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In Memoriam Teobert Kuhs: Erinnerung an einen närrischen Wagenbauer


Am Rosenmontag werden die Trecker, die die Zugwagen ziehen, mit Trauerflor fahren. Damit grüßen die Wagenbauer ein letztes Mal ihren im Alter von 73 Jahren verstorbenen Vormann Teobert Kuhs. Das, was in den letzten 22 Jahren an Farben, Formen und Figuren mit dem Rosenmontagszug ins Rollen kam, trug seine Handschrift.


„Hier kann man sich einbringen und Dinge realisieren, die man sonst nie realisieren könnte“, sagte er mir vor elf Jahren. Damals schrieb ich für die NRZ meine erste Reportage über die närrischen Wagenbauer. „Ich nehme Sie einfach mal mit“, hatte mir Kuhs bei einer Karnevalsveranstaltung gesagt. Und plötzlich stand ich mitten in einer dunklen Werkshalle der Mannesmannröhren-Werke, in der es kalt und nass war. Mir kam es wie ein finsteres Loch vor. Doch Kuhs sagte nur: „Hier ist es immer schön schattig.“ Diese Selbstironie war typisch für seinen Humor.


Kuhs nahm sich selbst nie zu ernst, auch als er Jahre später für seine Verdienste um den mölmschen Karneval zum Ritter vom Schiefen Turm geschlagen wurde.Wenn der Karosseriebaumeister, der seine karnevalistische Heimat bei der KG Mölm Boowenaan gefunden hatte, vom Einmaleins des Wagenbaus und seinen Entwürfen erzählte, merkte man: Der Mann weiß, wovon er redet. Und er kann nicht nur reden, sondern auch mit anpacken.


Altmeister des Mülheimer Wagenbaus hat man ihn oft und zu Recht genannt. Doch er ließ nie den Meister heraushängen. Unter seiner Regie ging es immer kollegial und unkompliziert zu. Es wurde nicht nur gearbeitet, sondern auch gelacht und gefeiert. Man merkte: Hier ziehen Menschen an einem Strang und haben Spaß an der gemeinsamen Aufgabe: „Der Ton kann mal hart sein. Aber Teo hilft immer“, sagte Karnevalist Lothar Schwarze von den Mölmschen Houltköpp einmal über Kuhs.


Der Wagenbauer nahm das Leben mit einer Mischung aus Realismus und närrischer Gelassenheit. Ich erinnere mich an einen furchtbar verregneten Rosenmontagszug, den ich mit Kuhs auf einem Wagen von Mölm Boowenaan erlebte. Die Gesichter waren so trüb, wie das Wetter. Doch Kuhs meinte nur: „Ist doch nur Wasser. Ihr spart euch das Duschen. Seid froh, dass es nicht schneit und friert.“ Als er, schon gezeichnet von seiner schweren Krankheit, 2010 den Rohbau der neuen Wagenbauhalle im Hafen besichtigte, erstickte er jeden Anflug von Mitleid mit dem schlichten Satz: „Ich weiß nicht, was ihr wollt. Die Sonne scheint und ich lebe.“ Heute lebt Kuhs in den Herzen seiner Mitmenschen weiter und weist ihnen mit seiner heiteren Gelassenheit und Bodenständigkeit den Weg.


Dieser Text erschien am 5. März 2011 in der NRZ

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