Mittwoch, 8. April 2015

Was lässt Pfarrer an die Auferstehung glauben: Eine kleine Osterumfrage

Michael Manz war 20 Jahre Pfarrer an der Friedenskirche in Heißen, ehe er nach ihrer Aufgabe 2014 als Pfarrer an die Immanuelkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Styrum wechselte.

Wie werden die Angehörigen der 149 Opfer und die Angehörigen des Täters Ostern erleben?
Die Botschaft der Auferstehung …
Des Sieges über den Tod …
Neues Leben …

Ein Theologe fragt:
„Warum fallen wir? Damit wir lernen, wieder aufzustehen.“

Wer liegen bleibt, der kann nicht auferstehen.

Ich kann und will nicht glauben, dass Menschen, die so jäh aus dem Leben gerissen wurden, liegen bleiben …
Sie werden auferstehen.
Ich habe eine Phantasie, ich mache mir ein Bild…

Ich sehe – auch – diese Menschen, wie sie an den Rändern liegen, den Einen durchlassen, ihn sehen, ihn hören, sich von ihm beim Aufstehen eine Hand, den Arm reichen lassen und sich aufrichten lassen, aufstehen …
Und wie sie erst zaghaft und leise, mit brüchiger Stimme, dann aber in immer deutlicher werdenden Tönen zu singen beginnen:
„Hosianna! … Halleluja!“

Und ich weiß, dass der, der da besungen und gepriesen wird, den Einen nicht liegen lassen wird …
Auch wenn es manch Andere zunächst verstummen lassen wird …

Ich wünsche mir, dass dieses mein Bild kein Bild, keine unnütze Phantasie bleiben möge …

Denn Auferstehung  von den Toten bedeutet, dass unser Leben Bedeutung hat – wie auch immer es war, wie auch immer es zu Ende gegangen ist.

Oder um es mit Worten aus dem Vorspann von “Raumschiff Enterprise” zu sagen:
“Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“
Wir werden in einem Zustand, einer Atmosphäre sein, die nie zuvor ein Mensch gesehen oder erlebt hat.


Bettina Roth ist Pfarrerin in der Vereinten Evangelischen Kirchengemeinde Mülheim und Mitglied der rheinischen Landeskirchenleitung

Für die Bibel ist die Auferstehung Jesu eine Tatsache: Alle vier Evangelien erzählen, dass Jesus auferstanden und seinen Jüngern begegnet ist. Damit ist die Auferstehung das am besten bezeugte Ereignis im Neuen Testament. Daran kann ich gut anknüpfen. Wie die Auferstehung  Jesu genau geschehen ist, bleibt jedoch offen. Für mich ist das kein Hindernis für österliche Hoffnung. Denn entscheidend ist dies: Durch die Auferstehung Jesu wissen wir: Gott hat selbst den Tod überwunden, und schenkt neues Leben. Das feiern wir an Ostern. Daran glaube ich. Und vertraue darauf, dass Gott das durch Christus auch an uns tut – und tun wird: Uns halten, tragen, retten.  Das ist eine große und wunderbare Hoffnung! Sie tröstet, und richtet Menschen auf. Und kommt uns nahe, indem wir einfach Ostern feiern: Im Gottesdienst mit der Gemeinde. Wenn die Osterkerze leuchtet, das Osterevangelium gelesen wird und die fröhlichen Osterlieder erklingen ist da, was wir uns an diesem Tag gegenseitig wünschen: Frohe Ostern!  Probieren Sie es aus. Sie sind herzlich willkommen!

Katrin Schirmer ist Pfarrerin an der Lutherkirche und zuständig für den Speldorfer Gemeindebezirk Mitte

An die Auferstehung glauben heißt für mich zu begreifen, dass der Tod ist ein Teil des Lebens ist, ein Durchgang zu einer neuen Existenz.
Der Tod ist das Ende meiner menschlichen Gestalt, aber nicht das Ende meiner Geschichte mit Gott. Gott schenkt uns neues Leben.

Mir gibt der Glaube Kraft und Halt im Leben. Es tröstet mich zu wissen, woher ich komme und wohin ich gehe.
Mit Vernunft erklären oder beweisen kann man die Auferstehung nicht. Das ging früher nicht und das geht auch nicht heute.
Ich kann nur erzählen und sagen: Mir hilft mein Glaube – und er verbindet mich mit vielen anderen Menschen auf der Welt.
Es gibt einfach mehr, als wir Menschen mit unserem Verstand fassen können.


Dagmar Tietsch-Lipski arbeitet als evangelische Pfarrerin an der Johanniskirche in der Lukas-Kirchengemeinde und ist als Mitglied im Kreissynodalvorstand Stellvertreterin des Superintendenten

Die Ostergeschichten der Bibel erzählen uns kein Märchen von einem Scheintoten. Jesus kehrt nicht einfach in sein irdisches Leben zurück. Der Tod ist eine absolute Grenze, die niemand rückwärts überschreiten kann.
Auferstehung heißt für mich:  Jesus ist hineingenommen worden in Gottes ewiges Leben. Das ist kein geschichtliches Datum, sondern ein überzeitliches Ereignis. Darum kann man darüber auch keinen Dokumentarfilm drehen. Auch das Neue Testament schweigt darüber, wie das denn passiert ist. Wohl aber wird uns dort berichtet, was die Jünger(innen) mit dem Auferstandenen erleben. Es sind sehr unterschiedliche Berichte, die sich allerdings in einem Punkt einig sind: Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus ist dem möglich, der für das Überraschende und Neue offen ist.
Vielleicht ist es gerade das, was die Ostergeschichten der Bibel so glaubwürdig macht: Dass da eben nicht so getan wird, als ob alles ganz glatt und problemlos verlaufen wäre. Sondern dass da auch – ganz modern - von Zweifeln die Rede ist, von Skepsis, von Unglauben.
Ostern ist für mich mehr als der Blick auf das leere Grab: Der Weg, unser Weg führt über den Ostermorgen hinaus, weiter durch die Osterzeit und auch darüber hinaus. Es gilt, den Spuren des Lebens zu folgen und damit das Bekenntnis und den Sinn zu entdecken, den die Ostergeschichten der Bibel in ihrer Vielfalt immer wieder neu vermitteln können. Es geht darum, Vergangenes verabschieden und Neues wagen.

Wolfgang Sickinger ist Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Heißen

Weil Jesus Christen von den Toten auferweckt wurde, glaube ich auch persönlich an die Auferstehung von den Toten. Das Neue Testament berichtet überzeugend von der Auferweckung Jesu. Dem Glaubenden erweist sich Christus als der lebendige Herr, auf dessen Gegenwart Christen auch im 21. Jahrhundert vertrauen. 

Zeitgemäß vermitteln lässt sich dieser Glaube am besten durch eine verständliche Verkündigung der biblischen Botschaft. Wer mit wissenschaftlichen Fragestellungen über die Möglichkeit eines solchen Wunders nachdenken möchte, könnte grundlegende Einsichten der Quantenphysik zur Kenntnis nehmen. Danach fällt es Christen nicht schwer, der Kraft Gottes ein solches Handeln zuzutrauen.

Manfred von Schwartzenberg ist Ehrenstadtdechant und Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Barbra 

Mein Glaube an die Auferstehung hängt ganz eng mit meinem Gottesbild zusammen.
Innerlich lehne ich es ab, mir Gott, Himmel und ewiges Leben konkretvorzustellen.
Das wären für mich aufgeblasene eigene (anerzogene und angelesene) Phantasien bzw. Wunschvorstellungen.

Meine positive Grundhaltung zu Gott beziehe ich vom Menschen Jesus, so wie er von sich und Gott spricht bzw. wie ihn das neue Testament präsentiert. Dabei ist für mich das Beeindruckenste die Liebe, die er gepredigt
und gelebt hat. D.h. ich brauch mich nicht mit einem "Gott in den Höhen" gedanklich herumzuquälen.
"Wer mich sieht, sieht den Vater", hat er mal gesagt. Die Genialität der christlichen Botschaft ist es, die Menschheit
aus der Angst vor Göttern und Strafgerichten befreit zu haben und mit Jesus Christus einen "Gott auf Augenhöhe" zu verkünden. Der für mich schönste Satz: "Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. " (Joh 3,16)

Zeitgemäß vermitteln kann ich diesen Glauben nicht durch Märchen. Ich kann Bilder benutzen, wie Jesus das auch getan hat
und dazu erklären wie er das gemeint hat, wenn er z.B. von den Wohnungen spricht und von sich als Weg, Wahrheit und Leben.
Und ich kann auch immer nur von meinem persönlichen Glauben sprechen. Unbedingt ist der Eindruck zu vermeiden, man habe
die Wahrheit gepachtet und wisse mehr als andere. Mir hilft allerdings die Gemeinschaft der Gläubigen und die Feier des Glaubens sehr.
Und ich sage den Leuten auch oft, warum ich Priester geworden bin. Nicht, weil ich etwas weiß, sondern weil ich von dem Gedanken
der Liebe fasziniert bin. Alles weitere überlasse ich dem Heiligen Geist.


Ein Text zu diesem Thema erschien am 4. April 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen