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Donnerstag, 3. August 2017

Rotes Kreuz feierte die Einweihung seines neuen Hilfe-Leistungs-Zentrums

Aus dieser Computeranimation des Deutschen
Roten Kreuzes ist inzwischen Wirklichkeit geworden.
"Dieses neue Zentrum ist für uns ein Glücksfall", sagt der Kreisvorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes, Volker Feldkamp beim Eröffnungsfest an der Aktienstraße 58. Was er damit meint wird den Gästen aus allen Bereichen der Bürgerschaft deutlich vor Augen geführt. Ehrenamtliche Helfer führen vor, was sie machen, wenn zum Beispiel der Hausnotruf aktiviert, die DRK-Wasserwachtr oder die Rettungshundestaffel des Roten Kreuzes alarmiert werden
Bei einem Rundgang durch das 2240 Quadratmeter große und barrierefreie DRK-Zentrum wurden einige Gäste dann auch gleich bei einer Wiederbelebungsübung einbezogen. Frei nach dem Motto: Probieren geht über Studieren. Erst danach durften sie sich am Buffet stärken.

Der DRK-Kreisvorsitzende nutzte sein Grußwort unter anderem dafür, allen Menschen und Institutionen zu danken, "die mit ihrer finanziellen Unterstützung dafür gesorgt haben, dass das Rote Kreuz nach dem Neubau seines Hilfeleistungszentrums finanziell unbelastet in die Zukunft gehen kann." Feldkamp nannte in diesem Zusammenhang unter anderem die 3000 Fördermitglieder des Kreisverbandes, verstorbene Bürger, die das Mülheimer DRK mit ihrem Vermächtnis ausgestattet haben, aber auch die Leonhard-Stinnes-Stiftung sowie die Sparkasse und ihre Stiftung. "Ich finde es großartig, dass das Rote Kreuz allen Menschen in Not hilft, ohne nach ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihrer politischen Weltanschauung zu fragen. Das muss man einfach unterstützen," erklärt Christa Brinkmann ihre Motivation, die das DRK seit 39 Jahren als zahlendes Fördermitglied unterstützt.

Fast drei Millionen Euro ließ sich das Mülheimer DRK sein neues Hilfeleistungszentrum kosten. Ein Großteil der Baukosten konnte mit dem Verkauf des alten DRK-Hauses an der Löhstraße und der DRK-Wache an der Heinrichstraße finanzieren. In beiden Fällen war die Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft die Käuferin. Die MWB stellte ihr Know How auch bei der Planung und dem Bau des neuen DRK-Zentrums zur Verfügung.

Lebenswichtiger Dienst

Oberbürgermeister Ulrich Scholten, qua Amt auch Vorsitzender der Leonhard-Stinnes-Stiftung, schlug den Bogen von der ehemaligen Feuerwache, die vor dem Neubau des DRK-Zentrums auf dem 3700 Quadratmeter großen Grundstück an der Aktienstraße 58 ansässig war, zur heutigen Nutzung. "Es ist schön", so Scholten, "dass hier das Rote Kreuz die Nachfolge der Feuerwehr antritt, weil es ebenso, wie die Feuerwehr einen lebenswichtigen Hilfsdienst für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt leistet."

Haupt- und Ehrenamtliche unter einem Dach

Der DRK-Kreisvorsitzende und der Geschäftsführer des Kreisverbandes, Klaus-Jürgen Wolf zeigten sich beim Eröffnungsfest glücklich darüber, "dass unsere 110 hauptamtlichen Mitarbeiter und unsere 700 ehrenamtlichen Mitarbeiter jetzt unter einem Dach arbeiten und Gemeinschaft erleben können." Wie aktiv die große Helfergemeinschaft des Mülheimer DRKs ist, machte Feldkamp mit dem Hinweis auf jährlich 90.000 Arbeitsstunden des Roten Kreuzes deutlich. Nach einer einjährigen Eingewöhnungsphase, in der auch noch der eine oder andere Feinschliff am Gebäude nachgeholt werden musste, hat Geschäftsführer Klaus-Jürgen Wolf den Eindruck gewonnen: "Nicht nur mit Blick auf unsere Kleiderkammer für Bedürftige und unsere Migranten-Beratung nehme ich erfreut zur Kenntnis, dass unser neues Zentrum von den Bürgern als Anlauf- und Beratungsstelle angenommen wird."

Weitere Informationen über den sei 1907 bestehenden Mülheimer Kreisverband finden Interessierte im Internet unter: www.drk-muelheim.de

Dieser Text erschien am 30. Juni 2017 im Lokalkompass und in der Mülheimer Woche

Samstag, 26. November 2016

Ein gut eingespieltes Team: Die Notfallseelsorger der Evangelischen Kirche und ihre Fahrer vom Deutschen Roten Kreuz



Kurt Sallner (links) und Guido Möller
Rund 100 Mal im Jahr werden Pfarrer Guido Möller und seine 54 Kollegen aus dem Notfallseelsorger-Team des evangelischen Kirchenkreises an der Ruhr zu einem Notfall gerufen. Ein Mensch ist plötzlich gestorben. Ein
anderer hat sich das Leben genommen oder droht mit einem Suizid. Auf der Autobahn sind Menschen bei einem Unfall schwer verletzt oder getötet worden. Angehörige, Unfallopfer oder Unfallbeteiligte und Unfallverursacher stehen unter Schock. „Zu diesem Schock kommt oft die quälende Frage nach der persönlichen Schuld. Hätten wir, hätte ich das verhindern können“, weiß Möller.
Der 54-jährige Theologe, der in seinem früheren Berufsleben auch als Krankenpfleger gearbeitet hat, gehört seit 2002 zum Team der Notfallseelsorger, das er seit 2007 leitet. Wenn Möller zum Einsatz gerufen wird, ist in der Regel Kurt Sallner als Fahrer und Rettungshelfer in der Not an seiner Seite. Der 47-jährige Bundesbeamte und seine 39 Kollegen aus dem Notfallseelsorgedienst des Deutschen Roten Kreuzes arbeiten ehrenamtlich, neben ihrem Beruf.

Sallner schätzt seinen jährlichen Zeiteinsatz als Fahrer und
Rettungshelfer auf 1500 bis 2500 Stunden. Lange hat er im
Rettungsdienst des Roten Kreuzes mitgearbeitet. Aber irgendwann machte sein Rücken nicht mehr mit. Jetzt leitet er seit 2009 den Arbeitskreis für den Notfallseelsorgedienst. „Mit Kirche habe ich eigentlich nicht viel am Hut. Aber der Einsatz und das Einfühlungsvermögen der Notfallseelsorger haben mich sehr beeindruckt. Ich selbst bin durch meine Mitarbeit im Notfallseelsorgedienst freundlicher und sensibler geworden, achte nicht mehr nur auf mich, sondern auch auf meine Mitmenschen“, erzählt Sallner.
Guido Möller möchte Sallner und seine DRK-Kollegen bei keinem Einsatz missen. „Sie sind für uns Notfallseelsorger, wie unsere rechte und linke Hand, die uns im Ernstfall den Rücken freihält und bei Bedarf weitere Hilfskräfte anfordert“, sagt er. Dass er auf die gut eingespielten und ausgebildeten Strukturen des Notfallseelsorgedienstes zurückgreifen kann, gibt dem Pfarrer im Einsatz die nötige Freiheit und Sicherheit, um sich voll und ganz auf seine Arbeit konzentrieren zu können. Waren die Notfallseelsorger und ihre Begleiter vom DRK, Ende der 90er Jahre, noch mit einem VW-Golf  unterwegs, so steht ihnen heute für ihre Einsätze ein Mercedes-Kleinbus zur Verfügung. Mit seiner gemütlichen Sitzecke und seinen abgedunkelten Scheiben bietet dieses Fahrzeug auch bei einem Autounfall auf der Autobahn oder nach einem Hausbrand einen wichtigen Rückzugsort für die Betroffenen. Auch wenn es plötzlich zu gesundheitlichen Komplikationen kommt, weil ein Hinterbliebener plötzlich hyperventiliert oder Anzeichen eines Herzversagens zeigt, haben Sallner und seine Kollegen alle notwendigen Rettungsmittel vom Infusionsbesteck über den Beatmungsbeutel bis zum Automatischen Elektronischen Defibrillator an Bord. Was macht man als Notfallseelsorger in einem Notfall? „Da gibt es keine Routine.

Denn jeder Fall und jede Situation ist wieder anders“,
sagt Guido Möller. Aber im Laufe der Jahre hat er ein Bauchgefühl entwickelt, auf das er sich meistens verlassen kann. „Man muss einfach erspüren, was der Betroffene braucht. Manchmal ist es das Gespräch, manchmal das reine Zuhören oder das gemeinsame Schweigen. Und manchmal hilft es auch, wenn ich uns erst mal eine Tasse Kaffee koche“, erzählt Möller aus seinem Seelsorger-Alltag. Manchmal ist dann auch gleich Kurt Sallner gefordert, etwa, wenn es darum geht, den oder die Betroffenen zu Verwandten zu bringen oder aber Verwandte an den Unglücksort zu holen. Seite an Seite gehen der Notfallseelsorger und sein Begleiter vom Notfallseelsorgedienst durch Dick und dünn. „Da entstehen natürlich auch freundschaftliche Bande, die dazu führen, dass man sich auch ohne viele Worte versteht, auch wenn es gut tut, nach einem gemeinsamen Einsatz bei einer Tasse Kaffee oder einer Portion Pommes noch einmal über das Erlebte zu sprechen.“
Doch Sallner und Möller lassen auch keinen Hehl daran, dass es, trotz allem Austausch und gegenseitiger Hilfe, immer wieder Situationen gibt, an denen sie mehr als einen Tag zu knacken haben. Möller erinnert sich zum Beispiel daran, dass ihm nach seinem Einsatz bei der Duisburger Love-Parade-Katastrophe mehrere Tage die Stimme wegblieb.

Auch Sallner kennt posttraumatische Belastungsstörungen, die das Leben nach einem schweren Einsatz aus dem Takt bringen können. Doch er weiß auch, dass diese Störungen, eine normale Reaktion der Seele sind, die in der Regel nach wenigen Tagen wieder verschwindet, wenn man das auslösende traumatische Erlebnis in Gesprächen mit den Notfallseelsorgern oder mit erfahrenen Kollegen reflektiert und aufgearbeitet hat. Diese eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse im Rahmen der Fortbildung und der Einsatznachsorge auch an junge Kollegen des Notfallseelsorgedienstes weiterzugeben, um sie so langfristig zu stabilisieren und zu entlasten, versteht dessen Leiter als „Teil meiner Fürsorgepflicht.“
Doch auch wenn ihre gemeinsame Arbeit mit und für Menschen in Lebenskrisen und emotionalen Extremsituationen oft seelisch belastend ist, sehen Kurt Sallner und Guido Möller ihren persönlichen Beitrag „zu dieser gesellschaftlich wichtigen und hoch relevanten Aufgabe“ als unverzichtbar, aber auch als persönlich befriedigend an, weil sie in ihren Einsätzen immer wieder erfahren, „wie sinnvoll unsere Arbeit ist, mit der wir dort sind, wo es brennt und wo wir als Menschen mit unserer ganzen Menschlichkeit gebraucht werden.“

Dieser Text erschien in der Ausgabe 4/2016 des DRK-Magazins

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...