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Auch die Evangelische Kirche muss sparen: Am Wochenende tagt die Kreissynode im Altenhof


Was die katholische Kirche mit der Bildung von drei Groß-Gemeinden (2006) hinter sich hat, könnte dem Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr noch bevorstehen. Am kommenden Wochenende berät die Kreissynode im Altenhof darüber, wie sich die Evangelische Stadtkirche angesichts sinkender Gemeindegliederzahlen in Zukunft aufstellen soll.


Auch wenn die Kirchensteuerprognose auch für 2011 von 5,275 Millionen Euro Kirchensteuern ausgeht, sprechen die demografischen Zahlen eine eindeutige Sprache. 1973 gab es im Kirchenkreis noch 113.000 evangelische Christen. Heute sind es erstmals weniger als 60.000. Die Evangelische Kirche Deutschlands geht davon aus, dass sie bis 2030, setzt sich der demografische Trend fort, ein Drittel weniger Mitglieder und nur noch die Hälfte ihrer heutigen Finanzkraft haben wird.


Bei den jüngsten Kreissynoden hatte Superintendent Helmut Hitzblick von 2,5 bis 2,8 Millionen Euro gesprochen, die angesichts der tendenziell sinkenden Kirchensteuereinnahmen bis 2015 eingespart werden müssen. Vor diesem Hintergrund muss die Kreissynode darüber entscheiden, was die evangelische Stadtkirche in Zukunft noch leisten muss und was sie noch leisten kann.


Auch wenn durchaus umstritten ist, ob die Kirche in der Krise eher auf zentrale oder dezentrale Strukturen setzen soll, geht der Trend zur Bündelung der Kräfte. Nach der Bildung der Vereinigten Evangelischen Kirchengemeinde aus Altstadt, Menden und Raadt (2006) wird sich 2011 eine die neue Lukagemeinde im Mülheimer Norden formieren. Ihr gehören die Gemeinden Dümpten, Styrum, Johannis und voraussichtlich auch die Markusgemeinde an.


Ihr Presbyterium hatte noch im Mai den Ausstieg aus dem Fusionsprozess beschlossen, weil man nach dem Gemeindezentrum Rolands Kamp nicht auch noch das Gemeindezentrum und den dortigen Kindergarten am Knappenweg aufgeben wollte. Doch jetzt das Presbyterium der Markuskirchengemeinde mehrheitlich eine Kehrtwende vollzogen.


Gegen den Widerstand vieler Gemeindeglieder, die in diesen Tagen Unterschriften sammeln und Mahnwachen organisieren, wurde kürzlich beschlossen, das Gemeindezentrum am Knappenweg Ende 2011 und den Kindergarten Mitte 2012 aufzugeben. Die Mitglieder dee Fordervereins der dort ansässigen Kindertagesstätte Unter dem Regenbogen gehen davon aus, dass sie die Betriebskosten den Gemeindezentrums und des Kindergartens durch Vermietungen und gezieltes Sozialmarketing erwirtschaften können.


Auch in den Linksruhr-Gemeinden Saarn, Speldorf und Broich wurde bereits vor Jahren über eine Fusion diskutiert, die aber bisher nicht weiterverfolgt wurde. Stattdessen baute man eine gemeinsame Kirchenmusik Links der Ruhr auf, um Synergieeffekte nutzen zu können.


Grundsätzlich bleibt die Frage, wie der kleiner werdende Finanzkuchen der Kirchensteuereinnahmen zwischen den Gemeinden und dem Kirchenkreis verteilt wird. Welche Aufgabebn werden wo wahrgenommen? Wie viel Geld sollen die Gemeinden und wie viel Geld die überörtlichen Einrichtungen des Kirchenkreises, wie etwa die Evangelisch Familienbildungsstättem das Diakonische Werk oder die Ehe- Familien- und Lebensberatungsstelle bekommen?


Auch bei den Pfarrstellen muss langfristig eingespart werden. Ab 2011, so will es die Rheinische Landeskirche soll es nur noch für 3000 Gemeindeglieder eine volle Pfarrstelle geben. Derzeit hat der Kirchenkreis mit seinen knapp 60.000 Gemeindegliedern 22 Pfarrstellen, also einen Überhang von zwei Pfarrstellen.
Das Foto zeigt die Dümptener Markuskirche am Springweg. Weitere Informationen zu diesem Themenkomplex finden Sie im Internet unter: http://www.kirche-muelheim.de/ oder: http://www.winkhausen24.de/

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