Meinung waren. In der Schule macht das Schreiben nicht so viel Spaß. Ich nehme mit, dass es nicht unmöglich ist, etwas schönes zusammen zu machen. Ich habe gelernt, Geduld zu haben. Die größte Freude war, das Stück zu schreiben."

Vincent  schreibt: Wenn man schreibt, kann man seine Phantasie einsetzen. Man kann schreiben, was man möchte. In der Schule schreibt man das, was man muss. Ich habe gelernt, wie man eine Szene schreibt. Besonders schön war, dass wir viel gelacht haben und Emojis verschickt wurden.

Seine Kollegin Julie schreibt: Beim Schreiben kann man seiner Phantasie freuen Lauf lassen. Dabei finde ich Detektiv-Geschichten und Geschichten über Fabelwesen am spannendsten. Wir mussten erreichen, dass alle mit den Szenen einverstanden waren.In der Schule gibt es Vorgaben. in der Schreibwerkstatt haben wir zusam-men überlegt. Ich nehme mit, dass man ein Theaterstück mit Mehreren machen kann. Und ich habe gelernt, mehr wörtliche Rede zu benutzen, Adjektive gezielt einzusetzen. Mir Rollen auszudenken, war für mich die größte Freude. Ella

Ella: findet Schreiben toll, "Ich finde Schreiben toll, weil es mir Spaß macht, verschiedene Charaktere zu erfinden und zu bestimmen, wie verschieden diese sein können. Fantasy & Pferde-Geschichten gefallen mir am besten. Wir mussten uns auf alles einigen und die verschiedenen Teile des Theaterstücks abstimmen. Das dauerte ganz schön lange. Bei der Theaterwerkstatt machten alle freiwillig mit und wir konnten uns vieles aussuchen. Ich weiß jetzt, wie man ein Theaterstück richtig schreibt. Und ich habe gelernt, mich auch auf Charaktere einzulassen, die andere erfunden haben.
Ich finde es super, dass wir jetzt ein fertiges Stück haben, das wir vielleicht sogar aufführen können - nach Covid." 
 
Last, but not least schreibt Julie: "Man kann seiner Phantasie freien Lauf lassen. Detektiv- Geschichten und Geschichten über Fabelwesen finde ich besonders interessant. Es war nicht immer leicht, dass alle mit den Szenen einverstanden waren.In der Schule gibt es Vorgaben und in der Schreibwerkstatt haben wir zusammen überlegt. Ich habe erlebt, dass man ein Theaterstück mit Mehreren machen kann. Und ich habe dabei gelernt, mehr wörtliche Rede zu benutzen und mehr Adjektive gezielt einzusetzen. Besonders viel Spaß hatte ich daran, mir die Rollen auszudenken.


Dieser Text erschien am 22. Dezember im Mülheimer Lokalkompass

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