Donnerstag, 14. November 2013

Der Sozialarbeiter Erhard Klamet hat in seinem 45-jährigen Berufsleben Mülheimer Sozialgeschichte erlebt und als ein Anwalt der Menschenwürde auch mitgestaltet

„Ich bin glücklich, dass ich 45 Jahre lang arbeiten konnte und dabei auch gestalterische Freiheit hatte“, sagt Erhard Klamet am Tag vor seiner Verabschiedung durch die Caritas. 40 seiner 45 Berufsjahre hat der Sozialarbeiter im Dienst der katholischen Kirche und ihres Sozialverbandes erlebt.

„Ich habe nach der Mittleren Reife als Industriekaufmann bei Wissoll gelernt und gearbeitet und mir eigentlich keine großen Gedanken über meinen Beruf gemacht“, erinnert sich Klamet. Doch dann brachte ihn sein ehrenamtliches Engagement beim Bund der deutschen katholischen Jugend (BdKJ) dazu, seinen Beruf zu wechseln und Sozialarbeit zu studieren. „Ich habe erlebt, wie viel Freude es machen kann, gemeinsam etwas für andere zu machen“, sagt der 65-Jährige.

Seine erste Anstellung nach dem Studium fand er 1972 als Stadtjugendreferent beim Katholischen Jugendamt im Stadthaus an der Althofstraße. „Die katholische Jugendarbeit wurde vom damaligen Stadtdechanten Dieter Schümmelfeder sehr gefördert und erlebte eine Blüte. In jeder Gemeinde gab es einen eigenen Jugendpfleger. Allein die Katholische Studierende Jugend in St. Mariae Geburt hatte 300 Mitglieder“, erinnert sich Klamet nicht ohne Wehmut. Dass das Katholische Jugendamt 2007 aus finanziellen Gründen aufgegeben wurde, bedauert Klamet bis heute. „Die Jugendarbeit ist nicht nur aus gesellschaftlichen Gründen rückläufig, sondern auch, weil sie keine Impulse mehr von der mittleren Ebene zwischen Gemeinde und Bistum bekommt“, glaubt Klamet.

1988 wechselte er zum katholischen Sozialverband und „bekam dadurch einen ganz guten Überblick der sozialen Situation in Mülheim.“ In den 90er Jahren waren vor allem die Flüchtlingsarbeit und die Auflösung der Obdachlosenunterkünfte wichtige Baustellen des Sozialarbeiters. „Wir hatten damals erheblich mehr Flüchtlinge in der Stadt als heute und der Wohnungsmarkt war angespannt“, erinnert sich Klamet. Obwohl er in Diskussionen mit aufgeregten Gemeindemitgliedern damals auch gerne auf die biblische Fluchtgeschichte der heiligen Familie verwies, hörte er damals immer wieder das Argument: „Wir wollen es den Leuten nicht zu gemütlich machen, sonst bleiben sie am Ende noch hier.“

Dass er mit daran arbeiten konnte, dass die Obdachlosenunterkünfte und die Wohncontainer für Flüchtlinge zugunsten der Einquartierung in regulären Wohnungen verschwanden, sieht er bis heute als eines seiner größten Erfolgserlebnisse: „Wer nicht in einer normalen Wohnung lebt, wird stigmatisiert; dessen Selbstständigkeit und Würde wird untergraben.“

Vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen mit dem Aufbau der Caritas-Beratung für Flüchtlinge und Zuwanderer ist Klamet davon überzeugt, dass die Integrationsbereitschaft und die Integrationserfolge vieler Flüchtlinge und Zuwanderer größer ist, als es die deutsche Öffentlichkeit oft wahrhaben will. „Die meisten Familien sind sehr bildungsorientiert und wollen, dass es ihren Kindern einmal besser geht als ihnen. Außerdem hat auch die Offene Ganztagsgrundschule, in der wir auch als Caritas engagiert sind, der Bildungsarmut spürbar entgegengewirkt,“ sagt Klamet. Nur bei manchen Frauen aus bestimmten Zuwandererfamilien sieht er noch Nachholbedarf, „weil sie zwar auch sehr lernorientiert sind, aber manchmal von ihren Familien kulturell sehr eng eingezurrt werden.“

Als hauptamtlicher Koordinator und Zuarbeiter der ehrenamtlichen Gemeinde-Caritas hat Klamet in den vergangenen Jahren vor allem den Blick für die Armut vor Ort geschärft, eine Brücke zwischen den ehrenamtlichen Helfern und den professionellen Sozialdienstleistern der Caritas geschlagen und zusammen mit der NRZ auch die vorweihnachtliche Wunschbaumaktion ins Leben gerufen, die auch in diesem Jahr wieder Freude schenken wird, wo viel zu oft Not herrscht. „Vor allem die Vereinsamung von Senioren ist heute ebenso ein Problem, wie der gleichbleibende Sozialhilfepegel von Menschen, die zum Beispiel durch Trennung, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder als alleinerziehende Eltern unverschuldet in Armut geraten“.

Erhard Klamet geht in den Ruhestand. Seine Arbeit bleibt.

Dieser Text erschien am 23. Oktober 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

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