Dieser Text erschien am 16. Februar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung
Posts mit dem Label Umweltschutz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Umweltschutz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Samstag, 16. Februar 2019
Plastisch gesehen
Gestern las ich, dass unser Bundespräsident beim Besuch der
Galapagos-Inseln uns Deutsche und unsere europäischen Nachbarn zu einem
bewussteren Umgang mit Plastikmüll aufgerufen hat. Wir sollen zum Beispiel auf
Plastiktüten, Plastikbecher und Plastikflaschen verzichten, die unter anderen
bei den Galapagosinseln im Pazifik millionenfach angeschwemmt werden und dort
die Vogel- und Pflanzenwelt bedrohen. „Sehr gut und sehr richtig gesagt, Herr
Bundespräsident!“ Doch als ich gestern in den Supermarktregalen fast ausschließlich
Getränke in Plastikflaschen sah und mir aus meine Briefkasten unterverlangte
und in Plastikfolie eingeschweißte Werbeprospekte entgegenfielen, kam mir der
Gedanke, dass unser Bundespräsident zunächst mal im eigenen Land die schrägen
Vögel ins Gebet nehmen sollte, die allen Umweltlippenbekenntnissen allzu
bedenkenlos gutes Geld mit der Plastikflut verdienen, ehe er (eher nicht
umweltfreundlich) mit seinem Dienstjet zu den Galapagos-Inseln abgedüst ist.
Darauf nehme ich erst mal einen Schluck aus meiner Wasserflasche, die
selbstverständlich eine Pfandflasche aus Glas ist. Soviel Umweltschutz kann und
muss sein, hoffentlich auch bei Bundespräsidentens daheim und unterwegs.
Dieser Text erschien am 16. Februar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung
Dieser Text erschien am 16. Februar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung
Mittwoch, 11. Juli 2018
Ziemlich heißes Pflaster
Unsere Stadt ist im Landesvergleich ein durchschnittlich
heißes Pflaster. Denn hier leben 46 Prozent der Bürger auf Hitzeinseln. Das hat
das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz
herausgefunden. In den Nachbarstädten Duisburg und Oberhausen leben 63 Prozent
der Bevölkerung auf einer Hitzeinsel, während es in Essen nur 41 Prozent der
Einwohner sind. Sind die Mülheimer und
Essener cooler, als ihre Nachbarn in Duisburg und Oberhausen? Hitzeinsel! Das
hört sich cool an, so nach Karibik-Urlaub vor der Haustüre, inklusive
Bikini-Schönheiten und Cocktails am Strand. Den Ruhrstrand haben wir ja schon.
Und an heißen Bikini-Schönheiten sollte es auch nicht scheitern. Doch kein
falscher Neid. Denn wer im Klimabericht des Landesamtes für Natur, Umwelt und
Verbraucherschutz nachliest, merkt, dass es gar nicht so schön und schon gar
nicht so gesund ist, auf einer stark bebauten und deshalb nur schlecht
durchlüfteten Hitzeinsel in der Stadt zu leben, weil sich die Hitzeinseln im
Sommer tagsüber auf mehr als 40 Grad aufheizen und nachts nicht mehr auf
weniger als 20 Grad abkühlen. Genau das brauchen wir Stadtpflanzen aber, um
auch im Sommer, je nach Bedarf ein heißer oder cooler Typ zu bleiben und keine
Kopfschmerzen, Konzentrationsschwächen und Herz-Kreislaufproblemen zu bekommen.
Also, liebe Stadtplaner hebt bitte bei der Bebauung des Flughafenareals nicht
ab. Sonst machen wir am Ende, mangels Frischluftschneise in der Stadt schlapp
und erleiden eine gesundheitliche und eine wirtschaftliche Bruchlandung.
Dieser Text erschien am 10. Juli 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung
Freitag, 30. Juni 2017
Umwelt- und Klimaschutz sollen Schule machen
Weil Pflanzen mit Hilfe der Photosynthese Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln können, sind sie das beste Mittel gegen denKlimawandel und die damit einhergehende Erderwärmung. Deshalb haben die Grundschule am Dichterviertel, die Luisenschule und die Grundschule an der Filchnerstraße ihre Schulgärten für Interessierte geöffnet. Ihr Ziel war es zu zeigen, wie man grüne Oasen in die Stadt bringen kann. Derzeit gibt es in Mülheim insgesamt neun Schulgärten.
Die von der Mülheimer Klimaschutzinitiative koordinierte Aktion war Teil des erstmals bundesweit begangenen Tages der Schulgärten. „Als Grundschule wollen wir den Kindern vor allem einen emotionalen Zugang zum Thema Umwelt- und Klimaschutz verschaffen und damit ihre Achtsamkeit und ihre Wertschätzung für die Natur fördern“, erklärt die Rektorin der Grundschule am Dichterviertel, Nicola Küppers. Seit sie die Leitung der Schule vor drei Jahren übernommen hat, gibt es einen Schulgarten. Er wurde mit Unterstützung der Schulgemeinschaft angelegt.Grünes Klassenzimmer kommt gut an
Es ist ein besonderer Schulgarten, der aus zwei begrünten Innenhofflächen und einer größeren Grünfläche besteht. „Das ist unser grünes Klassenzimmer. Hier haben wir mit Herrn Kogelheide einInsektenhotel eingerichtet und Sonnenblumenkerne gepflanzt. Hier können wir lernen, wenn es in den Klassenräumen zu heiß ist und uns während der Pausen erholen und spielen“, erklärt Zweitklässlerin Luisa sehr anschaulich die Vorzüge eines Schulgartens.„Für die Kinder ist es der Renner, wenn sie noch vor Beginn des Unterrichtes, die Pflanzen gießen und unsere in einem großzügigen Gehege lebenden Kaninchen Herrn Dichter und Frau Viertel füttern können“, lobt die Schulleiterin den Einsatz der Mädchen und Jungen. „Außerdem haben wir einen kleinen Gartenteich, in dem die Schildkröte Schildi lebt“, ergänzt Luisa die Beschreibung der Flora und Fauna in der Grundschule an der Bruchstraße.
Möglich wurde die grüne Schuloase im Dichterviertel auch deshalb, weil sich Küppers und ihre Lehrerkollegen auf den Weg machten, um Sponsoren für die blühende Schullandschaft zu suchen und zum Beispiel im Forum, bei einem Mülheimer Pflanzenmarkt und der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft zu finden. Solche und ähnliche Vorbilder in Sachen Umwelterziehung sollen, wenn es nach der Mülheimer Initiative Klimaschutz geht, an möglichst vielen Standorten in Mülheim Schule machen.
Ein Klima-Campus für Mülheim
Deshalb bemühen sich Cornelia Schwabe und Anika Füger von der am Löhberg 28 ansässigenKlimaschutzinitiative derzeit um Bundesmittel für den Aufbau eines lokalen Klima-Campus.Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.klimascjutz-mh.de oder persönlich unter der Rufnummer 0208/2998590 sowie per E-Mail an: info@klimaschutz-mh.de
Samstag, 15. Oktober 2016
Den Konsumwahn überdenken: Auf Einladung des Rates für Land- und Forstwirtschaft dieskutierten Ex-Umweltminister Klaus Töpfer, Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und die RVR-Chefin Karola Geiß-Netthöfel , wie die Zukunft unseres Planeten sozial und ökologisch gerecht gestaltet werden kann
| Klaus Töpfer (links) hier in der Diskussion mit Karola Geiß-Netthöfel und Franz-Josef Overbeck |
Mit nicht weniger, als mit der Zukunft des Planten beschäftigte sich jetzt der Rat für Land- und Forstwirtschaft im Bistum Essen bei einer Akademieveranstaltung, zu der der Gastgeber 170 Gäste in die Wolfsburg eingeladen hatte. Der prominenteste Teilnehmer war der ehemalige Bundesumweltminister und Ex-Chef des UN-Umweltprogrammes, Klaus Töpfer.
Bevor sie dem inzwischen 78-Jährigen Unruheständler das Wort für ein Impulsreferat übergab, machte die Sprecherin des Rates, Marlies Schmitz, den klassischen Zielkonflikt zwischen Ökonomie und Ökologie deutlich. An das Auditorium gewandt sagte sie: „Wenn ich sie fragte, ob sie für den Erhalt von Feldern, Wiesen und Wäldern seien, würden Sie sicher ebenso mit Ja antworten, wie wenn ich sie fragen würde, ob sie für mehr Arbeitsplätze, mehr Wohnraum und eine bessere Verkehrsinfrastruktur seien.“
Nicht nur seine Sprecherin stellte klar, dass der Rat für Land und Forstwirtschaft den Freiflächenverbrauch im dicht besiedelten Ruhrgebiet gestoppt sehen und die Landwirtschaft mit ihren lebenswichtigen Produkten auch preispolitisch wieder mehr wertgeschätzt sehen möchte. „Es reicht. Unsere Felder dürfen nicht länger als Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen in Wäldern und auf Wiesen missbraucht werden“, unterstrich einer ihrer Rats- und Berufskollegen.
Auch wenn die Direktorin des Regionalverbandes Ruhr, Karola Geiß-Netthöfel mit Blick auf die Renaturierung der Emscher und vieler Bergbauflächen keinen Zweifel daran ließ, „dass der Erhalt der Grünzüge im Ruhrgebiet für uns Priorität hat“, musste sie doch auch einräumen: „Manchmal werden sie auch angeknabbert, wenn es dafür zwingende wirtschaftliche Gründe gibt.“ Ruhrbischof Franz Josef Overbeck sprang ihr bei, wenn er feststellte: „Wir brauchen als katholische Christen im Ruhrgebiet eine stärkere Sensibilisierung für die Schöpfung, aber wir brauchen auch mehr Katholiken. Und die bekommen wir nur, wenn wir mehr Arbeitsplätze und vor allem mehr Mittelständler in unsere Region holen.“
Umwelt-Experte Töpfer öffnete den regionalen Blick seiner Zuhörer und Gesprächspartner für die weltweite Perspektive der ökologischen und sozialen Zukunftsaufgaben der Menschheit. Töpfer und Overbeck lobten in diesem Zusammenhang die nicht nur ökologisch, sondern auch sozial wegweisende Botschaft der päpstlichen Enzyklika Laudato Si. „Papst Franziskus fährt hier keinen Schmusekurs. Seine Botschaft ist für uns unbequem, aber notwendig und richtig,“ unterstrich Töpfer.
Nachdenklich und zugleich kurzweilig lieferte Töpfer, der sich mit dem Satz: „Ich der Grüne Punkt, aber nicht der gelbe Sack“, als Urheber der deutschen Mülltrennung vorstellte, seinem Publikum erhellende wie erschreckende Eckdaten. Während man in Norwegen mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 60.000 Euro und in Deutschland immerhin noch mit 40.000 Euro pro Jahr rechnen kann, sind es in den meisten afrikanischen Ländern gerade mal 1000 Euro pro Jahr. Gleichzeitig wächst die im statistischen Durchschnitt 20 Jahre junge afrikanische Bevölkerung, während die im Durchschnitt 45 Jahre alte deutsche Bevölkerung, wie die der meisten europäischen Nachbarländer weiter schrumpft. Folge: Gab es um 1900 dreimal mehr Europäer wie Afrikaner, so gibt es heute etwa genauso viele Afrikaner, wie Europäer. Und 2030 werden unter den dann neun Milliarden Erdenmenschen (heute sind es schon 7,2 Milliarden) dreimal mehr Afrikaner als Europäer leben.
„Die Globalisierung kommt zu uns und sie wird weiter zu uns kommen“, schaute der CDU-Politiker und bekennende Katholik Töpfer schonungslos in unsere Zukunft. Integration, sozialer Ausgleich und Identitätsstiftung werden also zur gesellschaftlichen Daueraufgabe. Angesichts der auch vom Ruhbischof postulierten Solidarität und Bescheidenheit, machte eine Christdemokratin aus dem Publikum deutlich.
„Wir brauchen nicht nur weltweit, sondern auch bei uns in Deutschland mehr Solidarität. Denn wir haben bei uns eine enorme Gerechtigkeitslücke. Wenn bei uns heute viele Menschen mit 1200 Euro brutto am Monatsende nach Hause gehen und im Hamsterrad einer prekären Beschäftigung gefangen sind, dann haben sie keine Kraft und keine Zeit mehr an etwas anderes, als an ihre materielle Existenzsicherung zu denken.“
| Klauws Töpfer bei seinem Impulsreferat |
Töpfer konnte und wollte seiner Parteifreundin nicht widersprechen. „Wir müssen unseren Konsumwahn überdenken. Wenn wir dann vielleicht auch weniger Wirtschaftswachstum haben, können wir damit doch auch neues Wachstum in Form von mehr Ruhe und weniger Stress, mehr Zeit für die Familie und weniger Burn out, gewinnen“, gestand er zu. Der Christdemokrat nahm ein entsprechendes Positionspapier der Ruhr-CDU wohlwollend zur Kenntnis und empfahl seiner Bundespartei, möglichst bald einen Deutschland-Kongress darüber abzuhalten, was die Franziskus-Enzyklika Laudato Si, die er in der Tradition der 1891 von Papst Leo XIII. verkündeten Sozial-Enzyklika Rerum Novarum sieht, für eine moderne christlich-demokratische Politik im 21. Jahrhundert bedeuten kann und bedeuten muss.
Wie eine ökologisch und sozial verträglichere Zukunft in unserer Region und auf unserem Planten aussehen könnte, machte RVR-Direktorin Geiß-Netthöfer mit dem anschaulichen Hinweis auf den aktuell laufenden Bau des Ruhrradschnellweges und auf die Renaturierung alter Bergbauflächen und die neue wirtschaftliche Nutzung industrieller Brachflächen deutlich.
Dass der eigene ökologische Anspruch nicht immer mit dem eigenen ökologischen Fußabdruck in Einklang zu bringen ist, musste Klaus Töpfer erfahren, als er kritisierte, „dass bei uns immer noch mehr als 50 Prozent der Mobilität mit dem Auto stattfindet.“ Daraufhin wollte ein Zuhörer von Töpfer wissen: „Wie sind Sie eigentlich zu dieser Veranstaltung gekommen?“ Der Ex-Minister musste zugeben: „Man hat mich vom Düsseldorfer Landtag hier hin gefahren. Aber wenn ich mit dem E-Bike hier hin gekommen wäre, würde ich auch wirklich merken, dass ich 78 Jahre alt bin!“ Töpfer hatte die Lacher auf seiner Seite. Denn jeder, der die zur Wolfsburg führende Prinzenhöhe vor Augen hatte, wusste, was er meinte und musste ihm Recht geben.
Dieser Text erschien am 8. Oktober 2016 im Neuen Ruhrwort
Abonnieren
Posts (Atom)
Ein Platz für den Kaiser
Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...
-
Ein Zeitsprung in die 1950er Jahre Ruhrblick am Leinpfad in den frühen 1950er Jahren. Ein Foto des Mülheimers John Dieter Roehse mach...
-
Sie sind nicht von ungefähr die in allen Berufsimage-Umfragen hoch gepriesenen Helden des Alltags. Feuerwehrleute bringen sich in Gefahr, ...
-
Dr. Peter Ramme 6.45 Uhr. Der Arbeitstag von Dr. Peter Ramme beginnt nicht in seiner Praxis, sondern im Haus Kuhlendahl, wo der Hausa...
