Montag, 28. August 2023

Thank you, friends!

 Brauchen wir heute noch Städtepartnerschaften? Viele Menschen sagen: Nein. Die 372 Mitglieder der Mülheimer Städtepartner sagen: Ja. Gerade erst haben 32 von ihnen die nordenglische Partnerstadt Darlington besucht. Jetzt erwarten sie Gäste aus Darlington. Besuche erhalten die Freundschaft und fördern das gegenseitige Verstehen. Darauf weist auch der Vorsitzende der Städtepartner, Dr. Gerhard Ribbrock, hin. Für ihn, der den 1995 gegründeten Verein seit 2014 führt, sind die Bürgerbegegnungen kein Sightseeing-Tourismus, sondern ein "sich gegenseitig Kennenlernen, dass uns unterschiedliche Sichtweisen und ihre Hintergründe verstehen lässt."

Die Mülheimer Städtepartnerschaft wird in den kommenden Tagen mit einem Fest im Stadthallenrestaurant und mit einer Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte gefeiert, Zu Recht. Denn die deutsch-englische Städtepartnerschaft startete im August 1953 mit einem Jugendaustausch, an dem 16- bis 18-Jährige aus Darlington und Mülheim in beiden Städten. Die Initiative zu diesem ersten Jugendaustausch, acht Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur und des Zweiten Weltkrieges, ging von den jeweiligen Jugendämtern der beiden Städte aus. Den Jugendlichen folgten bald Menschen aus Darlington und Mülheim aus allen Generationen. Gegenseitiges Interesse und gemeinsame Interessen vom Sport bis zur Berufsbildung haben die Kontakte zwischen den Menschen in beiden Städten gefördert, die die Herausforderung des industriellen Strukturwandels in besonderer Weise miteinander verbinden. War die deutsch-englische Städtepartnerschaft zwischen Darlington und Mülheim vor 70 Jahren Teil der westdeutschen Westbindung, so ist sie heute ein wirksamer Kontrapunkt gegen neue nationalistische Tendenzen in Europa.


Mülheimer Städtepartner  und: Geschichte der ersten Städtepartnerschaft

Samstag, 26. August 2023

In Memoriam

 Renate Sommer ist tot. Durch ihr bürgerschaftliches Engagement bleibt sie in der Erinnerung unserer Stadtgesellschaft lebendig. Mit dem schönen Satz: "Kinder, die Geige spielen, schmeißen keine Steine", begründete die Gründungsvorsitzende des Förderkreises der Musikschule einmal ihr kulturpolitisches Engagement, dass inner- und außerhalb der Mülheimer Kommunalpolitik allen Kultureinrichtungen unserer Stadt zugutekam. Als Mutter und Lehrerin wusste die langjährige CDU-Stadträtin und Vorsitzende des Kulturausschusses um den systemrelevanten Wert von Kultur und Bildung. Die Christdemokratin fand in den 1970er Jahren in der damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Helga Wex eine inspirierende und fördernde Parteifreundin, mit der sie sich für eine zeitgemäße Gesellschaftspolitik ihrer Partei einsetzte. Zwischen 1994 und 1999 gehörte sie zu den prominenten Vertreterinnen der ersten schwarzgrünen Zusammenarbeit im Mülheimer Stadtrat, die damals die bundesweit erste schwarzgrüne Zusammenarbeit in Deutschland war. Als Vorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises ihrer Partei thematisierte und unterstützte Sommer schon vor mehr als 30 Jahre, die soziale und ethische Notwendigkeit einer ambulanten und stationären Hospizarbeit. In ihrem privaten und politischen Leben war Renate Sommer eine weitsichtige und vorausschauende Frau, die die Zeichen der Zeit erkannte und daraus die Konsequenzen zog, in dem sie rechtzeitig die Weichen zu stellen wusste.


Zum Nachruf der CDU

Mittwoch, 23. August 2023

Ohne Knete keine Kunst

 Das Ehrenamt ist weiblich. "Vor allem dort, wo man sich nicht dicketun kann!", sagt Ursula Ullrich-Köhler. Sie ist eine von 15 ehrenamtlichen Frauen, die den Museumsshop in der Alten Post vom Ein- und Verkauf bis zur Buchhaltung managen. Werktags bringen sie zwischen 10 und 16 Uhr Kunsthandwerkliches unterschiedlichster Spielart an die kunstsinnige Kundschaft, die mit ihrem Einkauf wiederum etwas für die Kunst im Allgemeinen und für das Kunstmuseum der Stadt Mülheim im Besonderen tun wollen.

Die fleißigen und kunstbegeisterten Frauen sehen sich "als wirtschaftlichen Arm des Förderkreises", der seit 1979 das seit 1994 in der Alten Post ansässige Kunstmuseum finanziell unterstützt. Vieles wäre angesichts der klammen Kommune heute gar nicht mehr finanzierbar, wenn es nicht den Museumsshop gäbe. Denn seine Einkünfte, der kunstbeflissenen Kundschaft sei auch Dank, die zum Beispiel den Ankauf von Gemälden, den Druck von Ausstellungskatalogen ermöglichen.

Nach drei Jahren im Kunstmuseum Temporär, ist der Museumsshop in diesem Sommer als Vorhut wieder ins Kunstmuseum Alte Post eingezogen. Jetzt hoffen die dienstälteste Ehrenamtlerin im Museumsshop, Edda Sloma, und ihre derzeit 14 Kolleginnen, dass der reguläre Betrieb des Kunstmuseums wieder aufgenommen wird, damit nicht nur die Stammkundschaft, sondern auch die Laufkundschaft den Weg zurück in den alten neuen Museumsshop in der Alten Post finden.

"Man muss doch was für die Gesellschaft tun, weil wir alle von der Gesellschaft leben!", sagt Ursula Ullrich-Köhler

Wie man hört, soll die neue Museumsleiterin im Oktober ihr Amt antreten. Und im April 2024 ist die Vernissage einer Lionel-Fininger-Ausstellung geplant. Einen Publikumsmagneten, wie die August-Macke-Ausstellung, die 2014 rund 37.000 Besucher anlockte, könnte nicht nur der Museumsshop im neuen alten Kunstmuseum gut gebrauchen. Dass die Post im historischen Haus am heutigen Synagogenplatz abgeht, wäre auch nichts neues. Denn von 1897 bis 1982 ging im Hauptpostamt am damaligen Hauptpostamt von Amtswegen die Post ab.


Zum Kunstmuseum


Montag, 21. August 2023

So bunt wie das Leben

 „Come together!/Kommt zusammen“ Unter diesem Motto schauten sich Mitglieder der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Mülheim an der Ruhr in den neuen Räumen um, die der Sozialverein Schwuler und Lesben Mülheim an der Ruhr (SVLS e.V.) am Forum und im ehemaligen Pressehaus im Dreieck zwischen Kurt-Schumacher-Platz, Hans-Böckler-Platz und der unteren Eppinghofer Straße Anfang 2023 bezogen hat.

„Wir hoffen, dass die laufenden Umbauarbeiten, wie geplant im September oder im Oktober 2023 abgeschlossen sein werden und Sie dann ihr neues Zuhause mit einer Einweihungsparty feiern können“, wünschte die Vorsitzende der CDU-Fraktion, Christiane Küsters dem Geschäftsführer des SVLS-e.V.--Geschäftsführer Torsten Schrodt.

Zweieinhalb Stunden nahmen sich die Fraktionsmitglieder, Schrodt, der Vereinsvorsitzende Patrick Huberty und ihre SVLS-Kolleginnen und Kollegen Zeit, um sich über die Sozial,- Jugend- und Beratungsarbeit des SVLS e.V. auszutauschen.

Während die Büroräume des SVLVs in der zweiten Etage des ehemaligen Pressehauses an der Eppinghofer Straße 1 fertiggestellt und in Benutzung sind, stellte sich das neue SVLS-Together-Zentrum am Forum den christdemokratischen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern noch als Baustelle dar.

„Wir sind dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Mülheim an der Ruhr dankbar, dass sie unsere Arbeit finanziell unterstützt“, betonte Torsten Schrodt. Der auch in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Schwul-Lesbischen-Sozialvereine aktive Schrodt weiß, „dass die öffentliche Unterstützung und damit auch die Angebotsdichte des SVLS-e.V. in Nordrhein-Westfalen deutlich besser ist als zum Beispiel in den ostdeutschen Ländern. Die aktuellen Umbaukosten beziffert Schrodt auf ca. 300.000 Euro, die jährlichen Betriebskosten auf rund ca. 230.000 Euro.

Positiv überrascht zeigten sich die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger der Mülheimer CDU vom Aktionsradius des SVLSs, der weit über die Stadtgrenzen hinaus reicht und neben der sozialen Beratungsarbeit auch kulturelle, gesellige und sportliche Aktivitäten umfasst. Neben einer Einladung zum Mülheimer Christopher-Street-Day am 19. August nahmen die CDU-Sommer- „Touristen“ auch den SVLSs-Wunsch mit, im Haushalt der Stadt jährlich ca. 40.000 Euro für eine schulische Präventionsarbeit des SVLS in Sachen AIDS und anderer sexuell übertragbarer Krankheiten bereitzustellen. Aktuell stellt die Stadt Mülheim dem SVLS für seine Beratungsarbeit jährlich 26.000 Euro zur Verfügung.

Einhellig begrüßt wurde die Idee des SVLS e.V., mit einer Regenbogenfahne und regenbogenfarbigen Sitzbänken den unteren Vorplatz des Forums mit seiner modernen Brunnenplastik optisch aufzuwerten. „Die zentrale Lage unseres neuen Together-Zentrums ist für unsere Arbeit optimal“, freut sich SVLS-e.V.-Geschäftsführer Torsten Schrodt. 


SVLS Mülheim  



Sonntag, 20. August 2023

Das Revier als Biotop

Mit ihrem Besuch der auch für Mülheim zuständigen Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet (BSWR) unternahm die CDU-Fraktion jetzt eine Landpartie ins benachbarte Oberhausen.

Mit dem Geschäftsführer und wissenschaftlichen Leiter der 2003 eingerichteten Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet, Dr. Peter Keil, begrüßte ein alter Mülheimer Bekannter die kommunalpolitischen Mandatsträgerinnen und Mandatsträger. Denn der promovierte Geograf ist Mülheimer und sitzt dem Mülheimer Naturschutzbeirat vor.

„Wir konnten aus unserem sehr informativen Gespräch mit Peter Keil wichtige Denkanstöße für das kommunalpolitisch notwendige Ausbalancieren der gleichermaßen berechtigten Interessen der Naturnutzung und des Naturschutzes mitnehmen“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Fraktion, Dr. Roland Chrobok.

Die Fraktionsmitglieder diskutierten mit Keil zum Beispiel darüber, wie man den Mülheimer Wald ökologisch und ökonomisch vertretbar bewirtschaften und auch für sportive Angebote öffnen könne, ohne den Naturschutz zum Beispiel mit Füßen zu treten oder auf einer Mountainbike-Strecke im Mülheim-Duisburger Wald unter die Räder geraten zu lassen. In der Diskussion über einen angemessenen Umgang mit Mülheimer Kanada-Gänse-Kolonie wurde deutlich, wie schmal der Grat zwischen Artenschutz, Artenvielfalt und Naturschutz ist.

Dr. Keil dankte den Ratsmitgliedern für die jährlich 14.500 Euro, mit denen die Stadt Mülheim an der Ruhr die von 13 hauptamtlich Mitarbeitenden und fünf Bundesfreiwilligen geleistete Naturschutz- und Umweltbildungsarbeit der BSWR unterstützt. Neben der Stadt gehören das Land, die Landschaftsverbände, und der Regionalverband RVR zu den Geldgebern der BSWR.

Positiv überrascht waren die Fraktionsmitglieder davon, dass Peter Keil und seine Kolleginnen und Kollegen, im westlichen Ruhrgebiet über 50 Naturschutzgebiete beobachten und betreuen und im Rahmen eines „grünen Klassenzimmers“ jährlich mit Exkursionen bis zu 3.000 Jugendlichen aus dem sozial heterogenen und urbanen Ballungsraum an der Ruhr die Natur erschließen und damit einen wichtigen Beitrag für das Verständnis und den Schutz unserer natürlichen Lebensräume leisten.


CDU-Fraktion und: Biologische Station

Donnerstag, 17. August 2023

DENK ICH AN 1998

Gerne bin ich beim jüngsten Meeting des Rotary Clubs Mülheim Uhlenhorst mit meinem interessierten und angenehm aufmerksamen Auditorium auf eine Zeitreise ins Jahr 1998 gegangen. Als sich der Club vor 25 Jahren gründete, stand Deutschland vor einem Regierungswechsel. 

16 Jahre der Kanzlerschaft Helmut Kohls gingen zu Ende. Die 7 Jahre der Kanzlerschaft Gerhard Schröders begannen. Der Sozialdemokrat, bis dato niedersächsischer Ministerpräsident, stand jetzt an der Spitze der ersten rotgrünen Bundesregierung. Deren Außenminister wurde der ehemalige hessische Umweltminister, Joschka Fischer. Anders, als bei seiner ersten Minister-Vereidigung 1985, trat Fischer diesmal nicht in Jeans und Turnschuhen, sondern im staatsmännischen Anzug an. Auch der Mülheimer Sozialdemokrat Bodo Hombach wurde als Bundeskanzleramtsminister im Oktober 1998 Teil der neuen Bundesregierung.

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die erste rotgrüne Bundesregierung musste 1999 im Kosovo die erste deutsche Kriegsbeteiligung seit 1945 gegen ihre in Teilen pazifistische Basis und Stammwählerschaft durchsetzen. Die Parallele zum Krieg in der Ukraine und den von der Ampel-Koalition beschlossenen Waffenlieferungen an die Ukraine liegt auf der Hand.

Zweite Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die 1998 ins Amt gewählte rotgrüne Bundesregierung musste 2001 eine sozial schmerzhafte, aber wirtschaftspolitisch wirkungsvolle Agenda-2010 in Gang setzen, die doe Wirtschaft belebte, aber auch die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse steigen ließ und längerfristig viele linke Sozialdemokraten in die Linkspartei trieb, allen voran der 1999 zurückgetretene SPD-Chef und Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine.

Wirtschafts- und finanzpolitisch geben die Regierungschefs der Europäischen Union im Mai 1998 mit der Gründung der Europäischen Zentralbank mit Sitz in Frankfurt am Main den Startschuss zur Einführung des Zahlungsmittels Euros am 1. Januar 2002. Zum ersten Präsidenten der EZB wählen sie den Niederländer Wim Deusenberg.

Auch in Mülheim wurden vor 25 Jahren wichtige politische Weichen gestellt. Wie heute, gab es damals eine schwarzgrüne Ratsmehrheit. Anders, als heute, war es damals die bundesweit erste schwarzgrüne Zusammenarbeit, die 1998, unter der Führung des CDU-Oberbürgermeister Hans-Georg Specht und des Grünen Bürgermeisters, Dr. Wilhelm Knabe in ihr viertes Jahr ging.

Die Schließung des 1912 von der Familie Thyssen gestifteten Stadtbades an der Ruhrpromenade und die Eröffnung des für 250 Millionen D-Mark gebauten Ruhrbahntunnels, durch den bis heute die Straßenbahnlinien 102 und 901 die Ruhr auf gut zwei Kilometern unterqueren beherrschten 1998 ebenso die lokalen Schlagzeilen, wie die zunehmenden Ladenleerstände in der City und die Neupflasterung der seit 1974 fußläufigen Schloßstraße.

Nicht nur im Einzelhandel, sondern auch bei der Mülheimer WAZ, die am 3. April 1998 ihr 50-jähriges Erscheinen feiern konnte, war Online vor 25 Jahren noch kein Thema. Zum Thema wurde 1998 dagegen die Fertigstellung des ersten Blockheizkraftwerkes in Broich durch die mit einer Fusion der Rheinischen Energie- und der Mülheimer Fernwärmegesellschaft neugebildeten und von Hans-Gerd Bachmann geführten Mülheimer Energiedienstleistungsgesellschaft Medl. Apropos Einzelhandel: Das damals vom Centermanager, Werner Rück, geführte Rhein-Ruhr-Zentrum, schenkt sich im Dezember 1998 zu seinem 25. Geburtstag die Eröffnung des Festivalgardens, in dem man nicht nur Gastronomie, sondern auch ein Multplex-Kino und eine Bowlingbahn findet.

Für Aufregung in seiner eigenen Partei sorgte am Volkstrauertag 1998 der christdemokratische Oberbürgermeister Hans-Georg Specht für Wirbel, als er aus gesundheitlichen Gründen seine Kandidatur für die erste OB-Direktwahl 1999 zurückzog. Lange standen die Christdemokraten jetzt ohne OB-Kandidat da, während die Sozialdemokraten mit ihrem Parteichef, Ratsmitglied und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Thomas Schröer bereits im Vorjahr ihren Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt nominiert hatten.

Doch die CDU hatte Glück im Unglück, weil sich ihr Parteimitglied Jens Baganz, das bisher kommunalpolitisch nicht in Erscheinung getreten war als Ersatzkandidat ins Gespräch brachte. Der damals 38-jährige bei der Veba tätige Jurist, der biher nur als Presbyter in der Evangelischen Kirchengemeinde Holthausen öffentlich in Erscheinung getreten war konnte als politischer Quereinsteiger nicht nur die CDU-Basis, sondern auch, dank eines vom CDU-Parteigeschäftsführer Stefan Zowislo, geschickt gemanagten Wahlkampfes, eine knappe Mehrheit der Mülheimer Wählerinnen und Wähler von sich überzeugen. Kuriosität Nummer 2: Am Wahltag wurde zunächst der Sozialdemokrat Thomas Schröer mit einem Stimmenvorsprung von 33 Stimmen zum neuen Oberbürgermeister ausgerufen. Doch eine Nachzählung ergab einen Wahlsieg von Jens Baganz, mit einem Vorsprung von 58 Stimmen.

Fußballfans verbinden das Jahr 1998 vor allem mit der Fußballweltmeisterschaft in Frankreich. Während die Gastgeber vor 25 Jahren mit einem 3:0-Finalsieg über Brasilien ihren ersten WM-Titel gewannen, platzten die Titelträume der damals von Berti Vogts trainierten deutschen Nationalmannschaft nach einer 0:3-Niederlage gegen Kroatien.

Schlimmer als das frühe WM-Aus war aber das Unglück, das sechs gewalttätige deutsche Fußballfans am Rande des WM-Spiels Deutschland-Jugoslawien am 21. Juni 1998 in Lens über den damals 43-jährigen Polizeibeamten und Familienvater Daniel Nivel brachten. Sie griffen ihn brutal an und verletzten ihn so schwer, das Nivel eine Schädelfraktur erlitt und ins Koma fiel. Er überlebte schwer gezeichnet. Bis heute sitzt er, halbseitig gelähmt und auf einem Auge blind im Rollstuhl. Die Täter wurden von eutschen und französischen Gerichten wegen Mordversuchs und schwerer Körperverletzung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Derweil sorgten zahlreiche Spenden aus Deutschland und Frankreich zumindest für eine finanzielle Unterstützung der schwer geschädigten Familie Nivel. 

Positive Sportschlagzeilen machten im Mülheim des Jahres 1998 der 100. Geburtstag des TSV Viktoria, der damals aus 3700 Mitgliedern bestand, die in 12 Abteilungen sportlich aktiv waren. Sportlich aktiv waren am 1. Juni 1998 auch die Jockeys und Pferde, die beim damals beim 140. Derby um den Preis der Diana auf der 1910 am Raffelberg eröffneten Rennbahn am Raffelberg an den Start gingen. Einer familienfreundlichen Tradition folgend, hatten Frauen und Kinder, auch bei diesem pferdesportlichen Topereignis am Raffelberg freien Eintritt.

Drei Wochen nach dem Preis der Diana feierte die 1898 aus als Selbsthilfe aus dem Evangelischen Arbeiter- Bürgerverein hervorgegangene Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft MWB mit ihren Gästen in der Stadthalle ihren 100. Geburtstag. Bis heute gehört die von rund 10.000 Genossen getragene MWB mit 5000 Mietwohnungen zu den größten Wohnungsanbietern der Stadt. Damals wie heute verbindet die Genossenschaft soziales und wirtschaftliches Engagement. Davon zeugen generationsübergreifende Gemeinschaftswohnprojekte, Wohnungstauschaktionen und Arbeitsbeschaffungsprojekte für arbeitslose Jugendliche.

Positive Schlagzeilen produzierte die Mülheimer Wirtschaft, unter Mitwirkung der MWB, 1998 durch die finanzielle Unterstützung der damals notwendigen Modernisierung des Theatersaals der Stadthalle und durch die Eröffnung des Hauses der Mülheimer Wirtschaft an der Friedrichstraße. Während die Mülheimer Wirtschaft 2005 in die von der MWB umgebaute ehemalige Thyssenzentrale an der Wiesenstraße umziehen sollte, wird das ehemalige Haus der Mülheimer Wirtschaft heute von einem Moscheeverein als Gemeindezentrum genutzt, das, jeweils am Tag der Deutschen Einheit, der auch Tag der offenen Moschee ist, interessierten Gästen aller Konfessionen offensteht. Die wahrscheinlich wichtigste Mülheimer Wirtschaftsnachricht des Jahres 1998 war die Übernahme des amerikanischen Kraftwerkhersteller Westinghouse durch die seit 1969 in Mülheim ansässige Siemens-Kraftwerkunion. Vom deutschen Atomausstieg war 1998 schon die Rede. Doch dessen endgültiger Vollzug, sollte, wie wir heute wissen, noch 25 Jahre auf sich warten lassen.

Noch einmal zurück in den schon angesprochenen Theatersaal der 1926 eröffneten und 1957 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss wiedereröffneten Stadthalle. Dort ging 1998 mit insgesamt 300 Sängerinnen und Sängern das Jubiläumskonzert des 1948 gegründeten Mülheimer Sängerkreises und mit 13 Aufführungen und insgesamt 4300 Zuschauerinnen und Zuschauern die damals 25. Mülheimer Theatertage über die Bühne. Bei den Mülheimer Theatertagen wird seit 1976 die beste aktuelle Theaterproduktion aus dem deutschsprachigen Raum mit dem Dramatiker Preis ausgezeichnet. 1998 ausgezeichnet wurde 1998 unter anderem auch der künstlerische Leiter des seit 1981 in Mülheim ansässigen und international renommierten Theaters an der Ruhr, Roberto Ciulli. Er konnte sich ebenso, wie der Mülheimer Heimatforscher Heinz Hohensee und die Gründerin der seit 1992 aktiven Mülheimer Tschernobyl-Initiative, Dagmar van Emmerich, über die Verleihung des Rheinlandtalers des Landschaftsverbandes Rheinland freuen. Während sich Hohensee um die Mülheimer Stadtgeschichtsschreibung und die Betreuung des Heimatmuseums im Tersteegenhaus verdient gemacht hat, verbindet sich der Name Dagmar von Emmerichs mit der humanitären Hilfe für die Menschen, die in Weißrussland bis heute unter den Folgen des 1986 explodierten Atomreaktors in Tschernobyl zu leiden haben.

Besonders freuen können sich die heute im Selbecker Golfclub tagenden Rotarier aus dem Club Uhlenhorst über die Ergebnisse ihrer Unterstützung eines Schulgartenprojekts der Astrid-Lindgren-Grundschule an der Mellinghofer Straße. Da passt es gut, dass deren Schulgebäude ebenso 1998 bezogen werden konnte, wie die ehemaligen Hauptschulgebäude am Springweg. Dort konnte die damals von Wilhelm Schröder geleitete Wilhelm-Busch-Schule einziehen. Unter anderem mit einer Schülerfirma sorgten Schröder und sein Kollegium dafür, dass die zuvor am Wenderfeld ansässige Dümptener Förderschule ihrem Namen auch mit Blick auf die praktische Berufsvorbereitung gerecht werden konnte.

Sonntag, 6. August 2023

Besuch auf der Schleuseninsel

 „Ihr fachliches und pädagogisches Engagement hat uns ebenso beeindruckt wie Ihre starke Identifikation mit der Schleuseninsel“, lobte Bürgermeister Markus Püll beim Ortstermin der CDU-Fraktion die Mitarbeiterinnen des 1992 eröffneten und zur Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft gehörenden Hauses Ruhrnatur. 

Christa Schragmann und Susanne Krohn konnten den Fraktionsmitgliedern von 300 Schülergruppen und insgesamt 30.000 Besuchern berichten, die sich im Haus Ruhrnatur von ihnen in Sachen Ruhrfauna und Ruhrflora schlau machen ließen. Ein Gang durch die anschauliche und interaktive Ausstellung des auch auf der Ruhr-Top-Card gelisteten Hauses Ruhrnatur, dass man sich dort auch ein Bild vom Klimawandel von den erneuerbaren Energieträgern Wasser, Sonne und Wind machen kann. Auch von den Renaturierungsmaßnahmen an der Ruhr und der wieder zunehmenden Artenvielfalt in der Ruhr machten sich die Christdemokraten mithilfe der kompetenten Führung ein Bild.

Baujahr 1927

Bei ihrer zweiten Etappe fokussierten sich die Fraktionsmitglieder auf den 1927 eröffneten und seit dem Ruhrhochwasser im Juli 2021 stillgelegten Wasserbahnhof. Baudezernent Felix Blasch zeigte sich mit der Fraktion einig, dass eine zeitnahe Wiederbelebung des Wasserbahnhofes im öffentlichen Interesse wäre. „Wir sind mit dem Eigentümer Conle in Verbindung und haben bei ihm auch einen Grünschnitt des Geländes angemahnt. Zurzeit prüfen die Conle-Architekten Nutzungsoptionen, die in Richtung Gastronomie und Veranstaltungsort gehen. Eine Nutzung als Wohnimmobilie ist nicht geplant. Doch die Hochwasserschäden führen dazu, dass das Gebäude von Grund auf saniert werden muss“, beschrieb Blasch den Stand der Dinge. „Für den Wasserbahnhof bräuchten wir einen gastronomischen Investor mit viel Geld und Herzblut“, sagte CDU-Ratsmitglied Henner Tilgner.

Preiswertes Grün

Neue blühende Landschaften zwischen dem Wasserbahnhof und dem Platz der Deutschen Einheit waren das Thema der dritten Etappe auf der Schleuseninsel. „Durch die Einstellung der Wechselbepflanzung sparen wir jährlich 43.000 Euro ein, die wir jetzt in die Grünpflege der städtischen Friedhöfe investieren können,“ schilderte Felix Blasch die Ausgangslage. Der stellvertretende Leiter des städtischen Grünflächenmanagements, Jochen Schwatlo, stellte eine deutlich kostengünstigere Staudenbepflanzung vor, die mit einer Investition von 70.000 Euro bis zur Internationalen Gartenausstellung 2027 durch Spenden aus der Bürgerschaft und mithilfe der Verfügungsmittlel des Stadtbezirks Rechtsruhr-Süd finanziert werden könnte, Das Projekt steht am 21. August auf der Tagesordnung der zuständigen Bezirksvertretung 1.


Haus Ruhrnatur & Mülheimer CDU-Fraktion

Dienstag, 1. August 2023

Baustelle Schule

„Wir haben heute mehr als nur einen Überblick erhalten, warum und wie 27,1 Millionen Euro hier im Schulzentrum Broich und damit in unsere Zukunft des Bildungsstandortes Mülheim investiert worden sind“, resümierte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Heiko Hendriks, nachdem sich seine Fraktionskollegen und er bei einer 90-minütigen Führung ein Bild von der Schulbaustelle zwischen Ritter- und Holzstraße gemacht hatten.

Die zuständige Projektleiterin beim Immobilienservice, Carolina Ramos und ihr Kollege Udo Kraft übernahmen die Präsentation der bautechnischen Details. Mit von der Partie waren bei der Sommerferientour der CDU-Fraktion auch Schuldezernent David Lüngen und die Leiterin des städtischen Immobilienservice, Susanne Ehmanns.


Die Chefin des Immobilienservice, Susanne Ehmanns, geht davon aus, „dass alle Bauarbeiten im und am Schulzentrum Broich in den Sommerferien 2024 abgeschlossen sein werden.“


Projektleiterin Ramos teilte den christdemokratischen Kommunalpolitikern mit, „dass wir im Gymnasium Broich jetzt mit unseren Bauarbeiten durch sind und nur noch an der Realschule Broich arbeiten müssen.“ Nach ihren Angaben werden beide Schulen zurzeit von insgesamt 2000 Mädchen und Jungen besucht und nutzen dabei eine Grundfläche von insgesamt rund 12.000 Quadratmetern.


 „Das Gymnasium Broich war Mitte der 1960er Jahre das erste koedukative Gymnasium Mülheims“, erinnerte sich die stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Heidelore Paschmann an ihre Schulzeit, die sie 1968 mit dem Abitur am Gymnasium Broich abgeschlossen hatte. Auch Heiko Hendriks und sein Fraktionskollege Patrick Helmchen outeten sich beim Baustellenrundgang als ehemalige Schüler des Gymnasiums Broich. „Die Bedeutung des Schulstandortes zeigt sich auch darin, dass wir hier das einzige Gymnasium und die einzige Realschule links der Ruhr haben“, unterstrich Heiko Hendriks. 


Nicht nur er bedauerte es angesichts wieder steigender Schülerzahlen, „dass wir uns als CDU-Fraktion nicht mit dem Vorschlag durchsetzen konnten, an den dafür geeigneten Stellen noch eine Etage draufzusetzen und damit einer suboptimalen Nutzung von Schulcontainern vorzubeugen.“ Beeindruckt zeigten sich die Baustellenbesucher aus der CDU-Fraktion von der gelungenen Gestaltung des Schulinnenhofes, von der modernen technischen Ausstattung der naturwissenschaftlichen Fachräume und von einer Photovoltaikfassade, die IS-Mitarbeiter Udo Kraft vorstellte, nicht ohne den wichtigen Hinweis auf das dankenswerte Sponsoring der Westenergie AG. Mit Blick auf die voranschreitende Digitalisierung des Schulalltags stellte Bildungsdezernent David Lüngen fest: „Wir können inzwischen immer mehr Schülerinnen und Schüler mit Tablet-PCs ausstatten, haben aber aufgrund der kommunalen Finanzsituation noch keine flächendeckende Bereitstellung von Schüler-Ipads realisieren können.“


Gymnasium Broich & Realschule Broich & CDU-Fraktion



 1929 als Gasbehälter errichtet, dient der 117 Meter hohe Gasometer in Oberhausen seit 30 Jahren als extravaganter Ausstellungsraum. Dieser ...