Posts

Es werden Posts vom April, 2019 angezeigt.

Unter Wölfen

Wer hätte das gedacht. Der Wolf interessiert die Mülheimer so sehr, dass das Haus Ruhrnatur den entsprechenden Vortrag über die Rückkehr der Wölfe gleich ein zweites Mal anbieten muss. Ich weiß nicht recht, ob ich mich über die Rückkehr der Wölfe freuen soll, wo ich schon so manchem aggressiven Hund und seinem gleichgesinnten Halter im Zweifel lieber ausweiche. „Der beißt nicht. Der will nur spielen. Oh! Das hat er noch nie gemacht.“ Vielleicht liegt es daran, dass ich als Kleinkind von einer Dogge übersprungen wurde und das Märchen vom „bösen Wolf“ gehört habe. Sie wissen: Der, der das arme Rotkäppchen gefressen hat: „Großmutter! Warum hast du so große Augen? Großmutter! Warum hast du einen so großen Mund?“ Ich höre schon die Spötter: „Nur Schafe haben Angst vor dem Wolf!“ Ich weiß: Die größte Angst müssen wir, wenn wir nicht gerade Schäfer sind, heutzutage wohl vor den Wölfen im Schafspelz haben. Sie kommen lammfromm, auch gerne im Designer-Anzug oder in anderen edlen Gewändern d

Wer ist eine feste Burg?

„Wir sind die Schlossretter!“ steht auf einem Baustellenbanner an der restaurierungsbedürftigen Broicher Schlossmauer. Darunter werben die Parteien mit großformatigen Plakaten um unsere Stimme bei der Europawahl am 26. Mai. Mehr Sicherheit, Freiheit und Solidarität, mehr Klimaschutz und weniger Verbote, mehr Mut und weniger Hass. Das alles noch viel mehr versprechen uns die strahlenden Retter des Vaterlands und seiner europäischen Nachbarn aus der politischen Arena. Der schon oft umworbene Wähler geht vorbei und wünscht sich, dass die modernen Ritter auch nach der Wahl in Amt und Würden noch so ritterlich für die Verwirklichung ihrer edlen Ziele und damit für unser aller und nicht nur für ihr eigenes Wohlergehen kämpfen werden.  Als lebenserfahrene Wähler wollen wir ja gar nicht durch die rosarote Brille schauen. Wir wären schon dankbar, wenn nur 50 Prozent der gut gemeinten Wahlwerbung zwischen den Wahlen zu einer noch besseren   Wirklichkeit würde, die uns nicht schwarzsehen lä

Ein Brückenbauer

Bild
Heinrich Krosse 1919-2017 Archivfoto Sigrid Krosse Den Neu- und Ausbau der A52 und der Ruhrtalbrücke würde er wohl mit Interesse und Wehmut verfolgen. Denn es war seine Ruhrtalbrücke, die der vor 100 Jahren in Styrum geborene Brückenbauingenieur Heinrich Krosse für seinen Arbeitgeber Krupp in den 50er und 60er Jahren entwarf. Fast hätte der Ingenieur, dessen Elternhaus auf der Neustadtstraße stand, seinen 100. Geburtstag am 27. April 2019 noch erlebt, wenn er nicht vor eineinhalb Jahren am 18 . November 2017 gestorben wäre. „Mein Vater war in seinem Herzen nicht nur ein Bauingenieur, sondern auch ein Künstler, der hervorragend zeichnen konnte und sich für die Natur   begeisterte“, erinnert sich Sigrid Krosse an ihren Vater. Die Mülheimer Naturwissenschaftlerin und Verlegerin kann sich noch gut an die Zeichnungen erinnern, die ihr Vater für den Bau der 1966 eröffneten Ruhrtalbrücke angefertigt hatte. „Und bevor er mit den Zeichnungen begann, machte er sich vor Ort

Teure Post

Vater bekam jetzt Post von der Stadtverwaltung. Das bekommt er nicht gerne. Denn meistens geht es an sein Portemonnaie, wenn ihm die Stadt schreibt. Vorzugsweise bereichert Vater die Stadt- und Staatskasse mit Strafgebühren für falsches Parken oder für zu schnelles Fahren. Doch jetzt konnte Vater entspannen. Denn der Briefumschlag mit dem Verwaltungsabsende enthielt keine teure Überraschung, sondern die Wahlbenachrichtigung für die Wahlen zum Europäischen Parlament. Bleibt nur die Frage, ob sich Vater zu früh entspannt hat und seine Wahlentscheidung wirklich ein billiges Vergnügen wird. Denn auch hinter einer harmlos daherkommenden Wahlbenachrichtigung kann sich eine teure Überraschung verbergen. Etwa zwei Drittel unserer nationalen Gesetzgebung werden inzwischen durch das Europäische Parlament beeinflusst. Allein die Durchführung der letzten Bundestagswahl hat den Steuerzahl nach Angaben des Bundesinnenministeriums 92 Millionen Euro gekostet. Hinzu kommen die rund 9700 Euro, die d

Etwas größer, bitte!

„Im Testbetrieb“ steht da über der Anzeigetafel im Hauptbahnhof. Es ist nicht irgendeine Anzeigetafel, sondern eine elektronische wie man sie schon seit Jahren von anderen Stadtbahnhöfen kennt. Toll. Jetzt haben wir so was auch in Mülheim. Sage noch einer, in unserer Stadt würde sich nichts bewegen. Apropos Bewegung. So eine elektronische Anzeigetafel hat natürlich auch den Vorteil, dass sie Knopfdruck oder Mouseklick sofort anzeigen kann, wenn sich bei der Deutschen Bahn mal etwas nicht so bewegt wie es soll. Das soll ja vorkommen. Apropos vorkommen. Mir kommt es beim Betrachten der Anzeigetafel am Hauptbahnhof so vor, als sei die elektronische Fahrplananzeige, die die Bahn für Mülheim ausgesucht hat, kleiner, aber höher gehängt als in anderen Städten und deren Hauptbahnhöfen. Sollte man bei der Deutschen Bahn – aus welchen Gründen auch immer – glauben, dass man in Mülheim Dinge gerne etwas höher hängt, um am Ende dann lieber doch nicht so genau hinzuschauen? Meiner Ansicht

"Fährmann, hol über!"

Bild
Archivfoto aus Franz Rolf Krapps Buch: "Mülheim seit 1945" Mit einem Foto aus Franz Rolf Krapps Buch „Mülheim nach 1945“ springen wir heute zurück ins Jahr 1974. Das Jahr, in dem Deutschland zum zweiten Jahr Fußball-Weltmeister wurde, war für die Mülheimer das Jahr, in dem sie mit einer ganzen Woche vom 6. Bis zum 14. September 1974 ihre neue Innenstadt mit der Fußgängerzone auf der Schloßstraße und am neuen Hans-Böckler-Platz feierten. Eine von insgesamt 60 Attraktionen dieser Festwoche war ein Fährverkehr zwischen dem Rathaus- und dem Stadthallen-Ufer der Ruhr. Die Fähre, die wir auf dem Foto von 1974 sehen, war ein vom Technischen Hilfswerk angefertigter Nachbau der Fähre, die zwischen 1771 uns 1844 die Mülheimer vom westlichen zum östlichen Ufer der Ruhr brachte. Diese Fähre ging als Schollsche Fähre in die Stadtgeschichte ein, weil sie zwischen 1808 und 1827 von Hermann Scholl betrieben wurde. Sein Nachfolger, der Schiffsbauer Hermann Thielen war der letzte Fährmann

Mülheim muss ein Dorf werden

Die Schloßstraße entwickelt sich. Früher war sie mal eine Fußgängerzone. Heute ist sie entweder ein Fußallplatz oder eine Rennstrecke. Wehe dem, der da nicht mitspielen will oder kann, weil er einfach unsportlich oder unbeweglich ist und nicht schnell genug zur Seite springen kann, wenn da zum Beispiel gekickt, geradelt, gefahren oder geskatet wird. Gegen Sport und Bewegung ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Aber der schönste Sport braucht auch seine Schiedsrichter, damit fair gespielt und Fouls geahndet werden. Doch leider sieht man potenzielle Schiedsrichter vom Ordnungsamt oder vor der Polizei nur selten, wenn die sportliche Jugend auf der Schloßstraße für Olympia oder die Tour de France trainiert und der eine oder andere übereifrige und rücksichtslose Sportsfreund mal vom Platz gestellt oder zumindest mit eine Zeit- oder Geldstrafe belegt werden müsste. Da besagte Sportkameraden auch freundliche Hinweise auf freie Spielflächen vor dem Rathaus oder an der Ruhr nicht verstehen ode

Die Kunst des Kompromisses

Bild
Nathanael Liminski in St. Mariae Geburt Zum Beginn der Karwoche haben die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt und der evangelische Kirchenkreis An der Ruhr zu einer ökumenischen Trauermette eingeladen. In seiner Kanzelrede plädierte der Leiter der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski, „die Kunst des Kompromisses“ und die Fähigkeit zum Konsens gegen alle Anfechtungen politischer Populisten zu verteidigen, die   vielen Menschen in Zeiten historischer Umbrüche mit ihren „Maximalforderungen und scheinbar einfachen Lösungen auf den ersten Blick oft attraktiv erscheinen.“ An den Beispielen der europäischen Integration, der Ost- und Entspannungspoltik, der Nato-Nachrüstung, der Vertiefung der europäischen Integration und ganz aktuell am Beispiel des von einer gesellschaftlich repräsentativ besetzten 28-köpfigen Kommission ausgehandelten Kompromisses zum Ausstieg aus dem Braun- und Steinkohlenbergbau machte Liminiski deutlich, „dass Konsens und Kompromiss kein Zeichen der Schwäche, son

Antiwerbung

Wo ich in der Stadt auch hinschaue, immer öfter sticht mir das Wort Deal ins Auge. Derzeit sieht man dieses für „Handel“ stehende englische Wort gerne auch mit dem jahreszeitlichen Zusatz „Frühlings“. Ob es um Fitnesstraining, mobile Kommunikation oder Früchte der Saison geht. Händler laden mich zu einem Deal ein, der für mich als Kunde von Vorteil sein soll. Doch bei mir wollen diese verlockenden Sonderangebote einfach keine Frühlingsgefühle auslösen. Denn der Anglizismus in der Kundenansprache erinnert mich auf fatale Weise an die Dealer, die mit Drogen illegale Geschäfte betreiben, die in jedem Fall zum Nachteil ihrer Kunden sind. Außerdem werde ich den Verdacht nicht los, dass hier ein ganz besonderer Dealer sprach- und stilbildend gewirkt hat, der uns als Präsident der Vereinigten Staaten seit seinem Amtsantritt am 20. Januar 2017 einen Deal nach dem anderen um die Ohren haut, der uns als Weltgemeinschaft politisch schwer im Magen liegt und uns teuer zu stehen kommt. Liebe Händler

Ansichten eines Clowns

Ein Freund überraschte mich jetzt mit der Einladung zu seinem rund Geburtstag. Die Einladung selbst überraschte mich nicht. Doch die Tatsache, dass das Geburtstagskind, das inzwischen auch zu den reiferen Menschenkindern gehört, seinen besonderen Ehrentag in einem Zirkuszelt und im Rahmen eines Mitmachzirkus feiern möchte überraschte mich dann doch. Vielleicht wächst ja mit zunehmenden Alter die Sehnsucht nach der immer länger zurückliegenden Kindheit, in der man sich arglos für Zirkus begeistern konnte, weil man noch keine Ahnung davon hatte, welchen Zirkus man im Laufe seines Lebens noch erleben und welche Drahtseilakte man noch zu vollführen haben werde. Jetzt sitze ich hier, ich armer Tropf und mach mir einen Kopf. Spontan neige ich ja eher zur Clownerie als zur Akrobatik. Denn ich habe noch die sorgenvollen Worte meines Sportlehrers im Kopf, der mir bei anspruchsvollen Leibesübungen riet: „Nimm dir Zeit und nicht das Leben!“ Zu Bruchlandungen und Verrenkungen fragen S

Notre Dame ist überall

Bild
Dieses Foto stammt aus dem  Mülheimer Adressbuch 1954 Als Walter Neuhoff (82) die Fernsehbilder der brennenden Notre Dame in Paris sah, wurden bei ihm Erinnerungen an die Zerstörung der Petrikirche und ihren Wiederaufbau wach. Am 23. Juni 1943 legten britische Bomber mit der Innenstadt auch das damals schon 750 Jahre alte Wahrzeichen der Stadt in Schutt und Asche. „Nur eine Mauerreste und das Fundament des Kirchturms waren stehen geblieben“, erinnert sich Neuhoff an die Bilder seiner Kindheit. „Als Konfirmanden des Jahrgangs 1951 sind wir damals mit dem damaligen Pfarrer des Evangelischen Altstadtgemeinde Pastor Ernst Barnstein durch die Trümmer der Petrikirche gestapft und er hat uns gezeigt, wo vor der Zerstörung was in der Petrikirche gestanden hatte. Ich habe noch seinen Satz ihm Ohr: ‚Gebe Gott, dass ich den Wiederaufbau dieser Kirche noch erleben werde‘“, berichtet der Zeitzeuge. Neuhoff und seine Mit-Konfirmanden, die ihre Konfirmation 1951 nicht in der zerstör

Flotte Flitzer

Bild
  Archivfoto Walter Neuhoff „Ja, wo fahren sie denn?“ Ein Hauch von Monte Carlo in Mülheim. Das alte Foto stammt aus den frühen 1950er Jahren und zeigt ein Seifenkistenrennen. Die tollkühnen Piloten flitzen in ihren selbstgebauten Rennpappen über die Reichspräsidentenstraße und den Hagdorn. „Von 1949 bis 1952 lud das Handelshaus Tengelmann lud junge Mülheimer der Jahrgänge 1936 bis 1939 publikums- und werbewirksam dazu sein, sich mit einem Auto Marke Eigenbau beim Seifenkistenrennen, das später Schokoladenkistenrennen genannt wurde einen Kurzurlaub im Sauerland zu verdienen, in den sie einen Elternteil mitnehmen durften“, erinnert sich der 1936 geborene Mülheimer Walter Neuhoff. Die Idee der Seifenkistenrennen war nach dem Zweiten Weltkrieg aus den USA nach Westdeutschland gekommen. Doch Tengelmann beendete seine beliebten Schokoladenkistenrennen zwischen Reichspräsidentenstraße, Werdener Weg, Lohscheidt und Hagdorn, nachdem sich zwei der Schokoladenkisten-Piloten beim Rennen 1

Wie taktlos

W o kann man heute noch Abenteuer erleben? Natürlich im Nahverkehr. Am Montag war ich so unvorsichtig, meine Heimatstadt morgens mit der Regionalbahn zu verlassen. Mittags, so mein Plan, wollte ich wieder da sein. Da hatte ich aber die Rechnung ohne eine Bombenentschärfung und unvorsichtige Bauarbeiter gemacht, die nicht nur die S- und Regional,- sondern auch die Straßenbahn mächtig aus dem Takt brachte. Lautsprecherdurchsagen wie: „Dieser Zug fällt heute aus!“ oder: „Die Bahn muss umgeleitet werden und fährt deshalb nicht über Essen und Mülheim!“ beließen die Fahrgäste, die sich derweil ratlos und ohne Beistand von Servicekräften auf den Bahnsteigen näher, aber eben nicht gemeinsam weiterkamen, im Tal der Ahnungslosen. Gerüchte statt handfeste Informationen machten die Runde. Kümmert sich den heute niemand mehr um Fahrgäste, die im Leben noch vorankommen wollen und müssen und dabei ohne unterwegs sind und damit doch einen löblichen Beitrag gegen den Stau auf unseren Straßen und ge

Wie sieht es in Teufels Küche aus?

W er mit Bus und Bahn durchs Leben fährt, erfährt manchmal etwas fürs Leben, was einen weiterbringt. Das erlebte ich jetzt als Zuhörer und Zuschauer des folgenden Dialogs: Eine Mutter und ihre kleine Tochter sind mit der S-Bahn unterwegs. Plötzlich kommt der uniformierte Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes durch den Gang und schaut links und rechts mit ernster Miene nach dem rechten. „Mama, was macht der Mann?“ will das Mädchen wissen. „Der Mann sorgt im Zug für Sicherheit“, erklärt die Mutter. Das reicht der Tochter nicht: „Was ist Sicherheit?“ hakt sie nach. „Sicherheit ist, wenn nicht jeder machen kann was er will“, lässt die Frau Mama ihr Töchterlein wissen. „Und warum darf nicht jeder machen, was er will?“, geht das Mädchen in die Tiefe und entlockt ihrer Mutter einen tiefen Seufzer. „Weil wir dann alle in Teufels Küche kämen“, legt die Mutter angestrengt nach. „Und wie sieht es in Teufels Küche aus?“, möchte das Mädchen wissen. „Da sind alle ganz böse zueinander und ärgern

Abschied von der Kleinen Bühne des Backsteintheaters

Bild
„Alles hat seine Zeit“, sagt Volkmar Spira am Sonntagabend im Kasino des Evangelischen Krankenhauses, ehe sich für das Ensemble der Kleinen Bühne des Backsteintheaters zum letzten Mal der Vorhang hebt. Ihren Abschiedsschmerz lassen sich die schauspielenden Rezitatoren nicht anmerken. Zwei Stunden begeistern sie ihr Publikum im vollbesetzten Saal mit der großen Kleinkunst des Wortwitzes, die sie in den vergangenen zwölf Jahren mit rund 250 Aufführungen auf 40 Bühnen perfektioniert haben. Petra Stahringer, Bärbel Bucke und Ulrike Dommer begleiten sie als kleines Salonorchester mit Klavier,- Akkordeon- und Violinenklängen. Literarische Edelfedern und Spötter wie Robert Gernhardt, Rudolf Rolfs oder Joachim Ringelnatz spielen ihnen die Pointen zu. Heiterkeit und Melancholie liegen in der Luft. So hört sich literarisches Kabarett an. Kleine Pausen-Umfrage: „Was werden Sie vermissen, wenn es die Kleine Bühne nicht mehr gibt?“ Unternehmer Ulrich Turck sagt: „Ein Ensemble, das Heiterk

Reden wir über Europa

Bild
Auf dem Podium: Von links:Elmar Brok, Martin Schulz, Franz-Josef Overbeck Tobias Henrix und Thomas Schlenz Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat bei einer Veranstaltung in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg darauf hingewiesen, dass das europäische Projekt nicht ohne Toleranz funktionieren könne. „Dafür müssen wir auch als Kirche einstehen“, sagte Overbeck am Dienstagbend in einer Diskussion mit dem CDU-Europaabgeordneten Elmar Brok und dem ehemaligen Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD). Beide Europapolitiker stimmten darin überein, dass die bevorstehende Wahl des Europäischen Parlaments am 26. Mai 2019 angesichts der Herausforderungen, vor der die Europäische Union stehe als Schicksalswahl anzusehen sei. „Ich habe geglaubt, dass die Systemdebatte gelaufen ist und ich in meinem politischen Leben Demokratie und Rechtsstaat nicht mehr verteidigen muss. Aber ich habe mich von der politischen Realität eines Besseren belehren lassen müssen“, sagte d

Ein besonderer Blick auf Jesus von Nazareth

Bild
Eugen Drewermann in der Immanuel-Kirche In der Styrumer Immanuel Kirche ließen sich rund 100 Zuhörer – trotz Schnee und Eis – von Eugen Drewermann inspirieren und für das neue Jahr seelisch aufrüsten. Ausgehend von seinem Buch: „Das Geheimnis des Jesus von Nazareth“ und auf der Basis biblischer Gleichnisse wie dem vom Gelähmten, der von Jesus geheilt wird, in dem er ihm zusagt: „Deine Sünden sind dir vergeben“ machte der Ex-Katholik und Ex-Priester seinem ökumenischen Publikum Mut, sich von bürgerlichen Moralvorstellungen des Belohnens und des Strafens freizumachen. Die bürgerliche Rechtsmoral, so der Theologe und Psychoanalytiker, habe nichts mit der Ethik des versöhnenden Jesus von Nazareth zu tun. Beispielgebend wies Drewermann auf das Jesu-Gleichnisse von der Ehebrecherin hin, deren Richtern Jesus sagt: „Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“ Das, was Theologen und Juristen Sünde, Schuld und Straftat nennen, ist für den 1940 in Bergkamen geborenen Dre

Was hält unsere Gesellschaft zusammen?

Bild
Auf dem Podium im Auditorium der Bank im Bistum Essen:  Von links: Dr. Franz-Josef Overbeck, Dr. Judith Koch und Dr. Heribert Prantl. Das Geld kein Selbstzweck ist, sondern eine dienende Funktion haben sollte, macht der Vorstandssprecher der 1966 gegründeten Bank im Bistum Essen, Dr. Peter Güllmann, mit dem Hinweis auf die 700 Millionen Euro deutlich, die sein Haus als Mikrokredite an Existenzgründer in 37 Ländern ausgegeben hat, um sie damit aus der Armut heraus- und in die wirtschaftliche Selbstständigkeit hinein zu holen. Bildung und Sicherheit, daran lässt Güllmann keinen Zweifel, sind für ihn die wichtigsten Bausteine für eine gute Zukunft. Doch was hält unsere Gesellschaft zusammen? Dazu befragen die Bank im Bistum Essen und ihre Ko-Gastgeberin, die Katholische Akademie des Bistums an diesem Abend Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und den Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung in einer von Judith Wolf moderierten Diskussion. Der Journalist und der Kirchenma

Bürgergesellschaft zeichnet Ulrich Turck aus

Nach neun Jahren Pause hat die Bürgergesellschaft Mausefalle wieder einen Mülheimer auserkoren, den ihre 18 Mitglieder für verdient genug halten, mit dem "Ehrenpreis Jobs" ausgezeichnet zu werden. Die Wahl der Bürgergesellschaft, die im kommenden Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiern kann, fiel auf den 68-jährigen Unternehmer Ulrich Turck. Im vergangenen Jahr zog er sich aus dem operativen Geschäft seines in Heißen ansässigen und auf Automatisierungstechnik spezialisierten Unternehmens zurück.  "Wir haben einen würdigen Preisträger gefunden, der diese Auszeichnung zu würdigen weiß", freut sich der Baas der Bürgergesellschaft, Ulrich Rädeker. Mit Turck, so Raedeker und Mausefallen-Shriiver Klaus Hoffmann, ehre man einen einen familienfreundlichen Unternehmer, der sich als Presbyter der Vereinten Evangelischen Kirchengemeinde und als Stifter des 2016 eröffneten Petrikirchenhauses um Mülheim verdient gemacht habe. Auch der von der Mausefalle berufene Bürge

Mülheim vor dem Grundgesetz

F rühling 1949. Im Parlamentarischen Rat zu Bonn wird das Grundgesetz für die westdeutsche Bundesrepublik beraten und durch dessen Präsidenten Konrad Adenauer am 23. Mai verkündet. „Soweit uns das Grundgesetz größere Freiheit gibt, ist es uns geschenkt und nicht von uns selbst erkämpft“, kommentiert die damals nur alle zwei Tage erscheinende NRZ. Doch ihr Mülheimer Lokalteil nimmt andere Themen in den Blick. Da wird über die sich abzeichnenden Bausünden beim Wiederaufbau der Stadt berichtet. Mülheims damaliger Baudezernent Paul Essers klagt der NRZ sein Leid: „Das Stadtbild soll Herz und Gemüt ansprechen. Doch beim raschen Wiederaufbau sind zu wenig Bau- und Handwerkskunst und zu viel Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit am Werk. Die Bauaufsicht steht den Bauherrn gerne mit Rat und Tat zur Seite. Aber die Leute sind immer böse, wenn sie daran gehindert werden, Dummheiten zu begehen.“ Derweil fordert ein Dr. K. in einem Leserbrief an die Lokalredaktion, dass die Mittel aus dem N

Europa als Chance

Bild
Hannelore Kraft Noch eineinhalb Monate bis zur Wahl des Europäischen Parlaments. Zeit, um sich zu fragen: „Europa schön und gut. Aber was habe ich davon?“ Genau das taten am Freitagabend 50 interessierte Mülheimer mit und ohne Parteibuch, in einer von Hannelore Kraft moderierten Diskussion im Haus der Mülheimer Wirtschaft. Eingeladen hatte die SPD-Landtagsfraktion im Rahmen ihrer Reihe Europa vor Ort. Die Mülheimer Landtagsabgeordnete nannte eine Zahl, die in einer mit 2 Milliarden Euro verschuldeten Stadt wie Mülheim aufhorchen lässt. Seit 2007 sind EU-Fördermittel in Höhe von 23 Millionen Euro nach Mülheim geflossen. Mit dem Geld aus Brüssel wurden zum Beispiel die Ruhrpromenade und der Radschnellweg gebaut, wurde Forschung am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung unterstützt, wurden Eingliederungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose finanziert oder zum Beispiel die Arbeit der regionalen Beratungsstelle Frau & Beruf und des Wasserforschungsinstitutes IWW unterstützt. G