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Helden des Alltags: Was eine Post- und ein Zeitungszusteller im Winter erleben können


Wer hat sich nicht schon mal weiße Weihnachten gewünscht? In diesem Jahr stehen die Chancen dafür gut. Denn leise rieselt der Schnee und er verwandelt Mülheim in ein Winterwunderland. Doch gerade die fleißigen Menschen, die täglich dafür sorgen, dass wir unsere Post und unsere Zeitung bekommen können im Winterwunderland auch ihr blaues Wunder erleben.


„Das ist wirklich Hochleistungssport“, sagt die 40-jährige Postzustellerin Michaela Zimmermann, die sich derzeit durch ihr verschneites und vereistes Revier entlang der Duisburger Straße kämpft. „Ich rechne immer zwei Stunden zusätzlich ein“, sagt sie und bittet die Bürger um Verständnis, wenn die Post in diesen Wintertagen nicht immer ganz pünktlich kommt.


An diesem Montag ist sie von 9.30 Uhr bis 16 Uhr in der Speldorfer Schneewüste unterwegs. „Ich bin enttäuscht. Gestern war doch Sonntag, da hätte man doch schon mal den einen oder anderen Gehweg saubermachen können“, klagt Zimmermann. Besonders ärgert sie sich über vereiste Treppen und zugefrorene Briefkästen, die von den Anwohnern nicht rechtzeitig vom Eis befreit worden sind. Nicht nur vereiste Wege, sondern auch Schneehügel am Straßenrand machen ihr das Wechseln der Straßenseite und damit das Leben als Briefträgerin schwer.


Briefträgerin. Diese Bezeichnung trifft bei Zimmermann nur bedingt zu. Denn sie bringt die Post mit einem gut bereiften Fahrrad von Haus zu Haus. Damit komme ich besser durch die engen Gassen“, sagt sie.Gerade in der Vorweihnachtszeit, wenn die Postzustellerin besonders viele Briefe und Päckchen von Haus zu Haus bringen muss, transportiert sie auf ihrem Dienstrad schon mal locker 70 Kilo.Doch auch unter dem Eindruck der erschwerten Arbeitsbedingungen im Winter, dem sie kleidungstechnisch unter anderem mit Ski-Unterwäsche, Thermosohlen und Spikes unter den Schuhen trotzt, sagt Zimmermann auch nach 16 Dienstjahren noch: „Die Arbeit macht mir auch jetzt Spaß.“


Dafür sorgen etwa die großen Kinderaugen, die sie sieht, wenn sie Weihnachtspakete abliefert, oder die Leute, die sie auf eine heiße Tasse Tee hereinbitten, damit sie sich auf ihrer Tour durch Speldorf aufwärmen kann.Belohnung nach der TourUnd womit belohnt sich die wetterfeste Postzustellerin, wenn sie wieder zu Hause ist. „Dann nehme ich erst mal ein heißes Bad und gönne mir ein leckeres Mittagessen mit einem Stück Kuchen als Nachtisch“, sagt Zimmermann und lächelt voller Vorfreude, ehe sie ihr 70-Kilo-Postrad weiter durch die verschneiten und vereisten Straßen schiebt.


Ebenfalls als Zusteller in Speldorf unterwegs ist Kurt Linden. Der 71-Jährige sorgt dafür, dass Sie Ihre Zeitung ins Haus geliefert bekommen. Seine Tour beginnt bereits zwischen drei und vier Uhr in der Frühe. „Es ist schon anstrengend, den Zeitungskarren mit jeweils 60 bis 70 Blättern durch Eis und Schnee zu ziehen“, gibt Linden zu. Er setzt auf „kleine Schritte“ und Spikes unter den Schuhen, um Stürze zu verhindern. Bisher ist er nur einmal gestürzt und das war im Sommer.Als besonders riskant empfindet er Marmorfliesen auf Treppen und in Hauseingängen. „Die sind unter Schnee besonders rutschig“, sagt er.


Generell sind seitlich und nicht direkt am Straßenrand gelegene Hauseingänge für den Zusteller, der sich mit Mantel, Mütze, Schal und doppelter Unterwäsche warm hält, ein schwieriges Pflaster, wenn es nicht nur dunkel, sondern auch glatt ist. Linden schätzt, dass er für seine zweieinhalbstündige Tour im Winter etwa 20 Minuten länger braucht. „Die Leute reagieren in aller Regel verständnisvoll, wenn die Zeitung morgens etwas später kommt.“ Wie ein Bergmann unter Tage ist Linden morgens mit einer Kopfleuchte unterwegs, damit er den dunklen Weg erkennen kann.


Weil er schon vor sechs Uhr morgens unterwegs ist, kann er nie damit rechnen, dass Anwohner zu diesem Zeitpunkt Gehwege geräumt oder gestreut haben. Während er in den reinen Wohnstraßen seines Speldorfer Reviers zu Fuß unterwegs ist, steigt Linden zwischenzeitlich immer wieder in sein Auto um, ohne das eine Zeitungszustellung, etwa im Gewerbegebiet an der Ruhrorter Straße, gar nicht möglich wäre.


Nach seiner zehn Kilometer langen Morgentour durch Speldorf gönnt sich der Mann, daheim erst mal einen Blick in die Zeitung und natürlich ein gutes Frühstück, ehe er sich auf die zweite Tour des Tages begibt: um die Zeitungen dort abzuliefern, wo sie am Morgen noch nicht angekommen sind. Dann ist der 71-Jährige nicht nur in Speldorf, sondern in ganz Mülheim unterwegs. Aber nicht zu Fuß, sondern mit dem Auto.


Dieser Text erschien am 22. Dezember 2010 in der NRZ

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